Management: Manager können von Spitzensportlern lernen
Willy Bogner
Zuerst der Sport, dann das Geschäft. 1960 und 1964 nahm der deutsche Skirennfahrer an den olympischen Winterspielen teil. Beide Male belegte er im Abfahrtsrennen den neunten Rang. Nach seiner sportlichen Karriere übernahm Willy Bogner das gleichnamige Modelabel seines Vaters. Bis heute ist er Geschäftsführer des Unternehmens, das immer noch zu den Exklusivausrüstern der deutschen Ski-Nationalmannschaften zählt.
Foto: dpaRené Lacoste (Hintergrund, Vordergrund: Philippe Lacoste)
Der französische Tennisspieler René Lacoste widmete sich nach seiner sportlichen Karriere der Mode und gründete 1933 das nach ihm benannte Label. Schon als aktiver Sportler hatte er die Idee für das Poloshirt, das bis heute noch Aushängeschild des Unternehmens ist. Dem Olympia-Dritten von 1924 waren die herkömmlichen Tennishemden zu eng. Das Krokodil-Logo der Marke geht ebenfalls auf René Lacoste zurück. Er bekam den Spitznamen Krokodil, nachdem er um eine Tasche aus Krokodilleder gewettet hatte. Lacoste starb 1996.
Foto: APEckhard Schultz
Der Finanzvorstand des MDax-Unternehmens LEG Immobilien ist sogar Olympiasieger. Gemeinsam mit seinen Mannschaftskameraden gewann der gebürtige Wolfsburger 1988 im südkoreanischen Seoul Gold im Rudern. Er war Mitglied des erfolgreichen Deutschland-Achters.
Foto: PRUli Hoeneß
Der Bayern-Präsident und Gründer der HoWe Wurstwaren spielte von 1970 bis 1979 beim FC Bayern München. 1972 – bei den olympischen Sommerspielen in München – war Hoeneß im Kader der deutschen Fußballnationalmannschaft. In die Endrunde schafften es der gebürtige Ulmer und sein Team aber nicht.
Foto: APKlaus Greinert (links)
Der Aufsichtsratsvorsitzende von Rheinmetall und ehemaliger Geschäftsführer des Kunststoffherstellers Röchling Gruppe nahm in den Sechziger Jahren gleich zweimal an olympischen Sommerspielen teil – 1960 in Rom und 1968 in Mexiko-Stadt. Greinert spielte in der Hockey-Nationalmannschaft, gewann aber nie eine Medaille. 1968, im Alter von 28 Jahren, reichte es aber immerhin für den vierten Platz.
Foto: APThomas Bach
Gemeinsam mit der Fecht-Nationalmannschaft gewann der gebürtige Würzburger 1976 im kanadischen Montreal Gold. Seit den Achtziger Jahren war der promovierte Jurist in verschiedenen Positionen in der Wirtschaft tätig. Er arbeitete als Manager bei Adidas, beriet Siemens, saß sogar im Schweizer Verwaltungsrat des Unternehmens. Kritiker vermuten, der damalige Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes hätte Siemens Großaufträge für die Sommerspiele in Peking vermittelt. Bis heute leitet Bach den Aufsichtsrat des Maschinenbauers Michael Weinig. Außerdem ist Bach seit 2013 Präsident des Internationalen Olympischen Komitees.
Foto: REUTERSMichael Groß
Er war in den Achtziger Jahren einer der erfolgreichsten deutschen Olympioniken. 1984 in Los Angeles gewann der Schwimmer zweimal Gold und zweimal Silber. Vier Jahre später in Seoul gewann er über 200m Schmetterling und holte mit der Freistilstaffel Bronze. Heute ist Groß Berater für Change- und Talentmanagement, Führungskräfte-Coach und Buchautor. Seit 2003 lehrt er an der Frankfurt School of Finance & Management.
