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Reise 4.0 Servus, liebe Schlüsselkarte

Das digitale Reiseerlebnis hört nicht schon bei der Hotelbuchung auf. Quelle: Fotolia

Online buchen kann man Hotels schon lange. Doch damit endet in der Regel der digitale Teil der Reise. Für die Mitarbeiter dreier Dax-Konzerne ist das anders. Sie nutzen eine App, die ihr digitales Erlebnis verlängert.

Ob München oder Mailand – wer heute verreist, kann das Taxi per App bestellen, den Flug oder die Bahnfahrt online buchen und das Ticket digital vorzeigen. Spätestens aber beim Check-in ins Hotel muss man wieder zurück in die alte Welt. Dort braucht man Kugelschreiber und Papier, um etwa Name, Adresse und Geburtsdatum auf dem Hotelmeldeschein auszufüllen und den Schlüssel oder die Magnetkarte, um die Zimmertür zu öffnen. Das Start-up Conichi aus Berlin will das ändern. Geht es nach den Softwareentwicklern, können Hotelgäste künftig an der Rezeption vorbei rauschen und direkt mit dem Fahrstuhl auf Zimmer fahren. Eine App auf dem Smartphone übernimmt den Rest.

Das trifft den Puls der Zeit: Die erste Welle der Digitalisierung hat die Reisebranche schon früh ergriffen. Die Zeiten der schweren Kataloge sind vorbei. Statt ins Reisebüro zu gehen, buchen schon heute rund acht von zehn Deutschen die Leistungen rund ums Reisen online. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Digitalverbandes Bitkom aus dem vergangenen Jahr. Und auch das Smartphone gewinnt an Bedeutung: Jeder fünfte Deutsche hat Hotel und Mietwagen im Urlaub schon einmal per App gebucht.

Diese smarten Reisebegleiter können Sie gut brauchen

Im September 2015 hat die Hotelbuchungsplattform HRS nach eigenen Angaben "eine hohe siebenstellige Summe" in das Start-up Conichi investiert. HRS ist ein Familienunternehmen, das in den achtziger Jahren mit der Vermittlung von Hotels an Messegäste groß wurde (damals noch per Katalog). Schon seit 1996 betreiben die Kölner einer Onlinebuchungsplattform. Mit der Technologie von Conichi will sich HRS einmal mehr verjüngen. "Der erste Kontakt eines Gastes mit dem Hotel ist bislang das Anstehen in der Schlange zur Rezeption, das ist nicht mehr zeitgemäß", sagt Martin Biermann, technischer Leiter im Innovation Hub von HRS.

Digital von A bis Z

Alle Schritte – von der Information, über die Buchung bis zur Heimreise – sollen künftig digital plan- und buchbar sein: "Die Herausforderung dabei ist es, die Medienbrüche bei der Reise abzuschaffen", sagt Miriam Taenzer, Referentin für Touristik beim Digitalverband Bitkom.

Um den Hotelaufenthalt möglichst smart zu machen, nutzt Conichi zwei neue Technologien: Zum einen werden sogenannte Beacons in den Hotels angebracht. Das sind Sender, die etwa die Größe einer Streichholzschachtel haben, und über Bluetooth Informationen an mobile Endgeräte schicken oder sie von dort empfangen können. Diese Technologie wird bereits in einigen Flughäfen eingesetzt, etwa um Blinden dort die Navigation zu erleichtern. Ladengeschäfte nutzen sie, um den Kunden beim Betreten des Geschäftes individuelle Angebote zu unterbreiten. Conichi verwendet Beacons, um die Reisenden beim Eintritt in die Lobby mittels ihres Smartphones zu identifizieren. Die Empfänger fragen alle wichtigen Informationen, wie etwa Name, Anschrift oder Geburtsdatum ab, und senden diese direkt an das Endgerät der Rezeption. Frühstücks-Zeiten, WLAN-Passwort oder individuelle Angebote können wiederum per Push-Mitteilung an das Smartphone des Gastes gesendet werden.

