Spektakuläre Rückkehr: Börsenaufsicht will mit Homm kurzen Prozess machen
Florian Homm, wie ihn jeder kennt.
Foto: Nele Bendgens für WirtschaftsWocheDer Frankfurter Analyst, der ihn seit 15 Jahren kennt, kann sich am Telefon das Lachen nicht verkneifen: „Der Florian ist wieder aufgetaucht, er bereut alles und ist fromm geworden. Im Ernst, kaufen Sie ihm das ab?“
Hedgefondsmanager Florian Homm, der am 18. September 2007 verschwunden war, unter Zurücklassung eines einst milliardenschweren Aktien-Trümmerhaufens, meldete sich in der ersten Novemberwoche spektakulär zurück – mit einer Mega-PR-Kampagne, die wohl vor allem dem Erscheinen seines Bekenntnis-Buches („Kopf Geld Jagd“) geschuldet war. Unter konspirativen Umständen trafen sich „Financial Times Deutschland“, „FAZ“, „Spiegel Online“ und „Stern“ mit Homm in Paris.
„Ganz schön geheimnisvoll und exklusiv, was unsere Lieblings-Leitmedien in dieser Woche da so investigativ ausgegraben haben“, spottete der Branchendienst „Meedia“. Der Aufwand hatte sich gelohnt, jedenfalls für Homm und seinen Verleger Christian Jund. Seitenweise konnte sich Homm über seine zeitweise desolate seelische Verfassung auslassen, über die „menschenverachtende Kopfgeldjagd“ auf ihn, über Frauen und Familie, über sein Ex-Investment Borussia Dortmund und vor allem über seine Läuterung – hin zu einem bescheidenen Lebensstil und karitativen Projekten, weg von der Jagd nach dem schnöden Mammon, eine „Wandlung vom Saulus zum Paulus“.
Sehr wenig sagte er dagegen zu den konkreten Vorwürfen, die sein ehemaliger Arbeitgeber, angeblich im Namen seiner Fondsinvestoren, und vor allem die US-Börsenaufsicht SEC an ihn richten – wohl auch, weil er nicht gefragt wurde. Dabei sind die Vorwürfe sehr konkret, minutiös belegt und gravierend. Am 31. Oktober, genau eine Woche bevor Homms Wiederauftauchen publik wurde, hat die SEC vor dem Distriktgericht von Kalifornien ein Versäumnisurteil („Judgment by Default“) gegen Homm beantragt.
Weil der sich zu einer schon im Februar 2011 eingereichten Klage der SEC nie geäußert hatte, will die Behörde nun offenbar kurzen Prozess machen. Sie beschuldigt Homm des Aktienbetrugs und des Betrugs als Investmentberater der Hedgefonds, die von seiner Fondsholding Absolute Capital Management geführt wurden.
Mithilfe des Brokers Hunter World Markets, der aus der US-Tochter von Homms ehemaliger deutschen Firma VMR hervorgegangen war, habe er „Hunderte von Handelsgeschäften“ manipuliert. Homm hielt die Hälfte der Anteile von Hunter und kassierte die Hälfte der Einnahmen des Brokers.
Die Gründer der Frankfurter Immobiliengruppe S+K, Stephan Schäfer und Jonas Köller, hat ein Schicksal ereilt, das vielen angeblichen Finanzprofis aus der Dotcom-Ära bereits zu Teil wurde: Sie landeten wegen mutmaßlichem Anlagebetrug in Untersuchungshaft. Zuvor sollen sie es mit dem ergaunerten Geld richtig haben krachen lassen. Doch was ist aus den Protagonisten aus den vergangenen Jahren geworden?
Foto: WirtschaftsWocheEiner der bekanntesten Blender ist Florian Homm, er ist Großaktionär bei Borussia Dortmund. Am Neuen Markt war er zuvor schon bekannt als Gründer von Value Management & Research (VMR), die Firmen wie Toysinternational.com oder Comtelco an die Börse brachte. Eine angekündigte Fusion mit der Beteiligungsgesellschaft Knorr Capital scheiterte, Homm zog sich aus VMR zurück.
Wenige Jahre später geriet er mit dem Hedgefonds Absolute Capital Management Holdings mit Investments bei Borussia Dortmund oder dem Finanzdienstleister MLP in die Schlagzeilen. Vielfach war ihm vorgeworfen worden, Kurse massiv zu manipulieren. Als der Hedgefonds 2007 unter Druck geriet, nahm Homm überstürzt seinen Hut und war seitdem untergetaucht. Seine Nachfolger in der Leitung des Fonds warfen ihm später vor, dass viele Investments einen weit geringeren Wert hätten, als ausgewiesen. Die Aktien des börsennotierten Hedgefonds verloren mehr als 90 Prozent ihres Wertes. Seit Februar 2011 läuft gegen Homm auch eine Klage der US-Börsenaufsicht SEC. Zuletzt wurde er in Liberia vermutet.