Foto: dpaJosef Neckermann
Der Versandhändler aus dem bayrischen Würzburg startete seine berufliche Karriere schon lange bevor er bei den olympischen Spielen statete. Mit 22 Jahren trat er in die Geschäftsführung der von seinem Vater gegründeten Kohlehandlung ein. Das war 1934. Seinen weiteren Aufstieg hatte Neckermann dem grausamen NS-Regime zu verdanken. Er wurde NSDAP-Mitglied und konnte so im Dritten Reich sein Handelsimperium aufbauen. Neckermann übernahm jüdische Unternehmen, die zwangsweise „arisiert“ wurden. Nach dem zweiten Weltkrieg konnte er sein Unternehmen weiter ausbauen. Seit 1960 nahm Neckermann als Dressurreiter an vier Olympiaden teil. Erst Rom, dann Tokyo, anschließend Mexiko-Stadt und 1972 in München. Bei seinen Einsätzen gewann er zweimal Gold, zweimal Silber und zweimal Bronze. Er starb 1992 an Lungenkrebs.
Foto: dpaTyler und Cameron Winklevoss
Die Zwillinge beschuldigten Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, die Idee für sein soziales Netzwerk bei ihnen abgekupfert zu haben. Der Rechtsstreit mündete in einen Vergleich. Die Brüder erhielten 2008 mehr als 60 Millionen US-Dollar. Im gleichen Jahr landeten sie bei den olympischen Spielen von Peking im Ruderwettbewerb auf Rang sechs. Sie starteten gemeinsam im Zweier ohne Steuermann. Derzeit investieren die Brüder vor allem in die virtuelle Währung Bitcoins.
Foto: AP
Topathleten und Unternehmer haben dasselbe Ziel: besser zu sein als ihre Gegner. Wo der Erfolgsdruck hoch ist, ist mentale und emotionale Stärke eine der wesentlichen Voraussetzungen für Bestleistungen. Wer mentale Techniken beherrscht, findet auch in Stresssituationen seine innere Ruhe und bleibt belastbar. Deshalb gehört bei vielen Spitzensportlern mentales Training zur Saison- und Wettkampfvorbereitung.
Das lateinische Wort „mens“ bedeutet „Geist“, „Verstand“, „Intellekt“. Mentales Training ist die gedankliche Vorbereitung, das geistiges Hineingehen in eine Situation im Vorfeld. Oder, wie der Sportwissenschaftler Hans Eberspächer schreibt: „Mentales Training ist das planmäßig wiederholte, systematische, bewusste und kontrollierte Optimieren von Vorstellungen des Eigenzustands, einer Handlung oder eines Weges ohne gleichzeitige praktische Ausführung.“ Das Unterbewusstsein wird sozusagen darauf programmiert, eine bevorstehende Situation erfolgreich zu meistern.
Wer in Sotschi eine Medaille gewinnen will, muss neben hervorragender körperlicher Verfassung, einer ausgefeilten Technik und Ausrüstung vor allem emotionale und mentale Stärke beweisen. Und eben diese hängt von vielen Faktoren ab: der inneren Einstellung zu sich und den Spielen, dem Selbstvertrauen, dem Umgang mit Selbstzweifeln, der Konzentrationsfähigkeit, dem Ausblenden von Störfaktoren, der Beeinflussung und Regulation von Emotionen (Angst vor Versagen, Leistungsdruck) und Gedanken. Weitere Faktoren sind die Gelassenheit in Stresssituationen, die Unterstützung aus dem Umfeld, der Einsatz von Routinen und Ritualen und nicht zuletzt der Spaß.
Wer mental und emotional stark ist, kann seine Möglichkeiten ungeachtet aller Widrigkeiten und Störungen von innen und außen voll ausschöpfen. Erfolgreiche Menschen – ob Manager oder Athleten - sind vor ihrem realen Erfolg bereits im Kopf Gewinner. Sie kommen dorthin, wo sie hin wollen, kraft ihrer Gedanken und inneren Bilder, dank ihres Muts, ihrer Disziplin und ihrer Entschlossenheit. „Think big“ ist ihr Motto.