Außerdem stattet Conichi die Hotels mit speziellen Türöffnern aus. Diese basieren auf der sogenannten Bluetooth Low Energy-Technologie (BLE). Die smarten Schlösser lassen sich direkt mit dem Smartphone öffnen. Magnetkarten und Schlüssel gehören damit der Vergangenheit an: "Das Smartphone hat man immer parat", sagt Biermann von HRS, "und man hat nicht ständig Angst, es zu verlieren."

1.000-mal Schanghai

Bereits 400 Hotels zählt Conichi zu seinem Netzwerk in Deutschland, hauptsächlich in den großen Städten. Das Radisson Blu in Köln, das Swissôtel in Berlin oder das Roomers in Frankfurt gehören dazu, aber auch das Grandhotel Schloss Bensberg im Bergischen Land ist verzeichnet. "Wir starten auch zunehmend Kooperationen in Österreich, der Schweiz und Italien", sagt Frederic Haitz, einer der beiden Gründer von Conichi. Im Herbst des vergangenen Jahres haben die Gründer außerdem eine Niederlassung im chinesischen Schanghai eröffnet. Dort arbeiten sie bereits mit rund 1.000 Hotels zusammen.

Auch HRS hat das Angebot von Conichi in die eigene App integriert. Besonders für Geschäftsreisende soll der Service eine große Erleichterung sein. Wer das Hotel über die App gebucht hat und die Rechnungsadresse der Firma angegeben hat, muss sich um nichts weiter kümmern. Der Beleg wird automatisch zur Reisekostenstelle geschickt – mit den richtigen Steuersätzen und der richtigen Adresse, versichert Biermann. Neben den rund 23 Millionen HRS-Kunden sind bereits 15 Firmen potenzielle Nutzer der smarten Hotels – drei davon stammen aus der Reihe der Dax-30-Konzerne.

Nie mehr Schlange stehen an der Rezeption?  

Martin Biermann arbeitet im HRS Innovation Hub zusammen mit 40 weiteren Mitarbeitern, darunter Produktentwickler, Designer, Ingenieure und Softwareentwickler, daran, das Reisen in Zukunft noch angenehmer zu gestalten. 30 weitere Mitarbeiter sollen bis zum Ende des Jahres hinzukommen. Veganes Frühstück, ein Allergiker-Bett oder der Late-Check-out – all das kann man mit ein paar Klicks im Profil hinterlegen. Und die Hotels können sich schon vor der Ankunft auf die persönlichen Wünsche jedes Gastes einstellen. In Zeiten, in denen Anbieter aus der Sharing Economy gerade bei der jungen Generation mit persönlichen Angeboten punkten, will HRS sich mit solchen Angeboten – auch im Geschäft um Businessreisende – von der Konkurrenz abheben. "Wir sind überzeugt, dass wir mit Loyalität unserer Kunden belohnt werden", sagt Biermann.

Nur die Unterschrift bleibt

An diesem Ziel arbeiten er und sein Team. Der nächste Schritt: noch mehr Flexibilität. "Es kann immer mal passieren, dass sich Geschäftstermine ändern oder das Bodenpersonal am Flughafen streikt – und man seinen Hotelaufenthalt verschieben oder absagen muss", sagt Biermann. Die HRS-App soll den Reisenden dann basierend auf ihren Vorlieben Alternativen vorschlagen. Wenn etwa das Wunschhotel für den Alternativtermin ausgebucht ist, soll sie weitere Wahlmöglichkeiten anbieten.

Mit Conichi soll nicht nur die Schlange an der Rezeption Vergangenheit sein. "Wir wünschen uns, dass das Personal dann auch mehr Zeit für die essenziellen Dinge hat", sagt Gründer Haitz. Nur die Unterschrift, die müssen die Reisenden auch in Zukunft noch per Hand auf dem Hotelmeldeschein hinterlassen – so will es der Gesetzgeber. Aber auch hierfür haben die Gründer eine Idee: "Die Informationen liegen dem Hotel bereits vor. Man kann den Schein also bereits ausgefüllt aufs Zimmer legen."

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