2012 tauchte der Finanzinvestor wieder auf - um ein Buch über sein Leben vorzustellen und sich öffentlich reinzuwaschen. Er sei ein anderer Mensch, gehe mindestens zweimal wöchentlich zum Gottesdienst und wolle sich demnächst der SEC stellen, erzählte er der Financial Times Deutschland.
Foto: dpa/dpawebIm Januar 2012 wurde der gebürtige Kieler Kim Schmitz in Neuseeland festgenommen. Dem 38-jährigen wurde vorgeworfen, Mastermind hinter dem Raubkopien-Portal Megaupload zu sein. Die spektakuläre Verhaftung rückte auch die Dotcom-Ära wieder in Erinnerung, immerhin hatte Schmitz sein 25-Millionen-Dollar-Anwesen "Dotcom Mansion" getauft und sich selbst seit einiger Zeit ganz offiziell Kim Dotcom genannt...
Foto: REUTERSAuch in der Zeit des Neuen Marktes war Schmitz eine der schillerndsten Figuren: Unvergessen sind seine Urlaube mit dem durch eine Dieter Bohlen-Affäre als "Teppich-Luder" bekannten Playboy-Bunny Janina...
Foto: rtrLegendär auch seine Auftritte in der Harald-Schmidt-Show, wo Schmitz seinen eigenen Sessel mitbrachte (die vorhandenen waren ihm zu unbequem) und erzählte, wie er den Jet der Haffa-Brüder für eine halbe Million charterte, um einen Kurztrip in die Karibik zu unternehmen.
Foto: rtrDer Filmvermarkter EM.TV ging schon 1997 an den Neuen Markt. Zwei Jahre später feiert Vorstandschef Thomas Haffa auf der Hauptversammlung in Frankfurt ein Kursplus von 16.600 Prozent - die Aktionäre liegen ihm zu Füßen. Wer früh investiert war, konnte es mit ein paar Tausend Euro zum Millionär bringen. Aber kaum ein Anleger erkannte rechtzeitig, dass die Party ein Ende hat. Es kommen Zweifel an den Bilanzzahlen von EM.TV auf, im Oktober 2000 korrigieren Thomas und sein Bruder Florian Haffa die Bilanzzahlen - an nur einem Tag verliert die Aktie fast ein Drittel ihres Wertes. 2001 tritt Thomas Haffa zurück.
Im April 2003 verurteilt das Landgericht München ihn wegen der falschen Angabe von Unternehmenszahlen zu einer Geldstrafe von 1,2 Millionen Euro. Außerdem musste er die Prozesskosten von 2,5 Millionen Euro zahlen. Zu dieser Zeit wird sein Vermögen auf 200 Millionen Euro geschätzt. Sein Bruder Florian muss eine Geldstrafe von 240.000 Euro zahlen. Es folgen jahrelange Prozesse von Anlegern, die die Haffa-Brüder auf Schadenersatz verklagt haben. Thomas Haffa war später beim Anhängerbauer Kögel engagiert, macht Geschäfte im Yachtleasing und ist Geschäftsführer der Münchener Charterfluggesellschaft Air Independence.
Foto: dpaAufsehenerregend waren auch Aufstieg und Fall des Bodo Schnabel, Gründerchef von Comroad. Wegen Kursbetrugs und Insiderhandels musste Schnabel für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Der Unternehmer "verkaufte" ab 1995 Hard- und Software für Telematik-Systeme. Doch die enormen Umsätze erwiesen sich als faul: Schnabel hatte einen asiatischen Abnehmer seiner Technik frei erfunden, 97 Prozent der Umsätze erwiesen sich als Luftbuchung. Comroad hatte im Jahr 2000 einen Börsenwert von 1,2 Milliarden Euro. Am 21. November 2002 verurteilte das Landgericht München Bodo Schnabel wegen gewerbsmäßigen Betrugs, Insiderhandels und Kursbetrugs. Das Strafmaß betrug sieben Jahre Gefängnis. Im Interview mit der WirtschaftWoche sprach er über seine Erfahrungen. Heute hat er eine neue Firma namens Nanomatic.
Foto: Robert Brembeck für WirtschaftsWoche
Zu den frühen Stars gehörte Gigabell. Gründer war der frühere Schlagersänger Daniel David, mit bürgerlichem Namen Rudolf Zawrel.
Sein Unternehmen nannte sich Multi-Service-Provider, vom eigenen Glasfasernetz und Voice-over-IP-Telefonie war die Rede. Der Börsengang am Neuen Markt erfolgte pünktlich zur Sonnenfinsternis am 11. August 1999, inklusive Millionenschwerer Premierenparty. Zum Börsenstart verkündet David: "Wenn die Gigabell ihr Debüt am Neuen Markt feiert, geht die Sonne gleich zweimal auf."
