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WirtschaftsprüferDie Macht der Vier

Das Gefälle ist riesig: Zwar läuft das Geschäft der Wirtschaftsprüfer gut. Im Ranking der führenden Wirtschaftsprüfer liegen die Big Four der Branche jedoch unangefochten vorn. Der Mittelstand bläst zur Aufholjagd.Julia Leendertse 02.07.2012 - 18:25 Uhr

Die Beratungsgesellschaft Lünendonk hat die 25 umsatzstärksten deutschen Wirtschafts- und Steuerprüfungsgesellschaften unter die Lupe genommen. Sie erreichten im Geschäftsjahr 2012 ein Umsatzwachstum von 5,6 Prozent, die Big Four wuchsen um 6,3 Prozent. Wer in Deutschland die Nase vorn hat:

Platz 10: RBS RoeverBroennerSusat

Das Beratungsunternehmen RBS RoeverBroennerSusat erwirtschaftete im Jahr 2012 nur noch einen Umsatz von 68 Millionen Euro. 2011 lag dieser noch bei 75,8 Millionen. Auch die Mitarbeiterzahl in Deutschland nahm von 651 auf 631 ab.

Quelle: Lünendonk-Liste "Führende Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften in Deutschland"; Zahlen teilweise geschätzt

Foto: Screenshot

Platz 9: Warth & Klein Grant Thornton Gruppe, Düsseldorf

Im vergangenen Jahr machten die Wirtschaftsprüfer von Warth & Klein Grant Thornton Gruppe, Düsseldorf 87 Millionen Euro Umsatz. Im Jahr 2011 waren es noch 75,8 Millionen Euro. Die Mitarbeiterzahl liegt aktuell bei 823.

Foto: Screenshot

Platz 8: Rölfs RP AG, Düsseldorf

Rölfs RP setzte im vergangenen Jahr in Deutschland 93 Millionen Euro um, 2011waren es knapp 92 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter ist im Vergleich zum Jahre 2011 von 647 auf 655 gestiegen.

Foto: Screenshot

Platz 7: Ebner Stolz Mönning Bachem Partnerschaft

Die Stuttgarter Wirtschaftsprüfer von Ebner Stolz Mönning & Bachem setzten im vergangenen Jahr 138 Millionen Euro um. 2011 lag der Umsatz noch bei 121,7 Millionen Euro. Die Mitarbeiterzahl hat sich von 820 auf 910 erhöht.

Foto: Pressebild

Platz 6: Rödl & Partner

In Deutschland machten die Nürnberger im Geschäftsjahr 2012 einen Umsatz von knapp 154 Millionen Euro. Ein Drittel davon erwirtschaftete die Gesellschaft mit Wirtschaftsprüfungen.* Weltweit setzten Rödl & Partner 281,3 Millionen Euro um - und damit rund 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Zum Gewinn macht das Unternehmen keine Angaben. 3.500 Menschen sind bei Rödl & Partner beschäftigt.

* Rest der Umsätze: Steuer-, Rechts- und Unternehmensberatung

Foto: Presse

Platz 5: BDO AG

Die Hamburger Wirtschaftsprüfer von BDO haben im vergangenen Jahr 192 Millionen Euro Umsatz gemacht. 2011 lag dieser bei 189,2 Millionen. Die Mitarbeiterzahl sank gering: Von 1775 Angestellten im Geschäftsjahr 2011 auf 1773 Mitarbeiter im Geschäftsjahr 2012.

Foto: Screenshot

Platz vier: Deloitte GmbH

Das Düsseldorfer Unternehmen Deloitte zählt dank eines Umsatzes von 658 Millionen Euro (621,7 Millionen im Jahr 2011) zu den Big Four der Wirtschaftsprüfer-Branche. 4.838 Menschen arbeiten für Deloitte.

Anmerkung: Das Rumpfgeschäftsjahr erstreckte sich vom 1.7. 2011 bis 31.5.2012, der Umsatz wurde auf einen 12-Monats-Zeitraum hochgerechnet.

Foto: Screenshot

Platz 3: Ernst & Young GmbH

Die Bronzemedaille geht an Ernst & Young aus Stuttgart: Der in 2012 erwirtschaftete Umsatz betrug 1,2 Milliarden Euro. Gut 40 Prozent des Umsatzes wurden im vergangenen Jahr mit Wirtschaftsprüfung erwirtschaftet Deutschlandweit sind 7205 Menschen für Ernst & Young tätig, im Jahr 2011 waren es noch 6903, die Gesamtzahl der Mitarbeiter liegt bei 7389.

