Glück gehabt: Wenn der Zufall der beste Karrierehelfer ist
James Dyson, Designer, Erfinder und Gründer des Unternehmens Dyson
"Ich liebe Fehlschläge. Aufgegeben habe ich nie. In den 1980er Jahren habe ich in meiner Werkstatt an 5126 Staubsauger-Prototypen getüftelt, die alle nicht funktionierten. Aber Nummer 5127 tat, was er sollte. Der Erfolg von Dyson geht zurück auf den einzigartigen Pioniergeist und außergewöhnlichen Einsatz aller meiner Ingenieure."
Foto: WirtschaftsWocheSimone Frömming, Deutschland-Chefin von VMware, einem der Top-Ten-Softwareproduzenten
"Über Nacht zur Führungskraft? Bei mir war das genau der Fall! Bei einem Vortrag zum Thema "Go-To-Market im Softwarevertrieb" konnte ich meinen damaligen Geschäftsführer derart überzeugen, dass er mich von heute auf morgen befördert hat. Alle meine Ideen waren recht unpolitisch und leidenschaftlich - aber dafür stets zielorientiert. Als Account Managerin hätte ich damals nie gedacht, dass ein einzelner Vortrag der Wendepunkt meiner ganzen Karriere sein kann. Nach einem ersten sprachlosen Moment hat mich dieses Angebot aber darin bestätigt, Dinge auch entgegen der gängigen Meinung anzusprechen und verändern zu wollen. Eine wichtige Eigenschaft in der IT-Branche, in der jeden Tag aufs Neue ein Wettrennen um aufregende Ideen ausgetragen wird. Und letztlich auch eine Eigenschaft, die mich dahin gebracht hat, wo ich heute stehe."
Foto: WirtschaftsWocheEckart von Hirschhausen, Moderator und Kabarettist, gelernter Mediziner
"1997 wurde ich von einem Radiosender engagiert für eine Tour durch Kinderkrankenhäuser. In der Kinderpsychiatrie in München machte ich eine Zaubershow. Alle Kinder wurden involviert, mussten laut zählen, pusten und mitmachen. Nach der Show kam ein Arzt auf mich zu und erzählte von einem kleinen „Wunder“. Ein Junge war seit Wochen schon in Behandlung wegen „Mutismus“, einer seelischen Störung bei der Kinder aufhören zu sprechen. Der Junge „vergaß“ während der Show seine Störung und machte munter mit. Seitdem nehme ich die Rolle von positiven Gemeinschaftserlebnissen, von Humor, Musik, Kunst und anderen Wegen uns zu „verzaubern“ viel ernster, seit 2006 auch mit meiner Stiftung Humor hilft heilen."
Foto: WirtschaftsWocheRichard Quest, Chef der Wirtschaftsredaktion und Anchorman bei CNN
Gibt es einen Moment, an den ich zurückdenke und sagen kann „Heureka!“, das war der Moment, an dem ich es geschafft hatte? Nein. Es gab viele Momente, an denen eine Geschichte Aufmerksamkeit für mein Schaffen erzeugt hat. Jeden dieser Momente habe ich dann genutzt, um mich auf meiner rutschigen Karriereleiter eine Sprosse weiter nach oben zu hangeln. Dazu gehören mein erster Hurricane-Bericht über Hurricane Gilbert im Jahr 1988, meine erste Berichterstattung zu einer US-Präsidentschaftswahl, mein Bericht von Queen Mums Beerdigung, die Berichterstattung zu Queen Elizabeths Kronjubiläum und meine Arbeit zur Einführung des Euro. Wenn ich wählen müsste, was DIE Story gewesen ist, dann wäre das der Schwarze Montag, der 19. Oktober 1987. Ich war ganz neu als Finanzreporter in London. Der Abwärtstrend an der New Yorker Börse hatte begonnen. Und bevor der Tag vorbei war, hatte der Dow Jones mehr als 500 Punkte (= 25 Prozent) verloren. Dies gilt nach wie vor als der anteilsmäßig stärkste Tagesverlust in der Geschichte des Dow Jones. Ich war im Dienst. Ich habe dabei zugesehen, wie der Markt sich in den Sekunden nach Börsenschluss um 100 Punkte verschlechtert hat und berichtete während der nächsten paar Tage morgens, mittags und abends – auf allen Programmen. Ich wurde dann eilig weggeschickt, um die Berichterstattung in New York aufzunehmen. Die Arbeit, der ich damals nachging, brachte mir die Aufmerksamkeit des Chefredakteurs ein, ich hatte mich als Finanzreporter etabliert.
Ich werde den Schwarzen Montag nie vergessen. Als der Vorsitzende der New Yorker Börse sagte, dieser Tag sei am nächsten an einen Zusammenbruch der Finanzmärkte herangekommen, als alles, was wir uns hätten vorstellen können. Dies galt natürlich nur bis zum nächsten Finanzcrash. Zum letzteren Zeitpunkt war ich älter und weiser – aber interessanterweise war ich genauso erschrocken.
Foto: WirtschaftsWocheKarsten Eichmann, CEO des Gothaer-Konzerns
"Aha- da gibt es ja noch so viel Spannendes" – für die entscheidenden Karriereschritte war meine Neugierde ein wesentliches Momentum. So auch als ich mit 43 Jahren meine berufliche Komfortzone aus Erfolg und Sicherheit verlassen und von München nach Hamburg gegangen bin, um als Vorstandschef der Advocard eine neue, spannende Herausforderung anzupacken. Nur durch das "Loslassen" von Gewohntem war der Weg bis zum CEO des Gothaer-Konzerns möglich - und diese Neugierde auf die Zukunft werde ich mir bewahren."
