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FlugtaxisDarum musste Volocopter so kurz vor dem Durchbruch Insolvenz anmelden

Nach Lilium hat nun auch das Flugtaxi-Start-up Volocopter Insolvenz angemeldet – dabei erschien eine Zulassung des Fliegers dieses Jahr möglich. Wie es nun weitergeht.Andreas Menn 30.12.2024 - 17:28 Uhr

Eigentlich wollte Volocopter schon im Sommer zu den Olympischen Spielen Passagiere befördern. Nun hat das Unternehmen ganz andere Sorgen.

Foto: imago images

Die ersten kommerziellen Flüge sollten schon in wenigen Monaten starten – doch nun ist die Zukunft des Volocity-Fliegers ungewiss: Schon am 26. Dezember hat Volocopter aus Bruchsal bei Karlsruhe Insolvenz angemeldet, wie das Flugtaxi-Start-up heute bekannt gegeben hat.

Seit Monaten habe das Unternehmen in Verhandlungen mit bestehenden und neuen Investoren gestanden, teilte eine Sprecherin gegenüber der WirtschaftsWoche mit. Doch es habe keine Einigung gegeben. Vorerst gehe der Geschäftsbetrieb weiter. 

Bis Ende Februar will nun Insolvenzverwalter Tobias Wahl, Partner der Kanzlei Anchor Rechtsanwaltsgesellschaft, ein Restrukturierungskonzept entwickeln und es Investoren vorlegen. „Das Unternehmen benötigt eine Finanzierung, um die finalen Schritte zum Markteintritt zu machen“, teilte der Anwalt in einem Statement mit. 

500 Arbeitsplätze in Gefahr

Mit Volocopter steckt nun das zweite deutsche Flugtaxi-Start-up in Geldnöten. Erst Ende Oktober hatte der Konkurrent Lilium aus der Nähe von München Insolvenz angemeldet und dann nach neuen Investoren gesucht. Bis zu Schluss blieb offen, ob sich neue Geldgeber finden würden – bis Lilium an Heiligabend einen rettenden Deal verkünden konnte.

Vollelektrische Fluggeräte

Insolventer Flugtaxi-Hersteller Volocopter sucht Investoren

Die Lilium-Rettung durch eine Investorengruppe klang wie ein Weihnachtswunder. Nur wenige Tage später kommen von einem zweiten Unternehmen der Elektroflug-Branche andere Töne.

Das Interesse an Lilium wird in Bruchsal als gutes Vorzeichen gewertet. „Wir sind unseren Branchenkollegen in Sachen Technologie, Flugerprobung und Zertifizierung voraus“, lässt Volocopter-CEO Dirk Hoke mitteilen. „Das macht uns zu einem attraktiven Unternehmen, in das man investieren kann, während wir uns intern umstrukturieren.“ 

Es gehe jetzt darum, Arbeitsplätze zu erhalten und Volocopter wieder wettbewerbsfähig aufzustellen, teilte eine Sprecherin gegenüber der WirtschaftsWoche mit. Wie es für die rund 500 Beschäftigten des Start-ups weitergeht, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. 

Die Zulassung zieht sich

Seit der Gründung im Jahr 2011 entwickelt Volocopter elektrische Fluggeräte, die senkrecht starten und landen können und sich so für den Einsatz auch in dicht besiedelten Gebieten eignen sollen. Mit mehr als 2000 Testflügen und einem fortgeschrittenen Zulassungsverfahren gilt der Zweisitzer Volocity eines der am weitesten entwickelten elektrischen Flugtaxis

Im Frühjahr 2023 hatte Volocopter mit großem Presserummel eine Produktionshalle für die Endmontage in Bruchsal eröffnet. Bundesverkehrsminister Volker Wissing war gekommen und schaute bei einem Testflug des Volocity zu. Und noch Ende 2023 bekräftigte das Unternehmen gegenüber der WirtschaftsWoche das Ziel, als erstes an den Markt zu gehen.

Um Passagiere an Bord nehmen zu können, braucht Volocopter eine Zulassung der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA). Die allerdings zog sich länger als erwartet. Auch von Problemen mit Lieferanten war zwischendurch die Rede. Aus den Plänen, zu den Olympischen Spielen in Paris Passagiere über die Stadt zu transportieren, wurde nichts.

Unterdessen verschlang die Entwicklung des neuen Fliegers viel Geld – Luftfahrt ist teuer. Schon im Frühjahr hatte sich Volocopter vergebliche um öffentliche Finanzmittel bemüht, schließlich schossen bestehende Teilhaber Geld nach. 

Zu den Investoren des Start-ups, die in den vergangenen Jahren hunderte Millionen Euro beigesteuert hatten, zählen die saudi-arabische Zukunftsstadt Neom, Mercedes-Benz, Intel und der chinesische Autobauer Geely

Flüge in Rom und Osaka geplant

Um im Jahr 2025 doch noch eine Zulassung zu erhalten, braucht Volocopter nun weiteres Geld. Und einen neuen Chef: CEO Hoke tritt im Februar 2025 ab, wie das Unternehmen schon im September bekannt gegeben hatte. Im November war zudem der ehemalige Lilium-Manager Oliver Vogelgesang als neuer Finanzchef angetreten.

Ursprünglich wollte Volocopter dieses Jahr unter anderem in Rom und im japanischen Osaka erste Flüge anbieten. Klar ist: Mit einer vergleichsweise geringen Reichweite von 20 Kilometern und nur einem Passagierplatz wird das Flugtaxi aus Bruchsal kein Massentransportmittel, sondern dürfte sich nur für ausgewählte Einsatzzwecke eignen. 

In Deutschland ist immerhin die ADAC-Luftrettung an dem Elektroflieger interessiert. Nun muss allerdings erst einmal Volocopter selbst gerettet werden.

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