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500 Berufe Welches Gehalt Sie jetzt verlangen können

Arbeitnehmer können in diesem Jahr mit mehr Einkommen rechnen – sowohl Fach- und Führungskräfte als auch Berufseinsteiger mit Uni-Abschluss. Zu diesem Ergebnis kommt der große Gehaltstest der WirtschaftsWoche, für den die Vergütungsberatung PersonalMarkt die Datensätze von 375 000 Mitarbeitern auswertete. Die Einkommen von knapp 500 Berufen im Vergleich.

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Holger Jentsch Quelle: Frank Reinhold für WirtschaftsWoche

Dass er Talent für handwerkliche Tätigkeiten hat, würde Holger Jentsch wohl nicht behaupten. Auch das Design von Badewannen, Duschen oder Waschbecken interessierte ihn nie besonders. Trotzdem bewarb er sich nach dem Abitur bei Europas größtem Hersteller von Sanitärarmaturen – vor allem aus heimatlicher Verbundenheit.

Jentsch wuchs in der Nähe des 38 000-Einwohner-Städtchens Hemer im Sauerland auf. Und dort hat die Grohe AG ihren Hauptsitz. Also entschied Jentsch sich im Jahr 2004 für ein duales betriebswirtschaftliches Studium und absolvierte parallel zu den Kursen an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Arnsberg eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei Grohe. Aus heutiger Sicht genau die richtige Entscheidung.

Gehaltserhöhung ist drin

Denn Jentsch ist sehr zufrieden mit seinem Job, fühlt sich inhaltlich herausgefordert, von Kollegen und Vorgesetzten geschätzt. Der 28-Jährige koordiniert mittlerweile die Arbeit zwischen dem Grohe-Qualitätsmanagement und dem internationalen Vertrieb, ist zuständig für 15 Mitarbeiter an drei Standorten.

Als Auszubildender verdiente Jentsch einige hundert Euro im Monat. Inzwischen kommt er auf bis zu 80.000 Euro im Jahr. Ein respektables Gehalt für eine Führungskraft Ende 20.

Welche Branchen überdurchschnittlich zahlen
Biotechnologie Quelle: dpa
Steuerberatungen und Wirtschaftsprüfer Quelle: dapd
Auto- und Zuliefererindustrie Quelle: dpa
Luftfahrtbranche Quelle: dpa
Maschinenbau
Telekommunikation Quelle: dapd
Halbleiterbranche Quelle: dpa

Wenn es weiter so gut läuft und Jentsch seinen variablen Anteil von bis zu 20 Prozent seines Grundgehalts bekommt, ist in diesem Jahr sogar wieder eine Gehaltserhöhung drin – wie bei so vielen deutschen Führungskräften.

Zu diesem Ergebnis kommt eine exklusive Studie der WirtschaftsWoche und der Hamburger Vergütungsberatung PersonalMarkt. Dafür analysierten die Berater knapp 375 000 Datensätze – 317 000 von Mitarbeitern, 57 000 von Führungskräften. Das Ergebnis: Deutschlands größter Gehaltstest. Er vergleicht 491 Basisgehälter, aufgeteilt in 23 Wirtschaftszweige und 24 Berufe – vom Geschäftsführer eines Pharmaunternehmens über den Produktionsleiter eines Chemiekonzerns bis zum Personalreferenten einer Baufirma.

Diagramm: Führungskräfte sahnen ab

Auf den ersten Blick wirken die von PersonalMarkt berechneten Basiseinkommen wie die etwa 370 000 Euro Jahresgehalt des Geschäftsführers in der Automobilindustrie womöglich zu niedrig – angesichts der Millionengehälter von Top-Managern. So prominent diese Extremfälle sind – statistisch gesehen sind sie Ausreißer, die für die errechneten Durchschnittsgehälter eine eher geringe Rolle spielen. 30 Dax-Unternehmen fallen bei insgesamt etwa drei Millionen Unternehmen eben nicht so ins Gewicht wie das Gros kleiner und mittelgroßer Betriebe.