Foto: WirtschaftsWocheUwe Schuricht, Geschäftsführer der Personalberatung Change Group
"Mein Lebensweg hat entscheidende Weichenstellungen auf dem Tennisplatz bekommen: Mit Tennisunterricht habe ich mein Jura-Studium finanziert und schon damals davon geträumt, Headhunter zu werden. Dank Tennis habe ich einen Förderer gefunden, der mich bei der Promotion unterstützt hat. Die Promotion hat mich zu einer amerikanischen Kanzlei nach Paris geführt. Dort wurde ich als Manager entdeckt und danach war es nur noch ein kleiner Schritt zu meinem Traumberuf."
Foto: WirtschaftsWocheSven Eggert, Eggert Group Werbeagentur
"Nach einem Studium im Ausland (Oxford und Paris) nahm ich eine Stellung als Vorstandsassistent an. Mein Chef öffnete mir schnell die Augen, dass ich mit dem Europa-Hintergrund nicht so international aufgestellt war, wie uns im Studium suggeriert wurde. Die Entscheidung, daraufhin noch für vier Jahre in den USA zu arbeiten, war goldrichtig."
Foto: WirtschaftsWocheKaren Heumann, Vorstandssprecherin und Mitinhaberin der Agenturgruppe thjnk
"Mit 31 Jahren war ich Chefin der Strategischen Planung bei KNSK/BBDO, als mir ein Headhunter einen Geschäftsführerposten bei der britischen Agentur Leagas Delaney anbot. Ein heißer Laden mit Kunden wie Adidas und Patek Philippe. Ich flog nach London und verbrachte einen gesamten Tag mit den Chefs. Auf dem Rückflug war klar: Ich wollte es unbedingt machen! Denn England ist das Land, aus dem meine Profession kommt, ich würde nie mehr so viel lernen können. Aber ich war mir auch sicher: Die wollen mich nicht, ich war zu jung, der Schuh vielleicht doch zu groß – warum sonst hätten diese Werbe-Lichtgestalten all die Stunden ausschließlich über persönliche Interessen und allgemeine Weltbetrachtungen mit mir gesprochen? Engländer sind halt höflich, dachte ich mir, die wollten mich nicht einfach zurückschicken. Am Tag darauf hatte ich den Job. Und ich machte tatsächlich riesige Lernsprünge in kurzer Zeit, hatte endlich den nötigen Hebel, um inhaltlich etwas zu bewegen. Ein paar Jahre später wollte ich von Bruce Haines, dem CEO, wissen, wieso man mir damals keine einzige berufliche Frage gestellt hatte. Und er sagte: „Wir sind davon ausgegangen, dass Du weißt, wie es geht. Wir mussten rauskriegen, ob Du weißt, wie es gehen könnte!“ Denn nur ein freier Geist könne die Zukunft mitgestalten und im Driver’s Seat sitzen. Diese Erkenntnis prägt mich bis heute."
Foto: WirtschaftsWocheBernd Rödl, Gründer der internationalen Wirtschaftskanzlei Rödl & Partner
"Bei einer Beiratssitzung der Gothaer Versicherung lernte ich 1992 Abtprimas Notker Wolf in Brüssel kennen. Der christliche Glaube war für mich schon immer ein starker Halt gewesen. Notker Wolf hat mir für die Regeln des Benedikt und die Bedeutung der Demut die Augen geöffnet. Die Erkenntnis, dass wir nie unseren menschlichen Ursprung vergessen dürfen, hat mich mein ganzes Leben lang geprägt."
Foto: WirtschaftsWocheTjorven Jorzik, Gründer der digitalen Weinberatung „Frag‘ Henry! GmbH“
"Mein Schlüsselerlebnis hatte ich mit 34, damals noch Global Sales Director bei Danone: An einem Freitag den Flieger in Istanbul verpasst, musste ich mal wieder das Wochenende statt bei meiner hochschwangeren Frau im Hotel verbringen. Da hat es Click gemacht. Was ist wirklich wichtig im Leben, wie stelle ich mir die Zukunft vor? Ich nahm vier Monate Elternzeit und lernte die hiesigen Winzer auf den Spaziergängen mit dem Kinderwagen kennen. Anschließend begann ich die Sommelier-Ausbildung und beschloss den Konzern zu verlassen, um ein StartUp zu gründen. Heute steigern unsere Weinempfehlungs-Terminals bei Globus, Kaufland und Edeka den Weinabsatz und die europäische Expansion schreitet voran."
Foto: WirtschaftsWocheConstanze Ulmer-Eilfort, Managing-Partnerin von Baker & McKenzie
"Ich hatte das große Glück, einen starken Mentor zu haben, einen älteren Partner unserer Sozietät. Auf meinem Karriereweg, wann immer ich eine Entscheidung treffen musste oder zur Partnerwahl anstand, hat er sich für mich eingesetzt, mir Mut gemacht und mir den Weg geebnet. Für eine Frau in einem von Männern dominierten beruflichen Umfeld kann ein solcher Mentor entscheidend sein."
Foto: WirtschaftsWocheThomas Klindt, Produkthaftungspapst und Partner der internationalen Großkanzlei Noerr
"Während der Examensvorbereitung in Münster saß ich stundenlang am Schreibtisch und habe mich dauernd über die gigantisch laute Baustelle gegenüber geärgert, die von 5:00 Uhr bis 20:00 Uhr den Boden zum Vibrieren gebracht hat. Mehr aus Wut entstand erst die Idee eines juristischen Aufsatzes, an dessen Stelle dann aber gleich die technikrechtliche Dissertation zu Baulärm und EU-Maschinenrecht wurde. Heute leite ich in der Industrieberatung die mehrköpfige Product Compliance bei Noerr LLP...."