Foto: REUTERS

Platz 2: KPMG AG

Die Gesellschaft setzte 2012 mehr als 1,3 Milliarden Euro um. Das sind fast 9 Prozent mehr als im Vorjahr. Rund 46 Prozent erwirtschaftete KPMG mit Wirtschaftsprüfungen. Zum Gewinn macht das Unternehmen keine Angaben. Aktuell beschäftigt KPMG gut 8.600 Mitarbeiter. Zu den Kunden gehören unter anderem die Deutsche Bank.

Anmerkung: inkl. Rechtsberatung und Übernahme BrainNet 07/2012

Foto: AP

Platz 1: PWC AG

PwC setzte 2012 rund 1,5 Milliarden Euro um und ist damit die größte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Deutschland. Knapp die Hälfte der Umsatzes kamen durch Wirtschaftsprüfungen zustande. PwC konnte den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um gut vier Prozent steigern. Derzeit beschäftigt das Unternehmen in Deutschland 9.300 Mitarbeiter.

Foto: dpa

Das Geschäft der Wirtschaftsprüfer in Deutschland brummt. Laut Marktforscher Lünendonk verzeichneten die 25 führenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften hierzulande 2011 ein durchschnittliches Umsatzplus von 6,5 Prozent. Auch für 2012 gibt sich die Branche zuversichtlich. „Die Top 25 will in diesem Jahr um weitere 5,7 Prozent wachsen“, sagt Jörg Hossenfelder, Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens Lünendonk, das in Frankfurt das aktuelle Ranking der führenden Wirtschafts- und Steuerberatungsunternehmen Deutschlands präsentierte. „Die Branche profitierte im vergangenen Jahr vor allem von einer erhöhten Nachfrage nach Steuer-, Rechts- und Managementberatung“, so Hossenfelder. In ihrem angestammtem Geschäft der Prüfung von Jahresabschlüssen verzeichneten sie indes Stagnation.

Die Nervosität an den Kapitalmärkten belastet vor allem die Big Four

Unumstrittene Marktführer sind nach wie vor die sogenannten Big Four der Branche – PricewaterhouseCoopers, KPMG, Ernst & Young sowie Deloitte. Die Banken- und Finanzkrise hatte ihre Umsätze besonders stark einknicken lassen, weil ihr Geschäft anders als das ihrer mittelständischen Wettbewerber besonders stark vom Kapitalmarkt abhängt. 2009 und 2010 büßten die Big Four zusammen mehr als 11 Prozent ihres Umsatzes ein. Das Tal der Tränen scheinen aber auch sie vorerst durchschritten zu haben. „Mit einem Umsatzplus von im Schnitt 5,2 Prozent in 2011 konnten sie die Krise im vergangenen Jahr weitgehend abhaken“, so Hossenfelder. Das Gezerre um den Euro, die anhaltende Nervorsität auf den Kapitalmärkten und das teilweise bereits wacklige Geschäft so mancher Konzernkunden lässt die Big Four jedoch weiterhin in Habachtstellung verharren: „Wir beobachten sehr genau wie es in der Wirtschaft weitergeht“, betont Martin Plendl, Deutschlandchef von Deloitte.

Mit mehr Gelassenheit blickt der Verfolgerfeld der Big Four im Ranking der umsatzstärksten Wirtschaftsprüfer in die Zukunft. „Wir begleiten die Mandanten in guten und in schweren Zeiten“, so Uwe Wolf, Managing Partner von Mazars (Rang 13 im Lünendonk-Ranking). Jahresabschlüsse müssen immer geprüft werden, bei guter und bei schlechter Konjunktur. Und wenn die Wirtschaft schlecht läuft, haben die Prüf- und Beratungsunternehmen mit Restrukturierungsprojekten auch genug zu tun.

Platz 6: Rödl & Partner

In Deutschland machten die Nürnberger im Geschäftsjahr 2012 einen Umsatz von knapp 154 Millionen Euro. Ein Drittel davon erwirtschaftete die Gesellschaft mit Wirtschaftsprüfungen.* Weltweit setzten Rödl & Partner 281,3 Millionen Euro um - und damit rund 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Zum Gewinn macht das Unternehmen keine Angaben. 3.500 Menschen sind bei Rödl & Partner beschäftigt.

* Rest der Umsätze: Steuer-, Rechts- und Unternehmensberatung

Foto: Presse

Platz 5: BDO

Das Hamburger Unternehmen setzte 2012 in Deutschland fast 192 Millionen Euro um und liegt damit leicht über Vorjahresniveau. BDO beschäftigt 1600 Mitarbeiter.

