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IW-Studie Wie Geisteswissenschaftler zu Top-Gehältern kommen

Zwei Drittel der Beschäftigten unter den Geisteswissenschaftlern sind Frauen - sie verdienen jedoch häufig unterdurchschnittlich. Quelle: Fotolia

Auch Philosophen können Manager werden, zeigt eine neue Studie. Weil Soft Skills wie Kommunikationsfähigkeit in Zukunft noch wichtiger werden, suchen viele Unternehmen sogar gezielt Geisteswissenschaftler.

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Geisteswissenschaften lohnen sich karrieretechnisch doch – das zeigen neue Studien des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), die in Kooperation mit dem Stifterverband und der Gerda Henkel Stiftung entstanden sind. Ob Philosophie, Linguistik, Geschichte oder Ethnologie: Die sogenannten Orchideenfächer führen nicht, wie ein verbreitetes Klischee suggeriert, geradewegs in die Arbeitslosigkeit oder völlig fachfremde Jobs.

Demnach ist ein knappes Drittel der insgesamt 505.000 Geisteswissenschaftler in Deutschland eine Führungskraft (140.000). Andere Akademiker bringen es zwar auf eine höhere Rate, dennoch reicht der Wert um festzustellen, dass Geisteswissenschaften keine brotlose Kunst sein müssen. Acht Prozent der Studierenden waren im vorletzten Wintersemester für ein solches Fach eingeschrieben, wenn man Lehramtsstudenten nicht mitzählt.

Die Promovierten unter den Geisteswissenschaftlern verdienen besonders gut: Jeder dritte von ihnen verdient monatlich 4000 Euro oder mehr – netto, wohlbemerkt. Berufsanfänger mit Bachelorabschluss dagegen verdienen deutlich weniger als andere Akademiker. Es lohnt sich demnach also, bei der Wahl eines geisteswissenschaftlichen Studienfachs einen höheren Abschluss wie den Master anzustreben und eine anschließende Promotion abzuwägen.

Eine Einschränkung muss für Frauen gemacht werden: Absolventinnen geisteswissenschaftlicher Fächer schaffen es meist nicht in für Akademiker übliche Positionen, selbst wenn sie Vollzeit arbeiten. Nur wenige von ihnen steigen in gut bezahlte Positionen auf. Dabei sind zwei Drittel der erwerbstätigen Geisteswissenschaftler Frauen, während der weibliche Anteil aller Akademiker bei nur 45 Prozent liegt. So liegt auch der Anteil der Teilzeitbeschäftigten unter erwerbstätigen Geisteswissenschaftlern bei 35 Prozent, unter allen Akademikern nur bei 22 Prozent.

Die Stärke der Geisteswissenschaftler liegt den Studien zufolge in ihrer geistigen Flexibilität und Lernfähigkeit. Jeder Zweite hat sich für seinen aktuellen Job neues Fachwissen angeeignet. Rund 12.000 Geisteswissenschaftler arbeiten sogar in naturwissenschaftlichen oder technischen Berufen. Häufig übernehmen sie kommunikative Aufgaben oder arbeiten im Dienstleistungssektor, etwa als Vertriebsmanager oder Personalverantwortlicher. Überdurchschnittlich viele Geisteswissenschaftler finden sich generell in Tätigkeiten, bei denen das Schreiben überwiegt, im künstlerisch-journalistischen Bereich und in Beratung/Information sowie Werbung und Marketing.

Die Veränderungen durch die Digitalisierung in Unternehmen ist für Geisteswissenschaftler ein Vorteil: Weil Maschinen einen Großteil der technischen und rechnerischen Aufgaben übernehmen, geht man davon aus, dass in Zukunft Kommunikation, Kooperation und andere Soft Skills an Bedeutung zunehmen werden. Genau diese Fähigkeiten zeichnen aber unter anderem Geisteswissenschaftler aus. Zwei Drittel der Unternehmen wollen in Zukunft verstärkt Mitarbeiter rekrutieren, die sich schnell in neue Themen einarbeiten können. Echter Fachkräftemangel herrscht hingegen weiterhin vor allem in MINT-Branchen. Wer sich als Geisteswissenschaftler bereits im Studium auch digitales Wissen und Fertigkeiten aneignet, wird auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft wohl sehr gefragt sein.

Die Studien basieren auf Daten des Mikrozensus. Zu den künftigen Beschäftigungschancen wurden 1100 Unternehmen im Rahmen des IW-Personalpanels befragt.

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