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KultbrauseBionade ganz in Oetkers Händen

Das Biobrause-Unternehmen aus dem Röhngebiet wird nun vollständig in den Besitz des Dr. Oetker-Konzerns übergehen. Die Gründerfamilie zieht sich zurück. Das Ende eines Kult-Erfolgs?Katja Joho 01.02.2012 - 12:54 Uhr

Deutschlands Kult-Limonaden

Bionade

„Das weltweit einzigartige alkoholfreie Erfrischungsgetränk, das rein biologisch hergestellt“ ist, rühmt sich Bionade selbst. Die Biobrause, die wie Bier gebraut wird, wurde 1995 im bayerischen Ostheim vom Diplom-Braumeister Dieter Leipold entwickelt. Alle Zutaten versichert die Bionade GmbH sind biologisch abbaubar.

Bionade entwickelte sich schlagartig zum Kultgetränk: 2002 verkaufte das Unternehmen nur zwei Millionen Flaschen, fünf Jahre später waren es dann schon 200 Millionen. Dann brach der Umsatz 2008 ein. Nachdem zunächst die Familien Kowalsky und Leipold das Unternehmen gemeinsam führten, wurde dann der Mineralwasser-Hersteller Rhön-Sprudel mit 70 Prozent Mehrheitseigner. 2009 übernahm die Oetker-Tochter Radeberger diese Anteile. 2012 soll die Biobrause komplett in den Besitz von Radeberger übergehen.

Foto: dpa

Orangina

Erst schütteln, dann trinken – das ist Orangina. Die Franzosen lieben die Orangen-Limoande mit Fruchtfleisch. So sehr, dass es Coca-Cola bis heute nicht gelungen ist, in Frankreich einen ähnlich großen Markteinfluss zu bekommen wie in anderen Ländern. Seit 2006 gehört Orangina zur Investorengruppe Lion Capital und Blackstone. In Deutschland wird Orangina über die Krombacher Brauerei vertrieben.

Markenzeichen der Limonade, die ein spanischer Apotheker 1935 erstmals auf einer Messe in Marseille präsentierte, ist die bauchige Flasche, die an die kugelrunden Orangen erinnern soll. Der Franzose Leon Beton erwirbt das Rezept und produziert Orangina zunächst für den algerischen Markt, erst nach dem zweiten Weltkrieg (1947) kommt die Limonade nach Frankreich.

Foto: Jane Mejdahl

Fritz-Kola

"Vielviel Koffein und weniger süß": Fritz-Kola hat fast dreimal soviel Koffein wie die gewöhnliche Cola – mit einem Hauch Zitrone. Hinter Fritz-Kola stehen Lorenz Hampl und Mirco Wolf Wiegert. Sie wollen mit dem Label gegen Colamonopole, Plastikflaschenschrott und Dauer-Coolness angehen. 2003 werden die ersten 170 Kisten Fritz-Cola produziert.

Was die Bilanz angeht halten sich die Hamburger bedeckt, feststeht, der Laden läuft. Aus der Garagen-Firma ist ein Unternehmen mit 20 Mitarbeiter und einem Umsatz von 2,6 Millionen Euro geworden (Stand Sommer 2010).

Foto: Axel Schwenke

Afri Cola

Die Limonade der Trendsetter und Szenegänger. Seit 1999 liegen die Markenrechte für Afric Cola bei der Mineralbrunnen Überkingen-Teinach AG. Sie erwarb die Kultmarke – und ramponierte sie erst einmal. Die neuen Eigentümer veränderten die Rezeptur so stark, dass die einstigen Fans Sturm dagegen liefen und sogar ein Konkurrenzprodukt auf den Markt brachten.

Seit 2006 gibt es Afri Cola in der markanten Taillen-Flasche mit den zwei seitlichen Einbuchtungen wieder mit Original-Koffeinwert von 25 mg/100 ml und ist wieder weniger süß. Exportiert wird offiziell nach Österreich, in die Schweiz, Tschechien, Saudi-Arabien, Ghana, Frankreich und Südafrika.

Foto: Pressebild

Sinalco

2005 feierte die Limonade ihren 100. Geburtstag. Der Name kommt vom lateinischen Begriff für „ohne Alkohol“ – sine alcohole. Sinalco ist ein natürliches Fruchtgetränk aus Südfrüchten und einheimischen Obstarten . In den 50er- bis 70er Jahren ist Sinalco der Inbegriff für die Gattung Limonade. Der Jingle „Die Sinalco Schmeckt“, komponiert auf die Melodie des Flohwalzers machen die Brause berühmt.

1994 erwirbt die RheinfelsQuellen H. Hövelmann die Sinalco-Rechte und starten den Relaunch der Kultlimonade. Mit Erfolg - 2010 setzte Hövelmann 147,6 Millionen Euro um.