Sieger denken anders
„Ändere deine Gedanken und dein Leben ändert sich“. Dieser Satz klingt zu einfach, um wahr zu sein. Aber wären Spitzensportler wie Felix Neureuther, Michael Schumacher, Britta Steffen, Oliver Kahn und andere so erfolgreich geworden, hätten sie wie ein Verlierer oder Versager gedacht? Athleten wissen, dass negative Gedanken zu Muskelverspannungen führen, den Bewegungs- und Atemfluss hemmen und sogar in leichte Schmerzen münden können. Gedanken bewirken körperliche Reaktionen. Positive Gedanken, positive Wörter und Lachen lockern die Muskulatur und führen zu einer veränderten Sicht der Dinge.
Achten Sie also auf Ihren inneren Dialog, die Stimme, die da in Ihnen fast dauernd spricht: „Hoffentlich stottere ich nicht gleich wieder in der Präsentation?“ Die Kontrolle über die eigenen Gedanken entscheidet, ob Sie negative oder positive Gefühle in Gang setzen, die Ihre Körperhaltung und Ihre Leistung beeinflussen.
Innere Ruhe
Wenn Sie konzentriert arbeiten wollen, müssen Sie die Hektik aus sich vertreiben. Wenn Sie vor dem Aktenstapel in Panik geraten und sich mit dem Gedanken "das schaffe ich nie" an den Schreibtisch setzen, kann es nichts werden. Atmen Sie also tief durch und schalten die Gedanken an den Kindergeburtstag am Abend oder die Organisation des Firmenlaufes erst einmal ab. Zur Not machen Sie eine kleine Entspannungsübung, bevor Sie sich an die Arbeit setzen. Geeignete Übungen finden Sie hier.
Foto: FotoliaVersagensangst
Manche Mitarbeiter kommen mit dem eigenen Versagen nicht klar. Und so mancher Manager sieht Versagen nicht als Teil der Erfolgsentstehung. Versagen setzt Energie frei. Die gelernten Lektionen macht das gesamte Team stärker und schlauer. Wird das nicht erkannt, kann die Energie schnell ins Gegenteil umschlagen und das komplette Team ausbremsen.
Foto: FotoliaFristen setzen
Falls es für ein Projekt keine konkrete Frist gibt, neigen viele dazu, ab und an ein bisschen daran herumzudoktern - wenn eben Zeit dazu ist. Das nutzt weder dem Projekt noch der Konzentration. In einem solchen Fall ist es hilfreich, sich selber Fristen zu setzen: Bis zur Mittagspause die Anrufe tätigen, bis Freitag die Kosten kalkulieren und so weiter.
Foto: FotoliaZiele setzen
Noch bevor Sie sich Fristen setzen, setzen Sie sich Ziele: Wenn Sie wissen, was Sie erreichen wollen, können Sie Prioritäten setzen und verzetteln sich nicht so schnell.
Foto: FotoliaErinnern lassen
Und anstatt sich alles selbst zu merken, lassen Sie sich besser erinnern: Weder Ihr Computer, noch Ihr Smartphone oder ein simpler Zettel geraten in Stress, wenn sie sich neben ihren eigentlichen Aufgaben auch noch Termine merken sollen. Menschen dagegen schon. Entweder schauen Sie ständig auf die Uhr und können sich deshalb nicht richtig konzentrieren - oder sie konzentrieren sich auf Ihre Arbeit und verbummeln den wichtigen Anruf.
Foto: FotoliaBurnout
Ausruhen ist Pflicht! Ein Team braucht genügend Möglichkeiten sich auszuruhen, sonst geht der Antrieb verloren. Gute Manager wissen, wann sie antreiben und wann sie locker lassen müssen. Das ist zwar von Mitarbeiter zu Mitarbeiter unterschiedlich. Trotzdem: Eine Pause braucht jeder. Auch der Chef.
Foto: FotoliaHeller Arbeitsplatz
Achten Sie außerdem darauf, dass Ihr Arbeitsplatz möglichst hell ist. Sonst werden Ihre Augen - ohne dass Sie es merken - immer wieder nach möglichen Gefahren im Dunkeln Ausschau halten. Das gilt auch für Bewegungen. Die asiatische Glückskatze mit dem winkenden Arm gehört also aus dem Blickfeld geräumt. Sie werden sonst immer wieder unbeabsichtigt hinschauen. Das schadet der Konzentration.