Fehlinvestments, Gewinnwarnungen und das rasche Verbrennen der Börsenmillionen mündeten im ersten Insolvenzantrag eines Unternehmens vom Neuen Markt - kaum mehr als ein Jahr nach dem Börsengang. David setzte sich nach Marbella ab, wurde gefasst, gestand, und kassierte 2005 eine Bewährungsstrafe von 22 Monaten.
Foto: dpaInformatec sorgt für einen ersten großen Prozess gegen einen Vorstand am Neuen Markt wegen Kursbetruges. Vorstandschef Alexander Häfele meldete 1999 per Ad-hoc-Mitteilung Informatecs größtes Geschäft. Aber es kam nie zustande. Noch vor der folgenden Insolvenz schaffte er sein Vermögen zur Seite. Im April 2003 eröffnet das Landgericht München das Verfahren, der Schaden für Anleger soll rund 250 Millionen Euro betragen haben. Wegen Kursbetrugs und Insiderhandels wird Häfele zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.
Foto: AP
Seine Gewinne aus den Betrugsgeschäften zwischen September 2005 und seinem fluchtartigen Ausscheiden bei Absolute Capital am 18. September 2007 beziffert die SEC auf 24,9 Millionen Dollar. Die solle er zurückzahlen, plus Zinsen von 6,1 Millionen Dollar. Noch einmal 24,9 Millionen Dollar solle das Gericht als Zivilstrafe verhängen – insgesamt wären dies knapp 56 Millionen Dollar gleich 44 Millionen Euro.
Dass er es vorgezogen habe, in dem Verfahren nicht zu erscheinen, spielt nach US-Recht für die Höhe der Strafe ebenso eine Rolle wie die Gefahr, dass er auch in Zukunft die Wertpapiergesetze verletzen könne.
Homms Bekundungen, er bereue vieles, werde sich dem Prozess stellen, und es sei „absolut undenkbar“, dass er noch mal ins Wertpapiergeschäft zurückkehren werde, könnten vor diesem Hintergrund als Versuch gewertet werden, die US-Richter milde zu stimmen.
Außerdem signalisiert er hartnäckig, dass bei ihm, der einst 300 bis 400 Millionen Euro schwer gewesen sei, nichts mehr zu holen sei. „Scheidung, Aktiengewährung, Markteinbrüche, räuberische Treuhänder, eingefrorene Konten, Notverkäufe, Kosten für Dokumentation und Administration und der Verkauf notleidender Vermögenswerte haben mein einstiges Vermögen fast vollständig vernichtet“, schreibt er im Buch.
Vince McMahon ist Chef des amerikanischen Unterhaltungskonzerns World Wrestling Entertainment (WWE). Nachdem der börsennotierte Konzern negative Aussichten bekanntgab, sank der Wert von McMahons Anteilen um 350 Millionen US-Dollar.
Foto: APEike Batista hat innerhalb eines Jahres 99 Prozent seines Vermögens verloren. Mit 33 Milliarden Dollar war er der reichste Mann Brasiliens und einer der reichsten Männer der Welt. Er verlor sein Vermögen unter anderem wegen fallender Aktienkurse seiner Unternehmen.
Foto: dpa2,3 Milliarden Dollar sollen Kweku Adobolis Handelsgeschäfte die Schweizer Großbank UBS im Jahr 2011 gekostet haben. In dem Prozess gegen ihn bestreitet Adoboli die ihm zur Last gelegten Vorwürfe des Betrugs und der Falschbuchhaltung und plädiert auf "nicht schuldig".
Foto: REUTERSNick Leeson sorgte für die wohl größte Fehlspekulation der 90er-Jahre, als er für die singapurische Außenstelle der traditionellen britischen Barings Bank als Chefhändler arbeitete. Die Verluste seiner Trades, die er auf ein geheimes und nicht kontrolliertes Konto verbuchte, summierten sich auf 825 Millionen Pfund – bis die Barings Bank zusammenbrach. Später wurde Leeson zu sechseinhalb Jahren Gefängnis wegen Urkundenfälschung, Untreue und Betrug verurteilt.
Foto: REUTERSNicht weniger Aufsehen erregte die Silber-Spekulation der Brüder Hunt: Nelson Bunker und Herbert William Hunt kauften ab Mitte der 1970er Jahre enorme Mengen an physischem Silber auf. Zudem erwarben sie Silber-Kontrakte, teilweise auf Pump. Dass die Börsenaufsicht später die Regeln änderte, hatte zum einen zur Folge, dass der Wert des physischen Silbers fiel, zum anderen, dass die Hunts ihre Long-Positionen in bar ausgleichen mussten. Das konnten sie irgendwann nicht mehr – und gingen bankrott.
Foto: WirtschaftsWocheDer Aktienhändler Jérôme Kerviel brachte seinen Arbeitgeber, die französische Bank Société Générale, mit hochriskanten Aktiengeschäften um fünf Milliarden Euro. Dafür, dass er bei seinen Trades regelmäßig Handelslimits überschreiten konnte, wurde allerdings auch die Bank selber verantwortlich gemacht. Kerviel wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, ging aber in Berufung. Das Urteil wird für Oktober erwartet.
