Cognachersteller Frapin
Foto: PRDie Letzten ihrer Art: Wie Cognachersteller Frapin die Zeit stillstehen lässt
Es gibt Enthusiasten, die meinen, man könne die Zeit in einem Fass oder einer Flasche einfangen. Die Gefühle und Erinnerungen einer ganzen Epoche, destilliert, abgefüllt und gelagert, um im geeigneten Moment wiederentdeckt zu werden. Jeder Schluck eine kleine Zeitreise.
Neugierig, wie das eigene Geburtsjahr schmeckt? Wie die wilden 70er? Und geht das heute überhaupt, den gleichen Drink zu nehmen wie die Idole aus der Kindheit? Also buchstäblich – den gleichen?
Ja, das geht, wenn man sich darauf einlässt. Auf Unternehmen mit einer Geschichte, wie sie nur ganz wenige zu erzählen haben. Auf Enthusiasten, die sich seit Generationen auf eine einzige Sache spezialisiert haben. Und daran festhalten, egal wie die Zeiten auch sein mögen.
Patrice Piveteau
Foto: PRPatrice Piveteau ist ein solcher Enthusiast. Seit mehr als 30 Jahren ist er Kellermeister des Cognacherstellers Frapin. Aber was sind schon 30 Jahre bei einer mehr als 755-jährigen Tradition?
Die Familie Frapin ist seit 1270 in der französischen Charente verwurzelt, wo sie seit 20 Generationen Wein anbaut und destilliert. Von einer immer schnelllebigen Welt zeigen sie sich bei Frapin unbeeindruckt. Was nicht bedeutet, dass sie die Bedeutung von Social Media für den Vertrieb verkannt haben. In 70 Länder wird ihr Cognac mittlerweile exportiert.
Stammsitz Château Fontpinot
Foto: PRStammsitz ist Château Fontpinot, rund um das Schloss wachsen auf einer Fläche von 240 Hektar die Ugni-Blanc-Trauben, aus deren Saft der Cognac gebrannt wird, und die ausschließlich auf dem Weingut geerntet und destilliert werden.
Frapin ist einer der wenigen Cognachersteller, die bis heute in Familienhand sind. Andere bekannte Marken wie Hennessy (LVMH), Martell (Pernod Ricard), Courvoisier (Campari) und Rémy Martin (Rémy Cointreau) gehören börsennotierten Luxuskonzernen.
„Es ist ein Privileg, ohne Druck von Aktionären, Cognac herstellen zu können. Bei uns zählt nur die Qualität“, sagt Piveteau.
Den Branntwein der Trauben, die Piveteau in diesem Jahr erntet, wird er selbst wohl nicht mehr trinken können. Die besten Cognacs von Frapin reifen mehr als 30 Jahre in Eichenfässern, bevor sie abgefüllt werden. Sie sind Piveteaus Vermächtnis an seine Nachfolger.
Das Geheimnis des Geschmacks: die Lagerung in alten Eichenfässern
Foto: PRDas Geheimnis des Geschmacks des Cognacs entwickelt sich im Verborgenen. Die Branntweine von Frapin lagern zum Teil Jahrzehnte in Eichenfässern in feuchten Kellern, dadurch verflüchtigt sich ein Teil des Alkohols. Das nimmt dem Cognac die Schärfe, macht ihn runder und aromatischer. In trockenen Kellern hingegen verdunstet mehr Wasser, was den Cognac kraftvoller macht. Piveteau spielt mit diesen Bedingungen, um einzigartige Assemblagen zu schaffen.
Obwohl Frapin über modernste Abfüllanlagen und Destillerien verfügt, hat sich am eigentlichen Handwerk seit Gründung des Chateaus nichts geändert, sagt der Kellermeister.
Die Cuvée Plume, das Aushängeschild der Domaine, ist eine Komposition aus mehr als 20 Bränden, die alle 60 Jahre oder älter sind. Diese kleine Zeitreise, zurück in die „gute, alte Zeit“, in die sich wohl viele manchmal zurückwünschen, hat aber seinen Preis: 2500 Euro kostet aktuell eine Flasche Unvergänglichkeit.
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