Flugtaxi-Start-up: Volocopter wechselt für 10 Millionen Euro den Besitzer
Der Senkrechtstarter von Volocopter, hier bei einem Testflug in Südkorea, gehört nun zu einem österreichischen Flugzeughersteller.
Foto: REUTERSDas insolvente Flugtaxi-Start-up Volocopter hat einen Investor gefunden. Nach Informationen der WirtschaftsWoche übernimmt der österreichische Flugzeughersteller Diamond Aircraft das Unternehmen. Eigentümer von Diamond ist der chinesische Milliardenkonzern Wanfeng, ein Lieferant für Autoteile. Das börsennotierte Unternehmen hat den Verkauf am Montag in einer Pflichtmitteilung bestätigt.
Demnach übernimmt Wanfeng Sachanlagen wie Werkzeuge und halbfertige Produkte, Patente für die Fluggeräte und Drohnensysteme, Markenrechte sowie die Mitarbeiterverträge. Der Buchwert dieser Assets liegt bei etwa 42 Millionen Euro, heißt es in der Mitteilung. Hingeblättert haben die Chinesen aber nur zehn Millionen Euro für das insolvente Start-up. Wanfeng wolle mit diesem Deal „einen neuen Wachstumstreiber für das Unternehmen“ generieren.
Aus dem Umfeld des Unternehmens heißt es, dass der neue Eigentümer in einem ersten Schritt das Team stark reduzieren will. Demnach sollen von den rund 500 Angestellten nur noch etwa 160 an dem Flugtaxi weiterarbeiten. Die Belegschaft wurde bereits am Montag kurzerhand freigestellt, ihr Arbeitsvertrag läuft Ende Juni aus.
Diamond Aircraft produziert in erster Linie Motorsegler und Kleinflugzeuge. Mit seinem Sortiment richtet sich das Unternehmen an Privatkäufer. Friedrich Merz fliegt beispielsweise ein Modell der Österreicher. Die Firma experimentiert seit mehreren Jahren mit Fluggeräten, die einen Hybridantrieb haben. Volocopter hat mit seinem elektrisch betriebenen Senkrechtstarter bereits erste bemannte Testflüge absolviert, aber noch keine Zulassung von der europäischen Flugsicherheitsbehörde erhalten. In dem Bereich ergeben sich also Synergien.
Kritik an verstecktem Russlandgeschäft
Diamond Aircraft setzt Flugzeuge zudem zu Überwachungszwecken ein, etwa bei Waldbränden. Verschiedene Streitkräfte haben die Flieger für Aufklärungsmissionen gekauft. Recherchen der „Welt am Sonntag“ zufolge sollen Flugzeugteile der Firma über Umwege in China auch an russische Flugzeugbauer gelangt sein. Wanfeng Aviation Industry hatte Diamond Aircraft 2017 nach langen Krisenjahren aufgekauft und auch die Geschäftsführung mit Managern aus den eigenen Reihen besetzt.
Die Österreicher wirtschaften profitabel und haben 2023 einen Umsatz von 210 Millionen Euro erreicht – zum großen Teil außerhalb der Europäischen Union. Diamond Aircraft beschäftigt über 600 Angestellte und unterhält auch einen Standort im hessischen Egelsbach, etwa 100 Kilometer vom Volocopter-Sitz Bruchsal entfernt.
Volocopter hatte am 26. Dezember 2024 Insolvenz angemeldet. Vorausgegangen waren gescheiterte Gespräche über eine neue Finanzierungsrunde. Das Start-up aus Bruchsal wurde 2011 gegründet und in einer letzten Finanzierungsrunde 2022 mit 1,5 Milliarden Euro bewertet.
Flugtaxi-Konkurrent Lilium meldete im Februar nach einem missglückten Rettungsversuch zum zweiten Mal Insolvenz an. Die Gesellschafter hoffen ebenfalls auf eine Investorenlösung.
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