Foto: Pressebild

VitaCola

Die ostdeutsche Traditionsmarke VitaCola ist in den neuen Ländern nach Herstellerangaben die zweitbeliebteste Koffein-Brause nach Coca-Cola. Die Thüringer Waldquell Mineralbrunnen GmbH haucht der einstigen DDR-Marke 1994 im thüringischen Schmalkalden neues Leben ein. Ab diesem Zeitpunkt ist VitaCola in ganz Deutschland erhältlich. 2008 feiert die Kult-Cola ihr 50-jähriges Bestehen.

Foto: Pressebild

Bluna

„Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna?“ Mit diesem Slogan erreichte Bluna Mitte der 90er Jahre wieder ernorme Bekanntheit. In den 50er Jahren war die Limonade von Afri-Cola-Erfinder Karl Flach ein echter Verkaufsschlager, geriet zwischenzeitlich aber in Vergessenheit.

1952 brachte das Unternehmen F. Blumhoffer Nachfolger die Marke heraus. Die Rechte liegen seit 1994 bei der Mineralbrunnen Überkingen-Teinach AG.

Foto: Pressebild

ClubMate

Club Mate ist ein mit viel Kohlensäure versetzter Mate-Eistee. Mate wird aus Yerba-Tee, einer jahrhundertealte Urwaldpflanze aus Südamerika gemacht. In weiten Teilen Südamerikas gilt Mate-Tee als Nationalgetränk.

Seit 1994 liegt die Lizenz für ClubMate bei der Brauerei Loscher aus Münchsteinach. Hergestellt wird das Mate-Getränk bereits seit 1924, damals unter dem Namen „Sekt-Bronte“.

Foto: Pressebild

Almdudler

Das Familienunternehmen Klein ist Erfinder und Hüter der Marke Almdudler - leicht erkennbar am Etikett mit dem Trachtenpärchen. Die Kräuterlimonade aus Kräuterextrakten, Mineralwasser, Zucker und Zitrone soll eiskalt, ohne Glas und nicht gemischt getrunken werden – das rät zumindest der Hersteller.

1957 bringt Erwin Klein die Kräuterlimonade auf den österreichischen Markt. Der Name kommt vom Begriff „auf der Alm dudeln“, einem Wiener Begriff für das Jodeln.

Foto: Pressebild

Die Kowalskys gehen von Bord: Die Gründerfamilie der Kultbrause Bionade haben nun auch ihre restlichen Anteile an die Oetker-Tochter Radeberger verkauft. Noch im November hieß es, die Familie wollte versuchen die Oetker-Anteile wieder zurück zu kaufen. Jetzt haben sie den Kampf offenbar aufgegeben.

„Die Bionade GmbH ist ein junges, innovatives Familienunternehmen“, heißt es auf der Internetseite des bayerischen Unternehmens. Diese Zeilen dürften mit dem vollständigen Aufkauf durch den Oetker-Konzern endgültig Geschichte sein.

Ein echtes Familienunternehmen ist Bionade bereits seit einigen Jahren nicht mehr. Mit der Beteiligung des hessischen Mineralwasser-Herstellers Rhön-Sprudel gaben die Gründerfamilien Leipold und Kowalsky 2004 über die Hälfte der Unternehmensanteile ab. Rhön-Sprudel verkaufte dann 2009 an die Oetker-Tochter.

Nach starken Umsatzeinbußen und Unstimmigkeiten zwischen Oetker und der Familie Kowalsky kamen Ende 2011 Gerüchte auf, wonach die Brüder Stephan und Peter Kowalsky die Anteile wieder zurückkaufen wollten.

Wenn es konkrete Pläne gab, wurden sie wohl wieder verworfen, denn jetzt bestätigten die Kowalsky-Brüder und Radeberger die vollständige Übernahme durch den Oetker-Konzern.

FAQ - Das Kultgetränk Bionade
Nach Angaben des Unternehmens war Bionade die erste Limonade, die ökologisch hergestellt wurde. 1995 entstand die Biobrause im bayerischen Ostheim. In der Privatbrauerei Peter entwickelte Diplom-Braumeister Dieter Leipold die Rezeptur für das heutige Kultgetränk. Die Zutaten sind laut Bionade GmBH alle biologisch angebaut. Die Biobrause wird nach dem gleichen Gärungsprinzip hergestellt wie beim Bierbrauen. Der zentrale Unterschied: Der Zucker wird nicht zu Alkohol vergärt.
Nach zehn Jahren etablierte sich Bionade auf dem Markt und entwickelte sich rasant zum Kultgetränk. Während der Umsatz 2003 bei rund zwei Millionen Flaschen lag, stieg er 2004 auf sieben Millionen Flaschen. 2005 ging es dann in den zweistelligen Millionen Bereich bis man ein Jahr später bereits den Verkauf von 70 Millionen und 2007 dann den Verkauf von rund 200 Millionen Flaschen vermelden konnte. Dann brach der Umsatz ein: 2008 verkauften sich etwa 150 Millionen Bionade-Flaschen. Danach ging der Umsatz weiter zurück. 2011 soll es erstmals wieder aufwärts gegangen sein, sagt Radeberger.
Heute gibt es die Biobrause Bionade insgesamt in fünf Geschmacksrichtungen: Quitte, Litschi, Holunder, Kräuter und Ingwer-Orange.

