Quartalszahlen: „Viele große Pharmakonzerne wären stolz auf die Biontech-Pipeline“
Die Biontech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci investieren massiv in die Forschung.
Foto: imago imagesNoch müssen es die Corona-Impfstoffe richten. Vor allem die an neue Corona-Varianten angepassten Impfstoffe sorgen bei Biontech noch einmal für einen Umsatzschub. Im laufenden Jahr rechnet das Mainzer Biotech-Unternehmen mit Erlösen zwischen 2,5 und 3,1 Milliarden Euro. Wobei Biontech, wie der Konzern bei der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal einräumte, wohl eher das untere Ende der Spanne erreichen wird.
Bald aber will die Truppe um das Gründerpaar Özlem Türeci und Ugur Sahin vor allem mit neuen Krebsmedikamenten punkten, dafür haben sie Biontech schließlich vor mehr als fünfzehn Jahren gegründet. 2026 soll das erste Präparat auf den Markt kommen, danach will Biontech jedes Jahr nachlegen.
Fast 18 Milliarden auf der hohen Kante
Mehr als zwanzig Projekte und Studien laufen bereits. Gegen zahlreiche Indikationen hat Biontech Medikamente in der Entwicklung, gegen Brust- und Darm-, gegen Haut-, Lungen- oder Harnblasenkrebs. „Viele große Pharmakonzerne wären stolz auf diese Pipeline“, sagt Markus Manns, Fondsmanager bei Union Investment.
An Geld für die Entwicklung mangelt es nicht. Dank seiner Corona-Impfstoffe hat Biontech 17,8 Milliarden Euro auf der hohen Kante. „Das ist ein sehr komfortables Polster“, sagt Fondsmanager Manns. Im Gegensatz zu anderen Pharmakonzernen macht Biontech allerdings noch keine Gewinne, sondern schreibt aufgrund seiner hohen Entwicklungskosten Verluste. In den ersten neun Monaten dieses Jahres waren es knapp 925 Millionen Euro. Für Biontech-Chef Ugur Sahin sind das Investitionen in die Zukunft.
Angepasst an das persönliche Krebsprofil
Welche Medikamente als erste das Rennen machen werden, ist noch nicht abzusehen. Bei mehreren Therapien meldete Biontech zuletzt Fortschritte in der Entwicklung. Relativ weit sind Medikamente gegen Brust- und Lungenkrebs. Gegen schwarzen Hautkrebs sowie Darm- und Harnblasenkrebs sind personalisierte Therapien, die an das persönliche Krebsprofil angepasst werden, in der Erprobung. Ein sogenanntes Antikörper-Konjugat, eine Art zielgerichtete Chemotherapie, könnte ebenfalls zu den ersten Krebsmedikamenten von Biontech gehören. Gerade in diesem Feld haben andere Unternehmen allerdings schon vorgelegt: So haben die britische AstraZeneca und die japanische Daiichi Sankyo bereits das Mittel Enhertu auf den Markt gebracht, das unter anderem gegen bestimmte Formen von Brustkrebs wirkt und dem Analysten hohe Milliardenumsätze zutrauen.
„Sicherlich werden nicht alle Krebsmedikamente von Biontech funktionieren“, sagt Investor Manns, „aber bei über zwanzig Studien und Ansätzen ist die Wahrscheinlichkeit schon sehr groß, dass einige das Rennen machen und das Leben von Millionen Patientinnen und Patienten verbessern können.“
Nach Bekanntgabe der Zahlen stieg die Biotech-Aktie um etwa drei Prozent.
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