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Alternative Antriebe Heute schon ein bisschen Biomüll getankt?

Quelle: Seat

Die Frage klingt absurd, die Antwort deutlich weniger: Ein Pilotprojekt gewinnt aus dem Müll von Barcelonas Einwohnern genug Biomethan, um 10.000 Autos 15.000 Kilometer weit fahren zu lassen.

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Wer ein Auto mit Erdgas-Antrieb fährt, stößt deutlich weniger CO2 aus als vergleichbare Benziner oder Diesel. Kenner wissen außerdem: Bei der Verbrennung des Gases wird auch nur ein Bruchteil von Stickoxiden und Feinstaub freigesetzt im Gegensatz zu den bekannten Kraftstoffen. Was viele nicht wissen: Der Erdgas-Begriff reicht nicht weit genug. Compressed Natural Gas, kurz CNG, wäre korrekt und steht für eine Mischung aus komprimiertem Erdgas und Biomethan. Letzteres könnte seinen Ursprung übrigens in Ihrer Biotonne haben.

Was skurril klingt, ist in Gestalt des Projekts „Life Metamorphosis“ in Barcelona Realität geworden. Das von der EU geförderte Gemeinschaftsprojekt der Metropolregion Barcelona, an dem SEAT sowie weitere Partner beteiligt sind, zeigt seit Mai dieses Jahres, wie Bioabfälle ihren Weg in den Tank von CNG-Fahrzeugen finden. Die Basis dafür bilden die rund 2.500 Tonnen Müll, die die Einwohner von Barcelona jeden Tag entsorgen – das sind etwa 1,5 Kilogramm pro Kopf. Davon werden nur 40 Prozent recycelt. Der Rest bleibt weitgehend ungenutzt, so auch der Biomüll. „Dabei können wir damit genug Biomethan produzieren, um mit 10.000 Autos jedes Jahr eine Strecke von 15.000 Kilometern zurückzulegen“, sagt Ingenieur Andrew Shepherd von SEAT, der das Projekt für den Hersteller betreut.

Gleichbleibende Gasqualität sichern

In Faultürmen, hoch wie achtstöckige Häuser, entsteht bei „Life Metamorphosis“ innerhalb von 30 Tagen Biomethan, das nach einem Raffinationsprozess dieselbe chemische Zusammensetzung wie konventionell gefördertes Erdgas hat. Es kann deshalb entweder ins städtische Gasnetz eingespeist oder zum Autofahren genutzt werden. Der ausgediente Biomüll aus den Faultürmen wird anschließend als Düngemittel für die Landwirtschaft verwendet.

„Dieses erneuerbare Biomethan kann die Antwort auf einige drängende Probleme sein, die sich uns heute stellen“, sagt SEAT-Ingenieur Shepherd. „Zum Beispiel können wir damit einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten sowie Abfall und Treibhausgase reduzieren, da bei der Produktion und Verwendung von Biogas 80 Prozent weniger CO2 ausgestoßen wird als bei der Verbrennung von Benzin.“

Ausschließlich mit Biomethan unterwegs: Einer von vier SEAT Arona TGI beim Projekt „Life Metamorphosis“ in Barcelona. SEAT Arona 1.0 TGI 66 kW (90 PS) Kraftstoffverbrauch Erdgas (CNG), kombiniert: 3,7 kg/100 km; CO₂-Emissionen, kombiniert: 101 g/km; CO₂-Effizienzklasse: A* Quelle: Seat

Zu den größeren Herausforderungen des Projekts, das in der Ecoparc 2 genannten Anlage 30 Autominuten nördlich der katalanischen Metropole, durchgeführt wird, zählt übrigens die Einhaltung einer gleichbleibenden Qualität des erzeugten Biomethans. Mit der Zusammensetzung des Biomülls schwankt auch der Brennwert des zu raffinierenden Biomethans.

Großes Potenzial in ganz Europa

Mit dieser Herausforderung beschäftigt sich auch ein weiteres Vorhaben, das ebenfalls von SEAT unterstützt wird: Beim Projekt „Life Landfill Biofuel“, das seit Herbst 2019 läuft, sollen über einen Zeitraum von vier Jahren effizientere Methoden entwickelt werden, wie Deponiemüll zur Methangewinnung genutzt werden kann. Angesichts von fast einer halben Million Abfalldeponien im europäischen Wirtschaftsraum ist das Potenzial des Projekts enorm – und für SEAT als Automobilhersteller mit der größten Palette an Fahrzeugmodellen mit CNG-Antrieb besonders interessant. „Durch dieses Vorhaben können wir die Entwicklung und Erforschung von Biomethan als Kraftstoff deutlich vorantreiben“, sagt SEAT-Ingenieur Sheperd. „Es unterstützt uns bei unserem Ziel, die CO2-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus unserer Fahrzeuge hinweg umweltverträglich zu gestalten.“

Derzeit fahren bei „Life Metamorphosis“ vier SEAT-Fahrzeuge durch Barcelona, die ausschließlich mit Biomethan betankt werden, sozusagen Biomüll im Tank haben. Mindestens 30.000 Kilometer soll jedes der Autos in den kommenden Monaten zurücklegen. Danach tragen alle Beteiligten des Projekts ihre Erfahrungen für eine ausführliche Bewertung zusammen. Ist das Ergebnis positiv, stehen die Chancen gut, dass in Zukunft mehr Autos mit Biomethan über die Straßen von Barcelona fahren – und das innovative Konzept in anderen Städten Nachahmer findet.

*„Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen, spezifischen CO₂-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem „Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO₂-Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen“ entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der DAT Deutsche Automobil Treuhand GmbH, Hellmuth-Hirth-Str. 1, 73760 Ostfildern-Scharnhausen (www.dat.de) unentgeltlich erhältlich ist.“

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