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Radeberger, Bitburger und KrombacherBier wird teurer

Die steigenden Energiepreise beeinflussen jetzt auch das Bier. Bei den großen Brauereien zeichnet sich eine Welle von Preiserhöhungen ab. Ob auch der Verbraucher tiefer die Tasche greifen muss, bleibt abzuwarten. 26.07.2013 - 13:49 Uhr aktualisiert

Die Radeberger Gruppe will im Herbst ihre Preise erhöhen.

Foto: dpa/dpaweb

Bier droht in vielen Fällen teurer zu werden. Im Herbst wollen mit der Bitburger Braugruppe, Krombacher und der Radeberger Gruppe drei große Bierhersteller Abgabepreise an ihre Geschäftspartner im Handel und Gastronomie erhöhen. Ob und in welchem Umfang diese die Preiserhöhungen an die Verbraucher weiterreichen werden, ist noch unklar. Die Brauereien begründen ihre Pläne mit erheblich gestiegenen Kosten bei Rohstoffen, Energie und Glas.

Der Biermarkt werde sich im Herbst neu sortieren, berichtete die „Lebensmittel Zeitung“ am Freitag unter Berufung auf Experten. Die große Hoffnung der Hersteller sei, dass die Warengruppe Bier mit der neuen Preisstellung aus dem Fokus des Handels für Aktionen rücke. Der überwiegende Teil der Bierkästen national beworbener Marken geht nach Angabend des Getränkefachgroßhandels schon als Sonderangebot an den Endkunden.

Der Biermarktführer Radeberger Gruppe plant eine Preiserhöhung für einen Großteil seines Sortiments zum Stichtag 1. November. Die Abgabepreise an Handel und Gastronomie würden im Mehrwegsortiment und bei Fassbieren angehoben, bestätigte eine Sprecherin am Freitag. Ausgenommen seien die nationale Marke Schöfferhofer sowie einige Regionalmarken. Bei Clausthaler würden nur Teile des Sortiments angepasst.

Das Ausmaß der geplanten Preiserhöhungen bezifferte die zum Oetker-Konzern gehörende Radeberger Gruppe nicht. Sie stellt Biere unter mehr als 40 Marken her. Das Einwegsortiment ist von den Preiserhöhungen nicht betroffen. Zuvor hatten das Branchenmagazin „Inside“ und die „Lebensmittel Zeitung“ über die Pläne berichtet.

Der Getränkemarkt in Deutschland ist hart umkämpft. Besonders bei den Biermarken ist die Auswahl groß. Ein Überblick.

(Krombacher-, Veltins- und Radeberger-Zahlen von 2012, sonst 2011)

Foto: dpa

Platz 10: Frankfurter Brauhaus

Das Frankfurter Brauhaus verkaufte im vergangenen Jahr rund 2,25 Millionen Hektoliter Bier, wovon knapp 100.000 Hektoliter ins Ausland exportiert wurden Damit liegt das Unternehmen auf dem zehnten Platz. Das Frankfurter Brauhaus braut seit mehr als 600 Jahren. 1396 entwickelten Kartäusermönchen in Frankfurt das Bier und verfeinerten es im Laufe der Jahrhunderte. Heute produziert das Unternehmen vor allem Frankfurter Pilsener, Frankfurter Export, Pilsator, Hefeweizen, Radler und Maltonade.

Von 1991 bis 2003 gehörte das Unternehmen zum Dortmunder Getränkekonzern Brau und Brunnen. Vor acht Jahren wurde schließlich die Frankfurter Brauhaus GmbH gegründet und von der TCB-Beteiligungsgesellschaft übernommen.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 9: Veltins

Auf dem neunten Platz liegt die Brauerei Veltins aus Meschede. Die Brauerei verkaufte im vergangenen Jahr rund 2,79 Millionen Hektoliter Bier. Im Vergleich zum Vorjahr ist ein Plus von 3,6 Prozent zu verzeichnen. Damit hat das Unternehmen im zweiten Jahr in Folge so viel Bier gebraut wie nie zuvor. Wachstumsbringer waren die Traditionssorte Pils sowie der Alkoholfrei-Newcomer Veltins Fassbrause. Er steuerte 60.500 Hektoliter zum Gesamtergebnis bei.