Foto: REUTERSDass aufsehenerregende Fehlspekulationen nicht immer mit Betrug einhergehen müssen, sondern manchmal schlicht und ergreifend auf falschen Einschätzungen beruhen, zeigt das Beispiel John Paulson. Der Hedgefondsmanager, der in der Finanzkrise noch 16 Milliarden Dollar verdient hatte, lag im Jahr 2011 des Öfteren falsch. So setzte er zu früh auf eine Erholung der US-Konjunktur – und verlor dadurch mehrere Milliarden Dollar.
Foto: REUTERSAuch bei der US-Bank JP Morgan Chase verspekulierte man sich im großen Stil. Im Frühling dieses Jahres informierte Konzernchef Jamie Dimon die JP-Morgan-Aktionäre persönlich, dass sein Institut im Monat zuvor rund zwei Milliarden Dollar bei spekulativen Finanzwetten verloren hatte. Dimon räumte dabei „ungeheuerliche Fehler und Schlampereien“ ein.
Foto: dapdCarl Icahn, berühmt-berüchtigter Corporate Raider, lag in den vergangenen Jahren mehrfach daneben. Icahn verlor etwa mit seinem Engagement beim Internetpionier Yahoo ordentlich Geld: Die 12,7 Millionen Yahoo-Papiere, die er ein Jahr zuvor für rund 25 Dollar pro Aktie gekauft hatte, veräußerte er im Herbst 2009 für unter 15 Dollar das Stück.
Foto: REUTERSSogar Investorenlegenden sind vor Irrtümern nicht gefeit. George Soros, der Anfang der 1990er-Jahre mit seiner Wette gegen das Pfund Sterling einen Milliardengewinn erzielt hatte, verzockte sich 2008 mit Papieren der späteren Pleitebank Lehman: Wenige Monate vor deren Zusammenbruch hatte Soros auf ihre Rettung gewettet und dazu knapp zehn Millionen Lehman-Aktien angehäuft – die kurze Zeit später wertlos waren.
Foto: dpaSelbst Benjamin Graham, der Inbegriff der fundamentalen Wertpapieranalyse, ist nicht von Irrtümern freizusprechen. Der Urvater des Value Investing hatte 1926 einen eigenen Investmentfonds gegründet. Damit erlitt er beim legendären Börsencrash von 1929 Schiffbruch, in den Folgejahren soll er 70 Prozent seines Kapitals verloren haben.
Foto: WirtschaftsWocheSelbst der Graham-Schüler Warren Buffett, der Value-Investor schlechthin und derzeit wohl der prominenteste Börsenguru, macht nicht immer alles richtig. Das „Orakel von Omaha“, so sein Spitzname, erwarb Anfang 2012 zehn Millionen Papiere von General Motors. Wenige Monate danach brach der Kurs um knapp 20 Prozent ein. Der Fairness halber ist allerdings zu erwähnen, dass solche Ausrutscher bei Buffett selten sind.
Foto: dapdSein vermeintlicher Reichtum sei auf ein „Almosen“ zusammengeschrumpft.
„Was mir noch bleibt, macht nicht einmal zwei Prozent dessen aus, was ich zu meinen besten Zeiten besessen habe, und ist eine Verfolgung kaum wert.“ Weniger als sechs Millionen Euro dürften in der Tat kaum reichen, sollte das Gericht der SEC folgen. Damit rechnet Homm natürlich nicht. Er streitet die Vorwürfe komplett ab. Wie aber sollen Homm, sein Kompagnon bei Hunter, Todd Ficeto, und sein Chefhändler H. die Hedgefonds ausgenommen und laut SEC „mindestens 63,7 Millionen Dollar“ ergaunert haben?
Die US-Aufseher haben laut Akten drei illegale Praktiken entdeckt:
- Abgesprochene Aufträge („Matched Orders“): Homms Händler H., Ficeto und ein Händler von Hunter sollen Hunderte von Aktiengeschäften abgesprochen haben, um Kurse von fast nur von ihnen gehandelten Mini-Unternehmen hochzuziehen. Zu diesen gehörten Pro Elite (Sportvermarktung), Micromed (Mini-Herzpumpen), Berman (Sexberatung für Frauen) und der Caféhausbetreiber JavaDetour.
- Schlusskurs-Manipulation: Die Fonds und Hunter sollen durch große abgesprochene Transaktionen gegen Handelsende häufig den offiziellen Schlusskurs von Aktien nach oben getrieben haben. Zum Monatsende konnten die Aktien dann überteuert in den Fonds verbucht werden, dadurch sei zeitweise deren Monats-Performance vom negativen Bereich ins Plus gedreht worden. Zusätzlich seien Geschäfte zurückdatiert worden, um Gewinne der Fonds vorzutäuschen. Von einem besseren Abschneiden der Fonds profitierte die Fondsgesellschaft Absolute Capital: Gute Zahlen zogen mehr Investorengelder an und erhöhten die Provisionen, die Absolute Capital einnahm, was wiederum deren Aktienkurs steigerte.