Foto: Screenshot

Platz 4: Deloitte

Mit einem Umsatz von 657 Millionen Euro im Jahr 2012 hat sich Deloitte gegenüber dem Vorjahr um fast 6 Prozent gesteigert. 37 Prozent des Umsatzes macht das Geschäft mit Wirtschaftsprüfungen aus. Im Geschäftsjahr 2011/2012 fuhr Deloitte einen Gewinn von 13,9 Millionen Euro ein (Vorjahr: 12,5). Für das Düsseldorfer Unternehmen arbeiten mehr als 4.800 Menschen.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 3: Ernst & Young

Mit einem Umsatz von rund 1,2 Milliarden Euro schaffen es Ernst & Young auf den dritten Platz im Ranking. Gut 40 Prozent des Umsatzes wurden im vergangenen Jahr mit Wirtschaftsprüfung erwirtschaftet. Die GmbH beschäftigt in Deutschland mehr als 7.200 Mitarbeiter.

Foto: dapd

Platz 2: KPMG

Die Gesellschaft setzte 2012 mehr als 1,3 Milliarden Euro um. Das sind fast 9 Prozent mehr als im Vorjahr. Rund 46 Prozent erwirtschaftete KPMG mit Wirtschaftsprüfungen. Zum Gewinn macht das Unternehmen keine Angaben. Aktuell beschäftigt KPMG gut 8.600 Mitarbeiter. Zu den Kunden gehören unter anderem die Deutsche Bank.

Foto: AP

Platz 1: PricewaterhouseCoopers

PwC setzte 2012 rund 1,5 Milliarden Euro um und ist damit die größte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Deutschland. Knapp die Hälfte der Umsatzes kamen durch Wirtschaftsprüfungen zustande. PwC konnte den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um gut vier Prozent steigern. Derzeit beschäftigt das Unternehmen in Deutschland 9.300 Mitarbeiter.

Foto: dpa

Fangfrage 1: "Darf ich meinen Nachbarn mitbringen?"

Verbraucherschützer raten dazu, einen Zeugen mit zum Gespräch zu nehmen. Eine unabhängige Person kann hinterher bezeugen, was besprochen wurde. Wenn das dem Berater nicht passt oder er versucht, dies zu verhindern, sollten Kunden misstrauisch werden.

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Fangfrage 2: "Wenn etwas schief läuft, dann ersetzen Sie mir doch den Schaden?"

Solch eine Versicherung gegen Verluste wünscht sich jeder Anleger, doch keine Bank mag das versprechen. Wenn ein Berater sich darauf einlässt, überschreitet er seine Kompetenzen – und will unbedingt etwas verkaufen. Dafür ist ihm jedes Mittel recht, auch eine Fehlinformation an den Kunden.

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Fangfrage 3: "Welche Produkte brauche ich denn nun?"

Gute Berater entwickeln eine Strategie, und sie schauen sich die Vermögens- und Finanzsituation eines Kunden an. Dann reden sie mit ihm über seine Ziele und seine Risikobereitschaft. Einzelne Produkte kommen – wenn überhaupt – immer ganz zuletzt. Berater, die sich sofort darauf einlassen, denken vor allem an ihre Provision. Diese ist häufig davon abhängig, wie viel Produkte in einem bestimmten Zeitraum von ihm verkauft werden.

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Fangfrage 4: "Können wir nicht Zeit sparen und diese überflüssige Liste mit meiner finanziellen Situation ausklammern?"

Zeitdruck darf in einem Gespräch nicht aufkommen. Nur wer als Berater gut und umfassend über seinen Kunden Bescheid weiß, kann ihn auch gut beraten. Wer sich auf solche scheinbar verständlichen Wünsche schnell einlässt, tut sich selbst und dem Kunden keinen Gefallen.

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Fangfrage 5: "Ich bin risikoscheu und möchte mindestens fünf Prozent Rendite. Das ist doch für Sie kein Problem?"

Es sollte ein Problem für Berater sein. Wer diese Frage sofort bejaht, hat sich als unsolide geoutet. Denn fünf Prozent Rendite sind aktuell meist nur mit einem recht hohen Risiko oder anderen Nachteilen zu erzielen. Wer als Anleger gar kein Risiko möchte, muss sich aktuell eher mit einem bis zwei Prozent begnügen – den Konflikt zwischen Risiko und Rendite sollte ein Berater darstellen und nicht schamhaft überspielen.

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Fangfrage 6: "Mein Geld brauche ich immer sofort, das geht doch ohne Verlust?"

