Geldanlage 2025: Das Geheimnis erfolgreichen Investierens
Frankfurt/Main: Akteinhändler arbeiten im Handelsraum der Deutschen Börse.
Foto: Boris Roessler/dpaEin immer wiederkehrendes Thema in den Wirtschaftsmedien zum Jahreswechsel: Was bringt das neue Jahr für Investoren? Welche Assetklassen, welche Aktien versprechen die besten Renditen? Börsenbriefe erklären, was man kaufen sollte. Viele Artikel werden geschrieben, um nun für 2025 vorauszusagen, was nicht vorhersehbar ist. Zahllose Coaches trommeln für ihre angebliche Expertise in den sozialen Medien und stehen bereit, uns Binsenweisheiten und Nonsens teuer zu verkaufen.
Eine Möglichkeit wäre, darauf zu vertrauen, dass sich die Börsentrends des vergangenen Jahres fortsetzen. Das kann durchaus funktionieren. Ein Unternehmen wie Palantir, das Anfang 2024 an der Börse zum 15-fachen Umsatz und heute zum 65-fachen Umsatz des laufenden Jahres gehandelt wird, kann im kommenden Jahr mit dem 100-fachen Umsatz bewertet sein. Ein Aktienkurs, der sich bereits außerhalb allgemeiner Bewertungsregeln bewegt, kann sich zweifellos noch weiter davon entfernen.
Für den Börsenerfolg solle man sich einfach mit Gewinnertypen umgeben, las ich kürzlich, und auch das kann zum Ziel führen. Es ist wohl eine Frage der Persönlichkeit, ob man daraus die richtigen Schlüsse zieht. Zur verhaltensorientierten Finanzwissenschaft ist viel geschrieben worden. Jemand wie Frank Thelen würde daraus vielleicht ableiten, sich an seinen Bürowänden großformatige Spiegel zu installieren. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass Investoren gerne die wichtigste Lektion übersehen: An allererster Stelle ist darauf zu achten, große Fehler zu vermeiden.
Keks-Rakete statt Milchpulver
Vor 20 Jahren in die Nahrungsmittelversorgung zu investieren und sich für einen Schweizer Großkonzern statt eine belgische Keksfabrik entschieden zu haben, war ein teurer Fehler. 580 Prozent Total Return bei Nestlé sind zweifellos gut, verblassen aber gegen die 14.000 Prozent, die man mit Lotus Bakeries hätte erzielen können.
Werden Privatinvestoren mit einem gewissen Erfahrungshorizont nach ihren größten Fehlern befragt, wird sicher häufig als Antwort kommen, diese oder jene Aktie „damals“ nicht gekauft zu haben. Entgangene, exorbitante Gewinne sind zweifellos schmerzhaft. Aber die größten Fehlerquellen liegen anderswo – dort, wo es darum geht, absehbaren Verlusten aus dem Weg zu gehen. Denn: Geld, das weg ist, mit einer kapitalen Fehlentscheidung verbrannt wurde, kann ich nicht mehr für den weiteren Vermögensaufbau nutzen. Und es ist einfacher, diese Art von Fehlern zu vermeiden, statt das nächste Unternehmen entdecken zu wollen, dessen Aktienkurs sich verhundertfachen wird.
Die Wahrscheinlichkeit, hierbei Erfolg zu haben, ist verschwindend gering. Erfolgreiche Geldanlage ist kein geradliniger Weg, sie gleicht eher einem Hürdenlauf. Man benötigt eine Strategie, Ausdauer, die richtige Technik und muss außerdem verschiedene Hindernisse meistern, die in der eigenen Psyche begründet sind und uns durch den Medienkonsum in den Weg gestellt werden.
Der möglicherweise größte und teuerste Fehler, den Investoren machen: auf unseriöse Renditeversprechen hereinzufallen. Unwissenheit und Gier sind hierbei zwei Probleme, an deren Lösung wir ganz unterschiedlich herangehen müssen. Wer sich aber einmal mit der so genannten „risikolosen Rendite“, deren Herleitung und Aussagekraft befasst hat, wird sich vom Versprechen einer sicheren Geldanlage mit neun Prozent Zinsen wohl nicht mehr so einfach blenden lassen.
Risiken werden kleingeredet
Auch was Börsenzeitschriften oder soziale Medien an derartigen Tipps hervorbringen, ist oftmals schlicht irreführend. Da werden bei Aktien-, Staats- und Unternehmensanleihen Emittenten- und Währungsrisiken, Kursschwankungen oder fehlendes Tilgungsversprechen gerne kleingeredet oder ganz ausgeblendet. Wer seinen Lesern in Dollar notierende Unternehmensanleihen mit einer Laufzeit von zwölf Jahren als Festgeldalternative empfiehlt, handelt unverantwortlich. Die Wechselkurse sind nicht vorhersehbar, ebenso wenig die Unternehmensentwicklung auf lange Sicht, und auch die Leitzinsen sind ein großer Risikofaktor für den Anleihekurs.
„30% Gewinn in sechs Wochen“, plärrt es vom Titel einer Zeitschrift. Zu viele Anleger jagen solchen Versprechen hinterher. Die Wahrscheinlichkeit auf Erfüllung ist gering, im langfristigen Durchschnitt der Marktentwicklung sind 30 Prozent eher in fünf Jahren zu erzielen. Insbesondere unerfahrene Privatinvestoren wollen das nicht wahrhaben. Sie sehen die drastischen Kursanstiege der letzten Jahre in vielen Aktien als Normalität. Dass diese Zuwächse sehr häufig in Euphorie und Ausweitung der Bewertungskennziffern und nicht im Unternehmens- und Gewinnwachstum begründet waren, wird übersehen.
Vor zwei Jahren notierte etwa die Aktie von Tesla bei 140 Dollar. Für 2025 sagten die Analystenschätzungen damals einen Gewinn von durchschnittlich 8,50 Dollar pro Aktie voraus. Heute liegen die Gewinnschätzungen fürs kommende Jahr 60 Prozent tiefer, die Aktie notiert aber 200 Prozent höher. In einem Bullenmarkt hält sich jeder, der diese Aktie im Portfolio hat, für ein Genie. Zu bedenken ist, dass diese Kurszuwächse am Ende vom Unternehmen tatsächlich verdient werden müssen.
Es liegt in der Natur des Menschen, sich bevorzugt in einem Umfeld zu bewegen, das die eigenen Erkenntnisse und Fähigkeiten bei der Aktienauswahl bestätigt. Dabei wäre es wichtig, sich immer wieder aus der Komfortzone zu begeben, sich mit Kritik zu den eigenen Titeln im Portfolio und ihrer Bewertung auseinanderzusetzen. Wer sich nur mit Gleichgesinnten für seine Gewinne mit der Nvidia-Aktie gegenseitig auf die Schultern klopft, lernt nichts dazu.
Nichts dazugelernt
„Ich konnte nicht glauben, dass die Gerüchte wirklich wahr sind“, sagte Frank Thelen nach seinem Debakel mit der Wirecard-Aktie. Tatsächlich lagen detaillierte journalistische Recherchen vor, die die Vorwürfe längst aus dem Bereich der Spekulation herausgehoben hatten. Aber jeder Investor musste natürlich auch bereit sein, diese zur Kenntnis zu nehmen. Die Mindestanforderung wäre die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen.
Von der WirtschaftsWoche damals befragt, welche Lehren er als Anleger aus dem Debakel gezogen habe, sagte Thelen: „Gar keine, ich habe nichts daraus gelernt. Meine Prinzipien haben sich bestätigt.“ Mit dieser Einstellung ist ein Kontostand von Null absehbar, es sei denn, man verfügt über enorme finanzielle Ressourcen und wählt kleine Positionsgrößen.
So schwer es Investoren fällt, Kritik wahrzunehmen oder Gerüchte von Fakten zu unterscheiden: Die ungleich größere Herausforderung erscheint mir, die Schwätzer, die Egomanen, die Manipulierer und regelrechten Lügner von den ernsthaften und seriösen Unternehmern zu unterscheiden. Auch hier lauern teure Gefahren, wie 2024 wieder zeigt. Die „Börsen-Zeitung“ beklagte ausführlich die „Spezlwirtschaft“ beim Handelskonzern BayWa als Ursache der Krise, dabei hätte derselbe Text auch schon vor Jahren geschrieben werden können, als im Unternehmen noch alles in Ordnung schien. Aber kaum jemand war bereit, hinter die Fassade zu schauen. Ein Aufsichtsratsvorsitzender, der seit 40 Jahren in diesem Gremium sitzt, ist ein übergroßes Warnzeichen und lässt gute Corporate Governance mehr als fraglich erscheinen.
