Effiziente Erfrischung: Mit Textilien den Hitzestress bekämpfen
Sabine Stein (links) und Gabriele Renner mit den von ihnen entwickelten Kühlwesten.
Foto: Pervormance InternationalIn der glühenden Hitze eines Brandes ist jede Sekunde entscheidend. Feuerwehrleute müssen schnell und konzentriert handeln, doch hohe Temperaturen und schwere Schutzkleidung setzen ihnen stark zu. Hier kommt die Kühlkleidung des Ulmer Textilunternehmens Pervormance International ins Spiel. „Unsere erste Kühlweste haben wir speziell für die Feuerwehr entwickelt“, erklärt Sabine Stein, die das Unternehmen 2010 gemeinsam mit ihrer Schwester Gabriele Renner gründete. „Die Technologie hilft, die Körpertemperatur der Einsatzkräfte zu regulieren, was in extremen Situationen lebensrettend sein kann.“
Die Kühlung basiert auf dem Prinzip der Verdunstungskälte. „Wir haben eine Technologie entwickelt, die Wasser an Fasern bindet“, erläutert Stein. „Durch eine 3D-Fleece-Struktur, die wie ein kompaktes Klettergerüst funktioniert, entsteht eine sehr große Oberfläche.“ Dies ermöglicht eine effektive Kühlung, ohne dass die Kleidung zu schwer wird. Im Gegensatz zu herkömmlichen Kühlmethoden, die unhandliche Geräte benötigen, bleibt die Kühlweste leicht und flexibel. Dass sie zudem ohne Strom auskommt, macht sie ideal für den Einsatz unterwegs.
Wie lange die Kühlwirkung anhält? Das hängt von verschiedenen Faktoren ab: „Die Kühldauer variiert je nach Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftbewegung“, erklärt Stein. In der Regel hielten die Westen aber einen ganzen Arbeitstag durch, kühlten also acht bis zehn Stunden lang. Bei kleineren Produkten wie Kühlmützen oder Manschetten zur Kühlung der Arme sei die Wirkung etwas kürzer, ergänzt Renner. In jedem Fall gilt aber: Sollte die Kühlwirkung nachlassen, reicht es aus, das Kleidungsstück kurz unter Wasser zu halten, um es erneut zu aktivieren.
Auch beliebt bei Spitzensportlern
Neben Feuerwehrleuten profitieren zahlreiche andere Berufsgruppen und Sportler von der innovativen Kühltechnologie. „Unsere Produkte finden Einsatz in der Stahl- und Glasindustrie, bei der Deutschen Bahn, in der Landwirtschaft und sogar im Spitzensport“, berichtet Renner. „Überall dort, wo Menschen in heißen Umgebungen arbeiten müssen, bieten unsere Kühltextilien eine willkommene Erleichterung.“ Auch im medizinischen Bereich sind die Westen von großem Nutzen. Sie lindern beispielsweise die Beschwerden von Patienten mit Multipler Sklerose, denen es bei Hitze oft schlechter geht.
Die Idee zur Gründung von Pervormance International kam den beiden Schwestern durch einen Zufall. „Wir führten damals gemeinsam ein Beratungsunternehmen mit Fokus auf den Biotech-Bereich“, erzählt Stein. „Während eines Projekts hatten wir ein Material auf dem Tisch liegen, das uns auf die Idee brachte, Kühltextilien zu entwickeln.“ Daraus entstand eine Geschäftsidee, die im ersten Schritt auf Einsatzkräfte wie Feuerwehrleute fokussierte. „Die Resonanz dort war überwältigend“, erinnert sich Stein.
Trotz dieses Erfolges fiel es dem Unternehmen zu Beginn schwer, weitere Zielgruppen zu erschließen. „Auf Messen wurden wir oft gefragt, wozu man so etwas überhaupt brauche“, berichtet Renner. Weil es nichts Vergleichbares auf dem Markt gab, sei es schwer gewesen, die Produkte zu erklären und potenzielle Kunden von ihrem Nutzen zu überzeugen. Trotz anfänglicher Skepsis setzten sich die Kühltextilien schließlich durch: „Heute sind unsere Produkte aus vielen Bereichen nicht mehr wegzudenken“, sagt Renner stolz.
Tatsächlich hat Pervormance International seit der Gründung als Zwei-Frau-Betrieb vor 14 Jahren ein beachtliches Wachstum hingelegt: Heute beschäftigt das Unternehmen 15 Mitarbeitende und verkauft jährlich rund 100.000 Produkte. Die Produktion erfolgt größtenteils in Deutschland, wobei einige Arbeitsschritte auch ins nahegelegene Ausland ausgelagert sind. Renner: „Wir haben uns bewusst für eine schlanke Organisation mit vielen externen Partnern entschieden, um flexibel und effizient zu bleiben.“
Lösungen für Raum- und Fahrzeugkühlung in der Entwicklung
Der Einsatz für Nachhaltigkeit spielt dabei eine zentrale Rolle: Das Unternehmen beteiligt sich an der Global-Compact-Initiative der Vereinten Nationen und setzt sich aktiv für nachhaltige Produktionsweisen ein. So bestehen die Kühltextilien beispielsweise zu 90 Prozent aus recyceltem Polyester. „Unsere Produkte sind also nicht nur im Einsatz klimafreundlich, sondern wir bemühen uns, ihren ökologischen Fußabdruck schon in der Produktion zu reduzieren“, betont Renner.
Engagement, das nicht unbemerkt geblieben ist. So erhielt das Unternehmen im vergangenen Jahr den von WirtschaftsWoche und Generali Deutschland AG verliehenen Sustainable Impact Award in der Kategorie Generali SME EnterPrize, die speziell den Einsatz mittelständischer Unternehmen für Nachhaltigkeit würdigt. „Für uns war das eine große Bestätigung unserer Arbeit“, freut sich Stein. „Die Auszeichnung zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Der Preis bedeute einen zusätzlichen Schub für die Motivation und das Engagement des gesamten Teams.
Ein Schub, den das Unternehmen für die Arbeit an weiteren Innovationen nutzen will. „Wir entwickeln gerade Lösungen für Raum- und Fahrzeugkühlung“, verrät Renner. Bereits erhältlich ist ein Vorhang, der Räume allein durch Verdunstungskälte kühlen soll, sowie ein Hitze-Notfall-Koffer mit einer Kühldecke. Produkte mit Potenzial, gerade in Zeiten des Klimawandels. Ebenfalls bereits auf dem Markt sind Textilien, die beim Abnehmen helfen sollen, indem durch spezielle Kühlprodukte braunes Fettgewebe aktiviert und so der Stoffwechsel angeregt wird. Die Erfolgsgeschichte des Familienunternehmens dürfte noch lange nicht zu Ende sein.