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KonjunkturDeutsche Exporte sinken 2024 erneut – Dezember aber überraschend gut

Herbe Schlappe die Exportnation: Die deutschen Exporte sind 2024 zum zweiten Mal in Folge gesunken. Woran es lag, wie es weitergeht. 07.02.2025 - 12:18 Uhr

In der Handelsbilanz ergibt sich ein Überschuss von 241,2 Milliarden Euro.

Foto: Oliver Berg/dpa

Deutschlands Exporteure haben das Jahr 2024 trotz Zuwächsen im Dezember mit einem Minus abgeschlossen. Waren „Made in Germany“ im Gesamtwert von 1.559,7 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr ins Ausland geliefert und damit 1,0 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Noch stärker sanken nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes die Einfuhren nach Deutschland mit einem Minus von 2,8 Prozent binnen Jahresfrist auf 1.318,5 Milliarden Euro.

Schwierigkeiten in wichtigen Märkten

Die aggressive Industriepolitik Chinas setzt der Exportwirtschaft ebenso zu wie – nach vorn geblickt – die Tatsache, dass US-Präsident Donald Trump seine Drohungen wahr macht und Einfuhren in den wichtigen US-Markt mit Zöllen erschwert.

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Im Schlussquartal 2024 war der Export einer der Bremser für die in der Rezession feststeckende deutsche Wirtschaft: Die Ausfuhren von Waren „Made in Germany“ fielen „deutlich niedriger“ aus als im Vorquartal, wie die Wiesbadener Statistiker jüngst feststellten.

„Verlorenes Jahr“ für den deutschen Außenhandel

Im Dezember jedoch lagen die Exporte ausweislich der aktuellen Zahlen des Bundesamtes mit 131,7 Milliarden Euro sowohl höher als im November 2024 (plus 2,9 Prozent) als auch über dem Wert von Dezember 2023 (plus 3,4 Prozent). Auch die Importe mit 111,1 Milliarden Euro zogen in beiden Betrachtungszeiträumen an.

Schneller schlau: Rezession
Der Begriff Rezession bedeutet Rückgang und stammt aus dem Lateinischen. Es handelt sich um eine Rezession, wenn die Wirtschaft nicht wächst, sondern schrumpft – sich also in einem Abschwung beziehungsweise Rückgang befindet. Für die Bemessung der Konjunktur dient das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Offiziell tritt eine sogenannte technische Rezession ein, wenn das BIP in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahresquartalen nicht wächst, sondern zurückgeht.Die Rezession ist eine der vier Phasen, die der Konjunkturzyklus einer Volkswirtschaft durchlaufen kann. Sie folgt auf die Phase der Hochkonjunktur und kann im schlimmsten Fall in eine Depression übergehen. Auf eine Depression folgt dann früher oder später ein Aufschwung.
Eine Rezession zeichnet sich durch unterschiedliche Merkmale aus. Dazu gehören unter anderem:Rückgang der Nachfrageüberfüllte LagerAbbau von Überstunden und beginnende KurzarbeitEntlassung von Arbeitskräftenausbleibende Investitionenteilweise Stilllegung von Produktionsanlagenstagnierende oder sinkende Preise, Löhne und Zinsenfallende Börsenkurse
Zu den Ursachen einer Rezession gehören unterschiedliche Punkte, die sich nur schwerlich verallgemeinern lassen. Aktuell wirkt sich etwa der Krieg in der Ukraine erheblich auf die Konjunktur in Europa und den USA aus.
In einer Rezession halten Unternehmen und private Haushalte ihr Geld in der Regel beisammen. Zu den Folgen einer Rezession zählen steigende Arbeitslosenzahlen, außerdem arbeiten mehr Menschen in Kurzarbeit. Beides führt zu geringerer Nachfrage. Denn wenn die Bürger weniger Geld verdienen, konsumieren sie auch weniger. Dies ist wiederum schlecht für Unternehmen, die dadurch weniger verkaufen und auf ihren Lagerbeständen sitzen bleiben. Die fehlenden Einnahmen können zu weiteren Entlassungen führen, sodass die Arbeitslosigkeit weiter steigt.Auch Menschen, die auf der Suche nach einem neuen Job sind, stehen in einer Rezession vor Problemen. Denn wer sich um eine neue Stelle bewirbt, dürfte während einer Rezession Schwierigkeiten haben eine entsprechende Stelle zu finden – denn geht es Unternehmen wirtschaftlich schlechter, stoppen sie Neueinstellungen.
Durch eine steigende Inflation sinkt die Kaufkraft der Menschen. Durch eine sinkende Kaufkraft sinkt wiederum die Konsumbereitschaft der Menschen, da sie ihr Geld beisammen halten, statt es für Waren und Güter auszugeben.

Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) hatte mit Blick auf 2024 trotz solcher Lichtblicke zum Jahresende bereits von einem „verlorenen Jahr“ für den deutschen Außenhandel gesprochen.

„Jahr zum Vergessen für die deutsche Industrie“

Die angeschlagene deutsche Industrie beendete das vergangene Jahr auch wegen eines Rückschlags in der Autobranche schwach. Im Dezember sank die Produktion in den Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Monatsvergleich um 2,4 Prozent. Die Produktion sank damit auf den niedrigsten Stand seit Mai 2020.

Auch im Gesamtjahr 2024 hat der für die deutsche Wirtschaft wichtige Sektor eingebüßt: Im Vergleich zum Jahr zuvor meldete das Bundesamt einen Rückgang der Fertigung um 4,5 Prozent.

„2024 war ein Jahr zum Vergessen für die deutsche Industrie“, fasst Ökonom Nils Jannsen vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) zusammen. Und bislang spreche wenig dafür, dass die Industrieproduktion im laufenden Jahr die Einbußen wettmachen könne.

Trübe Aussichten

Auch für das laufende Jahr fällt die Prognose trüb aus: Rund 80 Prozent der Exporteure erwarteten laut BGA einen weiteren Mengen- und Umsatzrückgang 2025, der Verband rechnet nach früheren Angaben mit einem Rückgang der Außenhandelsumsätze um 2,7 Prozent.

Das Ifo-Institut, das regelmäßig die Erwartungen der exportorientierten Branchen abfragt, stellte jüngst fest: Besonders düster sehe es für die Automobilindustrie aus. Auch in der Metallindustrie seien die Erwartungen seit mehr als einem Jahr negativ.

Lesen Sie auch: So wappnen sich deutsche Firmen in Mexiko

dpa
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