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VerbraucherzentraleInternet-Apotheken fallen bei Beratung durch

Medikamente im Internet bestellen – das geht schnell, ist unkompliziert und günstig. Doch nicht immer auch bedenkenlos. Beim Testkauf wurden große Mengen eines rezeptfreien Schlafmittels bestellt. Jeder zehnte Anbieter hat dabei nicht über Risiken aufgeklärt - und damit gegen das Gesetz verstoßen.Clare Devlin 10.03.2014 - 13:56 Uhr

Rezeptfreie Schlafmittel konnten bei einem Test in großen Mengen online bestellt werden. Das ist unzulässig und verstößt gegen das Gesetz.

Foto: dpa

Der Tag war lang und anstrengend. Abends wird das Dröhnen im Kopf immer stärker, die typische Frühjahrserkältung gemischt mit Ermüdungserscheinungen und Schlafmangel kündigt sich an. Das Zaubermittel: Aspirin. Doch wenn die Medikamentenschublade nichts mehr her gibt, geht es im Internet ganz schnell. Ein paar Klicks später kann man beruhigt schlafen gehen, am nächsten morgen wird die Online-Versandapotheke mit Sicherheit geliefert haben.

Das deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) hat eine Liste aller Versandapotheken mit behördlicher Erlaubnis veröffentlicht. Der Katalog ist 331 Seiten lang, Auswahl gibt es also genug. Auch wer Google fragt, wird in sekundenschnelle fündig. Eine der ersten Vorschläge ist die Doc Morris Apotheke. Hier gibt es die gesuchten Aspirin plus C Brausetabletten (40 Stück) für 10,59 Euro – und eine Ersparnis von mehr als sechs Euro obendrauf. Selbst mit den Versandkosten ist das noch immer günstiger als in der Apotheke nebenan.  Der Grund: Seit 2004 gibt es für nichtverschreibungspflichtige Medikamente keine Preisbindung mehr. Die Händler konkurrieren und drücken die Preise. „Grundsätzlich sind Versandapotheken eine gute Sache, denn so hat der Kunde die Wahl des Vertriebsweges", sagt Regina Behrendt, Referentin für den Gesundheitsmarkt bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen der „Welt“. "Es ist eine bequeme Sache, so Medikamente einzukaufen."

Volkskrankheiten haben nicht nur gesundheitliche sondern auch wirtschaftliche Auswirkungen. Allein im Jahre 2010 waren die Bundesbürger 17,6 Tage im Durchschnitt krankgeschrieben.

Foto: dpa

Volkskrankheiten führen nicht zwangsläufig zum Tode. Deshalb ist es wichtig, zwischen Krankheiten und Todesursachen zu unterscheiden. Zu den häufigsten Todesursachen zählen in Deutschland der Herzinfarkt und der Schlaganfall. 42 Prozent der Bundesbürger waren hiervon betroffen.

Foto: dpa/dpaweb

Zu den zweithäufigsten Todesursachen zählt das Krebsleiden mit 35 Prozent. Frauen versterben neben Krebserkrankungen der Verdauungsorgane nicht selten an Brustkrebs. der Darm-und Lungenkrebs ist die häufigste Todesursache bei den männlichen Bundesbürgern.

Foto: dpa/dpaweb

Zu den häufigsten Erkrankungen gehört die Depression. Sie belegt den vierten Platz in der Rangliste mit 9,4 Prozent. Unter Depressionen sind unterschiedliche Erkrankungen zu fassen wie beispielsweise Angstzustände.

Foto: dpa

Unter den Begriff der Depressionen fällt auch das Krankheitsbild des Burn-out Syndroms. Betroffene sind meist körperlich, geistig und emotional erschöpft. Grund für diesen Zustand sind Stress oder berufliche Überbelastung.

Eu-weit belaufen sich die volkswirtschaftlichen Folgekosten auf 20 Milliarden Euro jährlich.

Foto: dpa

Platz 3 belegen die Atemwegserkrankungen mit 18 Prozent. Mediziner unterscheiden zwischen den oberen und unteren Atemwegen. Zu den Erkrankungen der oberen Atemwege gehören Krankheiten der Nasennebenhöhlen und Kieferhöhlenentzündungen. Die Bronchitis hingegen wird zu den Krankheiten der unteren Atemwege gezählt.

Foto: dpa

Gemeinsam mit den Atemwegserkrankungen ist die Fettstoffwechselstörung die dritthäufigste Krankheitsursache in Deutschland. Eine Störung des Stoffwechsels ist das Übergewicht, das auf falsche Ernährung und Bewegungsmangel zurückzuführen ist. Laut des Europäischen Statistikamts sind 60 Prozent der Deutschen übergewichtig.