Foto: WirtschaftsWochePhilipp Zeller, zweifacher Weltmeister im Feldhockey und Rechtsassessor bei Seitz Partner
"Zu Beginn meiner sportlichen Karriere wurde mir einmal gesagt, es gäbe viele Spieler die das Talent hätten Großes zu erreichen. Es würden aber nur diejenigen Großes erreichen, die auch gewillt seien trotz ihres Talents hart an sich zu arbeiten. Im Laufe der Zeit sind leider viele Spieler mit wesentlich mehr Talent als ich es hatte auf der Strecke geblieben. Mein Durchbruch war sicherlich der Moment, in dem ich die Bedeutung der damaligen Worte tatsächlich begriffen hatte. Jetzt stehe ich am Beginn meiner beruflichen Karriere. Auch hier gibt es wieder viele Talente."
Foto: WirtschaftsWocheViktoria Kickinger, Gründerin des TV-Senders Directors Channel
"Ich hatte nie Vorbilder, jedoch stets Menschen, die es gut mit mir gemeint haben und/oder an mich und meine Projekte und Ideen geglaubt haben. Friedrich Huemer, CEO und Gründer der Polytech Holding AG hat mich in meinen ersten Aufsichtsrat berufen und somit den Grundstock für meine berufliche Entwicklung gelegt, bis hin zum heutigen Director's Channel, dem nunmehr sich schon abzeichnend erfolgreichen Internet TV Sender für deutsche Aufsichtsräte.
Foto: WirtschaftsWocheAnton Klees, Geschäftsführer der Internet-Agentur active value
"Nach dem Besuch der Business School in den USA habe ich mich 1998 in New York bei einer Internet Agentur beworben. Ich wollte Teil der New Economy sein. Nach der Einstellung wurde ich sofort als Experte gehandelt. Viele Begriffe hatte ich in der Bewerbung zum ersten mal gehört. Unser erstes Projekt mit Pixelpark war der Online Shop für das Museum of Modern Art. Aber ich hatte nicht nur meine Industrie gefunden in der ich arbeiten wollte - in New York habe ich auch meine zukünftige Frau kennengelernt. Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Heute bin ich immer noch begeistert wie am ersten Tag von den Möglichkeiten der digitalen Veränderung. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir erst am Anfang sind. Neben einer Online Agentur habe ich mit Partnern StartUps gegründet. Das neuste beschäftigt sich mit der Auswirkung von Social Media auf die Verbreitung von News."
Foto: WirtschaftsWocheSchuhproduzent Floris van Bommel, Creative Director der Schoenfabriek Wed.J.P. van Bommel
„In der Grundschule sollte ich während der Bastelstunde ein Musikinstrument aus Weinflaschenkorken erstellen. Leider funktionierte es nicht so wie ich es wollte, während es bei allen anderen Kindern besser zu klappen schien. Aber anstatt in Panik zu verfallen, fühlte ich ein tiefes Vertrauen, dass ich mit einer guten, kreativen Idee immer weiter komme. Am Ende war alles in bester Ordnung, mein Musikinstrument aus Kork sah genial aus und ich habe nie mehr an meinen kreativen Fähigkeiten gezweifelt.“
Foto: WirtschaftsWocheMarkus Bergmann, Geschäftsführer beim Autozulieferer Faurecia
"Meine früheren Kollegen waren ziemlich erstaunt, als ich nach 24 Jahren bei der MTU Aero Engines und der heutigen Airbus Defence and Space aus einer sicheren Position heraus entschied, als Geschäftsführer zum Autozulieferer Faurecia zu gehen. Mit zwei Kindern in der Ausbildung überlegt man jede Veränderung sehr genau. Aber mich reizte das Neuland und ich wollte gerne etwas Neues bewegen. Heute bin ich 50 Jahre alt, seit vier Jahren bei Faurecia und habe diesen Wechsel keinen Tag bereut."
Foto: WirtschaftsWocheElke Bartels, Polizeipräsidentin von Duisburg
"Bei meiner Bewerbung als Juristin im Landesdienst Nordrhein-Westfalen konnte ich als Einsatzorte Münster, Arnsberg, Detmold, Düsseldorf oder Köln angeben. Da ich in Bochum wohnte und das Rheinland für mich terra incognita war, gab ich als von mir favorisierten Einsatzort Münster an. Ich bin über die weise Entscheidung des Landes, mich in Düsseldorf einzustellen, ausgesprochen froh, denn mein beruflicher Werdegang wäre sonst ganz anders verlaufen. Wahrscheinlich hätte ich weder im Landtag noch in einem Ministerium gearbeitet und somit auch nicht die Weichen für meine jetzige Tätigkeit stellen können. Und an das Alt habe ich mich sehr schnell gewöhnt."
Foto: WirtschaftsWocheRainer Brune, Vorstandsvorsitzender von Roland Rechtsschutz
"Der vielleicht wichtigste Schritt auf meinem beruflichen Weg war meine zweijährige Tätigkeit als Vorstandsassistent. Dadurch konnte ich intensiv hinter die Kulissen blicken und früh ein Gefühl für strategische Prioritäten und Entscheidungsfindung entwickeln."
