30 bis 2030 | Maximilian Oehl: Der Über-Parteiliche
Maximilian Oehl
Foto: Maximilian Goedecke„Ich erinnere mich sehr gut an diese eine Frage eines Bundestagsabgeordneten. Für mich wirkte sie wie eine Initialzündung. Denn in Wahrheit war es gar keine Frage, sondern ein Frustausbruch: Was bringt mir der Erfolg von Fridays for Future hier im Parlament?! Er hatte das ungute Gefühl, dass sich die Kraft dieser Bewegung nicht in politische Veränderungsmacht würde übersetzen lassen. Und er hatte meines Erachtens einen wichtigen Punkt getroffen – damals wie heute: Die Kluft, die sich zwischen den Parteien und der Zivilgesellschaft auftut, hindert unseren Fortschritt.
Aus diesem Impuls heraus haben wir Brand New Bundestag entwickelt: ein überparteiliches Mentoring- und Coaching-Projekt, das den Anspruch hat, den parlamentarischen Betrieb von innen heraus zu verändern. Wählen gehen reicht nicht – wir müssen uns mit denjenigen befassen, die wir wählen können. So lautet unser Ansatz.
Meine Überzeugung dabei: Wir brauchen eine neue Generation von Politikerinnen und Politikern, die mutig sind, innovativ – und den Bundestag in einen Thinktank für Debatten und bessere Strategien verwandeln.
Die etablierten Rekrutierungswege für Abgeordnete bringen leider genau diese Persönlichkeiten viel zu selten nach vorne. Parteien suchen quasi keine Disruptoren, keine Vordenker. Das muss anders werden. Und dabei helfen wir mit voller Kraft.
Sind wir schon da, wo wir sein wollen? Natürlich nicht. Aber die Richtung, in die wir mit Brand New Bundestag steuern, stimmt mich sehr zuversichtlich. Die Kandidatinnen und Kandidaten, die wir 2021 erstmals in den Bundestag begleiten konnten, haben sich schnell zu prägenden Köpfen ihrer Fraktion entwickelt.
Mit Initiativen zur Gaspreisbremse oder mit der Striesener Erklärung nach dem Angriff auf den EU-Parlamentarier Matthias Ecke haben wir zeigen können, wie groß die Potenziale für eine zukunftsorientierte Verständigung auch über Parteigrenzen hinweg sind.
Unsere Demokratie steht unter immensem Druck. Die große Gereiztheit ist überall spürbar. Umso relevanter empfinde ich unsere Arbeit. Politik, die in alten Ritualen verhaftet bleibt, verliert den Anschluss an die Gesellschaft, die sie repräsentieren soll. Hier wollen wir helfen, Verkrustungen aufzubrechen, damit Platz für etwas Besseres geschaffen wird.
Ich hege die große Hoffnung, dass auch unsere neuen Kandidierenden, die wir gerade auswählen und bald in ihrem Wahlkampf bis zum 23. Februar begleiten werden, diesen Anspruch erfüllen können. Sie kommen aus der SPD, von den Grünen, der Union, einige auch aus der FDP und der Linkspartei.
Wir unterstützen sie dabei, innerparteiliche Netzwerke zu knüpfen, Social Media effektiver zu nutzen, wir bieten aber auch Resilienz-Workshops an, trainieren den öffentlichen Auftritt. Und ja, leider, auch der Umgang mit Hass und Hetze gehört mittlerweile dazu.
Ich habe auch schon darüber nachgedacht, selbst in die Politik zu gehen und so meinen Beitrag zu leisten. Ich bin froh, mich stattdessen erstmal für den Aufbau von Brand New Bundestag engagiert zu haben – es ist großartig zu sehen, was wir bereits alles erreicht haben und wie viele Menschen von der Organisation profitieren. Ein politisches Mandat ausschließen würde ich aber nicht – sag niemals nie.“
Erstmals kürt die WirtschaftsWoche 30 Köpfe aus Deutschland, die unser Land bis Ende dieses Jahrzehnts prägen, verändern und nach vorn bringen werden. Denn es gibt viele Menschen und Projekte, die Mut machen. Eine Übersicht aller Preisträger finden Sie hier