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GolfWarum ein guter Golfschläger mehr als 1.000 Euro kosten kann

Die großen Golfmarken präsentieren bereits ihre Neuheiten für den wichtigsten Schläger: den Driver. Der wird durch Technologie immer besser, allerdings auch immer teurer. 12.03.2025 - 11:04 Uhr

Der Schläger für den Abschlag, im Englisch Driver und im Deutschen Holz 1 genannt, ist dabei mittlerweile Hochtechnologie. Seit der Umstellung von Holz auf Metall vor 30 Jahren wurden die modernen Driver ständig weiterentwickelt, um sowohl leicht als auch stark zu sein, damit Spieler den Ball höher, gerader und weiter denn je schlagen können.

Auf der PGA Tour erreichten im vergangenen Jahr darum mehr als 100 Spieler einen Durchschnitt von 300 Yards (rund 274 Meter) beim Abschlag. Zum Vergleich: 1994 lag der durchschnittliche Abschlag bei 261 Yards (rund 238 Meter), und der Führende der Tour, Davis Love III, schaffte damals im Schnitt 284 Yards. Die besten und wohl auch berühmtesten Spieler des Spiels, darunter Jack Nicklaus und Tiger Woods, waren allesamt besonders stark beim Abschlag.

Die Forschung und Entwicklung hat den Golfsport allerdings auch immer teurer gemacht. Der Durchschnittspreis für einen Driver ist von etwa 500 Dollar vor vier Jahren auf über 600 Dollar gestiegen. Schuld daran sind die immer komplexeren und kostspieligeren Materialien und die komplizierten Herstellungsprozesse. Wer seinen Schläger individualisiert oder auf hochwertige Materialien setzt, zahlt gerne über 1000 Dollar pro Schläger.

„Wenn man vor 15 Jahren nach China oder Thailand gegangen ist, war die Produktion noch ziemlich einfach“, sagt Nick Sherburne vom Hersteller Club Champion. „Wenn man heute hingeht, denkt man: Auweia! Es ist, als ob sie ein Raumschiff bauen würden.“

Die Zeiten, in denen ein Schläger aus einem Kakibaum-Holzblock geschnitzt wurde, sind vorbei. Die heutigen Driver aus Metall und Verbundwerkstoffen „können aus sechs oder sieben oder mehr verschiedenen Teilen bestehen, wenn nicht sogar mehr“, sagt Sherburne. Die künstliche Intelligenz berechne mittlerweile verschiedene Dicken für die Schlagfläche und wie „heiß“ die Schlagfläche ist, also wie schnell der Ball im Treffmoment abspringt.

„Wir müssen alle möglichen Technologien integrieren, damit wir mit allem konkurrieren können, was es auf dem Markt gibt“, sagt Brad Schweigert von Parsons Xtreme Golf und merkt an, dass künstliche Intelligenz und Fortschritte in der CAD-Software (Computer-Aided Design) die Entwicklungs- und Designzeiträume für neue Modelle drastisch verkürzt haben.

Der Black Ops Driver von PXG (599 Dollar) ist wie viele andere Modelle eine Mischung aus Metalllegierungen und Karbonfasern sowie beweglichen Gewichten, die den Schwerpunkt für den Schwung des Golfers optimieren sollen, und das alles in mehreren Teilen, so Schweigert.

Moderne Schläger verzeihen Fehler

Vier bis fünf Jahre brauche die Entwicklung eines neuen Golfschlägers, sagt Brian Bazzel, Leiter der Produktentwicklung bei TaylorMade Golf. Seine Marke stattet auch die aktuelle Nummer 1 der Weltrangliste, Scottie Scheffler aus. Das neueste Modell, der Qi35 (600 bis 650 Dollar), das im Januar auf den Markt gekommen ist, ist aus leichtem Carbon gefertig. Der Schwerpunkt liegt darum tiefer, außerdem habe man die Starteigenschaften des Schlägers verbessert.

Moderne Schläger verzeihen Fehler des Spielers besser – insbesondere in Bezug auf das Trägheitsmoment (MOI) eines Schlägers. Dieser Wert beschreibt, wie widerstandsfähig eine Schlagfläche im Treffmoment ist. Ein Schläger, der weniger verdrehungsresistent ist (also ein höheres MOI hat), ist auch fehlerresistenter. Der Ball fliegt auch dann in die Luft, wenn Golfer nicht die Mitte der Schlagfläche treffen. Auch das Gewicht spielt eine Rolle – je leichter der Schläger ist, desto schneller lässt er sich schwingen und desto weiter fliegt der Ball.