Beides geht häufig nicht, insbesondere bei längerfristig angelegtem Geld. Ein schnelles „Ja“ sollte also vorsichtig machen. Schließlich will jeder Anbieter von Geldanlagen am Verkauf etwas verdienen. Und vom jeweiligen Produkt hängt es ab, wie schnell das Geld wieder liquide ist. Ohne Verlust zu jedem beliebigen Zeitpunkt kommen Anleger nur ans Tagesgeld. Doch hier sind die Renditen auch entsprechend niedrig.

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Fangfrage 7: "Ich vertraue Ihnen, das Kleingedruckt ist sicher in Ordnung. Wo soll ich unterschreiben?"

Geldanlagen sollten gut überlegt sein. Berater, die ihren Kunden wenig Zeit lassen, wollen ein Gespräch schnell abhaken. Häufig verbergen sie diese Absicht. Durch diese Fangfrage können Anleger dem Berater auf die Schliche kommen. Jeder Berater sollte das Kleingedruckte erklären, und hinterher sollte es der Anleger noch mal lesen. Einfach zu unterschreiben, ist keinesfalls in Ordnung.

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Fangfrage 8: "Was für ein tolles Angebot. Etwas Besseres werde ich wohl kaum finden. Gilt das nur heute?"

Da schmiert der Kunde dem Berater gleich doppelt Honig um den Bart. Wenn er ob des Lobes strahlt und dann den Zeitdruck bestätigt, ist er in die aufgestellte Falle getappt. Da denkt einer nur an sich und will mit einem Abschluss möglichst schnell den nächsten Kunden beraten.

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Fangfrage 9: "Brauche ich wirklich so viel Papier? Das soll ich doch wohl nicht lesen?"

Anleger brauchen den Überblick und wenig Papier. Sie müssen verstehen, was sie kaufen, und deshalb sollte die Information einer Bank verständlich und kurz sein. Wer seinen Kunden mit Papier überschüttet, legt ebenso einen Offenbarungseid ab wie jemand, der diese Frage bejaht.

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Fangfrage 10: "Wie viel Gebühren bekommt ihre Bank eigentlich? Und wie hoch ist ihr Honorar?"

Solch eine Frage sollte man sich bis zuletzt aufheben. Kein Berater redet darüber gerne. Der Anleger erhält ja Informationen, was der Gesprächspartner und sein Arbeitgeber verdienen. Für die Beurteilung der wahren Absichten eines Verkäufers und der Rendite vieler Anlageprodukte sind die damit verbundenen Kosten jedoch essentiell. Kosten mindern die Rendite des Anlegers, je höher sie sind, um so weniger kommt für den Kunden heraus.

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Fangfrage 11: "Lassen Sie mit sich handeln?"

Viele Anbieter bieten Rabatte auf ihre Produkte. Die gibt ein guter Berater an seinen Kunden weiter. Schließlich erhöht das die Rendite. Wer nicht mit sich handeln lässt, sollte das gut begründen können. Schließlich fließen die Rabatte oft trotzdem, dann aber in die Taschen des Anbieters oder des Beraters.

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Fangfrage 12: "Haben Sie auch Produkte von anderen Banken, Fonds und Versicherern im Programm?"

Ein Berater sollte nicht nur die Ware des eigenen Ladens anbieten, sondern das Beste, was am Markt verfügbar ist. Wer versucht, Anleger mit Ware von der Stange abzuspeisen, ist zu einseitig ausgerichtet. Das sollte vorsichtig machen.

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Fangfrage 13: Rufen Sie an, wenn sich bei meinen Anlagen etwas ändert?

Einmal geredet und dann nie wieder – das kommt oft vor. Gute Berater sind an einer dauerhaften Beziehung zu ihrem Kunden interessiert. Doch Vorsicht, selbst wer verspricht sich zu melden, wird es oft nicht tun. Schließlich steht bei vielen der schnelle Verkauf im Vordergrund und nicht die langfristig ausgerichtete Beratung.

Foto: dpa

Um sich in der deutschen Konzernwelt und bei umsatzstarken international tätigen Mittelständlern als ernstzunehmende Alternative zu den marktdominierenden Big Four zu empfehlen, haben einige Player aus dem Mittelfeld Zukäufe und Zusammenschlüsse gewagt. Auf Platz fünf im Ranking rangiert nach wie vor BDO. Einen Sprung nach vorn im Umsatzranking machte zum Beispiel Ebner Stolz, Mönning Bachem (Rang 7). Durch die Fusion dreier mittelständischer Wirtschaftsprüfer entstanden, steigerte das Fusionstrio seinen Umsatz von 2010 auf 2011 um fast 15 Prozent. Und RBS RoeverBroenner schaffte durch die Fusion mit Susat bei einem Umsatz von rund 72 Millionen Euro erstmals den Sprung auf Platz zehn im Wirtschaftsprüfer-Ranking. „Auch in Zukunft werden mittelgroße Prüf- und Beratungsgesellschaften weiterhin Kooperationen eingehen oder Übernahmen tätigen, um die kritische Masse, die je nach Kundengruppe zwischen 75 und 100 Millionen Euro Umsatz liegt, zu erreichen“, so Hossenfelder.