Foto: WirtschaftsWochePeter Rohrbach, Vorstand der cellent AG
"Am meisten geprägt und verändert hat mich meine Auslandstätigkeit in den USA von 1999 bis 2001. Dort traf ich auf eine andere Kultur und kam nicht nur mit vielen Amerikanern zusammen, sondern mit Indern, Chinesen und Hispanics. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland waren all meine folgenden Assignments internationaler Natur, so beispielsweise im Bereich Application Management, das stark mit Indien verbunden ist. Das Projektgeschäft verstehe ich nach wie vor als globale Verantwortung. Ohne meine Erfahrungen in den USA hätte ich meine zukünftigen Projekte niemals so erfolgreich umsetzen können."
Foto: WirtschaftsWoche
Reza Vaziri, Deutschlandchef des US-Konzerns 3M
"Ich bin 1994 mit knapp 40 Jahren aus meiner eher beschaulichen Schweizer Heimat nach Deutschland gekommen und das war mit Sicherheit ein Wendepunkt in meinem Berufsleben. Die Arbeitsweise hierzulande habe ich als besonders dynamisch, offen und weitsichtig empfunden; das hat mir auf Anhieb sehr zugesagt. Ich fand und finde, dass dies wunderbar zu der mir eigenen Beharrlichkeit und Wertorientierung passt. Denn Ideen, Werte und Visionen dürfen nicht der Schnelllebigkeit des Zeitgeistes zum Opfer fallen, sondern sie müssen mit Ausdauer, Präzision und Leidenschaft verfolgt werden."
Foto: WirtschaftsWocheTorsten Klein, Mitbegründer der Unternehmensberatung IT-Economics
"Der Meteorologe Edward Lorenz prägte 1972 den Begriff „Schmetterlingseffekt“: Kleinste Änderungen in den Ausgangsbedingungen können größte Auswirkungen auf die Ergebnisse in nichtlinearen dynamischen Systemen haben. Der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien kann also das Wetter in Texas beeinflussen. Mein persönlicher Schmetterlingseffekt: Als ich noch in einer internationalen Unternehmensberatung angestellt war, fragte mich ein Kunde, ob ich ihn als selbstständiger IT-Unternehmensberater weiter begleiten wolle. Ich sagte Ja. Das legte den Grundstein für die it-economics GmbH. Seitdem halte ich bewusster Ausschau nach positiven Schmetterlingseffekten - für mich, meine Kollegen und unsere Kunden."
Foto: WirtschaftsWocheManuela Mackert, Chief Compliance Officer bei der Deutschen Telekom
"Meinen Traumberuf habe ich auf ungeplantem Weg gefunden: Als ich für internationales Human-Ressource-Management verantwortlich war, wurde mir plötzlich die Aufarbeitung eines Korruptionsfalls übertragen. Ich hatte das Vertrauen meiner Chefs, ein Faible für analytisches Arbeiten und das Lösen verzwickter Sachverhalte. Da wurde mir klar: Die Aufgabe und die Herausforderungen machen mir Spaß. Ich will mit dafür sorgen, dass die Telekom sauber bleibt. So wurde ich zum Chief Compliance Officer berufen. Was ich bei dem Sprung ins kalte Wasser noch gelernt habe: Entscheidend ist das Team und damit die Menschen, mit denen man arbeitet. Wenn man die richtigen Leute an Bord hat, ist alles möglich."
Foto: WirtschaftsWocheBurkhard Schulte, Inhaber des Fleischproduzenten Schulte + Sohn
"Nachdem ich ein Jahr als Marketing-Angestellter eines Handelsunternehmens gearbeitet habe, dachte ich mir, 'das kann es doch nicht gewesen sein' und fand Selbständigkeit - wenn auch nicht in der Branche meines Vertrauens - viel interessanter! Das war die beste Entscheidung meines Lebens und mein Beruf ist mein Hobby geworden! Und die Kantine von Ikea in Kaarst war mein erster Kunde!!"
Foto: WirtschaftsWocheRegina Ziegler, Professorin und Filmproduzentin
"Ausgerechnet das ZDF, der Sender, mit dem ich als Produzentin seit vielen Jahre in bestem Einvernehmen bin, hat mich dazu gebracht, Produzentin zu werden. "Das kleine Fernsehspiel" hat den Erstling von Wolf Gremm "Ich dachte, ich wäre tot" nicht produzieren wollen. Also war ich gezwungen, das selbst zu machen. Und wir haben nicht nur einen Kritiker- und Bundesfilmpreis dafür bekommen, sondern das ZDF als langjährigen zuverlässigen Partner gewonnen."
Foto: WirtschaftsWocheOb er irgendwann mal einen Flop landet? Es sieht nicht unbedingt danach aus. Seit Anfang Dezember ist das neue Buch von Michael Lewis nun auf dem Markt. In „Aus der Welt“ widmet sich der amerikanische Sachbuchautor dem Leben von Daniel Kahneman und Amos Tversky, den Begründern der Verhaltensökonomie. Lewis beschreibt darin die Geschichte ihrer Freundschaft und Zusammenarbeit, die das Wissen über Entscheidungsprozesse für immer veränderte.
Es kam, wie es fast immer kommt, wenn Lewis ein neues Buch veröffentlicht: Die Kritiker waren entzückt. „Eine grandiose Liebesgeschichte“, resümierte die „New York Times“. Das „Wall Street Journal“ befand die Arbeit als „brillant“.
