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WeiterbildungSo holen Sie das Beste aus Schulungen im Netz heraus

Onlinekurse sind praktisch. Und meist preiswert. Aber wie stellen Teilnehmer sicher, dass dabei auch wirklich etwas hängen bleibt? Und wer ist dabei besonders gut?Kathi Preppner 10.10.2025 - 13:01 Uhr
Nur nicht zu viel Ablenkung: Wer sich im Netz weiterbilden will, sollte mit der richtigen Umgebung beginnen. Foto: dpa

Dass er den Kurs besuchen wollte, stand für Patrick Gilroy außer Frage. Schließlich arbeitet er als Referent für Künstliche Intelligenz und Bildung beim TÜV. Und so buchte er eine Schulung zum „AI-Officer“, eine der ersten, die es auf dem deutschen Markt gab: zwei Tage in Berlin mit Vorträgen und der Möglichkeit zum Netzwerken, ein halbes Jahr Onlinekurse und zwischendurch Tests. Gilroy merkte bald: Die Onlinekurse hatte er unterschätzt. „Ich dachte, ich mache das nebenbei“, sagt der Bildungsexperte. „Aber zwischen Job und dem Alltag mit drei Kindern ist das gar nicht so leicht.“

Aus dem Alltag ausstöpseln

Digitale Kurse ermöglichen es, sich zu jeder Zeit und an einem beliebigen Ort fortzubilden. Selbst in Phasen also, in denen längere Abwesenheiten im Arbeitsalltag nicht möglich sind. Theoretisch. Praktisch jedoch, das zeigt nicht nur die persönliche Erfahrung von Gilroy, sondern auch eine Befragung, an der er mitgearbeitet hat, verspricht sich gerade einmal ein Prozent der deutschen Arbeitnehmer von reinen Onlinefortbildungen den größten Erfolg. Die meisten, nämlich 56 Prozent, bevorzugen eine Kombination aus Kursen im Netz und in Präsenz.

Bei seiner Schulung fand Gilroy die Gespräche in den Kaffeepausen mindestens ebenso wertvoll wie die Vorträge. Zurück im Alltag stellte er fest, dass er bei den Onlinekursen nur dann wirklich etwas lernte, wenn er dafür die richtige Umgebung geschaffen hatte. „Es reicht nicht, sich auf die reine Willenskraft zu verlassen“, sagt er, „und dann mal kurz einen Kurs einzuschieben, wenn sich eine Lücke ergibt.“ Gilroy besorgte sich fürs Großraumbüro einen Kopfhörer, der Geräusche unterdrückt, er stellte die Benachrichtigungen auf seinem Computer aus und legte das Handy außer Reichweite – und zwar so, dass es auch nicht sichtbar war. Denn eine Studie der Universität Paderborn zeigt: Schon der Anblick eines Smartphones lenkt uns ab, selbst wenn es ausgeschaltet ist.

Foto: WirtschaftsWoche

Mit diesen Vorbereitungen hat Gilroy bereits einiges richtig gemacht. „Am wichtigsten ist es, alle Möglichkeiten zum Multitasken zu beseitigen“, betont die Neurowissenschaftlerin Laura Wünsch, die auch Firmen in der Frage berät, wie sie produktiv bleiben können – trotz all der Ablenkungen durch diverse Tools. Für die digitale Fortbildung bedeutet dies: Es sollten möglichst nur Stift und Zettel vorm Bildschirm liegen. „Unsere Aufmerksamkeit ist wie ein Schwarm Vögel“, erläutert Wünsch. „Wenn uns jemand im Chat anschreibt, fliegen sie schon wieder weiter.“ Das Problem bei digitalen Kursen besteht aus ihrer Sicht darin, dass viele Menschen nicht die Voraussetzungen dafür schaffen, dass der Vogelschwarm sich einmal für längere Zeit niederlässt. Als da wären: Benachrichtigungen aus, Status auf „nicht erreichbar“, Anrufe umleiten. So wie Gilroy es gemacht hat.