1824 begann das Unternehmen, Bier nach dem deutschem Reinheitsgebot zu brauen. Mehr als 180 Jahre und fünf Generationen später ist die Brauerei noch immer in Familienbesitz. Vor zehn Jahren startete das Veltins mit der Produktrange des Biermix „V+“. Ansonsten produziert die Brauerrei die Sorten Pilsener, Leicht, Alkoholfrei, Malz und Radler.

Foto: CLARK/obs

Platz 8: Carlsberg

Einen großes Minus musste Carlsberg Deutschland im vergangenen Jahr verkraften: Um 26,2 Prozent ging der Absatz zurück, die Brauerei aus Hamburg verkaufte nur noch rund 3,4 Millionen Hektoliter Bier. 

Carlsberg wurde 1847 in Kopenhagen gegründet. Die Brauerei verkauft Astra, Lübzer, Lüneburger, Holsten, Duckstein und das gleichnamige Bier Carlsberg. Zur Carlsberg Deutschland Gruppe gehören auch die Holsten-Brauerei in Hamburg und die Mecklenburgische Brauerei in Lübz.

Foto: dpa/dpaweb

Platz 7: Warsteiner

Auf dem siebten Platz liegt die Unternehmensgruppe Warsteiner Deutschland. Im Jahr 2010 setzte die Gruppe etwa 5,4 Millionen Hektoliter ab. Schon seit 1753 ist die Warsteiner Brauerei im Besitz der Familie Cramer. Mittlerweile gehören zahlreiche Unternehmen zu der Brauerei: Neben der Herforder Brauerei, der Paderborner Brauerei, der Brauerei Frankenheim und der Schlossbrauerei Kaltenberg etwa auch die Welcome Hotelgruppe.

 Die Unternehmensgruppe Warsteiner produziert verschiedene Biersorten: Herforder, Weissenburg, Paderborner Gold, Isenbeck, Frankenheim, König Ludwig und Warsteiner Premium in verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Foto: dpa

Platz 6: Brau Holding

Im vergangenen Jahr hat die Brauereigruppe rund 5,3 Millionen Hektoliter Bier produziert, also knapp 1,6 Prozent weniger als im Jahr davor. Die Brau Holding International ist ein Verbund regionaler Brauereien. Zu ihr gehören insgesamt drei Brauereigruppen mit zwölf Brauereien und einem Mineralbrunnen: die Paulaner Brauerei Gruppe, die Kulmbacher Gruppe (zu 63 Prozent) und die Südwest Gruppe. Die Holding ist ein Joint Venture der Schörghuber Unternehmensgruppe (50,1 Prozent) mit dem niederländischen Brauereiunternehmen Heineken (49,9 Prozent).

Dementsprechend groß ist auch das Sortiment, das die Brauereien der Holding vekaufen: Heineken, Fürstenberg, Hoepfner, Schmucker-Bier, Dad Brambacher, Braustolz, Scherdelbier, Würzburger-Hofbräu, Sternquell, Kulmbacher, Hopf Weiße, AuerBräu, Thurn und Taxis Bier, Hacker Pschorr, Paulaner.

Foto: dpa

Platz 5: Krombacher

Im Jahr 2012 hat die Krombacher Brauerei ihren Gesamtausstoß nochmal im Vergleich zum Rekordjahr 2011 steigern können: Insgesamt stieg der Getränkeausstoß um 1,4 Prozent auf über 6,5 Millionen Hektoliter (2011: 6,4 Millionen). Allerdings hat nicht das traditionelle Pils dazu beigetragen - die Hektoliterzahl ging um 0,8 Prozent auf 4,38 Millionen zurück - sondern die nichtalkoholischen Getränke wie Schweppes, Orangina und Dr Pepper, die auch zur Krombacher-Gruppe gehören. Der Gesamtumsatz des Familienunternehmens stieg um 1,2 Prozent auf knapp 658 Millionen Euro.

Foto: dpa

Platz 4: Bitburger

Rund 7,4 Millionen Hektoliter Bier hat die Bitburger Braugruppe im vergangenen Jahr verkauft -  1,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Neben Bitburger Pilsener gehören auch die Marken König Pilsener, Köstritzer, Wernesgrüner und Licher zur Braugruppe.

Foto: CLARK/obs

Platz 3: Oettinger

Mit einem Absatz von rund 8,8 Millionen Hektolitern liegt die Oettinger Brauerei auf Platz drei der Liste. Für die Brauerei wird an fünf Standorten in Deutschland produziert: Neben der Zentrale in Oettingen wird das Bier auch in Gotha, Schwerin, Mönchengladbach und in Braunschweig gebraut.

