Fachkräfte-Nachwuchs: Jetzt trifft die Flaute auch die Ausbildungsplätze
Fachkräfte gesucht – doch zugleich nimmt das Angebot an Ausbildungsplätzen und die Zahl neuer Lehrverträge ab.
Foto: imago imagesBeim Fachkräftenachwuchs in Deutschland gibt es in diesem Jahr erstmals seit der Coronapandemie wieder einen Rückgang. Das Angebot an Ausbildungsplätzen und die Zahl neuer Lehrverträge sei zurückgegangen, teilte das Bundesinstitut für Berufsbildung am Donnerstag mit. Die Nachfrage nach Lehrstellen habe indes zugenommen. Bis zum Stichtag 30. September seien 486.700 duale Ausbildungsverträge neu abgeschlossen worden. Das seien 2500 oder 0,5 Prozent weniger als im Vorjahr.
Bei den Industrie- und Handelskammern fiel der Rückgang mit 1,6 Prozent höher aus. „Positiv zu verzeichnen ist, dass die Nachfrage der Jugendlichen und jungen Erwachsenen nach einer dualen Berufsausbildung weiter steigt“, erklärte BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser. Die konjunkturelle Schwäche greife aber anscheinend auf den Ausbildungsmarkt über. Die Potenziale zur Fachkräftesicherung würden daher nicht ausgeschöpft.
Fast 70.000 Ausbildungsplätze besetzt
Wie im Vorjahr stieg demnach auch 2024 die Nachfrage der Jugendlichen nach einer dualen Berufsausbildung, und zwar um 4200 auf 557.100. Das Angebot an Ausbildungsstellen nahm jedoch um 6500 auf 556.100 ab. Trotzdem blieben 69.400 Stellen unbesetzt. Gleichzeitig hatten 70.400 junge Menschen zum Stichtag 30. September noch keinen Ausbildungsplatz. Vor allem in der Industrie schlügen die globalen Herausforderungen am ehesten durch, erklärte die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK).
Zudem gebe es erhebliche berufliche, regionale und qualifikatorische Unterschiede zwischen Angebot und Nachfrage: „Um Fachkräfte zu sichern, sollten die Mismatch-Probleme angegangen werden, etwa durch Angebote wie ein vergünstigtes Deutschlandticket für Azubis, eine offene und individuelle Berufsorientierung mithilfe von Jugendberufsagenturen und einer Stärkung der Ausbildungsreife.“
Der Zentralverband des Handwerks (ZDH) erklärte, dass rund 19.000 Ausbildungsplätze unbesetzt seien. „Das sind 19.000 von den Betrieben angebotene, aber dann nicht genutzte Chancen für einen Start in eine handwerkliche Bildungskarriere“, sagte ZDH-Präsident Jörg Dittrich. Er forderte von der künftigen Bundesregierung eine „Bildungswende“ mit einer gesetzlichen Verankerung der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Berufsorientierung müsse fester Bestandteil der Lehrpläne aller Schulen werden.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sprach von einem Alarmzeichen. Mit dem Rückgang in diesem Jahr „vergrößert sich die Lücke zur Zeit vor der Coronapandemie auf 38.000 Ausbildungsplätze“, erklärte DGB-Vizechefin Elke Hannack. Insgesamt hätten fast 2,9 Millionen junge Menschen im Alter von 25 bis 34 Jahren keine abgeschlossene Ausbildung.
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