Foto: dpa

Eine weitere Fettstoffwechselstörung ist die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus. Dabei wird zwischen Typ 1 und Typ 2 unterschieden. Typ 2 ist auf das Übergewicht zurückzuführen.

Foto: dapd

Mit 24,1 Prozent sind die Rückenschmerzen das zweithäufigste Volksleiden der Deutschen. Diese Zahl schlägt sich auch in den Krankheitstagen nieder. 13 Tage lässt sich der Bundesbürger wegen dieser Erkrankung krankschreiben.

Foto: AP

25,7 Prozent der deutschen Bundesbürger leiden an Bluthochdruck. Damit belegt diese Erkrankung den ersten Platz. Die Ursachen sind vielfältiger Natur. Außer der genetischen Veranlagung spielen Stress, Bewegungsmangel und ein überhöhter Alkoholkonsum eine wesentliche Rolle. Wird die Erkrankung nicht behandelt, drohen Herzinfarkt und Schlaganfall.

Foto: dpa

Aber ist bequem, günstig und schnell auch immer gleich sicher? Oft ist es nicht möglich, seriöse von unseriösen Anbietern zu unterscheiden.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat deshalb im vergangenen Jahr untersucht, wie die Beratungsqualität bei Online-Apotheken ist. Wie sicher ist es Medikamente online zu bestellen? Erkennen die Versandhändler einen Medikamentenmissbrauch? Und werden die richtigen Konsequenzen daraus gezogen? Die Verbraucherzentrale hat sich bei ihren Testkäufen auf Schlafmittel konzentriert und überdurchschnittlich große Mengen bestellt. Der Inhalt der Bestellanfrage lautete: „Guten Tag. Ich habe bei Ihnen Schlaftabletten bestellt (Betadorm-D) und möchte wissen, ob ich dabei etwas beachten muss. Da ich schon seit längerer Zeit an Schlafstörungen leide benötige ich ein Mittel, dass auf Dauer gut verträglich ist. Bis jetzt hat mir noch nichts wirklich gut geholfen.“

Für Rückfragen wurde eine Handynummer und eine E-Mail-Adresse angegeben. Die bestellte Menge lag bei über 40 Euro - macht fünf Packungen. Die empfohlene Einnahmedauer beträgt lediglich 14 Tage und ist damit überschritten. Grundsätzlich muss von Seiten der Apotheke nachgefragt werden, ob bereits Tabletten eingenommen wurden und es muss aufgeklärt werden, dass es kein Medikament "auf Dauer" ist. Das erläutert die Verbraucherzentrale NRW.

Platz 10: MabThera

Der Wirkstoff nennt sich Rituximab. Das Medikament wird für die Behandlung von Lymphomen eingesetzt. In der EU vertreibt Roche es unter dem Handelsnamen MabThera, in den USA heißt es Rituxan. 2013 brachte es rund 6,26 Milliarden Dollar ein. Das waren 5,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

Bild: Roche Pharma AG

Datenquelle: IMS Health

Foto: Presse

Platz 9: Cymbalta

Der Wirkstoff dieses Medikaments heißt Duloxetin. Dabei handelt es sich um ein Mittel, das bei Depressionen und Angststörungen eingesetzt wird. Vermarktet wird es von Eli Lilly; der Firma spülte es im Jahr 2013 6,46 Milliarden Dollar in die Kassen - eine Steigerung um 13,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Bild: Lilly Deutschland GmbH

Foto: Presse

Platz 8: Remicade

Remicade ist der Handelsname von Infliximab. Dabei handelt es sich um einen Antikörper, der das Immunsystem vielfach beeinflusst. Eingesetzt wird das Medikament vor allem gegen Rheuma-Erkrankungen. In Deutschland wird es von MSD vertrieben. 2013 erzielte es einen Umsatz von rund 7,68 Milliarden Dollar - 7,8 Prozent mehr als im Vorjahr.

Bild: MSD Sharp & Dohme GmbH

Foto: Presse

Platz 7: Abilify

Otsuka Pharmaceuticals vertreibt das Arzneimittel Aripiprazol unter dem Namen Abilify. Es wird zur Behandlung von Schizophrenie eingesetzt. Mit 7,83 Milliarden Dollar in 2013 landet es auf Rang sieben. Das entspricht einem um 14,6 Prozent höherer Umsatz als noch im Vorjahr.

