Handelskonzern: Verschwindet Metro von der Börse?
Die Investmentgesellschaft EP Global Commerce (EPGC) von Metro-Großaktionär Daniel Křetínský will den Handelskonzern von der Börse nehmen. Am Mittwochabend wurde bekannt, dass Metro und EPGC eine Delisting-Vereinbarung geschlossen haben. EPGC bietet demnach 5,33 Euro je Aktie, sowohl für Stammaktien als auch für Vorzüge.
Das sind rund 36 Prozent Aufschlag auf den Schlusskurs von Mittwoch und rund 24 Prozent Aufschlag auf den gewichteten Durchschnittskurs der vergangenen sechs Monate. Am Donnerstagvormittag sprang der Kurs der Metro-Aktie auf 5,36 Euro.
Křetínský hält über die von ihm kontrollierte Investmentgesellschaft 49,9 Prozent der Metro-Anteile. Die beiden anderen Ankeraktionäre des Konzerns, die Meridian Stiftung und die Beisheim Holding von Metro-Mitgründer Otto Beisheim, besitzen zusammen 24,99 Prozent. Der Rest, 25,2 Prozent der Aktien, befindet sich in Streubesitz. Meridian und Beisheim werden ihre Aktien nicht Křetínskýs Gesellschaft andienen. Stattdessen haben sie mit EPGC eine Gesellschaftervereinbarung geschlossen, die nach Vollzug des Börsenrückzugs, im Fachjargon Delisting genannt, wirksam werden soll.
Es ist nicht das erste Mal, dass Křetínský versucht, Metro zu übernehmen. Versuche in den Jahren 2019 und 2020 scheiterten. Dieses Mal hat der tschechische Millionär allerdings, anders als zuvor, die beiden weiteren Großaktionäre hinter sich. Auch der Metro-Vorstand ist an Bord, wird allerdings das Erwerbsangebot – wie üblich – erst prüfen. Der Preis von 5,33 Euro je Aktie reflektiere „nicht vollständig“ das „langfristige Wertpotenzial“ des Konzerns, heißt es in einer Mitteilung der Metro AG.
Schnäppchenjagd beim Einkaufen
Tatsächlich käme Křetínský mit seinem aktuellen Angebot günstig davon. 2020 hatte er noch 8,48 Euro je Aktie geboten. Ein Jahr zuvor bot er sogar 16 Euro je Anteilsschein. Damals lag der Aktienkurs allerdings deutlich höher als heute. 2017 wurde die damalige Metro Group in den Großhändler Metro AG und den Verbraucherelektronik-Spezialisten Ceconomy aufgespalten, beide kamen jeweils einzeln an die Börse. Die Metro-Aktie hat seitdem mehr als 70 Prozent an Wert verloren.
Das Geschäft des Lebensmittel-Großhändlers schwächelt seit längerem. Im Heimatmarkt Deutschland stagnierte der Umsatz zuletzt. Insgesamt konnte das international tätige Unternehmen seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2023/2024 leicht steigern, von knapp 30,6 auf 31 Milliarden Euro. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Unternehmen erneut ein Umsatzwachstum im einstelligen Bereich. Dabei helfen soll die Strategie sCore, die der Konzern seit rund drei Jahren verfolgt. Diese sieht unter anderem vor, die Belieferung des Großhandels auszubauen und im E-Commerce-Bereich zu wachsen. Eine Herausforderung bleibt nach Angaben des Unternehmens der Kostendruck.
Die Aussichten für die Metro haben sich zuletzt etwas aufgehellt. Auch aus diesem Grund hält die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) den von Křetínský gebotenen Preis für zu niedrig. „Das ist aus unserer Sicht zu wenig“, schrieb DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler am Donnerstag auf der Plattform X (früher Twitter). Langfristig orientierte Anleger erwarteten mehr „und trauen der Metro auch perspektivisch mehr zu“.
Bleiben oder gehen?
Sollten genug freie Aktionäre Kretinsky ihre Metro-Aktien andienen, stünde wohl ein Squeeze-out im Raum. Der Unternehmer könnte dann also die übrigen Minderheitsaktionäre gegen eine Barabfindung herausdrängen. Nach einem Delisting strebe EPGC „aktienrechtliche Strukturmaßnahmen“ an, heißt es in einer Mitteilung der Metro. Ein Squeeze-out wäre eine solche Maßnahme.
Metro-Aktionäre müssen vorerst nicht tätig werden. Möglich, dass Kretinsky bei seinem Angebot nachbessern muss. Sollte die Aktie aus dem regulierten Börsenhandel genommen werden, könnte sie womöglich im unregulierten Markt weiter gehandelt werden. Aktien sind nach einem Delisting in vielen Fällen noch an der Regionalbörse Hamburg handelbar. Mehr Informationen zu Křetínskýs weiterem Vorgehen dürfte es auf der Hauptversammlung der Metro AG am 19. Februar geben. Für ein Delisting ist ein Hauptversammlungsbeschluss allerdings nicht erforderlich.
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