Foto: FotoliaRuhige Umgebung
Wenn ständig Lärm herrscht, die Kollegen durcheinander reden, das Radio dudelt oder das Telefon klingelt, kann man sich schlecht konzentrieren. Wer im Großraumbüro arbeitet, wird am Geräuschpegel zwar nichts ändern können. Man kann sich aber mit Hilfe von Ohrenstöpseln oder Kopfhörern immer mal wieder eine akustische Auszeit nehmen.
Foto: FotoliaRichtige Pausen
Vielleicht die simpelste Hilfe bei nachlassender Konzentration sind richtige Pausen. Statt sich am Schreibtisch einen Burger oder andere hohle Kalorien einzuverleiben, eignet sich das Vollkornbrot bei einem kleinen Spaziergang viel besser. Denn nicht nur Bewegung und Sauerstoff, auch die richtige Ernährung bringen unser Gehirn auf Trab.
Foto: FotoliaSauerstoff tanken
Auch außerhalb der Mittagspause braucht ihr Körper frische Luft, um konzentriert arbeiten zu können. Sorgen Sie also über den Tag verteilt für ausreichende Sauerstoffzufuhr. Zehn Minuten Lüften schadet auch den kälteempfindlichen Kollegen nicht.
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Negative Gedanken lassen sich nicht vermeiden – aber Sie können sie bewusst durch positive ersetzen. So kann aus einer selbst erfüllenden Überzeugung wie „Ich bin (noch) nicht gut genug“ - ein Satz, der wie ein Bremsklotz wirkt - der bestärkende Satz „Ich vertraue mir und meinen Fähigkeiten voll und ganz!“ werden.
Affirmation kommt vom lateinischen Verb „firmare“, was so viel bedeutet wie „festigen, verankern“. Eine Affirmation ist ein bejahender, bekräftigender Satz, der – wenn Sie diesen oft genug laut oder innerlich wiederholen – Gedanken und Überzeugungen verändert.
Eine schriftliche Analyse der Selbstgespräche vor, während und nach leichten, schwierigen, aussichtslosen sowie erfolgreichen Anforderungs- oder Stresssituationen hilft zu erkennen, welche Selbstgespräche unterstützend und welche hinderlich für Handeln und Leistung sind.
Wie sollten Gedanken optimaler Weise formuliert sein? Es sind kurze, positive Sätze in der Gegenwartsform. Jeder Satz beginnt mit „Ich“. Etwa wie „Ich kann das.“ Solche Sätze kann man notieren und in Sichtweite platzieren oder als Hintergrundbild im Smartphone abspeichern. Je öfter Sie darauf schauen, umso besser speichert Ihr Unterbewusstsein die Botschaft ab.
Emotionen zielgerichtet einsetzen
Ebenso relevant ist der richtige Umgang mit Emotionen. Kein Profi-Golfer im Turnier kann sich erlauben, lange einem verschlagenen Ball nachzutrauern. Auch Ärger am Arbeitsplatz darf weder das weitere Handeln noch den Feierabend überschatten. Rituale sind hier ein Mittel zur Kompensation. Die Türschwelle des Büros kann die Linie sein, hinter der der Ärger zurückbleibt. Der Weg auf dem Flur kann mit Techniken wie Atemfokussierung, Erfolgsvisualisierung oder einem Luftsprung genutzt werden um den Kopf frei von negativen Emotionen zu machen.
Eine zentrale Technik im Mentaltraining ist die Visualisierung. Gerade Skirennläufer oder Rodler beherrschen das. Bevor sie starten fahren sie den Kurs vor dem inneren Auge ab. Und dann geht es los. Das Ziel: Mit der Kraft der Vorstellung Situationen optimal zu meistern, die beste Leistung abrufen zu können. Solch ein „Kopfkino“ funktioniert auch vor einer Präsentation oder ähnlichen Aufgaben. Man entspannt sich in einem ruhigen Raum und erlebt innerlich die grandios verlaufende Präsentation lebendig und emotional.