Foto: "Abilify bottle" by Eric Gingras, via Wikipedia

Foto: Creative Commons

Platz 6: Nexium

Das Magenmittel von AstraZeneca mit dem Wirkstoff Esomeprazol liegt im Mittelfeld bei den Top-Ten-Präparaten. Der Umsatz 2013 lag bei 7,86 Milliarden Dollar - ein Plus von 7,0 Prozent.

Bild: AstraZeneca

Foto: Presse

Platz 5: Lantus

Lantus wird von Sanofi-Aventis hergestellt. Es enthält "Insulin glargin" und wird zur Behandlung von Diabetes eingesetzt. Mit einem Zuwachs von 23,3 Prozent legte es die stärkste Steigerung innerhalb der Top Ten hin. Umsatz 2013: 7,94 Milliarden Dollar.

Foto: dpa

Platz 4: Enbrel

7,95 Milliarden Dollar Umsatz (plus 8,7 Prozent) machte dieses Medikament von Pfizer. Der Wirkstoff Etanercept wird zur Behandlung von Rheuma und der entzündlichen Hautkrankheit Psoriasis eingesetzt.

Foto: AP

Platz 3: Crestor
Als Cholesterinsenker aus der Gruppe der Statine machte AstraZenecas Medikament Crestor im Jahr 2013 einen Umsatz von 8,15 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 1,5 Prozent. Der Wirkstoff heißt Rosuvastatin.

Foto: Presse

Platz 2: Seretide

GlaxoSmithKline machte mit der Arznei Salmeterol unter dem Namen Seretide 2013 9,21 Milliarden Dollar Umsatz - ein Zuwachs von 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Es erweitert die Bronchien und wird zur Behandlung von Asthma eingesetzt.

Foto: REUTERS

Platz 1: Humira

Der Wirkstoff Adalimumab wird von AbbVie als "Humira" vertrieben. Dabei handelt es sich um einen sogenannten TNF-Blocker, der etwa zur Behandlung von rheumatoider Arthritis oder Morbus Crohn eingesetzt wird. Es gilt als eines der teuersten Medikamente in Deutschland. 2013 brachte es weltweit 9,85 Milliarden Dollar ein. Das entspricht einem Plus von 18,5 Prozent.

Foto: AP

Das Ergebnis allerdings: Kaum ein Käufer wurde richtig beraten. Nur fünf von 50 Versandapotheken haben die richtigen Fragen gestellt, einen Besuch beim Arzt empfohlen und die bestellten Medikamente verweigert. Besserung wird gelobt: "Wir sind mit einem Hausaufgabenpaket nach Hause gegangen, an dem wir jetzt arbeiten", bestätigt Kerstin Kilian, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Deutscher Versandapotheken, gegenüber der „Welt“. Darin geht es etwa um Suchtwarnhinweise für Patienten, Höchstabgaben und den Ausbau des kostenlosen Beratungsservice der Versandapotheken.

Dass es generelle Sicherheitslücken im Bereich des Medikamentenversands gibt, weißt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Versandhandels zurück. Gegenüber der „Welt“ sagt Christoph Wenk-Fischer: „Tatsache ist, dass das Beratungsangebot deutscher Versandapotheken qualitativ mit dem in stationären Apotheken ohne Weiteres mithalten kann".

Denn sowohl für Vor-Ort-Apotheken, als auch Internet Versandapotheken müssen die gleichen Auflagen erfüllen werden. Heißt: Beide müssen ihre Kunden beraten und informieren, damit sie eine sichere Anwendung von Arzneimittel garantieren können. Seit 2012 gibt es zusätzliche eine neue Anforderung. Bei der Beratung müssen auf Nebenwirkungen und Wechselwirkungen hingewiesen werden. Der Kunde muss informiert werden, ob er möglicherweise einen Arzt aufsuchen soll. Zusätzlich ist bei einem begründeten Verdacht auf Missbrauch die Abgabe zu verweigern. Genau das hat bei den Testkäufen selten funktioniert.

Seit 2004 ist der Versandhandel mit Medikamenten in Deutschland erlaubt. Mittlerweile betreiben rund 15 Prozent der 21.000 Vor-Ort-Apotheken einen Internethandel, berichtet das DIMDI. Viele kleine Apotheken betreiben den Online-Versand nur nebenbei. Doch es gibt auch große Internetversandhändler, die eher einem mittelständischen Unternehmen gleichen, erklärt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Der Bundesverband Deutscher Versandapotheken geht davon aus, dass rund 170 Anbieter große Online-Internetapotheken vertreiben. Nach Angaben einer Bitkom-Studie von vergangenem Jahr nutzen rund 16 Millionen Deutsche Versandapotheken. 

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