- Sinnlose Transaktionen („Wash Trades“): Mindestens achtmal sollen die Beschuldigten Aktienpakete gehandelt haben, ohne dass diese am Ende den Besitzer gewechselt hätten. Die Deals seien ökonomisch sinnlos, aber geeignet gewesen, Kurse nach oben zu schieben und Hunter kräftige Gebühreneinnahmen zu verschaffen (siehe Tabelle unten). Zeitweise waren die Kleinstunternehmen dank dieser Deals heillos überbewertet.
Alan Greenspan
Von 1987 bis 2006 war Alan Greenspan Präsident der amerikanischen Notenbank Federal Reserve. Während seiner Amtszeit erreichte der Leitzins sein historisches Tief von einem Prozent. In dieser Zeit wuchs das Derivategeschäft der Banken zu einem Finanzmarktmonster, das eine Größe von 500 Billionen US-Dollar erreichte. Die niedrigen Zinsen gepaart mit einer laschen Regulierung der Banken löste letztlich die "Sub-Prime-Krise" aus. Bei einer Anhörung im US-Kongress im Jahre 2008 gab Greenspan immerhin zu, Fehler gemacht zu haben.
Heute arbeitet er als spezieller Berater bei der Kapitalanlagegesellschaft Pimco. Pimcos Mitbegründer Bill Gross lobt die Fähigkeiten des früheren Fed-Chefs und sagt, dass seine Firma von Greenspans Diensten in Milliardenhöhe profitieren konnte. Neben seiner Beratertätigkeit für Pimco hat Greenspan auch die Deutsche Bank und Hedge-Fond Milliardär John Paulson beraten.
Foto: rtrBill Clinton
Nicht unerheblichen Anteil an der Finanzkrise hatte der frühere US-Präsident Bill Clinton. Die Aufhebung eines und die Unterzeichnung eines anderen Vertrages hat ausgereicht, um ein globales Erdbeben in der Finanzwelt auszulösen. Clinton revidierte zuerst den Glass-Steagall-Act, womit die Trennung zwischen dem Einlagen- und dem Kreditgeschäft in den Banken aufgehoben wurde. Im Anschluss unterzeichnete Clinton den Commodity Futures Modernization Act, wodurch die Regulierung von Kredit-Swaps wegfiel. Dadurch erweiterte sich das Kreditgeschäft der Banken, die Kredite an Haushalte vergaben, die keine ausreichende Bonität vorweisen konnte. Die sogenannte Sub-Prime-Krise war damit geboren.
Nach seiner Amtszeit engagiert sich Clinton vor allem für seine AIDS-Stiftung. Und reist als Berater und gefragter Redner um die Welt.
Foto: dapdGeorge Bush
Die Finanzkrise 2008 erreichte ihren Höhepunkt während der Amtszeit von US-Präsident George Bush. Während Bill Clinton den Stein ins Rollen gebracht hatte, versäumte es Bush ihn mithilfe einer strengeren Regulierung des Finanzsektors aufzuhalten. Ökonom Nouriel Roubini, der nach der Krise den Spitznamen Dr. Doom erhielt, da er lange vor Ausbruch der Krise vor ihr gewarnt hatte, machte Bush den Vorwurf, seinem Nachfolger Barack Obama ein "riesige Chaos" hinterlassen zu haben. Er fügte hinzu, dass man sich glücklich schätzen konnte, dass die damalige große Rezession nicht in eine weitere große Depression führte. Nach seiner Amtszeit zog sich Bush völlig aus dem politischen Tagesgeschehen zurück. Er hat sich mit seiner Ehefrau Laura Bush in Texas niedergelassen und seine Memoiren veröffentlicht. Gelegentlich tritt Bush als Redner auf.
Foto: dapdMervyn King
Der Wirtschaftswissenschaftler Mervyn King ist seit 2003 Gouverneur der Bank of England. Er setzte mit einem Zinssatz von 3,5 Prozent den niedrigsten Zins der Nachkriegsgeschichte fest. Kritisiert wird, dass sich King zu lange an Greenspans Strategie des Niedrigzinsniveaus gehalten und zu spät die Risiken der sich aufblähenden Immobilienblase erkannt hatte. Später reflektierte King sein Verhalten in der Krise 2008 und sagte während einer Globalen Investment Konferenz in London: "Wir haben gemerkt, dass das alles zur Krise führen würde, wir haben uns mit dem Internationalen Währungsfond beraten aber wir haben keine kollektive Lösungsstrategie ausgearbeitet und ich glaube, dass das ein Problem war, das nicht individuell gelöst werden konnte." King wird im nächsten Sommer aller Voraussicht nach seinen Posten als Gouverneur der Bank of England an den ehemaligen Kabinettsekretär Sir Gus O'Donnell oder den stellvertretenden Gouverneur Paul Tucker abgeben.
