1. Startseite
  2. Management
  3. Beruf
  4. Rücktritt von Kevin Kühnert: Ich bin krank. Wie sage ich's, ohne meine Karriere zu gefährden?

Rücktritt von Kevin KühnertIch bin krank – wie sage ich’s, ohne meine Karriere zu gefährden?

Kevin Kühnert hat seinen Rückzug aus gesundheitlichen Gründen bekanntgegeben. Wie riskant ist das mit Blick auf einen Wiedereinstieg?Kristin Rau 13.10.2024 - 10:08 Uhr

Kevin Kühnert

Foto: imago images

Das ist passiert

Überraschend hat Kevin Kühnert Anfang der Woche in einem Brief mitgeteilt, dass er als SPD-Generalsekretär zurücktritt. Darin schrieb er: Im Wahlkampf müsse jeder in der SPD über sich hinauswachsen. „Ich selbst kann im Moment nicht über mich hinauswachsen, weil ich leider nicht gesund bin.“ Details gab der Politiker nicht bekannt.

 „Krankheit ist am Arbeitsplatz immer noch ein Tabu, besonders im Hinblick auf psychische Erkrankungen“, sagt Mathilde Niehaus, Professorin für Arbeit und berufliche Rehabilitation an der Universität zu Köln.

Insbesondere jüngere Menschen verschweigen sie deshalb eher, um sich nicht die Karriere zu verbauen. Aber ist das klug? Wie offen sollten man mit vermeintlichen Schwächen umgehen? Vor allem, wenn man nach der Genesung noch viel vorhat?

Rückzug wegen Krankheit

Das können Unternehmer von Kevin Kühnerts Rücktritt lernen

Kommentar von Varinia Bernau

Das können Sie daraus lernen

„Was ich zu welchem Zeitpunkt wem kommuniziere, ist eine sehr individuelle Entscheidung“, betont Coachin Anne-Katrin Petsch. Sie hänge von vielen Faktoren ab – etwa von der Kultur im Unternehmen.

1. Umfeld einschätzen

In einer Branche wie dem Investmentbanking würden Arbeitnehmer kaum über gesundheitliche Probleme sprechen, so Petschs Beobachtung. „Der Leistungsdruck verhindert eine offene Kommunikation.“ Das sei das eine Extrem. Am anderen Ende der Skala gebe es Berufe, in denen das Tabu weitgehend entfalle, zum Beispiel unter Beamten. „Die Fürsorgepflicht des Dienstherrn gibt in diesem Bereich Sicherheit.“ Um herauszufinden, wo der eigene Arbeitgeber zu verorten ist, helfe es sich folgende Fragen zu stellen: Macht das Unternehmen Angebote, um Erkrankungen vorzubeugen? Gespräche mit dem Betriebsarzt? Einen Aktionstag für mentale Gesundheit? Oder haben schon andere Kollegen den Schritt gewagt – und wie ist es ihnen danach ergangen? „Ist das jemand, dem Sie vertrauen, können Sie auch das direkte Gespräch suchen und sich Tipps geben lassen." Mathilde Niehaus verweist auf den Betriebsrat oder die Gleichstellungsbeauftragten.

Herzinfarkt

80 bis 90 Prozent des Risikos macht der Lebensstil aus

von Kristin Rau

2. Auf eigene Bedürfnisse hören

Am wichtigsten zur Beantwortung der Frage, wie viel man bei der Arbeit über seine Gesundheit preisgibt, ist das eigene Gefühl. „Jemand, der mit einer Krankheit zu kämpfen hat, sollte sich voll darauf konzentrieren können und sich nicht sorgen müssen, was andere von ihm oder ihr erwarten“, betont Anne-Katrin Petsch. Wer ein vertrauensvolles Verhältnis zum Vorgesetzten hat, kann ihm durchaus Details schildern, wenn er sich dabei wohl fühlt. Arbeitnehmer haben ebenfalls das Recht, ihn um Verschwiegenheit gegenüber anderen zu bitten. Man kann auch gemeinsam eine Formulierung für die öffentliche Kommunikation festlegen. Wer sich sorgt, dass die eigene Krankheit zum Thema im Flurfunk wird, kann sich ebenfalls für mehr Offenheit entscheiden. „Es kommt immer darauf an, welche Art der Kommunikation sich für den Betroffenen oder die Betroffene am besten anfühlt“, sagt Petsch. 

