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Frauen in MINT-Berufen Die gläserne Decke ist hartnäckig

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50 Prozent der Belegschaft sind weiblich

Kompetenzverlust aufgrund mangelnder Ingenieurinnen? Das kennt Klemens Hampf nicht: Bei ihm in der Firma gibt es keinen Mangel an Frauen in MINT-Berufen. Hampf ist Geschäftsführer von Hampf Consult, einem kleinen Unternehmen in Offenburg. Das Ingenieursbüro hat sich auf die Überprüfung von Brücken spezialisiert und unter Anderem die beiden großen Brückentests im Auftrag des ADAC übernommen.

Das Besondere an Hampf Consult ist: 70 Prozent der 20-köpfigen Belegschaft sind weiblich, der Anteil der Frauen in Ingenieursberufen wiederum beträgt 50 Prozent. Dafür wurde Hampf Consult im Juli vom baden-württembergischen Wirtschaftsministerium ausgezeichnet. Die Auszeichnung geht auf eine Initiative des Ministeriums zurück, Frauen in MINT-Berufen gezielt zu fördern.

Wo Frauen ähnlich verdienen wie Männer - und wo nicht
Frauen verdienen noch immer weniger als Männer - das ist keine Überraschung. Insgesamt verdienten Frauen 2010 durchschnittlich 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Quelle: Fotolia
Techniker und gleichrangige nichttechnische Berufe Quelle: dpa
Führungskräfte Quelle: Fotolia
Akademische Berufe Quelle: dapd
Handwerks- und verwandte Berufe Quelle: dpa/dpaweb
Handwerks- und verwandte Berufe Quelle: dpa/dpaweb
Fachkräfte in Land- und Forstwirtschaft und Fischerei Quelle: AP

Hampf sei es nie um Quoten gegangen, er habe allein nach Leistung eingestellt. „Ingenieurinnen haben öfter einen roten Faden im Lebenslauf und gelegentlich mehr Biss. Das könnte daran liegen, dass sie sich mit ihrem Studium bei den Eltern, Freunden und Professoren in einer „Männerdomäne“ durchsetzen mussten.“ Vom Preis des Landeswirtschaftsministeriums für die Förderung von MINT-Frauen war Hampf dennoch überrascht: „Wir sehen das eher als Selbstverständlichkeit – es war übrigens mit dem hohen Frauenanteil auch nicht geplant, das hat sich eher so ergeben.“

Die Kunden seien jedoch schon ab und an sehr irritiert, wenn Hampfs Ingenieurinnen zur Brückenprüfung vorfahren. Denn dann klettern manchmal drei Frauen aus dem Fahrerhaus des 7,5-Tonnen-LKWs. Das dürfe man aber nicht übelnehmen, es sei halt ein ungewohntes Bild.

„Ich spüre die Blicke sehr wohl“

Eine Mitarbeiterin von Hampf, Susan Friedrich, ist Bauingenieurin und hat als Projektleiterin die ADAC-Brückentests betreut. Sie wird manchmal von Männern schräg angeguckt, denen sie auf der Baustelle begegnet: „Klar, spüre ich die Blicke sehr wohl. Im Arbeitsanzug sehen wir ein wenig aus wie Lara Croft. Ich würde manchmal gern sagen: Lasst uns doch einfach mal machen. Schließlich ist Leistung das, was zählt.“ Sie glaube nicht mehr an die „Männerdomäne MINT“.

Bei Hampf scheint Realität zu sein, was sich viele Ministerien und Initiativen so wünschen: Endlich ein ausgewogenes Männer-Frauen-Verhältnis in den MINT-Berufen. Dabei steht Deutschland im internationalen Vergleich noch gut da: Nur Südkorea (19,1 Prozent) hat noch mehr Frauen bei den Ingenieurs-Arbeitsplätzen.

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Das Schlusslicht bilden die Niederlande – nur 5,2 Prozent der Ingenieure sind dort eine Ingenieurin. Hampf Consult stellt übrigens weiterhin Ingenieure und Ingenieurinnen ein – sofern sie gut qualifiziert seien. Doch auch Frauen haben bei Hampf Consulting keinen automatischen Vorteil: „Für uns zählt allein die Qualität“, meint der Geschäftsführer.

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