Foto: rtrGeorg Funke
Der ehemalige Chef der Hypo Real Estate dürfte in die deutschen Wirtschaftsgeschichtsbücher eingehen. Viele machen ihn für das Milliardendesaster des Immobilienfinanzierers verantwortlich. Schließlich war unter seiner Führung ein Teil des toxischen Portfolios angesammelt worden, das den Steuerzahler heute Milliarden kostet. Auch der Kauf der Depfa stellte sich als fatal heraus. Funke meldete sich kürzlich aus Mallorca zu Wort - und zeigte wenig Schuldbewusstsein. Der Ex-Banker macht inzwischen auf Mallorca Immobiliengeschäfte. Vom ZDF ließ er sich interviewen und beklagte eine "Rufschädigung auf Basis falscher Anschuldigungen". Eine Griechenlandpleite sei zu seiner Zeit nicht absehbar gewesen. Und für die Beinahepleite der Bank sei Ex-Finanzminister Peer Steinbrück verantwortlich - denn der habe zum falschen Zeitpunkt von einer Abwicklung gesprochen. "Steinbrück hat die Bank zerstört." Funke hat nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen Steinbrück gestellt. Auch mit der HRE streitet er sich vor Gericht um eine Abfindung, weil er seine Kündigung für unrechtmäßig hält.
Stefan Ortseifen
Witwen- und Waisenpapiere nannte man einst die Aktien der IKB. Weil sie so sicher waren. Auch der ehemalige Chef der Düsseldorfer Bank, Stefan Ortseifen, dürfte mittlerweile wissen, dass dem nicht so war. Ortseifen ist bislang der einzige Bankvorstand, der im Zusammenhang mit der Finanzkrise verurteilt wurde. Er erhielt wegen vorsätzlicher Marktmanipulation eine zehnmonatige Bewährungsstrafe und eine Geldbuße. Ortseifen habe die Schieflage der Bank 2007 bewusst geschönt und damit das Vertrauen von Anlegern missbraucht, so das Gericht. Der Manager hatte am 20. Juli 2007 noch die Gewinnprognose der Bank bestätigt.
Ingrid Matthäus-Maier
Im Jahr 1999 legte Ingrid Matthäus-Maier ihr Bundestagsmandat nieder – aus der SPD-Politikerin wurde eine Bankerin. Matthäus-Meier wurde Vorstandsmitglied der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und rückte 2006 an die KfW-Spitze. Am 30. Juli 2007 geriet die IKB Deutsche Industriebank durch die Krise am US-Hypothekenmarkt in eine massive Schieflage. Durch Milliarden des Großaktionärs KfW wurde die IKB gerettet. Matthäus-Meier wurde scharf kritisiert – und trat überraschend im April 2008 zurück. Zu den Vorkommnissen rund um die IKB äußert sie sich nicht mehr. Heute konzentriert sich die 66-Jährige auf Ehrenämter in Stiftungen und engagiert sich als Atheistin in der Kampagne „Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz“.
Foto: APGordon Brown
Sein Lob für die Bankerzunft kam schlicht zur Unzeit. Kurz vor Ausbruch der Krise sagte der ehemalige Premierminister Englands Gordon Brown, die Banker würden nach London "ein neues goldenes Zeitalter" bringen. Um ausländische Banken nach London zu locken, setzte sich Brown für niedrige Steuern und eine lasche Regulierung des Bankensektors ein. Heute arbeitet Gordon Brown an verschiedenen Projekten, die Kindern in Armut helfen. Außerdem engagiert sich Brown in diversen Organisationen, die sich um die Erziehung von Kindern in ärmlichen Verhältnissen kümmern.
Foto: rtrMaurice "Hank" Greenberg
Greenberg war während der Finanzmarktkrise Chef der Versicherungsgruppe AIG. In dieser Zeit kam es zu einem Skandal, der selbst im US-Kongress für Empörung sorgte. Denn während die Versicherungsgruppe mit mehreren Milliarden Dollar vom US-Finanzministerium und von der Fed vor der Pleite gerettet werden musste, leisteten sich 100 AIG-Mitarbeiter eine Golf- und Wellness-Reise nach Kalifornien. Die Kosten von 444.000 Dollar trug das Unternehmen. Im US-Kongress sagte Elijah Cummings: "Haben sie schon mal etwas empörenderes gehört?", ein weiterer demokratischer Kongressmann fügte hinzu: "Sie bekommen ihre Maniküre, ihre Gesichtsbehandlungen, ihre Pediküre, Massagen während das amerikanische Volk dafür die Zeche bezahlen muss". Heute arbeitet Greenberg im Private-Equity-Unternehmen C V Starr & Co, welches nach dem AIG Gründer Cornelius Vander Starr benannt ist.