Mitarbeitergespräche: Zehn Tipps für Arbeitnehmer
Legen Sie sich direkt vor und nach das Gespräch keine Termine, schon gar keine wichtigen. Bereiten Sie sich außerdem gründlich vor – im Optimalfall wie auf ein Vorstellungsgespräch.
Blicken Sie zurück auf die vergangenen zwölf Monate. Welche Aufgaben und Projekte haben Sie besonders gut gemeistert, was lief nicht so gut – und warum? Und: Wie können Sie es besser machen? Diese Fragen sollten Sie sich vor dem Gespräch beantworten. Notieren Sie sich die Antworten in Stichpunkten. Je besser Sie sich vorbereiten, umso souveräner treten Sie im Gespräch auf.
Im Gespräch wird Ihnen Ihr Vorgesetzter sagen, was Sie in den kommenden Monaten tun können. Nun sollten Sie dazu Ihre Meinung sagen. Halten Sie diese Ziele für realistisch? Falls Ihnen die Details nicht klar sind, haken Sie sofort nach. Das ist besser, als nach dem Gespräch ratlos zu sein.
Welche Projekte reizen Sie? Wie wollen Sie sich weiterbilden? Jede Führungskraft mag Mitarbeiter, die mitdenken. Überlegen Sie sich deshalb vorab eigene Ideen und sprechen Sie sie von sich aus an – bevor Ihr Chef Sie dazu auffordert. Natürlich sollten Sie gleichzeitig verdeutlichen, welche Rolle Sie dabei übernehmen.
Sie haben heikle Themen auf dem Herzen? Die gehören jetzt auf den Tisch. Wie so oft ist der Ton entscheidend. Kritik ist grundsätzlich in Ordnung, sie sollte aber konstruktiv erfolgen.
Wichtig: Das Mitarbeitergespräch ist keine Gehaltsverhandlung. Sie dürfen gerne um ihr Gehalt feilschen – bei einem separaten Termin. Tipp: Vereinbaren Sie den am Schluss des Jahresgesprächs.
Analysieren Sie die Unterredung direkt im Anschluss. Was lief gut, was schlecht? Machen Sie sich Notizen, sonst vergessen Sie wichtige Details – was Sie hinterher sicher bereuen.
Sie haben alle Punkte beachtet, sich gut vor- und sorgfältig nachbereitet? Trotzdem sind noch Fragen offen? Dann bitten Sie Ihren Chef um einen Termin für ein kurzes Nachgespräch.
Das Gesprächsprotokoll ist die Basis für Ihr nächstes Jahresgespräch. Lesen Sie sich die Details deshalb sorgsam durch. Falls Sie Details anders erinnern, sprechen Sie das direkt an.
Sie waren mit dem Gespräch zufrieden? Dann spricht alles für, genau das dem Chef mitzuteilen. Denn über positive Rückmeldung freut sich jeder, auch Führungskräfte.

3. Blick nach vorne richten

Das Vorgehen von Kevin Kühnert ist der Weg, den Rehabilitationsexpertin Niehaus in den meisten Fällen empfiehlt: „Die Kommunikation sollte idealerweise präzise und fokussiert auf die Notwendigkeit einer Auszeit liegen, ohne medizinische Details preiszugeben.“ Die genaue Diagnose würde sie nur engen Vertrauenspersonen und dem betriebsärztlichen Dienst offenlegen, „um Diskriminierung zu vermeiden.“ Im Gespräch mit dem oder der Vorgesetzten lohnt es sich, den Blick nach vorne zu richten. Es könne hilfreich sein, einen Plan zur Rückkehr zu entwickeln, sagt Niehaus. So vermittle man Engagement und den Eindruck, auch in einer persönlich schwierigen Lage das Wohl des Unternehmens im Blick zu haben.

Dieser Plan wird nicht immer eins zu eins aufgehen, weil Krankheitsverläufe selten vorhersehbar sind. Deshalb ist auch die Kommunikation bei der Rückkehr entscheidend. Wer deutlich macht, wie sich die Arbeit ändern muss, damit er langfristig Leistung bringen kann, trägt zum Erfolg der Wiedereingliederung bei, sagt Niehaus. Das können flexiblere Arbeitszeiten, veränderte Aufgabenbereiche, aber auch mehr Tage im Homeoffice sein.     

Lesen Sie auch unsere neuesten Artikel zu Managementfragen:

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick