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Gründershow Das bringt die zehnte Staffel der Höhle der Löwen

Die Gründershow startet am Montag in die zehnte Staffel. Quelle: TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Vor dem Start der zehnten Staffel geben vier Investorinnen und Investoren der Gründershow einen Ausblick auf die neuen Folgen und sprechen von den besten Investments. Und von Produkten, die völlig gefloppt sind.

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Mehr als 500 Start-ups waren in den vergangenen sieben Jahren zu bester Sendezeit auf der Suche nach Geldgebern in der Gründershow „Die Höhle der Löwen“ zu Gast. Manche Gründerinnen und Gründer wurden von den zahlungskräftigen Juroren mit Offerten umgarnt. Andere knallhart abserviert. Am Montag startet die Show in die zehnte Staffel. Schon vorher verraten vier der sieben Löwinnen und Löwen etwas über den Konkurrenzkampf in den neuen Folgen und blicken auf erfolgreiche und gescheiterte Deals der vergangenen Jahre zurück.

„In der neuen Staffel kämpfen die Löwen auf jeden Fall viel härter um die Gründerinnen und Gründer“, sagt Ralf Dümmel, der bereits seit der dritten Staffel in der Sendung investiert. „Wir hatten eine höhere Dichte an interessanten Gründern, spannenden Lebensgeschichten und guten Produkten“, sagt Georg Kofler, der Ende der Achtzigerjahre den Fernsehsender ProSieben startete. Um einige Start-ups hätten sich die Löwen wirklich gerissen. Löwen-Kollege Dümmel erklärt sich die höhere Qualität so: „Mit jeder Staffel haben die Gründer neues Anschauungsmaterial“. Deshalb präsentierten sie sich heute viel professioneller. „Wir haben in dieser Staffel auch die höchste Unternehmensbewertung seit Beginn der Sendung“, sagt Ralf Dümmel. Bei 50 Millionen Euro soll diese liegen. „Wir haben die neuen Folgen mitten in der Pandemie aufgezeichnet. Womöglich dachten sich viele Gründer, die draußen zeitweise schwieriger an Kapital gekommen sind: Jetzt mache ich erst recht mit“, sagt Nils Glagau, der im nordrhein-westfälischen Langenfeld das Familienunternehmen Orthomol leitet.

Erstmals werden mit den Gründern des Gewürz-Unternehmens Ankerkraut auch Gast-Löwen investieren können. „Es ist bemerkenswert, dass Anne und Stefan vor ein paar Jahren vor uns standen und jetzt selbst investieren“, sagt Ralf Dümmel, Löwe und Geschäftsführender Gesellschafter bei DS Produkte. „Die Gast-Löwen machen die Sendung abwechslungsreicher“, sagt auch Georg Kofler. Erfolgreiche Gründer würden ihr Geld nicht verpulvern, sondern würden es reinvestieren, sagt Kofler, der im April mit einer Spende über 750.000 Euro an die FDP für Aufsehen sorgte. „In Deutschland gibt es immer diese Skepsis gegenüber Unternehmern, die es mit ihrem Produkt zu Millionen gebracht haben. Doch das ist die Dynamik der Marktwirtschaft: Durch das Vermögen entstehen neue Unternehmen“, so Kofler.

Tops und Flops

Im Gespräch mit der WirtschaftsWoche verriet Ralf Dümmel, dass bereits mehrere seiner Gründer durch die Show Millionäre geworden sind. Das erfolgreichste Investment unter seinen 115 Deals in der Höhle der Löwen auszumachen, sei allerdings nicht einfach. „Die Unternehmen 'Abfluss Fee' oder 'Rostschreck' laufen bis heute zum Beispiel sehr, sehr gut“, sagt Dümmel. Dagmar Wöhrl wird da schon konkreter. Seit der vierten Staffel investiert sie in der Show. „Das erfolgreichste Investment – und da spreche ich wahrscheinlich für alle bei DHDL getätigten Investments – ist Waterdrop.“ Das Unternehmen war 2018 in der Show und verkauft kleine Brausewürfel, die Leitungswasser verschiedene Geschmäcker verleihen und so den Kauf von Plastikflaschen ersetzen sollen. „Das Investment von 500.000 Euro hat sich gelohnt, denn heute, vier Jahre später, erwartet Waterdrop einen Jahresumsatz in Höhe von 85 Millionen Euro. Ich glaube, das ist in so kurzer Zeit bisher unerreicht“, so Wöhrl.

Nils Glagaus bestes Investment ist etwas hochprozentiger: In der neunten Staffel investierte er in die Gründer von CO'PS, die einen Kaffeelikör vertreiben. Nach knapp fünf Monaten sollen die Gründer schon 200.000 Flaschen verkauft haben. „Den Kaffeelikör durften Georg und ich schon mehrmals probieren“, sagt Glagau. „Oh, stimmt! Der Pitch war sehr amüsant – und das Getränk hat die gute Stimmung noch gefördert“, erinnerte sich Kofler im Gespräch mit Glagau, Dümmel und der WirtschaftsWoche. Sein bestes Investment ist „ArtNight“, eine Plattform, die Mal- und Bastelkurse in verschiedenen Städten veranstaltet. „Von zwei Gründern ist das Unternehmen auf etwa 90 Mitarbeiter gewachsen, macht zweistellige Millionenumsätze“, sagt Kofler, der noch länger investiert bleiben möchte. „ArtNight war tatsächlich mein erster Deal, da hatte ich etwas Anfängerglück“, sagt Kofler.