Die richtigen Informationsquellen nutzen
Vielleicht hätte hier ein aufmerksamer Besuch der Aktionärshauptversammlung Klarheit verschafft und die Investoren vor größeren Verlusten bewahrt. Als Mitglied der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz werbe ich immer wieder dafür, dass Aktionäre ihre Rechte in der Hauptversammlung wahrnehmen. Sie ist die wohl am meisten unterschätzte Informationsquelle, die viele Aktionäre durch ihre Abwesenheit ungenutzt lassen. Das gilt insbesondere für die vielen hundert kleineren Unternehmen außerhalb vom Dax, wo Kapitalmarktkommunikation und Öffentlichkeitsarbeit dürftig oder gar nicht vorhanden ist und kaum noch Medienberichterstattung stattfindet.
Sofern diese Versammlungen nicht im virtuellen Raum abgehalten werden, kann man hier in den direkten Kontakt mit Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern treten und auch mit anderen Teilnehmern ins Gespräch kommen, neue Erkenntnisse und Perspektiven gewinnen. Ich habe in diesem Jahr insgesamt 38 Hauptversammlungen besucht, 28 als Sprecher für die DSW. Einige davon hatten nur eine sehr geringe Teilnehmerzahl, waren aber im Inhalt ein solches Desaster, dass wohl jeder anwesende Aktionär sein Investment zu Recht infrage gestellt hat. Wer nicht dabei war, blieb uninformiert.
Beim Filmproduktionsunternehmen Wild Bunch AG erschien der zweiköpfige Vorstand nicht zur Hauptversammlung. Aktionäre stellten viele Fragen zur Geschäftsentwicklung, die ein Unternehmensvertreter nicht beantworten konnte oder wollte. 2023 fand gar keine Hauptversammlung statt. Jahresabschlüsse für 2022 und 2023, die der Hauptversammlung vorzulegen wären, gibt es nicht. Für Aktionäre sollten das Alarmzeichen sein, wie sie größer nicht sein könnten.
Halten Sie sich von Blendern fern
Wanja Oberhof wagte nach seinem Scheitern beim E-Commerce-Unternehmen The Social Chain AG einen Neustart mit der Beteiligungsgesellschaft Commertunity AG. Mit einer Tagesordnung, die sich fernab der rechtlichen Rahmenbedingungen des Aktiengesetzes bewegte, wurde die Hauptversammlung zu einem denkwürdigen Ereignis. Oberhof erschien zu spät, vom Aufsichtsrat war niemand anwesend. Teilnehmerfragen, die Oberhof nicht beantworten konnte oder wollte, führten letztlich zum Abbruch der Veranstaltung. Wer als Aktionär nicht dabei war, hat nichts davon erfahren und hofft hier womöglich weiter darauf, was ihm die Unternehmens-PR verspricht.
Was bleibt als Quintessenz für Anleger? Halten Sie sich von den Blendern fern. Das ist schwieriger, als viele glauben. Egal ob kleiner Privatanleger oder großer Profi-Investor: Viele überschätzen ihr eigenes Wissen und unterschätzen die Risiken. Wem das alles zu anstrengend ist, dem würde ich zu marktbreiten ETFs statt Einzelaktien raten.
Und noch ein allerletzter Rat zum Schluss: Was Wirtschaft und Börse betrifft, wird in der gesamten Medienlandschaft zu viel über Politik und zu wenig übers Management geredet. Das ewige Wiederkäuen der Fehler unserer politischen Eliten bringt viel Aufmerksamkeit. Aber was erfolgreiches Unternehmenswachstum angeht, wird der Einfluss der Politik über- und die Bedeutung hervorragender beziehungsweise schlechter Manager unterschätzt. Denken Sie nochmal an Belgien, seine Probleme und die belgische Keksfabrik.
Ich wünsche allen Lesern fröhliches Investieren und ein erfolgreiches 2025.
Lesen Sie auch: Wie erkenne ich betrügerische Investmentangebote?