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Axel Springer Springer-Chef bedauert DDR-Vergleich und Journalisten-Kritik

In einer Videoansprache vor der Belegschaft habe Springer-Chef Döpfner eingelenkt. Man hätte sich bereits vor einem halben Jahr von Reichelt trennen müssen.

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„Ich bedaure obendrein, dass im Zusammenhang mit diesem Fall eine private Unterhaltung von mir per SMS quasi einen Großteil deutscher Journalisten als unkritisch bezeichnet – Stichwort Propaganda-Assistenten – oder gar die Bundesrepublik mit der DDR verglichen wird“, wird Döpfner zitiert. Quelle: dpa

In der Debatte um seinen umstrittenen DDR-Vergleich und seine Kritik an deutschen Journalisten lenkt Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner einem Bericht zufolge ein. Der Branchendienst „Medieninsider“ berichtete am Freitag, Döpfner habe bei einer Videoansprache vor der Belegschaft der „Bild“-Zeitung eingeräumt, dass man sich schon vor einem halben Jahr vom inzwischen abgesetzten „Bild“-Chef Julian Reichelt hätte trennen müssen.

„Ich bedaure obendrein, dass im Zusammenhang mit diesem Fall eine private Unterhaltung von mir per SMS quasi einen Großteil deutscher Journalisten als unkritisch bezeichnet – Stichwort Propaganda-Assistenten – oder gar die Bundesrepublik mit der DDR verglichen wird“, wird Döpfner zitiert. „Das war natürlich reine, schärfste Ironie.“ Springer bestätigte, dass Döpfners neue Äußerungen authentisch seien.

Döpfners SMS an den Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre vom März war jüngst bekannt geworden und hatte nicht nur in der Medienwelt für Aufsehen gesorgt. Mit Blick auf einen kritischen Kommentar Reichelts zu Corona-Einschränkungen hatte Döpfner geschrieben, der damalige „Bild“-Chefredakteur sei „der letzte und einzige Journalist in Deutschland“, der noch mutig „gegen den neuen DDR-Obrigkeitsstaat“ aufbegehre. „Fast alle anderen sind zu Propaganda Assistenten geworden.“

Zuletzt hatte der Springer-Verlag relativiert, Döpfner habe sich in einem privaten Dialog bewusst überspitzt geäußert. Döpfner selbst hatte am Mittwoch in einem Video an die Belegschaft nur betont, eine private und polemische SMS dürfe nicht mit einem öffentlichen Statement gleichgesetzt werden. Dabei hatte Döpfner jedoch kein Bedauern signalisiert.

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    Döpfner steht wegen seiner Äußerung besonders in der Kritik, weil er seit 2016 Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) und damit Chef-Lobbyist der Medien ist. Mehrere Vertreter kleiner und großer Verlage bezeichneten die Worte Döpfners als unangemessen bis inakzeptabel. Vereinzelt gab es Rücktrittsforderungen. Der BDZV lehnte eine Stellungnahme dazu ab und hatte jüngst erklärt, der 58-jährige Medienmanager habe sich als Springer-Chef privat geäußert.

    Der Springer-Verlag hat Reichelt am Montag mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. Reichelt soll auch nach einer internen Untersuchung wegen Vorwürfen des Machtmissbrauchs im Frühjahr 2021 Privates und Berufliches nicht klar getrennt und eine Beziehung mit einer „Bild“-Journalistin gehabt haben.

    „Er hat uns belogen und wir haben uns belügen lassen“, sagte Döpfner dazu laut „Medieninsider.“

    Mehr: Der Fall Reichelt ist auch ein Fall Döpfner – und für den Springer-Chef wohl noch lange nicht vorbei

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