Die Oettinger Brauerei vertreibt viele verschiedene Biersorten, darunter Hefeweizen, alkoholfreies Bier, Alt, Radler, Schwarz- und Winterbier. Unter dem Namen Glorietta verkauft Oettinger auch Softdrinks.

Foto: WirtschaftsWoche

Patz 2: Anheuser-Busch InBev

Die Brauerei Anheuser-Busch InBev produziert auf der ganzen Welt. In Deutschland ist das Unternehmen vor allem für Marken wie Becks oder Diebels bekannt. Im vergangenen Jahr verkauften die Brauer von Anheuser-Busch in Deutschland rund 12,4 Millionen Hektoliter.

Neben Becks, Franziskaner Weißbier, Hasseröder, Diebels, Gilde, Haake-Beck, Löwenbräu und Spaten gehören beispielsweise auch Brahma, Leffe, Staropramen und Hoegaarden zu den Marken des Konzerns.

Foto: dpa/dpaweb

Platz 1: Radeberger

Unangefochten an der Spitze der Brauereien steht die Radeberger Gruppe. Allerdings hat sie im Jahr 2012 einen Rückgang bei der Hektolitermenge hinnehmen müssen. Insgesamt verkaufte die zum Familienunternehmen Dr. August Oetker gehörende Gruppe knapp 13 Millionen Hektoliter Getränke von Marken wie Jever, Sion Kölsch, Radeberger Pilsener, Schöfferhofer, Selters oder Bionade. Das waren knapp 200 000 Hektoliter weniger als 2011. Wegen der gestiegenen Preise erhöhte sich der Umsatz 2012 aber um ein Prozent auf über 1,8 Milliarden Euro. Radeberger hat im deutschen Markt nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 15 Prozent.

Foto: dpa/dpaweb

Bereits im ersten Halbjahr zogen einige Großbrauer Preiserhöhungen durch. Veltins erhöhte im Januar 2013 die Abgabepreise gegenüber den Handelspartnern. Der Braugigant Anheuser-Busch InBev hob bei der Marke Beck's zum 1. Februar und bei der Marke Hasseröder zum 1. März jeweils für Teile des Sortiments die Abgabepreise in Deutschland an. Die Bitburger Braugruppe wird zum 1. Oktober 2013 die Abgabepreise für ihre Marken erhöhen. Dazu gehören Bitburger, König Pilsener, Köstritzer, Licher und Wernesgrüner. Die Krombacher Brauerei hat bereits vor Monaten eine Preiserhöhung angekündigt, die Mitte Oktober wirksam werden soll. „Wir erhöhen die Abgabepreise bei allen Gebinden um fünf bis acht Prozent“, sagte ein Krombacher-Sprecher Ende Mai.

„Scheinbar sind das die breit angelegtesten Preiserhöhungen im deutschen Biermarkt seit 2008“, sagte der geschäftsführende Vorstand im Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels (GFGH), Günther Guder, am Freitag auf Anfrage der dpa. Allerdings seien die Preiserhöhungen damals durch die umfangreichen Aktionsangebote im Einzelhandel versandet.

Im Segment der national beworbenen Pilsmarken werden nach Angaben Guders vom Einzelhandel schon fast drei Viertel der Bierkästen in Sonderangeboten verkauft und das bei einem Durchschnittspreis von knapp unter zehn Euro. Verbraucher könnten damit Bier so billig kaufen wie vor 20 Jahren. Ob die inzwischen von verschiedenen Großbrauereien angekündigten Erhöhungen das Preisgefüge bei den Endverbraucherpreisen verändern werde, bleibe abzuwarten.

Guder verwies darauf, dass nicht nur Bierhersteller, sondern auch Getränkefachgroßhändler und Getränkemärkte starke Kostensteigerungen hätten. „Das spüren wir vor allem in den Bereichen Energie, Diesel, Löhne und Maut.“ Große Entlastungen seien nicht zu erwarten. Selbst wenn der Endverbraucherpreis bei einem Bierkasten mit 20 Halbliter- Flaschen um einen Euro steigen sollte, blieben nach Abzug des Brauereianteils und der Mehrwertsteuer voraussichtlich weniger als 20 Cent Zusatzeinnahmen für Einzelhandel und Getränkefachhändler. Anders als Lebensmittelhändler könnten Fachhändler Bier-Sonderangebote nicht durch Mehreinnahmen außerhalb des Getränkesortiments ausgleichen.

dpa
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