Befragt nach den größten Problemen, mit der die Branche in den nächsten zwei bis drei Jahren zu kämpfen haben wird, nannten die Wirtschaftsprüfer an erster Stelle den erhöhten Preisdruck im Geschäft mit den gesetzlich vorgeschriebenen Abschlussprüfungen, die Suche nach qualifiziertem Personal und die drohende Regulierung durch die Europäische Union.

Preisdruck im Prüfgeschäft nimmt kein Ende

„Die Honorarsätze, die Wirtschaftsprüfer generell derzeit im Prüfgeschäft erzielen, liegen im Schnitt 20 bis 30 Prozent unter dem, was eigentlich nötig wäre, um die stetig steigenden Anforderungen an die Abschlussprüfung gewährleisten zu können“, sagt Ralf Gröning, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von RölfsPartner (Rang 9 im Lünendonk-Ranking). Im öffentlichen und halböffentlichen Sektor lägen die üblichen Prüfhonorare sogar noch unter diesem Schnitt. „Wir haben uns deshalb bei RölfsPartner entschlossen, uns an bestimmten Ausschreibungen erst gar nicht mehr zu beteiligen“, so Gröning.
„Gleichzeitig haben sich gerade in den letzten sechs Monaten völlig neue Chancen für uns im Prüfgeschäft ergeben. Unternehmen, die jahrzehntelang mit ein und demselben Wirtschaftsprüfer zusammengearbeitet haben, führen derzeit verstärkt Ausschreibungen durch, zu denen gezielt auch nicht Big Four-Prüfer eingeladen werden.“

Die Diskussion um das EU-Grünbuch und die extreme Marktkonzentration gerade in der Abschlussprüfung von Konzernen, ist also nicht folgenlos geblieben.
Allerdings gilt nach wie vor: Jenseits der Big Four sind nur wenige Prüfgesellschaften überhaupt in der Lage, Prüfmandate von DAX-Unternehmen oder auch großen international tätigen Mittelständlern zu übernehmen. Viele mittelgroße Prüfer halten entweder nicht in ausreichender Zahl Personal vor oder sind nicht in allen Ländern vertreten, in denen der Mandant tätig. Mittelgroße Prüfgesellschaften wie RBS Roever Broenner Susat (Rang 10 im Lünendonk-Ranking), PKF Fasselt Schlage (Rang 12) oder Mazars (Rang 13) hoffen deshalb, dass die Europäische Union das sogenannte Joint Audit doch noch verpflichtend vorschreibt. Die Big Four der Branche wären dann nämlich gezwungen, Prüfmandate im Verbund mit kleineren Prüfgesellschaften durchzuführen.

Regelmäßige Prüferwechsel werden wahrscheinlich Vorschrift

Was Brüssel der Branche an neuen Regulierungen aufbrummen wird, ist nach wie vor unklar. Fest steht offenbar, dass keine Verordnung kommen wird, die den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften die strikte Trennung von Prüfung und Beratung vorschreibt –egal wie groß sie auch sein mag. Als wahrscheinlich gilt die Einführung der externen Rotation. Dabei sind sich die Big Four und ihre mittelgroßen Wettbewerber darin einig, dass der von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier vorgeschlagene Zeitraum von sechs Jahren für einen regelmäßigen Wechsel der Prüfgesellschaft viel zu kurz ist. „Allein der organisatorische Aufwand, der mit Prüfmandaten gerade bei Großkonzernen verbunden ist, wäre für jeden Wirtschaftsprüfer wie für ihre Mandanten eine zu große Belastung“, urteilt Jens Poll, Geschäftsführender Partner von RBS RoeverBroennerSusat. „Ein Wechsel alle zehn Jahre wäre angemessener, am besten bei einer Mindestbeschäftigungsdauer von fünf Jahren“. In diesem Herbst wird das Gesetzgebungsverfahren soweit vorangeschritten sein, dass sich allmählich abzeichnen dürfte, welche konkreten Regulierungen kommen werden. „Vor Frühjahr 2013 rechnen wir allerdings nicht mit einer klaren Entscheidung“, sagt Peter Bömelburg, Geschäftsführender Partner von Rödl & Partner in Nürnberg ( Rang 6 im Lünendonk-Ranking).

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