Tabuthema Gehalt

Porsche Quelle: REUTERS

Die Frage „Wie viel verdienen Sie?“ gilt immer noch als weitgehend tabu. 70 Prozent der deutschen Fach- und Führungskräfte sprechen nicht mit Arbeitskollegen über ihr Einkommen, ergab kürzlich eine Umfrage der Online-Stellenbörse Stepstone. Damit gehören die Deutschen zu den verschwiegensten Arbeitnehmern in Europa.

Dennoch bestimmen Diskussionen rund um Gehalt und Gerechtigkeit derzeit wieder einmal die öffentliche Debatte – angefangen bei der Frage, ob ein Ehrensold in Höhe von jährlich knapp 200 000 Euro angemessen ist für einen Bundespräsidenten, der nach 20 Monaten mit 52 Jahren aus dem Amt scheidet, über das öffentliche Lamento des Wall-Street-Bankers Andrew Schiff, der per Zeitungsinterview elementare Existenzsorgen beklagte – weil sein Jahressalär im Jahr 2011 aufgrund ausgefallener Boni auf umgerechnet 266 000 Euro geschrumpft sei. Oder die Millionengehälter von Konzernchefs wie Telekom-Boss René Obermann, der 2011 3,3 Millionen Euro einstrich. Bis hin zu den Tarifverhandlungen, die derzeit in vielen Branchen anstehen.

Das sind die Topverdiener unter den Dax-Vorständen
Platz 15 - Georg Pachta-Reyhofen (MAN)Der Vorstandsvorsitzende des Lastwagenbauers MAN verdiente im vergangenen Jahr 2,626 Millionen Euro. Das waren rund 26 Prozent weniger als 2010. Die Lösung des Dauerstreits um den Essener Industriedienstleister Ferrostaal verhagelte MAN die Bilanz. Der Konzern verdiente angesichts der Kosten für den Deal deutlich weniger Geld als 2010. Am Ende blieb der VW-Tochter unter dem Strich ein Gewinn von 247 Millionen Euro. Quelle: dpa
Platz 15 - Heinrich Hiesinger (Thyssen-Krupp)Der Vorstandsvorsitzende der Thyssen-Krupp AG kommt auf ein Jahreseinkommen von 3,52 Millionen Euro. Hiesinger ist seit Januar 2011 Vorstandsvorsitzender des Stahlkonzerns. Daher gibt es keine Vergleichszahlen. Hiesinger baut Thyssen-Krupp derzeit um, vor allem die Stahlwerke in Übersee erweisen sich aber als Bremsklotz. Quelle für alle Angaben: Berechnungen Evers-Vergütungsberatung nach bisher veröffentlichten Vergütungsberichten, Nachrichtenagenturen Quelle: dapd
Platz 14 - Peter Bauer (Infineon)Die Infineon Technologies AG überweist ihrem Vorstandssprecher für das abgelaufene Geschäftsjahr 3,721 Millionen Euro. Das ist ein sattes Plus von 67 Prozent. Damit ist Peter Bauer einer der Gewinner in den Top 15 der Dax-Vorstände. 2010 hatte der Chef des Halbleiterkonzerns lediglich 2,227 Millionen Euro verdient. Quelle: dpa
Platz 13 - Ben Lipps (Fresenius Medical Care)Der US-Amerikaner in Diensten von Fresenius Medical Care kann beim Verdienst leicht zulegen. Mit 3,81 Millionen Euro erhält Lipps rund fünf Prozent mehr als im vorangegangenen Geschäftsjahr. Der Dialysespezialist FMC enttäuschte mit seinem Ausblick auf das laufende Jahr zuletzt so manchen Analysten. Für Lipps ist 2012 das letzte Jahr an der Spitze der Fresenius-Tochter. Der 71-Jährige hört im kommenden Jahr als Vorstandsvorsitzender auf. Quelle: dpa
Platz 12 - Karl-Ludwig Kley (Merck)Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Merck KGaA konnte für das vergangene Jahr ein dickes Plus verbuchen. Karl-Ludwig Kley erhält 4,228 Millionen Euro und damit rund 31 Prozent mehr als 2010. Und das, obwohl hohe Abschreibungen nach einer Übernahme und teure Medikamenten-Fehlschläge den Gewinn des Pharma- und Spezialchemiekonzerns unerwartet stark haben sinken lassen. Quelle: dpa
Platz 11 - René Obermann (Deutsche Telekom)Der Telekom-Chef landet auf Platz 11 der besten Dax-Verdiener. Für das vergangene Geschäftsjahr erhält René Obermann 4,354 Millionen Euro. Das sind sieben Prozent mehr als 2010. Der neueste Hoffnungsträger des Telekommunikationsunternehmens ist die „Cloud“ - von Obermann hier vorgestellt auf der Cebit in Hannover. Quelle: dapd
Platz 10 - Marijn Dekkers (Bayer)Der niederländische Chef des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer erhält für seine Arbeit im Jahr 2011 4,487 Millionen Euro. Marijn Dekkers ist seit Oktober 2010 an der Bayer-Spitze und kann sich nicht nur über sein Gehalt freuen: Im vergangenen Jahr schnellte der Konzernüberschuss um fast 90 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro in die Höhe. Dabei profitierte der Konzern unter anderem von guten Geschäften in den Schwellenländern. Quelle: Reuters

