Untergang von Finanzimperium: Bremer Greensill-Skandal: Staatsanwälte ermitteln gegen noch mehr Verdächtige
Die Staatsanwaltschaft Bremen hat ihre Ermittlungen zum Untergang der in Bremen angesiedelten Greensill Bank massiv ausgeweitet: Die Behörde führt inzwischen 13 Personen als Verdächtige. Das erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage der WirtschaftsWoche. Bisher waren nur Ermittlungen gegen fünf Personen bekannt, zu denen vor allem frühere Vorstände zählen.
Die Strafverfolger haben die Ermittlungen ausgeweitet, weil sie inzwischen auch analysieren, ob sich frühere Aufsichtsräte des Geldhauses strafbar gemacht haben könnten. Der Auslöser für die Untersuchungen zu den Ex-Kontrolleuren war eine Strafanzeige, die sich gegen das Aufsichtsgremium der Bank richtete, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft mit.
Die Ermittler prüfen nun etwa, inwiefern Aufsichtsräte daran beteiligt waren, die Lage der Bank zu schönen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem auch wegen dieses Verdachts gegen ehemalige Vorstände des Instituts. Frühere Aufsichtsräte und Vorstände der Greensill-Bank waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen oder wollten sich nicht äußern.
Ermittlungen zu Wirtschaftsprüfern dauern überraschend an
Die Greensill Bank war Teil des gleichnamigen Finanzimperiums des Australiers Alexander „Lex“ Greensill, das im Frühjahr 2021 kollabiert ist. Die Bremer Bank soll im großen Stil Rechnungen anderer Unternehmen aufgekauft haben, ohne nachweisen zu können, dass die Unternehmen diese bezahlen würden. Die Rechnungen der anderen Unternehmen waren der Bank über ihre in Großbritannien beheimatete Mutter, die Greensill-Gruppe, zugeführt worden. In den Jahren vor dem Untergang hatte dieses Geschäftsmodell dafür gesorgt, dass die Bremer Greensill Bank rasant gewachsen war.
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Neuigkeiten zur Aufarbeitung des Skandals kommen dieser Tage auch von anderer Stelle: Obwohl die Wirtschaftsprüferaufsicht Apas die Ermittlungen gegen die früheren Bilanzkontrolleure der Greensill Bank bis zum Jahresende 2024 abschließen wollte, dauern die Nachforschungen zur Arbeit von Wirtschaftsprüfern der Gesellschaft Ebner Stolz an, erfuhr die WirtschaftsWoche. Ein Sprecher der Aufsicht Apas begründete dies auf Anfrage mit „weiteren notwendig gewordenen Ermittlungsmaßnahmen in Folge neuer Erkenntnisse“. Der Sprecher präzisierte die neuen Erkenntnisse nicht. Er ergänzte, seine Behörde rechne mit einem Abschluss des Verfahrens im Laufe dieses Jahres.
Die Gesellschaft Ebner Stolz wollte sich zu den Aufsichts-Ermittlungen nicht äußern und begründete dies mit der „bestehenden gesetzlichen Verschwiegenheitspflicht“ von Wirtschaftsprüfern. Ein Ebner-Stolz-Sprecher ergänzte, das Unternehmen arbeite „konstruktiv“ mit „allen beteiligten Behörden im Rahmen des uns gesetzlich Möglichen“ zusammen.
Für Ebner Stolz sind die andauernden Untersuchungen bitter: Die Aufsicht Apas ermittelt auch gegen Mitarbeiter des Unternehmens, weil die Prüfer die Bilanz des ebenfalls insolventen Immobilienkonzerns Adler abgezeichnet hatten (mehr dazu erfahren Sie hier). Ebner Stolz war deshalb an einem raschen Ende der Greensill-Ermittlungen gelegen.
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