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Digitale Revolution im Warenverkehr Wie die Blockchain-Technologie den Welthandel verändert

Quelle: Adobe Stock

Im 21. Jahrhundert wird der Kampf um die Vorherrschaft beim grenzüberschreitenden Warenverkehr zunehmend digital entschieden. Blockchain heißt die neue Technologie, der ein ähnlicher Siegeszug wie ehemals dem standardisierten Frachtcontainer vorausgesagt wird. Mit Blockchain wächst ein Hebel heran, der auch die letzten großen Herausforderungen entlang der Lieferkette stemmen kann.

Branchen haben längst erfahren, worum es geht: um beschleunigte Transaktionen, Kosteneinsparung, bessere Rückverfolgbarkeit und Transparenz. Dennoch zögern noch viele Unternehmen, die Technologie mit dem Namen Blockchain zu implementieren, bei der jeder Beteiligte zum Zeugen aller Vorgänge und Vereinbarungen in Echtzeit wird. „Die meisten sind noch skeptisch beim Return on Investment, haben Zweifel am Reifegrad der Technologie oder sehen regulatorische Fragen als große Herausforderung“, weiß Jakob Boos, Blockchain-Experte bei Capgemini. Hinzu komme ein Mangel an Spezialisten auf dem Arbeitsmarkt.

Das Capgemini Research Institute veröffentlichte im Oktober 2018 eine Studie auf Basis von 450 Unternehmensbefragungen. Demnach zählen nur 13 Prozent der Unternehmen zu den Vorreitern, die entweder eine Blockchain im größeren Maßstab (drei Prozent) implementieren oder Pilotprojekte an mindestens einem Standort (zehn Prozent) am Laufen haben.

Die Ersten bringen sich in Position

Einer der Vorreiter ist DB Schenker, das Logistikunternehmen im Deutsche Bahn Konzern. Der erste Machbarkeitsnachweis gelang dem Unternehmen im Jahr 2016 mit einem typischen Anwendungsfall: dem Herkunftsnachweis von Wein mittels Track & Trace via Blockchain. Heute sagt Dieter Sellner, Program Manager Global Digital Solutions bei DB Schenker: „Wir sehen erhebliche Effizienzvorteile für alle Nutzer einer gemeinsamen Blockchain-Plattform.“ Zum Beispiel in der Seefracht: Dort seien normalerweise um die 15 Parteien beteiligt, wenn ein Container von Asien nach Europa geschickt wird. Warenbegleitpapiere seien dabei ein besonders sensibler Bereich, weil der Eigentumsnachweis darüber geführt wird. Blockchain könne dafür sorgen, dass die heute typische Mehrfacherfassung von Daten nicht mehr nötig sei - dass Prozesse für jeden der Beteiligten schneller, verlässlicher und kostengünstiger werden. „Noch ist aufgrund des Reifegrads der Technologie das Verhältnis zwischen Investition und Return on Investment eher negativ. Doch es wird immer besser. Die Technik entwickelt sich rasant“, sagt Sellner.

Blockchain ist nicht aufzuhalten

In Zusammenarbeit mit der Swinburne University of Technology in Australien fand Capgemini unter anderem heraus, dass die Blockchain-Transformation bei weiterhin wachsender Beteiligung von Unternehmen bis 2025 so ausgereift sein wird, dass sie nicht nur allgegenwärtig und massenkompatibel ist, sondern auch die Lieferketten weltweit stärkt. Der nächste große Schub für Blockchain wird der Studie zufolge für das Jahr 2020 erwartet, wenn Experimente mit der Blockchain um sich greifen und ihren Höhepunkt erreichen.

Aktuell ist noch zu wenig über das Potenzial der Technologie bekannt. „Die richtigen Anwendungsfälle zu identifizieren, die von Blockchain profitieren, aber auch solche Fälle zu erkennen, wo Blockchain eigentlich nicht benötigt wird, ist derzeit noch schwierig für viele Unternehmen“, bestätigt Jakob Boos von Capgemini.

Die Studie des Capgemini Research Institute identifizierte 24 Anwendungsfälle für Blockchain, vom Handel mit CO2-Zertifikaten über die Verwaltung von Lieferantenverträgen bis hin zur Vermeidung von Produktfälschungen. Große Unternehmen aus der Supply-Chain für Lebensmittel wie Nestlé, Unilever und Tyson Foods, bilden bereits eine Blockchain-Kooperation für höhere Lebensmittelsicherheit, für Rückverfolgung und zur Identifizierung von Produkten. Einzelhändler konzentrieren sich mehr auf digitale Marktplätze und wollen so auch Fälschungen verhindern. Die Zahl der Anwendungen und Lösungen steigt ständig.


Neue Technologie als Geschäftsstrategie

Neben DB Schenker begann 2016 auch für das Logistikunternehmen Kühne+Nagel das Zeitalter der Blockchain. „Die Nutzung neuer Technologien ist ein Element der Geschäftsstrategie, um Prozesse und damit das Geschäftsmodell kontinuierlich zu verbessern", sagt Dr. Bernd Dahmen, Senior Vice President Global IT Air and Sea bei Kühne + Nagel.

Kühne+Nagel engagiert sich seitdem in einer Reihe von Blockchain-Projekten, die sich mit Branchenherausforderungen in verschiedenen Bereichen befassen. Die Erkenntnis: „Das Potenzial von Blockchain kann nur in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit von Geschäftspartnern genutzt werden.“ Es geht um Anwendungen, die es ermöglichen, die Digitalisierung der Branche voranzutreiben.

Die Reife der Blockchain-Technologie für den Einsatz in umfangreichen, komplexen Anwendungen sieht Dr. Dahmen noch nicht gegeben. „Aber die Entwicklung deutet in die richtige Richtung“, sagt er. Er gehe davon aus, dass die größten Defizite in wenigen Jahren behoben sein werden.

Kühne + Nagel hat Blockchain-Technologie seit September 2018 im produktiven Einsatz. So wurde das VGM-Portal, welches zur Erfassung und Übermittlung des verifizierten Bruttogewichts von Seefrachtcontainern an Dritte dient, mit der neuen Technologie erweitert. Dabei wurde Capgemini als strategischer Partner bereits früh eingebunden, insbesondere im Hinblick auf die technische Umsetzbarkeit. „Bei Kühne + Nagels VGM-Portal reden wir immerhin von 800.000 Transaktionen auf der Blockchain pro Monat“, so Dahmen.

Besser jetzt als später

Zurzeit steht das Kennenlernen der neuen Technologie und deren Möglichkeiten noch im Vordergrund. „Das muss zunächst als Invest betrachtet werden, um anschließend neue Business-Potenziale zu erschließen“, so Boos. Die Integration einer Blockchain-Lösung in IT-Prozesse sei für erste isolierte Anwendungsfälle vergleichsweise kostenarm durchzuführen. Die Lösung dann auszubauen, erfolge Schritt für Schritt. Auseinandersetzen sollten sich Unternehmen mit dem Thema in jedem Fall – und zwar besser jetzt als später, sagt der IT-Experte. Denn aufhalten oder umkehren lasse sich die Entwicklung nicht.

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