Multitasking ist aus neurologischer Sicht ohnehin gar nicht möglich, sagt Wünsch. Sie fordere Führungskräfte gerne dazu auf, zwei Dinge gleichzeitig zu denken. „Das geht nicht, wir sind serielle Denker“, betont Wünsch. „Wir können immer nur eine Sache denken.“ Man könne zwar laufen und sich dabei unterhalten, weil dabei verschiedene Hirnareale aktiviert werden: der Motorkortex für das Laufen, das Arbeitsgedächtnis für das Gespräch. Gleichzeitig eine E-Mail beantworten und einem Vortrag zuhören, funktioniert hingegen nicht, denn für beides brauchen wir unser Arbeitsgedächtnis. Forscher der Universität London haben schon vor 20 Jahren festgestellt, dass der IQ sogar kurzfristig um zehn Punkte sinkt, wenn man versucht, eine E-Mail zu beantworten und sich gleichzeitig zu unterhalten. Wer nebenbei durch sein Postfach scrollt, nimmt also nicht alles mit aus der Onlinefortbildung.

Permanente Ablenkung

„Multitasking ist ein Mythos“

Wer versucht, alles gleichzeitig zu erledigen, scheitert. Der Neurowissenschaftler Henning Beck, weiß, wie's besser geht – und warum wir uns dabei an Eminem orientieren sollten.

von Varinia Bernau

Doch die Vorbereitung ist noch viel umfassender: „Wir Menschen wollen Energie sparen. Darum schieben wir gerne alles auf, was zusätzliche Kraft und Energie kostet“, sagt Wünsch. Wer sich also vor Kursbeginn nicht recht aufraffen kann, muss kein schlechtes Gewissen haben. Sollte aber auf die richtige Vorbereitung achten. Denn nicht die Menschen mit stärkerem Willen schaffen es, etwas umzusetzen, sondern diejenigen, die sich eine Umgebung schaffen, in der ihnen ihre Vorhaben leichtfallen. Bei einem digitalen Kurs könnte das so aussehen: sich eine schöne Atmosphäre schaffen, in einem ruhigen Raum, am besten in einer Ecke, mit dem Rücken zur Wand, und einem warmen Getränk. Auch der Blick ins Grüne helfe, um fokussiert zu bleiben, betont Wünsch.

Informationen behalten: Testen, testen, testen

Um das Gelernte auch zu behalten, rät Wünsch, sich regelmäßig zu testen. „Wir vergessen Informationen am leichtesten wieder, kurz nachdem wir sie aufgenommen haben.“ Wer gleich nach dem Kurs zum Beispiel auf dem Handy nach seinen Mails schaue, riskiere, dass der Lernstoff nicht hängen bleibt. „Also bloß nicht noch mehr Informationen hinterherschieben“, sagt Wünsch. Besser sei es, eine Pause zu machen und sich das Gelernte in Ruhe noch einmal vorzusagen, oder noch besser: es anderen zu erzählen. Ein spielerischer Wettbewerb erhöht ebenfalls die Chancen, dranzubleiben. Warum nicht eine Tafel im Büro aufhängen, auf der jeder seine Erfolge dokumentiert? Und auch Schlaf ist wichtig. Denn dabei wird Gelerntes im Gehirn verankert.

Patrick Gilroy vom TÜV hat noch einen Tipp: sich den Nutzen eines Kurses klarmachen. Er empfiehlt, die eigenen Kenntnisse aufzulisten und sich genau zu überlegen, an welchen Stellen noch Wissen fehlt. Nicht einfach den nächstbesten Kurs zu buchen, sondern zu schauen, ob er wirklich zu einem passt. „Dafür bin ich selbst verantwortlich“, betont Gilroy. Bei ihm hat es gepasst: Er ist jetzt zertifizierter AI-Officer.

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