Kein Sachbuchautor weltweit war in den vergangenen Jahren so erfolgreich wie Lewis. Bereits 2003 erschien „Moneyball“, ein Buch über ein Baseballteam, das seine Spieler nach mathematischen Regeln beurteilt – 2011 wurde der Stoff mit Brad Pitt in der Hauptrolle verfilmt. Auch aus Lewis’ Büchern „The Blind Side“ und „The Big Short“ entstanden Kinofilme.
Fleiß, Ehrgeiz, Talent - und Zufall
Es wäre für Lewis ziemlich verlockend, seinen Erfolg vor allem Ehrgeiz, Fleiß und harter Arbeit zuzuschreiben; oder irgendeinem besonderen Talent, das ihm nun mal mit auf den Lebensweg gegeben wurde. Doch Lewis verleugnet nicht, dass auch noch etwas anderes eine Rolle spielte – der pure Zufall. Denn vor Jahrzehnten hatte er eine dieser Begegnungen, bei denen man erst hinterher erkennt, dass sie letztendlich über das eigene Leben entschieden.
Bei einem Abendessen saß Lewis neben der Gattin einer Wall-Street-Größe. Man war sich sympathisch, Lewis ist ein charmanter Typ. Die Dame überredete nach der Begegnung ihren Mann dazu, Lewis bei der Investmentbank Solomon Brothers einzustellen – obwohl Lewis, wie er immer wieder gerne betont, als Kunsthistoriker von Finanzen nicht allzu viel Ahnung hatte.
Der Job lieferte ihm das Material für seinen ersten Bestseller. „Nachher haben auf einmal alle gesagt, dass ich der geborene Schriftsteller bin“, sagt Lewis, „aber ich sehe inzwischen klar: Glück hat bei meiner Karriere eine große Rolle gespielt.“
Tatsächlich entdecken Psychologen und Ökonomen gerade eine uralte Frage wieder: Wie viel Einfluss hat der Mensch auf sein Leben? Und sollte Erfolg nicht besser mit Glück gleichgesetzt werden statt mit Ehrgeiz, Fleiß und Disziplin?
Zahlreiche Daten lassen diesen Schluss durchaus zu. Da ist zum Beispiel eine Auswertung des Finanzmarktdienstleisters S&P Dow Jones Indices, der aktiv betreute Fonds in Europa untersuchte. Das Ergebnis: 86 Prozent schnitten über einen Zeitraum von zehn Jahren nicht besser ab als der vergleichbare Aktienindex. Mit anderen Worten: Wenn ein Fondsmanager mal ein gutes Jahr hat und den Index schlagen kann, ist das demnach zu einem Großteil pures Glück – und da das oft nicht lange hält, passen sich über einen längeren Zeitraum alle dem Durchschnitt an.
Wissenschaftler tun sich bereits seit Langem schwer, zu definieren, welche Charaktereigenschaften, Fähigkeiten oder Führungsstile einen guten Chef ausmachen. Ob ein neuer CEO ein Unternehmen zum Erfolg führen wird oder nicht, lässt sich nur selten zuverlässig vorhersagen. Für den Ökonomen Robert Frank von der Cornell-Universität ist die Sache daher klar: Wir haben den Zufall viel zu lang unterschätzt. Vor einigen Monaten hat Frank ein Buch veröffentlicht: „Success and Luck: Good Fortune and the Myth of Meritocracy“. Darin erzählt er anhand mehrerer Anekdoten, wie kleine Wendungen immer wieder große Erfolge möglich gemacht haben. Frank stellt in seinem Buch aber auch fest: So ehrlich wie Lewis sind die wenigsten Menschen. „Viele sind davon überzeugt, dass Erfolg allein etwas mit Talent und harter Arbeit zu tun hat“, schreibt Frank.
Das zeigt auch eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Pew Research aus dem Jahr 2014. Menschen aus 44 Ländern sollten angeben, welche Faktoren aus ihrer Sicht wichtig seien, um im Leben Erfolg zu haben. Die Antwort war eindeutig: harte Arbeit und eine gute Ausbildung. In Deutschland waren zum Beispiel 61 Prozent der Befragten der Meinung, dass für Erfolg vor allem Bildung wichtig sei. Auf dem zweiten Platz landete mit 49 Prozent die Bereitschaft, hart zu arbeiten. Glückliche Zufälle und gute Rahmenbedingungen, wie etwa in eine reiche Familie hineingeboren zu werden, hielten hingegen weniger als 30 Prozent für die entscheidenden Einflussfaktoren von Erfolg.
Einen besonders schlechten Ruf hat der Zufall im Berufsleben. In einer Studie kamen die Managementforscher Chengwei Liu (Warwick-Universität) und Mark de Rond (Business School der Universität Cambridge) Anfang 2016 zu dem Schluss: Über Glück spricht man unter Managern nur ungern. Das Duo wertete für seine Übersichtsstudie knapp 2000 Studien aus 60 Jahren aus. Nur zwei Prozent davon beschäftigten sich mit dem Einfluss des Glücks auf den Unternehmenserfolg oder die Leistung von Führungskräften. „Manager leiden unter einer Illusion“, sagt Liu, „sie halten die Welt für kontrollierbarer und vorhersehbarer, als sie wirklich ist.“
Tim Cook
Der Nachfolger von Steve Jobs wurde lange Zeit unterschätzt. Dabei ist Tim Cook - genau wie sein Vorgänger - ein absoluter Workaholic. Um sein Tagespensum bewältigen zu können, steht der Apple-Chef nach eigenen Angaben jeden Morgen um 3:45 Uhr auf und nutzt diese Zeit sehr sinnvoll. Während andere sich gegen sieben Uhr gerade auf den Weg ins Büro machen, hat Cook bereits eine Stunde lang seine E-Mails abgearbeitet, im Fitnessstudio trainiert und einen Zwischenstopp bei Starbucks eingelegt, um auf dem Weg zum Büro weitere Mails zu checken. Klingt stressig? Cook sieht es entspannt: "Wenn man liebt, was man tut, sieht man es nicht als Arbeit an", sagte er gegenüber dem Time Magazine.
