Summer School ☀️: Selbsttest: Wie narzisstisch bin ich?
Gerade mal acht Seiten umfasst die Arbeit von Delroy Paulhus und Kevin Williams, die bis heute in 7274 wissenschaftlichen Beiträgen zitiert wurde. Die beiden Forscher prägten 2002 das Konzept der dunklen Triade. Es beschreibt drei dunkle Persönlichkeitsmerkmale und ihr Zusammenspiel: Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus. Paulhus und Williams erkannten, dass sie sich überschneiden, aber trotzdem eigenständige Persönlichkeitszüge sind – und menschliches Handeln erklären.
Machiavellisten treten in der Arbeitswelt als strategische, mitunter auch empathische Manipulatoren auf. Um ihre Ziele zu erreichen, setzen sie sich über ethische Regeln hinweg. Der Philosoph Niccolò Machiavelli war überzeugt, dass Menschen zur Erlangung politischer Macht jedes Mittel recht sei.
Narzissten sind überzeugt, etwas Besseres zu sein. Ihr Ego treibt ihre unmoralischen Handlungen. Auf Kritik reagieren sie aggressiv, mit ihrer Begeisterung können sie Menschen anstecken.
Psychopathen, die nicht an einer schweren, klinischen Persönlichkeitsstörung leiden, sind in der Arbeitswelt auf Macht und Geld aus. Sie setzen auf Lügen. Sie sind rücksichtslos und kaum in der Lage, emotionale Beziehungen aufzubauen oder Regeln zu befolgen.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben viele Forscherinnen und Forscher untersucht, wie sich Menschen mit hohen Ausprägungen dieser Eigenschaften im Job verhalten. Machiavellisten steigen schneller auf, wenn sie nicht nur manipulativ, sondern gleichzeitig empathisch sind. Narzissten geben erstklassige Vertriebler und Unternehmensführer ab, weil sie andere Menschen mit ihrer Begeisterung anstecken können. Sie müssen aber bereit sein, für ihren Erfolg hart zu arbeiten.
Es fällt Menschen mit hohen Ausprägungen dieser dunklen Charaktereigenschaften obendrein leichter, schwierige Entscheidungen zu treffen: Etwa wer von einem Stellenabbau betroffen ist.
Die Voraussetzung ist immer: Die Ausprägung einer dunklen Charaktereigenschaft darf ein toxisches Level nicht überschreiten. Sonst gingen Unternehmen einen „Pakt mit dem Teufel“ ein, wie Daniel Jones sagt. Er forscht an der Universität von Nevada zur dunklen Triade, Delroy Paulhus war sein Doktorvater. „Menschen mit einer toxischen Ausprägung dieser Persönlichkeitszüge handeln nur für den eigenen Vorteil – ohne Rücksicht auf andere. Sie werden dem Unternehmen schaden. Und je mehr Macht sie haben, desto gefährlicher wird es“, warnt Jones.
„Wer sich als stinknormal ansieht, wird kaum etwas Revolutionäres vollbringen“: Lesen Sie hier das vollständige Interview mit Daniel Jones
Es birgt also durchaus Vorteile, zu wissen, wie sehr die dunklen Persönlichkeitsmerkmale bei sich selbst ausgeprägt sind. Paulhus und Jones entwickelten vor zehn Jahren einen Fragebogen, mit dem sich eben das herausfinden lässt. Der Fragebogen wurde in den vergangenen Jahren von zahlreichen Wissenschaftlern an immer neuen Teilnehmergruppen getestet und in viele Sprachen übersetzt – auch ins Deutsche.
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Bei den allermeisten Teilnehmern, die im Rahmen von Studien an dem Test teilgenommen haben, sind Narzissmus und Machiavellismus am stärksten ausgeprägt. Deutlich weniger Menschen weisen hohe psychopathische Anteile auf. Für viele Arbeitgeber ist das eine gute Nachricht: Während Narzissten gute Verkäufer und Vertriebler sein können, geben Machiavellisten hartnäckige Cybersicherheitsexperten oder Wirtschaftsprüfer ab. „Weil sie denken wie die Angreifer“, sagt Jones. Nur für Menschen mit hohen psychopathischen Ausprägungen ist dem Wissenschaftler noch kein geeigneter Job eingefallen. „Diese Menschen sind unglaublich aggressiv und rücksichtslos, ihre Täuschung ist eher instinktiv“, sagt Jones.
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Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals im Oktober 2024 bei der WirtschaftsWoche. Wir zeigen ihn aufgrund des hohen Leserinteresses erneut.