Neuer Chef für Merkur Group: Paul Gauselmann tritt nach 67 Jahren ab
Paul Gauselmann
Foto: Christian Protte für WirtschaftsWoche67 Jahre war er Chef des Spielautomatenimperiums, jetzt ist mit 90 Jahren Schluss: Paul Gauselmann gibt seinen Posten an der Spitze der Merkur Group zum 1. Oktober auf, wie die WirtschaftsWoche exklusiv berichtet. Der Glücksspielkonzern bekommt damit zum ersten Mal in seiner Geschichte einen neuen Vorstandschef. Gauselmanns Nachfolger ist der bisherige Finanzvorstand Lars Felderhoff, 48. Felderhoff sei eine „exzellente Führungspersönlichkeit, die das Unternehmen in- und auswendig kennt“, sagt Paul Gauselmann über seinen Nachfolger.
Künftig sitzt kein Familienmitglied mehr im Vorstand. Armin Gauselmann, der einzige Sohn von Paul Gauselmann, der zuletzt noch dem Gremium angehörte, ist aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden. Sohn Michael, 68, übernimmt den Vorsitz des Aufsichtsrats und der Familienstiftung, die alle Anteile an der Unternehmensgruppe hält.
Vom Tüftler zum Chef eines Milliardenkonzerns
Ursprünglich wollte der Patriarch selbst in den Aufsichtsrat wechseln. Rund um seinen 90. Geburtstag Ende August änderte er seine Meinung jedoch. Nun legt er alle Ämter nieder. „Das Sagen in der Firma wird zwar nicht mehr juristisch das gleiche sein, aber als Gründer und Mitstifter wird meine Stimme immer noch Gewicht haben“, sagt er im Gespräch mit der WirtschaftsWoche.
Der gelernte Fernmelderevisor aus einem Dorf bei Münster tüftelte in den 1950er-Jahren an Musikboxen, aus dieser Nebentätigkeit entstand das Unternehmen. Die Merkur Group macht heute mit mehr als 200 Firmen und Beteiligungen weltweit rund vier Milliarden Euro Jahresumsatz. Merkur ist die bekannteste Marke. Der Konzern betreibt unter anderem Spielbanken, Automaten, Onlineglücksspiel und Sportwetten. 2023 hatte sich die Gauselmann Gruppe in Merkur Group umbenannt. Der wichtigste Markt ist England.
Gauselmann hat in Interviews die Suchtgefahr des Glücksspiels immer wieder relativiert. „Solange etwas geduldet wird, ist es nicht illegal“, sagte er jüngst im „Tagesspiegel“. Gauselmann setzt auf die Eigenverantwortung der Spieler. Menschen, die zu viel spielten und sich nicht sperren ließen, seien selbst schuld. Als Angestellter einer Spielbank sei es sehr schwierig zu beurteilen, ob jemand übertreibe und suchtgefährdet sei – und gesperrt werden sollte.
Personell beginnt am Merkur-Firmensitz im ostwestfälischen Espelkamp nun eine neue Ära. „Die Herausforderung ist riesig und natürlich werden wir eine Unternehmerpersönlichkeit wie Paul Gauselmann nicht eins zu eins ersetzen können“, sagt Lars Felderhoff. Aber das Unternehmen sei „robust und agil genug, um auch zukünftig Maßstäbe zu setzen“. Ihm zur Seite stehen die stellvertretenden Vorstandssprecher Jürgen Stühmeyer und Manfred Stoffers.
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