Foto: AP,APTim Armstrong
AOL-Chef Tim Armstrong hat Glück, denn über sich selbst sagt er, dass er noch nie ein besonders guter Schläfer war. Deshalb macht es ihm auch wenig aus, morgens zwischen fünf und viertel nach fünf aufzustehen. Im Interview mit Guardian erklärt er, er müsse sich selbst disziplinieren, nicht direkt nach dem Aufstehen auf E-Mails zu antworten, da dies dem Tagesablauf der meisten widerspreche. Seine Lösung: Nach dem Frühsport testet er erst einmal neu entwickelte Produkte und macht sich dann an seinen Posteingang. "Das Leben ist zu aufregend, um zu schlafen", erklärt er.
Foto: ReutersBill Gross
Auch der Gründer der Investmentgesellschaft PIMCO schwört auf die Strategie des frühen Vogels. Was sich an den Aktienmärkten tut, schaut er bereits um halb fünf nach, bevor er sich dann gegen sechs auf den Weg zur Arbeit macht.
Foto: REUTERSJack Dorsey
Und warum meint der CEO von Twitter, dass Morgenstund Gold im Mund hat? Er nutzt die Zeit vor dem Sonnenaufgang, um erst zu meditieren und dann gute neun Kilometer joggen zu gehen, wie er im Gespräch mit dem New York Magazine sagt. Sein Wecker klingelt täglich um halb sechs.
Foto: REUTERSIndra Nooyi
Wie das Fortune Magazine berichtet, steht die Vorsitzende von PepsiCo. früh auf, weil sie von selbst aufwacht - und das jeden Morgen. Daher ist es auch kein Wunder, dass sie spätestens um sieben an ihrem Arbeitsplatz sitzt. Was erst mal nach einem Segen klingt, hat auch eine Kehrseite: Schlaflosigkeit.
Foto: REUTERSTim Gunn
Ein bis zwei Espresso und die Lektüre einer Zeitung hat Modeberater Tim Gunn (links im Bild) schon hinter sich, wenn viele noch schlummern. Davor, nämlich um halb sechs, beginnt er den Tag noch im Bett mit 50 Sit-ups, sagt er im Interview mit der New York Post.
Foto: APDavid Cush
David Cush, der Geschäftsführer von Virgin America, lebt getreu dem Motto "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen". Noch bevor er das Radio einschaltet, Zeitung liest und sich auf den Weg ins Fitnessstudio macht, pflegt er den E-Mail-Verkehr und ruft Geschäftspartner an der Ostküste an. Dafür fällt er bereits um 4:15 Uhr aus dem Bett.
Foto: REUTERSSergio Marchionne
Der Vorstandsvorsitzende von Fiat-Chrysler, Sergio Marchionne, ist besonders früh dran: Er beginnt den Tag bereits um 3:30, wie der Business Insider berichtet. Denn auch der europäische Markt muss bedient werden. Und nicht nur in Bezug auf die Uhrzeit können sich viele Normalos eine Scheibe von dem erfolgreichen Manager abschneiden: Feiertage existieren bei ihm nicht. Wenn er in den USA gezwungen ist, die Arbeit ruhen zu lassen, flieht er nach Europa.
Foto: REUTERSMichelle Obama
Die Frau an der Seite des US-Präsidenten steht ihrem Gatten in nichts nach. Ihren Tag startet sie sportlich - mit einem straffen Workout, wie sie im Interview mit Oprah Winfrey erzählt. Dafür steht sie jeden Tag um 04:30 Uhr auf. Und das hat einen guten Grund: Wenn sie sich die Zeit zum sportlichen Ausgleich nicht nimmt, fühlt sie sich nicht gut - wie sie selbst sagt. Dennoch ist auch im Weißen Haus ein hohes Maß an Disziplin gefragt, um Kinder, Arbeit und Freizeit unter einen Hut zu bekommen.
Foto: APJeff Immelt
Ein Bilderbuch-Chef ist auch Jeff Immelt, der CEO von General Electric. Mit einer eisernen Disziplin steht er Tag für Tag um halb sechs auf und startet mit Ausdauertraining. Multitaskingfähig ist er außerdem: Er nutzt die Trainingszeit, um Zeitung zu lesen und gleichzeitig die Nachrichten auf CNBC zu verfolgen. Das zumindest behauptete er im Interview mit dem Fortune Magazine. Und obwohl er das schon seit Jahren durchzieht, sieht man ihm den wenigen Schlaf kaum an.
Foto: AP,APRichard Branson
Virgin-Gründer Richard Branson lebt besonders gesundheitsbewusst. Anders als der ein oder andere Geschäftsmann nutzt er seine Führungsposition nicht als Ausrede, um sportlichen Aktivitäten zu entsagen. Im Gegenteil: Wie Branson dem Business Insider verrät, steht er morgens gerne um 5:45 Uhr auf, um seinem Lieblingssport (Kitesurfen) nachzugehen und ausgiebig zu frühstücken.