Schlägeringenieure optimieren darum beide Werte, die ein Driver erfüllen muss, um den Ball hoch und weit zu schlagen, und dabei die strengen Grenzen einzuhalten, die der US-Golfverband für die Schlägereigenschaften vorgibt, wie beispielsweise das Volumen (maximal 460 Kubikzentimeter) und alles, was das MOI beeinflusst (er darf nicht zu fehlerverzeihend sein). Der Schwung eines jeden Spielers ist wie ein Fingerabdruck, individuell und schwer zu duplizieren, aber ein guter Driver kann das Spiel jedes Spielers verbessern.

Mizuno setzt auf Kampfpreise

Der Schlägerhersteller Mizuno, der seinen Ruf mit Eisenschlägern aufgebaut hat, setzt dagegen auf besonders günstige Prise. Mit neuen Schlägern für den Abschlag will er TaylorMade, Callaway und andere großen Herstellern Marktanteile abnehmen. „Wir gehen im Jahr 2025 sehr aggressiv vor, um den Bekanntheitsgrad unserer Holzschläger zu erhöhen“, sagt Chris Voshall, Leiter der Produktentwicklung. Wo die Konkurrenz ihre Schläger für 599 Dollar verkauft, bietet Mizuno einen Schläger für 299 Dollar an.

Der neueste ST-MAX 230 von Mizuno wird für 300 Dollar verkauft. Voshall sagt, dass das Unternehmen „extrem niedrige Gewinnspannen als strategisches Mittel einsetzt, um den Wiedererkennungswert der Marke in dieser Kategorie zu steigern.“ Die Produktionskosten seien zuletzt gestiegen, da jeder – von Golfmagazinen bis hin zu Trainern – die Spieler auffordere, ihre Schläger individuell anzupassen.

„Jedes Modell gibt es heute in zwei bis vier verschiedenen Varianten - Standard, Low Spin, Draw Bias, Max MOI usw. - mit jeweils mehreren Neigungswinkeln“, sagt Voshall. „Das bedeutet, dass es mehr Formen gibt, mehr Entwicklungszeit, mehr Bestandsrisiken, und das alles führt zu höheren Kosten.“

Premium- oder Performance-Schäfte, wie beispielsweise der 350 Dollar teure Ventus von Fujikura, schneiden dabei mitunter besser ab als die Schäfte vom Originalhersteller – sowohl bei messbaren Eigenschaften im Schwung des Golfers, wie Spin-Raten und Schlägerkopfgeschwindigkeit, als auch bei weniger messbaren Merkmalen, wie dem Gefühl.

„Ein Standard-Schaft eines großen Herstellers ist wie mit einer großen Walze zu malen“, sagt Sherburne von Club Champion. Er soll eine große Bandbreite von Spielern abdecken, anstatt auf die Feinheiten des Schwungs eines Golfers einzugehen. Außerdem, so Sherburne, „bezahlen Sie beim Kauf eines Performance-Schaftes für ein gewisses Maß an Qualitätskontrolle, um sicherzustellen, dass er so funktioniert, wie der Ingenieur es beabsichtigt hat, wenn er das Lager verlässt.“

Da die Fortschritte in der Schlägertechnologie immer schneller voranschreiten, warnt Sherburne jedoch vor der Versuchung, gleich das neueste Angebot zu kaufen und aufzurüsten. Wie beim Wechsel von einem iPhone-Modell zum nächsten sind die Vorteile in vielen Fällen nur marginal. Golfer müssten eine dauerhafte Schläger- und Schaftkombination finden, die ihren Schwung optimiert und das Beste aus ihren Fähigkeiten herausholt.

Golfer sollten, wenn überhaupt, nur alle zwei bis drei Jahre den Driver wechseln: „Wenn Sie sich gezwungen fühlen, das neueste Produkt auszuprobieren, ist das in Ordnung“, sagt er, aber achten Sie auf Ihre Zahlen, denn die lügen nicht. „Probieren Sie es einfach aus und schauen Sie, was dabei herauskommt.“

bbg
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