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KarriereleiterPräsentieren zu zweit: So wirkt es nicht affig, sondern clever

Zu zweit auf der Bühne klappt es mit weniger Lampenfieber. Dafür muss das Publikum oft abgesprochene Gags, Fake-Fragen und Fremdscham ertragen. Machen Sie es besser! Denn im Zweier-Auftritt steckt ein enormes Überzeugungspotenzial.Marcus Werner 15.11.2023 - 17:59 Uhr
Foto: imago images

Warum stellen wir uns zu zweit vor Kunden, Belegschaft oder Fernsehpublikum und präsentieren oder moderieren?

„Weil es irgendwie netter ist zu zweit.“
„Weil da dann Interaktion möglich ist. Austausch.“
„Ein bisschen Auflockerung.“
Und: „Weil ich dann nur noch zu 50 Prozent im Fokus stehe.“

Das alles sind entweder der Not (Zeitnot) geschuldete oder nur halb gut durchdachte Gründe. Ein gut gemachter Vortrag klappt auch, wenn es jemand ganz alleine macht. Warum also zu zweit? Dazu stellen Sie sich am besten die immer gleiche Frage:

Wovon will ich bei meinem Auftritt überzeugen?

Seien Sie ruhig ehrlich zu sich. Neben dem Inhalt des Vortrags geht es Ihnen bestimmt auch darum, von sich als Redner oder Rednerin zu überzeugen. Das ist völlig legitim und sogar förderlich für einen guten Auftritt. Vielleicht wollen Sie neben den Botschaften zu den von Ihnen erläuterten Produkten, Projekten, Forschungsergebnissen, Dienstleistungen und dergleichen auch vom Spirit Ihres Unternehmens oder Ihrer Institution überzeugen, der dem Kunden gefallen soll, weil er die Zusammenarbeit schöner machen würde. Und so weiter.

Erlauben Sie sich Seitenziele, auf die Sie Ihre Überzeugungskraft auch anlegen wollen. Ordnen Sie sie nach Relevanz.

Was ist an einem Auftritt zu zweit besser für meine/unsere Überzeugungskraft?

Wenn es Ihnen etwa darauf ankommt zu zeigen, dass Sie Ihre Abteilung gut im Griff haben und darüber hinaus auch sämtliche Themen gut beherrschen, dann ist ein Solo-Auftritt vielleicht die überzeugendere Variante.

Geht es Ihnen darum, Ihr Team vorzustellen und sich selber als souveräne Führungskraft zu präsentieren, die gut delegieren kann, dann kann es sich anbieten, den Auftritt in zwei oder mehrere Sektionen zu unterteilen und nacheinander aufzutreten.

Wenn Sie zeigen wollen, wie Sie und der oder die Andere im Team agieren, etwa als Doppelspitze, kann ein Zweierauftritt (also Sie mit der Kollegin oder dem Kollegen gleichzeitig) eine geniale Möglichkeit sein, Ihrem Publikum zu beweisen, wie gut Sie zusammenarbeiten.

Karriereleiter

Überzeugend auftreten – mit der einen kleinen Frechheit vorab

von Marcus Werner

Wir Menschen haben hierfür ein superfeines Näschen. Ihr Publikum meint, in nur wenigen Sekunden zu erkennen, wer hier der dominantere, lockere, gewandtere, humorvollere Part ist. Das ist völlig in Ordnung, sollte Ihnen beiden aber bei Ihrem Plan zugute kommen, von Ihrem Ziel zu überzeugen. Meiner Erfahrung nach gibt es allerdings noch zwei wesentliche Gründe, zu zweit aufzutreten:

  1. Aufgeteilte Zuständigkeiten und Kompetenzen. Wenn der Eine der Anderen nicht die Butter vom Brot nehmen will, darf oder gar nicht kann.
  2. Der geteilte Vorbereitungsaufwand. Halbe Show ist halbe Vorbereitungszeit.

Beides sind jenseits rhetorischer Überlegungen völlig nachvollziehbare Umstände, die im Arbeitsalltag nun einmal zählen. Wenn Sie sich nach allen Abwägungen aus guten Gründen dazu entschieden haben, zu zweit aufzutreten, dann machen Sie es richtig gut.