Bei Dagmar Wöhrl war es umgekehrt. In der neunten Folge der vierten Staffel machte sie ihren ersten Deal und investierte das Start-up „Rubberbüx“, das eine wasserdichte und bemalbare Latzhose verkauft. Ideal für Open-Air-Festivals sollte diese Hose sein. „Leider hat der Markt das Produkt nicht angenommen und so mussten wir am Ende eingestehen, dass die Firma nicht weiter existieren kann“, so Wöhrl heute. Da sei man als Investorin schon traurig und enttäuscht. Doch: „Der Markt und letztlich der Kunde entscheidet, ob ein Produkt erfolgreich ist oder nicht“, so Wöhrl. Eine Investmentstrategie habe sie allerdings nicht: „Beim Pitch achte ich vermehrt auf die nonverbale Körpersprache der Gründer. Wie stehen sie da, halten sie den Blick bei kritischen Fragen, können sie ihr Produkt mit Leidenschaft und klaren Worten vermarkten?“ Wichtig sei auch, dass die Gründer ihre Zahlen kennen und nicht ins Schwitzen geraten, wenn man da etwas tiefer bohre.

„Bei Fantasiebewertungen fühlt man sich veralbert“

Wenn die Gründer den Wert ihrer Unternehmen schätzen müssen, scheitern in der Show viele Deals. „Ich reagiere immer allergisch, wenn Gründer Fantasiebewertungen aufrufen. Mondpreise, die mit einer Umsatz- oder gar Gewinnplanung niemals zu rechtfertigen sind. Da fühlt man sich veralbert“, sagt Kofler. Löwen-Kollege Glagau pflichtet bei: „Manche Gründer sind tatsächlich in völlig anderen Stratosphären unterwegs, um in Georgs Sprache zu bleiben.“

Doch auch die Löwen liegen mal daneben: Dümmel investierte bereits in einen Tüftler, der einen Staubsaugeraufsatz erfunden hatte, um beim Staubsaugen Ringe, Legosteine oder Münzen aufzufangen. „Ich dachte nur: 'Wow, was für ein Markt – das wird riesig laufen!' Tja, das Ding ist leider total gefloppt, niemand wollte es haben“, sagt Dümmel.

Georg Kofler lag mit dem Investment in einen elektrischen Rollator daneben: „Den Deal habe ich mit Carsten Maschmeyer gemacht. Allerdings war der Rollator mit fast 3000 Euro viel zu teuer, muss ich im Nachhinein gestehen“, sagt Kofler. Nach einem Jahr war die Firma insolvent. Und das Geld weg. Nils Glagau investierte bereits in zwei Firmen, die Produkte für Fußballer verkaufen. „Die Gründer haben nichts falsch gemacht – und trotzdem blieb der große Erfolg bislang aus, da der Breitensport aufgrund der Pandemie ja lange Zeit brach lag“, sagt Glagau.

Dagmar Wöhrl hält das Investieren vor den Kameras auch für anspruchsvoller als außerhalb der Show: „Man muss innerhalb von Minuten ein Gespür dafür entwickeln, ob der Gründer vertrauenswürdig ist, ob man an ihn und seine Idee glaubt. Im realen Leben hat man dafür mehrere Wochen Zeit“, so Wöhrl. Man lerne sich in Ruhe kennen, sichte Geschäftsunterlagen, prüfe das Produkt. In der Show hingegen geben die Investoren „eine Zusage und gehen dann erst in die Vertragsverhandlungen“. Manchmal stelle sich dann im Nachhinein heraus, „dass die Angaben der Gründer doch nicht korrekt waren und das vorgestellte Produkt nur ein Prototyp war, das Patent lediglich ein Gebrauchsschutzmuster und die Unternehmenszahlen alles andere als positiv sind“, so Wöhrl. Dann fließe eben kein Geld.

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Anmerkung: Im Interview mit der WirtschaftsWoche verraten Dümmel, Glagau und Kofler noch, was sie von Gründern halten, die nur für die Aufmerksamkeit in die Show kommen und wie viel „Die Höhle der Löwen“ mit der Investmentrealität zu tun hat. Dagmar Wöhrl beantwortete die Fragen aufgrund eines Auslandaufenthalts schriftlich.

Mehr zum Thema: Am Montag startet die zehnte Staffel der Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“. Die Investoren Georg Kofler, Ralf Dümmel und Nils Glagau über ihren persönlichen Konkurrenzkampf, abgehobene Gründer – und Kritik an der Show.

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