Belohnungen für die Belegschaft

So verlangt die Gewerkschaft Verdi für die etwa zwei Millionen Beschäftigten bei Bund und Kommunen 6,5 Prozent mehr Lohn – eine Forderung, die Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich prompt als „jenseits jeder realistischen Vorstellung“ zurückwies. Verdi-Chef Frank Bsirske drohte, dass bei einem Scheitern „die entsprechende Antwort“ kommen werde.

Dabei ist die längst erfolgt: Manche Unternehmen gönnen ihren Angestellten den sprichwörtlichen Schluck aus der Pulle – auch ohne nächtelange Verhandlungen.

Ende Februar kündigte Bayer an, seine Belegschaft für die guten Zahlen zu belohnen: Insgesamt 600 Millionen Euro schüttet der Pharma- und Chemiekonzern Ende April als Erfolgsbeteiligung an seine weltweit 112 000 Beschäftigten aus – davon 300 Millionen Euro alleine in Deutschland.

Dieselbe Summe gönnt BASF seinen Mitarbeitern, während die Tarifbeschäftigten bei Daimler 4100 Euro als Prämie erhalten. Und Konkurrent Porsche gestattet seinen Angestellten gar ein Extra von 7600 Euro – als „genial-intergalaktische Sonderzahlung“, so Betriebsratschef Uwe Hück.

Beträchtliche Unterschiede

Welche Branchen unterdurchschnittlich zahlen
Werbung / Public Relations Quelle: dpa
Handwerk Quelle: dpa
Öffentliche Verwaltung Quelle: dpa
Forschungsinstitute Quelle: dpa
Touristik- und Freizeitindustrie Quelle: dpa
Einzelhandelsbranche Quelle: dpa
Zeitarbeit Quelle: AP

Dass derzeit Mitarbeiter auf allen Hierarchieebenen von den Spendierhosen der Unternehmen profitieren, bestätigt ein Blick auf den Gehaltstest: Sowohl Fach- wie Führungskräfte als auch Hochschulabsolventen können mit mehr Einkommen rechnen. „Die Konjunktur ist in den vergangenen eineinhalb Jahren sehr stark gewachsen“, sagt PersonalMarkt-Geschäftsführer Tim Böger, „die Gehälter holen jetzt auf, was sie zuvor in der Krise 2009 verloren haben.“

Die Folge: Führungskräfte in Unternehmen mit 100 bis 1000 Mitarbeitern erhalten 2012 ein durchschnittliches Jahresgehalt von etwa 95 000 Euro – das sind satte 6,7 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Fachkräfte ohne Personalverantwortung können noch mit einem Plus von 1,7 Prozent rechnen. Sie nehmen im Schnitt etwa 53 000 Euro mit nach Hause. Hochschulabsolventen steigern ihr Einstiegsgehalt in diesem Jahr im Schnitt um 3,9 Prozent. Im Jahr 2011 verdienten sie durchschnittlich gut 40 000 Euro, 2012 kommen sie auf mehr als 42 000 Euro. Ein Salär, das die meisten Dax-Vorstände bereits nach wenigen Tagen zusammenhaben.