Bälle zuspielen: Bloß keine Fake-Fragen!

Beim Versuch, einen lockerem Dialog auf der Bühne zu präsentieren, verfallen viele in eine Art geskripteten Ablauf mit verteilten Rollen. Kann man machen. Aber sofern Sie keine oscarprämierten Schauspieler sind, tun Sie nicht so, als würden Sie spontan mal eben Ihren Partner auf der Bühne etwas fragen, worauf derjenige mal eben zwei, drei Folien parat hat:

„Und dann hat Emmi mir verraten, sie hat noch eine brandheiße News für uns. Emmi, was habt ihr im Anstich?“

Zu suggerieren, Sie wüssten nicht, was Ihre Partnerin auf der Bühne nun erzählen wird, ist unglaubwürdig. Stellen Sie also keine überleitenden Fake-Fragen, die Ihre eigene Neugier vorspiegeln sollen, sondern leiten Sie über, indem Sie echte Vorfreude ausstrahlen:

„Und jetzt hat Emmi noch eine brandheiße News für Sie. Emmi, lass es raus.“

Tipps für die perfekte Rede
Schon beim Betreten des Raumes oder auf dem Weg zum Rednerpult müssen Sie konzentriert sein und Ihre Sprechhaltung einnehmen. Denn die Zuhörer nehmen Sie schon wahr, bevor Sie die Bühne betreten.
Reden Sie nie ohne Plan. Auch wenn Sie sich im Thema blind auskennen – überlegen Sie sich ganz genau, wie Sie Ihren Zuhörern die Informationen vermitteln wollen.
Machen Sie sich Stichwörter auf Moderationskarten. Ein ausformulierter Text ist unübersichtlich und verführt zum monotonen Ablesen.
Verzichten Sie auf lange Handouts oder eine vollgestopfte PowerPoint-Präsentation – Folien oder Charts sollen den Vortrag unterstützen und ihn nicht überflüssig machen.
Was wollen Sie erreichen? Bauen Sie eine Beziehung zu ihrem Publikum auf und verzichten Sie auf Belehrungen von oben herab. Damit die Distanz zwischen Ihnen und Ihren Zuhörern nicht zu groß wird, sprechen Sie sie direkt an und beziehen Sie sie so in den Vortrag mit ein.
Ihre Gesten müssen das Gesagte unterstreichen und gezielt eingesetzt werden. Zu viel Bewegung kann vom Inhalt ablenken und wirkt hektisch. Symmetrische Gesten und eine geschlossene Körperhaltung, zum Beispiel verschränkte Arme, kommen beim Zuhörer nicht gut an.
„Meiner Meinung nach“, „Am Ende des Tages“, „äh“ oder „übrigens“ sind Floskeln, die Sie nicht brauchen und den Zuhörer nerven. Überlegen Sie, was Sie stattdessen sagen können, damit Sie diese Lückenfüller nicht brauchen.
Wählen Sie Ihre Formulierungen so, dass Sie deren Inhalt glaubwürdig vertreten können. Neutrale Ausdrücke können dabei helfen, falls eigenes Empfinden und Firmenpolitik auseinander fallen.
Sich über Nervosität zu ärgern oder sie verdrängen zu wollen, macht es meist noch schlimmer. Nehmen Sie ihre Nervosität hin. Häufig erhöht sie sogar die Konzentration.

Ersparen Sie allen Ihr eigenes Überraschtsein

Genau wie Fake-Fragen glaubt Ihnen niemand, dass Sie eine News der Kollegin oder des Kollegin neben Ihnen umhaut:

„Emmi, das ist ja unglaublich! Wahnsinn, was ihr da in eurem Team auf die Beine gestellt habt. Ich bin baff.“

Faken Sie einfach nicht. Seien Sie ehrlich. Wenn Sie sich das vornehmen, kommen Ihre Einlassungen wie ganz von selber glaubwürdig rüber:

„Ich finde das total toll, was ihr da auf die Beine gestellt habt. Als ich das zum ersten Mal mitbekommen habe, war ich total baff. Ich hoffe, Ihnen allen geht es jetzt gerade genauso.“

Trauen Sie sich Ungeschliffenes

„Erst sag ich das bis hierhin, dann Mitte Folie 3 übernimmst du und sagst was zum Kästchen, dann zeigst zu auf mich und ich rede weiter“ – solche im Vorfeld eng abgestimmte Dramaturgien gehen oft nach hinten los, weil Sie beim Bemühen, alles Vereinbarte einzuhalten, verkrampfen: Was, wenn ich den roten Faden verliere?