Die Kowalskys ziehen sich damit auch aus der Geschäftsführung zurück. „Bionade hat bewegte und schwierige Zeiten hinter sich“, so Peter und Stephan Kowalsky. „Wir wissen Bionade und unsere Mitarbeiter bei der Radeberger Gruppe in guten Händen.“ Wie viel der vollständige Aufkauf gekostet hat, ist nicht bekannt. Darüber soll Stillschweigen vereinbart worden sein.

Der Erfolgsweg der Öko-Limonade

Zunächst war die Öko-Limonade aus Bayern ein recht unbekanntes Nischenprodukt. Bekanntheit erlangte die Biobrause erst nach 2000.

Nachdem Bionade zunächst dank eines Handelspartners in Hamburger Kneipen und Bioläden auf Erfolgskurs ging, machten schließlich vor allem die Deutsche Bahn 2006 in ihren Speisewagen und McDonald’s 2007 im McCafé das Getränk deutschlandweit bekannt.

Innerhalb von nur vier Jahren zogen die Umsatzzahlen für die Bio-Limonade enorm an. Während man 2004 rund 7 Millionen Flaschen verkaufte, brachte es Bionade 2006 bereits auf das Zehnfache. Ein Jahr später gingen sogar schon 200 Millionen Flaschen über die Theke.

Mit den ersten großen Erfolgen drängte Bionade 2007 auch auf den europäischen Getränkemarkt und versuchte sein Glück zudem in den USA.

Die Biobrause Bionade wird nun komplett von Deutschlands Bier-Riesen Radeberger geschluckt.

Foto: dpa

Auf den Erfolg folgte ein zu großes Selbstbewusstsein: Ab Juli 2008 mussten Bionade-Fans zwanzig Cent pro Flasche mehr zahlen – ein Aufschlag von 33 Prozent. „Das Original ist nun einmal das teuerste Produkt“, versuchte Bionade-Geschäftsführer Stephan Kowalsky den Schritt zu erklären. Damit stieß er auf heftige Kritik und verärgerte Händler und Fans.

Die Folge: Der Absatz für die Kultlimonade ging stark zurück. Während man 2007 rund 200 Millionen Flaschen verkauft hatte, kam die Bionade GmbH ein Jahr später nur noch auf rund 150 Millionen.

2009 stieg dann Deutschlands größter Braukonzern Radeberger ins Bionade-Geschäft ein. Zunächst kaufte die Oetker-Tochter 51 Prozent der Anteile und erhöhte seine Beteiligung dann auf 70 Prozent. Die restlichen Anteile verblieben beim Bionade-Geschäftsführer Stephan Kowalsky und seinem Bruder Peter.

Bereits vor dem Oetker-Aufkauf hatte es mehrfach Interesse an dem Biobrause-Unternehmen geben. So soll 2005 etwa Coca Cola ein Übernahmeangebot gestellt haben, das aber abgelehnt wurde. Von Oetkers Beteiligung hingegen versprach sich die Kowalsky-Familie 2009 neue Wege für Bionade.

Mit Oetker nach den Sternen greifen

Der Einstieg Oetkers als Mehrheitseigner sollte die Marke weiter voranbringen. Stephan Kowalsky hoffte Bionade von „der kleinen Szene-Limo in Deutschland“ zu einem international erfolgreichen Produkt ausbauen zu können.

Im Gegensatz zum vorherigen Mehrheitsgesellschafter Rhön-Sprudel aus Hessen, sollte dies durch Radeberger und den Oetker-Konzern möglich gemacht werden.

Nach der Übernahme, die für Radeberger zunächst ein Gewinn war, zeichnete sich jedoch weiterhin ein Umsatzverlust bei der Kultlimonade ab. Seit der Oetker-Konzern bei Bionade eingestiegen war, liefen die Geschäfte nur noch mäßig. Der Gewinn der Biobrause ging weiter zurück.

Während die FAZ noch im November 2011 schrieb, dass der Absatz auf gerade einmal 60 Millionen Flaschen zurückgegangen sei, hieß es bei Radeberger seit April 2011 sei man wieder auf Wachstumskurs.

Ob Bionade den Dreh noch bekommt und als vollständige Oetker-Tochter wieder alte Höhen erklimmt, bleibt abzuwarten.

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