Diese Kluft zwischen Vorstandsetage und dem Rest der Belegschaft wächst deutlich. Verdiente beispielsweise der Vorstandsvorsitzende eines US-Großkonzerns 1991 im Schnitt das 140-Fache seines Mitarbeiters, liegt diese Differenz heute beim Faktor 500.

Die Marathon-Milliardäre
Lakshmi Mittal Quelle: Reuters
August von Finck Quelle: dpa
Klaus-Michael KühneDer Reeder bringt es mit 9,8 Milliarden auf Rang 95. Quelle: AP
Johanna Quandt Quelle: AP
Stefan Quandt
Susanne Klatten Quelle: dpa
Michael Otto Quelle: dpa

Auch in Deutschland sind die Unterschiede beträchtlich. Daimler-Chef Dieter Zetsche etwa kassierte im vergangenen Jahr 8,7 Millionen Euro – ein Tagessatz von knapp 24 000 Euro. Zum Vergleich: Der deutsche Durchschnittsarbeitnehmer verdient etwa 28 000 Euro. Jährlich.

Im Rampenlicht

Warum werden aus Millionären Milliardäre, während Durchschnittsverdiener es bleiben? Eine Frage, die US-Ökonom Sherwin Rosen mit der Superstar-Theorie erklärte: Demzufolge steigen die Gehälter der Top-Manager, die regelmäßig im Rampenlicht stehen, überproportional zu denen einfacher Mitarbeiter. Hinzu kommt, dass in großen Unternehmen mit großen Summen hantiert wird – und bei einem Milliardengewinn Millionengehälter der Chefetage scheinbar kaum ins Gewicht fallen. Das erklärt auch, warum Top-Manager sich so gerne auf Fusionen einlassen: Bestenfalls kassieren sie einen kräftigen Bonus. Schlimmstenfalls eine hohe Abfindung.

Und manchmal entscheidet über das Gehalt auch einfach der Zufall. Zu diesem Fazit kamen im vergangenen Jahr die Wissenschaftlerinnen Francesca Fabbri und Dalia Marin von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Sie untersuchten, wie sich die Einkommen der Vorstandsvorsitzenden der 500 größten deutschen Unternehmen von 1977 bis 2009 entwickelten. Rechnet man die Inflation heraus, kletterte die durchschnittliche Vergütung in drei Jahrzehnten von 200 000 Euro auf 700 000 Euro – ein Plus von 250 Prozent.

Branchenabhängige Bezahlung

Dieter Zetsche Quelle: dpa

Das eigentlich Erstaunliche jedoch war: Diese Entwicklung hatte weniger mit der wirtschaftlichen Situation des jeweiligen Unternehmens zu tun – sondern vor allem mit der Konjunktur. Will sagen: Die Bosse konnten sich kaum gegen die kräftige Gehaltserhöhung wehren. Sie waren einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Das gelang auch Alexander Lemm. Der Wirtschaftsinformatiker schloss sein Studium 2008 ab – als die Finanzkrise gerade losging und Absolventen es bei der Jobsuche schwer hatten. Auf einer Bewerbermesse lernte er Vertreter des deutschen IT-Unternehmens Software AG kennen. Er übergab seine Bewerbungsunterlagen und wurde zu einem Interview geladen. Wenig später hatte er den Job.