Foto: rtrFred Goodwin
Der ehemalige CEO der Royal Bank of Scotland wird wohl in die Geschichte Englands eingehen. 2012 entzog die Queen ihm den Ehrentitel, wonach er nicht mehr mit "Sir" angesprochen werden darf. Normalerweise wird diese "Ehre" nur Diktatoren und Schwerverbrechern zuteil. Zuletzt wurde Robert Mugabe 2008 der Ritterschlag aberkannt. Fred Goodwin, der nach der Krise als der "schlechteste Banker der Welt" bezeichnet wurde, führte die RBS fast an den Rand der Pleite. Mit riskanten Geschäfte versuchte er den Profit in die Höhe zu treiben. Lange Zeit ging dies gut, doch mit zunehmender Zeit wurde die Fallhöhe immer höher und die Blase an den Finanzmärkten immer instabiler. Doch sogar kurz vor Ausbruch der Krise wollte Goodwin mehr. Er stemmt einen 100 Milliarden Dollar Übernahme der dänischen Bank ABN Amro. Die Bilanz nach der Krise ist erschreckend. Die Royal Bank of Scotland verzeichnete den größten Verlust in der Geschichte Großbritanniens und der britische Staat übernahm 82 Prozent der Bank, wonach die RBS faktisch in Staatsbesitz ist.
Doch auch nach seiner "Karriere" bei der RBS machte Fred Goodwin weiterhin mit negativen Schlagzeilen von sich Reden. Er nahm einen Job als Berater bei Schottlands größtem Architektur-Unternehmen RMJM an. In seiner Zeit bei RMJM mussten jedoch 80 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, da Gebühren unbezahlt blieben.
Foto: rtrRichard Fuld
Seine Person wird unvergessen bleiben. Während seiner Zeit als CEO von Lehman Brothers ging die Traditionsbank pleite und löste damit einen globalen Wirbelsturm an den Finanzmärkten aus. "Der Gorilla der Wall Street" wie man ihn nannte, steuerte Lehman Brothers tief in den Sumpf der Sub-Prime-Krise. Seine Mitarbeiter packten unsichere Kredite in Anleihen, die als "soon-to-be toxic" ("bald toxisch") bezeichnet wurden, und verkauften sie an Investoren in aller Welt. Sie taten es in einem Umfang die unvergleichlich war. Während seiner Zeit bei Lehman verdiente Fuld inklusive verschiedener Boni rund 500 Millionen Dollar. Nach der Pleite versuchte Fuld den Ahnungslosen zu spielen. In einer Anhörung antwortete der ehemalige CEO auf die Frage, ob er den überrascht gewesen sei, warum seine Bank als einzige fallen gelassen wurde folgendermaßen: "Ich frage mich das seit dem Tag, an dem sie mich fallen gelassen haben."
Nach der Krise trat Richard Fuld dem Hedgefond Matrix Advisors bei. Ein Jahr später wechselte er zum Brokerhaus Legend Securities, welches er Anfang dieses Jahres wieder verließ.
Foto: rtrCharles "Chuck" Prince
Der frühere Chef der Citigroup drehte das ganz große Rad. Noch im Sommer 2007, als die Finanzkrise ihren Lauf nahm, behauptete "Chuck", dass diese keinerlei Auswirkungen auf seine Bank haben werde. Dabei war die Bücher der Citigroup prall gefüll mit Subprime-Anleihen. "So lange die Musik spielt, werden wir tanzen", sagte Prince. Er tanzte bis zum Schluss. Seit seinem Rauswurf im November 2007 bei der Citigroup ist es ruhig um ihn geworden.
Foto: rtrStan O'Neal
Der ehemalige Merrill-Chef hatte bis zum Juni 2006 Subprime-Derivate im Wert von 41 Milliarden Dollar in den Büchern. Bekannt war von O'Neal, dass er Bodyguards beschäftigte, deren einzige Aufgabe es war, ihm zu jeder Zeit einen Fahrstuhl zu reservieren. Als die Immobilienblase platzte, wurde O'Neal ausgebootet. Er fiel weich und kassierte mehr als 160 Millionen Dollar Abfindung.
Nach seinem Abgang wurde spekuliert, er könne bei dem Hedge-Fonds Vision Capital anheuern. Allerdings wurde daraus nichts. Zwischenzeitlich hat die Börsenaufsicht SEC gegen den Fonds ermittelt.
Foto: rtrJimmy Cayne
Als seine Bank, als Bear Stearns zusammenbrach, spielte Jimmy Cayne, der Boss, Bridge in Detroit. Die Bank wurde für zehn Dollar je Aktie an JP Morgan verscherbelt. Vor Ausbruch der Krise kosteten die Papiere noch mehr als 133 Dollar. Cayne, der selbst ein großes Aktienpaket hielt, verlor rund eine Milliarde Dollar.
Seit dem Untergang von Bear Stearns ist Cayne aus dem Blick der Öffentlichkeit verschwunden. Wer wolle, könne gegen ihn im Internet Bridge spielen, heißt es in New York.