Foto: APKevin O'Leary
Vor sechs Uhr morgens hat Kevin O'Leary, der Vorsitzende von O'Leary Financial, bereits den Anleihemarkt gecheckt. Als Investor nimmt er die Pflicht sehr ernst, immer auf dem neusten Stand zu sein. Wie er dem Business Insider erzählt, könne er unmöglich verschlafen, wenn sich etwas auf dem Aktienmarkt in London oder Tokio tut. Aus dem Tod seines Vaters, der mit nur 37 Jahren verstarb, schöpfte er die Motivation, sich um seine Gesundheit zu bemühen und treibt noch vor der Arbeit Sport. Wenn dann um halb zehn der Aktienmarkt öffnet, "geht der Spaß erst richtig los", sagt er.
Foto: WirtschaftsWocheVittorio Colao
Ein Meister der Disziplin ist auch Vodafone-Chef Vittorio Colao, der - abgesehen von einer kurzen Pause zum Abendessen mit seiner Familie - tagtäglich von sieben bis 10:45 Uhr durcharbeitet. In dem komplett durch getakteten Tagesablauf kriegt er alle Aktivitäten von Sport über Meetings bis hin zu Zeit mit seiner Familie unter einen Hut. Wenn er sich dann um halb zwölf auf den Weg ins Bett macht, bleiben ihm immerhin noch gute sechs Stunden Schlaf, bis der Wecker wieder klingelt.
Foto: REUTERSMary Barra
Eine Frühaufsteherin ist auch Mary Barra, die Chefin des amerikanischen Automobilriesen General Motors. Wie sie der New York Times verriet, ist sie schon um sechs im Büro - und musste ihre Routine dafür nicht einmal ändern. Auch vor ihrer Tätigkeit als Geschäftsführerin war sie so früh im Haus, berichten Arbeitskollegen.
Foto: REUTERSHoward Schultz
Starbucks-Chef Howard Schultz weiß die Zeit mit seiner Familie zu schätzen - und schwingt sich noch vor der Arbeit mit seiner Frau auf das Fahrrad. Allem Frühsport zum Trotz ist er um sechs im Büro.
Foto: APDas ist bei Weitem keine Lappalie, sondern hat durchaus negative Folgen. Diese Attitüde führt zu Selbstüberschätzung – und teuren Fehlentscheidungen. Ein Beispiel dafür ist laut den Forschern die Personalsuche für Führungspositionen. Unternehmen geben demnach zu viel Geld aus, weil sie unbedingt einen Kandidaten finden wollen, der das Unternehmen zum Erfolg führt.
In Wahrheit jedoch sind die fachlichen Unterschiede zwischen Kandidaten ab einer bestimmten Hierarchiestufe nur noch minimal, glauben Liu und de Rond. Ob jemand Erfolg hat oder nicht, hänge gerade bei Topjobs vor allem von äußeren Einflüssen ab: Vielleicht macht eine Änderung des Wechselkurses die geplante Übernahme eines ausländischen Zulieferers plötzlich billiger; oder bei einem Konkurrenten kommt es zu einem Skandal, der die Kunden automatisch zum anderen Unternehmen treibt.
Spitzenpositionen einfach verlosen
Die beiden Forscher machen deshalb in ihrer Studie einen radikalen Vorschlag: Spitzenpositionen in Unternehmen sollten einfach in einem Kreis von geeigneten Kandidaten verlost werden. Das sei günstiger, schneller und am Ende genauso erfolgreich wie langwierige Bewerbungsprozesse. Zugegeben: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen den Ansatz von Liu und de Rond bald ausprobiert, ist gering. Aber warum fällt es uns so schwer, die Macht des Zufalls zu akzeptieren? Warum glauben wir so gern an die Illusion, dass alles kontrollierbar ist?
Schuld ist zum einen ein Denk- und Wahrnehmungsmechanismus, den die eingangs bereits erwähnten Psychologen Kahneman und Tversky das erste Mal beschrieben haben: die „availability heuristic“, also der Verfügbarkeitsfilter. „Wir sehen nur das, was wir sehen“, schrieben Kahneman und Tversky.
Ein Beispiel. Fast alle erfolgreichen Unternehmer sind Menschen, die vermeintlich hart arbeiten. Apple-Chef Tim Cook steht um vier Uhr morgens auf, Tesla- und SpaceX-Gründer Elon Musk hat in den vergangenen zwölf Jahren zwei Wochen Urlaub gemacht – oder es zumindest versucht, wie er in einem Interview im vergangenen Jahr erzählte.
Heißt im Umkehrschluss also: Wenn alle erfolgreichen Unternehmer hart arbeiten, muss harte Arbeit zum Erfolg führen – könnte man zumindest meinen. Dabei vergisst man jedoch all die anderen Unternehmer, die genauso wenig Urlaub machen wie Elon Musk, aber nicht so weit kommen wie er. „Wir sehen immer nur die Erfolgreichen“, sagt Kathrin Rosing, Professorin für Psychologie unternehmerischen Handelns an der Universität Kassel, „und nicht die, die genauso hart gearbeitet, es aber trotzdem nicht geschafft haben.“
Hinzu kommt etwas, das Psychologen den fundamentalen Attributionsfehler nennen. „Die äußeren Einflüsse zu verstehen und ihren Beitrag einzuschätzen ist oft sehr schwierig“, sagt Rosing. „Daher neigen wir dazu, alles als das Werk von Menschen zu interpretieren.“ Gut beobachten lässt sich das an Unternehmen, in denen es oft zu einem regelrechten Führungskult kommt: Der Gründer oder Vorstandsvorsitzende gilt als großer Held, der das Unternehmen quasi im Alleingang zum Erfolg führt. „Am Ende ist das aber nur eine Geschichte, ein Mythos, den wir für uns konstruieren, um Komplexität zu reduzieren und eine einfache Erklärung zu bekommen“, sagt Kathrin Rosing.