In den ersten drei Jahren arbeitete Lemm als IT-Berater. Seit Ende 2010 tüftelt der 33-Jährige als interner Berater an neuen Projekten und verdient derzeit etwa 75 000 Euro.

Damit gehört er zu den Top-Verdienern unter Fachkräften. Was nicht nur an seinen Qualifikationen liegt: Dass vergleichbare Tätigkeiten mitunter völlig unterschiedlich bezahlt werden, ist auch abhängig von Branche, Unternehmensgröße und Region – und das auf sämtlichen Hierarchieebenen.

Medizin Top, Design Flop - welche Branche am Besten verdient
Wer beruflich mit Farben, Rastern etc. zu tun hat, der bekommt seine Tätigkeit relativ moderat vergütet. Das Einstiegsgehalt im Bereich Grafik/Design beträgt 31.742 Euro. Quelle: Fotolia
Wer Sprach- und Kulturwissenschaften studiert hat, der verdient beim Einstieg etwas mehr als der Designer, nämlich 32.930 Euro. Quelle: dpa
Sie haben Gesellschafts- und Sozialwissenschaften studiert? Dann liegt Ihr Einstiegsgehalt etwas über dem Gehalt der Kollegen von den Kulturwissenschaften. In der Regel werden Sie im Durchschnitt mit 34.120 Euro vergütet. Quelle: dpa
Wer beruflich den Lehren des großen Psychoanaltikers Sigmund Freud nachgeht, reiht sich in der Gehaltsskala vor den Geisteswissenschaftlern ein. Das Einstiegsgehalt der Psychologen liegt bei 39.000 Euro. Quelle: dpa
Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften (BWL/VWL) liegt das Einstiegsgehalt bei 41.584 Euro. Damit liegen die Ökonomen knapp... Quelle: dpa
Die Welt der Formeln, Zahlen und der Bits and Bytes wird minimal besser bezahlt. Das Einstiegsgehalt der Mathematiker und Informatiker liegt bei 43.926 Euro. Quelle: dpa
... hinter den Ingenieurwissenschaftlern, die ihren Berufseinstieg mit 43.590 Euro vergütet bekommen. Quelle: dpa

Erhebliche Differenzen

So verdient der Geschäftsführer eines Pharmaunternehmens mit mehr als 5000 Mitarbeitern im Großraum Frankfurt im Jahr laut PersonalMarkt-Berechnungen locker mehr als eine Million Euro – während der Chef einer Zeitarbeitsfirma derselben Größe in derselben Region auf etwa 600 000 Euro kommt. Der Marketingchef eines 500 Mann starken Softwarehauses in München kann mit einem Einkommen von etwa 150 000 Euro rechnen. Sein Kollege aus Potsdam verdient hingegen im Jahr nur 100 000 Euro.

Auch bei Einstiegsgehältern gibt es erhebliche Differenzen: Während für Mediziner im ersten Job durchschnittlich 47 000 Euro drin sind, beziehen Grafiker und Designer magere 32 000 Euro. Für Absolventen sind solche Zahlen besonders wichtig. Denn wer im Gehaltsgespräch zu hoch pokert, riskiert eine Absage. Wer hingegen zu wenig fordert, verkauft sich unter Wert – auch das hinterlässt beim potenziellen Arbeitgeber keinen guten Eindruck.

Falsche Vorstellungen

Alexander Lemm Quelle: Angelika Zinzow für WirtschaftsWoche

Dass viele Absolventen immer noch völlig falsche Vorstellungen von ihrem späteren Gehalt haben, bestätigte kürzlich eine Umfrage des Internet-Portals gehalt.de: 13 000 Studenten im Alter zwischen 25 und 28 sollten angeben, mit welchem Salär sie in ihrem ersten Job rechneten. Architekten, Gesellschafts- und Sozialwissenschaftler sowie Sprach- und Kulturwissenschaftler neigen demnach am meisten zur Selbstüberschätzung. Sie verdienen in Wahrheit weitaus weniger, als sie sich zu Studienzeiten erträumen.