Foto: dpaGeir Haarde
Islands früherer Ministerpräsident ist der einzige Politiker, der juristisch für die Folgen der Finanzkrise belangt wurde. Drei isländische Banken waren kollabiert. Während des Verfahrens sagte Haarde, niemand habe kommen sehen, was da auf die Welt zurolle. Auch er nicht.
Foto: AP
Adam Applegarth
Die Bilder von den Schlangen an den Filialen der britischen Bank Northern Rock gingen im September 2007 um die Welt. Die Kunden fürchteten um ihr Erspartes, das Geldhaus stand kurz vor dem Zusammenbruch. Bankchef Adam Applegarth, der zuvor eine sehr aggressive Wachstumsstrategie verfolgt hat und mitverantwortlich war für die Schieflage des instituts, musste gehen.
2009 heuerte er bei Apollo Management an. Mittlerweile ist er aber nicht mehr Team; zumindest wird er auf der Website nicht mehr als Team-Mitglied geführt. Außerdem hat Applegarth zusammen mit seinem Sohn Greg die Finanzfirma Beechwood Property Management aufgebaut.
Foto: AP
Kathleen Corbet
Die ehemalige Chefin der Ratingagentur Standard & Poor's spielte eine entscheidende Rolle in dem Krisen-Schauspiel. Mit ihren Ratings bescheinigte sie den Ramsch-Produkten der Banken beste Qualität. Kein Wunder, schließlich sind die Finanzkonzerne die besten Kunden der Ratingagentur. 2007 trat sie wegen massiver Kritik zurück. Corbet leitet heute eine kleine Investmentgesellschaft, die unter anderem in Energieprojekte investiert.
Foto: dpaLewis 'Lew' Ranieri
Eigentlich wollte Ranieri ein Restaurant eröffnen. Aus gesundheitlichen Gründen war der Job in der Küche allerdings nichts für ihn. Stattdessen landete er im Handelsraum von Salomon Brothers. Dort erfand er in den 1980er-Jahren die Verpackung von Immobilienkrediten. Ranieri glaubt, das würde die Finanzwelt sicherer machen. Er irrte. Er fühle sich schuldig, sagte er in einem Interview 2009. Heute ist er sauer auf die Wall Street, ihre Investment-Banker und das, was sie aus seiner Idee gemacht haben.
Foto: AP
In einer bereits früher von seiner Ex-Gesellschaft Absolute Capital im Namen der Hedgefonds eingereichten Klage heißt es zudem, Homm und andere hätten die Fonds veranlasst, Milliarden von Penny Stocks direkt von den Unternehmen zu kaufen. Zusätzlich hätten sie sich persönlich fast gratis Aktien besorgt, die sie dann teuer an die Fonds verkauften.
Diese Klage wurde zwar wegen Nichtzuständigkeit des Gerichts abgewiesen – Homm ist Deutscher, die Fonds waren auf den Cayman Islands gemeldet, und die Geschäfte liefen nicht über regulierte US-Börsen. Die Fondsvertreter bekamen aber die Erlaubnis, ihre Klage nachzubessern, und haben dies im Juli 2006 auch getan.
Homm sagt, er habe Aktien mit mindestens 50 Prozent Abschlag zugunsten der Fonds abgegeben. Von den fraglichen Geschäften habe er weder gewusst noch sie angeordnet oder profitiert (siehe Interview Seite 109). Zum einen ist das zweifelhaft. Er selbst schreibt in seinem Buch: „Ich hatte nicht einmal ein eigenes Büro. Mein Schreibtisch stand wenige Meter von zehn anderen Händlern und Analysten entfernt.“ Schon deshalb dürfte er Transaktionen mitbekommen haben.
Zum anderen hat er, als Großaktionär der Holding Absolute Capital und als 50-Prozent-Besitzer des Brokers Hunter, gleich doppelt profitiert. Laut SEC flossen von September 2005 bis September 2007 rund 22,4 Millionen Dollar (17,5 Millionen Euro) von Hunter auf Homms Konten, zudem kassierte er rund 19,7 Millionen Euro Dividenden. Seine Liechtensteiner Gesellschaft CSI verkaufte 2006 und 2007 außerdem Absolute-Capital-Aktien für rund 31 Millionen Euro. Allein diese drei Posten addieren sich auf 68 Millionen Euro Cash.
Nicht profitieren sieht anders aus.
Homm scheint jetzt entschlossen, der US-Justiz nicht mehr auszuweichen. Sein Anwalt Adam Kravitz hat zwei Schriftsätze eingereicht, die im Wesentlichen sagen, dass die US-Justiz doch nicht zuständig sei und Homm in den vergangenen Jahren durchaus für Gerichte und Behörden erreichbar gewesen sei. Zum Teil stimmt dies offenbar: Vor etwa zwei Jahren war der angeblich Verschollene in Köln bei einem Schiedsgerichtsverfahren um das Biotech-Unternehmen Mologen aufgetreten.