Dass wir ein Problem mit dem Zufall und dem glücklichen Zwischenfall haben, hat aber nicht nur etwas mit Neurobiologie zu tun. Das sagt der Physiker, Philosoph und Wissenschaftsautor Stefan Klein, dessen Buch „Alles Zufall“ im vergangenen Jahr in einer Neuauflage erschienen ist. „Gesellschaftliche Normen und Weltanschauungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle“, sagt er. „Das ist fast wie eine Ideologie: Wir wollen, dass sich Leistung lohnt und wir unser Leben unter allen Umständen in der eigenen Hand haben.“ Wer die Rolle des Zufalls anerkennt, müsse zugleich akzeptieren, dass Erfolg nicht vollständig planbar ist.
Trotzdem plädiert Klein dafür, diesen Mut aufzubringen. „Wir alle täten gut daran, die Rolle des Zufalls realistischer einzuschätzen“, sagt er. „Das heißt nicht, zum Pessimisten zu werden und in Schockstarre zu verfallen, im Gegenteil: Wir besinnen uns dann auf eine unserer größten Stärken, die schnelle Reaktion auf unerwartete Ereignisse. Wer akzeptiert, dass nicht alles planbar ist, bleibt flexibler und offen für zufällige Möglichkeiten und neue Chancen.“
Lösung gegen Ungleichheit
Der Ökonom Robert Frank glaubt sogar, dass die Akzeptanz des Zufalls die Welt zu einem gerechteren Ort machen kann. Dass die Einkommens- und Vermögensungleichheit in vielen Ländern so stark gestiegen sei, habe auch etwas damit zu tun, dass viele Reiche vehement gegen hohe Spitzensteuern und Umverteilung eintreten. Dahinter stehe die Vorstellung, dass jeder reich werden könne, wenn er nur hart genug arbeite.
Eine Umfrage der Meinungsforscher von Pew Research bestätigt das: Wer mehr verdient, glaubt erst recht, dass Erfolg der Lohn harter Arbeit ist und nur wenig mit Glück zu tun hat. Auf die Frage, wie man reich wird, antworteten die Teilnehmer der Umfrage, die selber zur oberen Einkommensschicht gehörten, häufiger als andere mit der Antwort „Hart arbeiten“.
Studien des Psychologen David DeSteno von der Northeastern-Universität zeigen aber, wie schnell sich solche Vorstellungen ändern können. Und zwar dann, wenn jemandem bewusst wird, dass auch er Glück im Leben hatte. In mehreren Experimenten konnte DeSteno zeigen, dass Menschen hilfsbereiter werden, wenn ihnen kurz zuvor zufällig etwas Gutes widerfahren ist – und das nicht nur gegenüber Menschen, die einem direkt geholfen haben, sondern auch gegenüber völlig Fremden.
Und eine 2009 erschienene Studie von Forschern um den Psychologen Alex Wood von der Universität Stirling zeigt, dass es einem selbst guttut, wenn man die glücklichen Umstände im eigenen Leben bewusst erkennt: Menschen, die das regelmäßig tun, sind laut der Studie selbstbewusster, haben stabilere Freundschaften und Partnerschaften und gehen besser mit Krisen um.
Sich klarzumachen, wie viel Glück man im Leben hat, kann sogar wie ein Schmerzmittel wirken. Die Psychologen Mathias Allemand (Universität Zürich), Patrick Hill (Carleton-Universität, Ottawa) und Brent Roberts (Universität von Illinois) haben gezeigt, dass Menschen, die dankbar gegenüber anderen oder den Rahmenbedingungen sind, in denen sie leben, seltener unter Schmerzen leiden. Für ihre 2014 erschienene Studie verschickten die Psychologen ausführliche Fragebögen an rund 1000 Männer und Frauen in der Schweiz. Diese mussten unter anderem angeben, wie häufig sie wegen Problemen wie zum Beispiel Rückenschmerzen nicht normal arbeiten konnten. In einem anderen Teil des Fragebogens wurde mit einem Standardtest aus der Psychologie die Dankbarkeit der Teilnehmer gemessen. Wer auf der Dankbarkeitsskala besonders hohe Werte erreichte, berichtete seltener über Schmerzen.
Wissen, wo die eigenen Grenzen liegen
Gründe genug also, offen und ehrlich zuzugeben, dass man nicht dort wäre, wo man ist, wenn es nicht dieses eine zufällige Treffen beim Abendessen gegeben hätte. Für Führungskräfte ist diese Ehrlichkeit sogar besonders wichtig, sagt Wirtschaftspsychologin Kathrin Rosing. „Man sollte sich zwischendurch immer mal wieder klarmachen, wo die eigenen Grenzen liegen, welche Dinge man nicht beeinflussen kann und wie wichtig die Beiträge der anderen für den Unternehmenserfolg sind“, sagt sie – und empfiehlt, diese Übung in Demut wie ein Ritual in seinen Alltag einzubauen. „Sonst fällt man schnell den einfachen Erklärungen und dem eigenen Heldenstatus zum Opfer.“
Schließlich bedeutet die Macht des Zufalls auch nicht, dass man nichts mehr beeinflussen kann. Oft muss man sich sein Glück erst mal verdienen. Niemand brachte das je so treffend auf den Punkt wie Gary Player: „Je härter ich trainiere“, sagte der ehemalige südafrikanische Profigolfer, „desto mehr Glück habe ich.“