Oft unter Wert verkaufen sich dagegen Bewerberinnen: Laut einer Statistik der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verdienen deutsche Frauen im Durchschnitt 21,6 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen – in keinem anderen der 34 OECD-Mitgliedsstaaten ist die geschlechtsspezifische Lohnlücke größer.

Diagramm: Strategen top, Buchhalter flop Quelle: Personalmarkt.de

Schlechter Motivator

Pia Pohlmann-Delbridge immerhin scheint genau zu wissen, was sie will, welche Qualifikationen sie mitbringt – und was sie dafür verlangen kann. Die 28-Jährige studierte bis 2011 Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Darmstadt. Noch während sie an ihrer Diplomarbeit bastelte, ging sie im März 2011 zu einer Jobbörse in Wiesbaden und traf dort auf Mitarbeiter des IT-Konzerns Cisco. Die Gespräche machten sie so neugierig, dass sie umgehend ihre Unterlagen schickte – einen Tag vor Ende der Bewerbungsfrist.

Mit Erfolg: Seit August 2011 absolviert Pohlmann-Delbridge bei dem amerikanischen Netzwerkausrüster ein Traineeprogramm. Dass sie in dieser Position keinen Verhandlungsspielraum hat, war ihr klar – und störte sie nicht. Denn Cisco zahlt seinen Trainees nicht nur ein Jahresgehalt von 45 000 Euro. Pohlmann-Delbridge bekommt außerdem Schulungen bezahlt und darf regelmäßig im Home-Office arbeiten – solche Vorteile sind ihr wichtiger als die reine Gehaltshöhe. Zumal sie nach Ende des Traineeprogramms ein Plus von bis zu 40 Prozent in Aussicht hat.

Keine Frage: Jeder nimmt gerne mehr Geld mit. Einerseits. Doch andererseits sind Gehaltserhöhungen ein schlechter Motivator. Das wissen nicht nur Arbeits- und Organisationspsychologen aus Dutzenden von Studien. Auch die Arbeitnehmer selbst halten Geld alleine inzwischen für keinen guten Antreiber mehr.

Motivierende Effekte

Pia Pohlmann-Delbridge Quelle: Angelika Zinzow für WirtschaftsWoche

Das belegt eine aktuelle Untersuchung der Hay Group. Die Unternehmensberatung befragte vor wenigen Wochen 18 000 Fach- und Führungskräfte nach ihrem Verhältnis zu Geld. Zwar war den meisten ein angemessener Verdienst wichtig – eine unfaire Behandlung gilt gemeinhin als Motivationskiller schlechthin.

Aber die Befragung zeigte auch: Boni spielen für den Arbeitsantrieb eine untergeordnete Rolle. Für jeden Vierten haben sie keinen motivierenden Effekt. Mehr noch: 56 Prozent gaben an, sich ab einem variablen Gehaltsbestandteil von 30 Prozent gar unter Druck gesetzt zu fühlen.

Die falschen Gehaltserwartungen der Absolventen
Medizin Quelle: dpa
Forst- und Agrarwissenschaft Quelle: dpa
Grafik / Design Quelle: dpa
Ingenieurwissenschaften Quelle: dapd
Lehramt Quelle: dpa
Architekt Quelle: Fotolia
Wirtschaftswissenschaft

Keine langfristige Bindung

Bei Fach- und Führungskräften sei das Fixgehalt „eher ein Hygienefaktor als ein nachhaltiger Motivator“, resümierten die Studienautoren. Unternehmen könnten Mitarbeiter zwar durch eine gute Bezahlung gewinnen – aber langfristig binden ließen sie sich durch Gehaltssteigerungen und Boni nicht.

Die mit Abstand wichtigsten Faktoren für die Arbeitsmoral sind immer noch ein kollegiales Arbeitsumfeld und ein Job, der Spaß macht. Ein schlechtes Arbeitsklima wäre für 86 Prozent der Befragten Kündigungsgrund Nummer eins.

Motivation ist eben nicht käuflich.

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