Sprechen Sie sich vorher ab:

„Wenn ich mal was vergesse, unterbrich mich gerne und werfe etwas ein, wenn du es wichtig findest.“

Spontane Dialoge auf der Bühne wie: „Du wolltest doch noch was zum Zeitplan sagen“ – „Ach, Gott, stimmt. Danke.“ (Und weiter…) nehmen dem Ganzen das Gestelzte. Dadurch erlebt das Publikum, wie Sie wirklich im Team agieren. Das tut gut. Dem Publikum und deshalb auch Ihnen.

Und ansonsten: Teilen Sie sich den Vortrag einfach ganz nüchtern nach Kompetenzfeldern auf und übergeben Sie das Wort auf der Bühne ohne großes „Jetzt übernimmt erstmal wieder die Kollegin“.

Witze müssen sitzen – und geben Sie Rohrkrepierer zu

An alle ohne Oscar auf dem Büro-Regal: Leisten Sie sich spontane Gags, Einwürfe, haben Sie Spaß an unterhaltsamen Bemerkungen aus dem Kreis der Zuhörenden. Was aber mit gespielten Witzen?

„Unsere Jahresabschlussfeier war wirklich gehaltvoll.“
„Später an der Bar vielleicht etwas zu gehaltvoll. Haha!“

So etwas kann ja mal ganz nett sein. Wenn Sie das absprechen, muss das Timing und der Duktus aber wirklich passen. Gleiches gilt erstrecht, wenn Sie es wirklich wagen wollen, Marketing-Claims lippensynchron gleichzeitig vorzutragen (mit Mut zum Scheitern).

Im Zweifel kennzeichnen Sie solche Gags als solche („Das war der obligatorische Weihnachtsfeiergag“) oder reagieren auf Rohrkrepierer:

„An der Stelle sollte das Publikum eigentlich lachen, hast du mir versprochen.“

So lassen Sie die Anderen mit einem Augenzwinkern Ihre Beweggründe erkennen. Das befreit das Publikum davon, Ihren Plan selber entlarven zu müssen, was Fremdscham auslösen und eine Kluft auftun kann.

Wenn Sie sich zu Gags zwingen müssten, mein Tipp: Lassen Sie es sein und zeigen Sie sich lieber von der fröhlichen, vielleicht ja sogar euphorischen Seite, weil Sie davon begeistert sind, Ihre Botschaften endlich verkünden zu dürfen. Das sorgt ganz entspannt für gute Laune im Raum.

Was tun, während der andere Part dran ist?

Tun Sie nicht so, als würden Sie neugierig an den Lippen des Anderen kleben. Spielen Sie nicht überrascht bei Knallerinfos. Alle wissen: Sie kennen die Inhalte. Stattdessen: Strahlen Sie aus, was in Ihnen wirklich vorgeht. Vielleicht freuen Sie sich, dass es gut läuft, vielleicht werfen Sie nochmal einen Blick auf Ihre Notizen, hören aufmerksam zu, um Ihren Einsatz nicht zu verpennen. Vielleicht möchten Sie spontan etwas ergänzen oder Sie blicken gespannt ins Publikum, weil Sie dessen Reaktion interessiert. Zeigen Sie es.

Fazit: Zu zweit zu präsentieren ist kein Wert an sich. Aber es gibt gute Gründe, es zu tun. Spielen Sie dann kein Theater. Sondern teilen Sie sich Ihre Parts auf, leiten jeweils ohne viel Brimborium über zum Anderen, lassen Sie sich nicht vom roten Faden erdrosseln, sondern wagen Sie Ungeschliffenes und Spontanes. Und genießen Sie es, vor aller Leute Augen ganz einfach Kollegen, Freunde, Teamplayer zu sein.

Viel Erfolg.

Lesen Sie auch: Mitreißend präsentieren – so gelingt es!

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