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Wahl des Unternehmensstandorts Das sind die besten Städte für Gründer

Berlin oder München, Hamburg oder Köln: Die Wahl des Standorts ist entscheidend für den Erfolg junger Gründer. Welche Unternehmen wo am besten aufgehoben sind. Und wie die Städte um die Start-up-Szene buhlen.

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Umzug in die Domstadt: Die Sugartrends-Gründer tauschten Hamburg gegen Köln. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche

Zwei Tage Hamburg, zwei Tage Berlin, zwei Tage Düsseldorf: So sieht eine Arbeitswoche von Sebastian Rösch und Maximilian Schmiedel aus. Derzeit pendeln sie durch die Republik, um ihr Start-up aufzubauen: Brightup entwickelt eine App für Smartphones, mit der sich die Beleuchtung zu Hause steuern und überwachen lässt – damit das Licht angeht, wenn es dunkel wird, und wieder ausgeht, wenn man die Wohnung verlässt. Damit die Nachttischlampe zum Aufwecken hochdimmt und die Deckenlampe beim Filmschauen herunterdimmt – alles wie von selbst.

So klar die Geschäftsidee, so unklar ist im Moment, wo sich die Gründer dauerhaft niederlassen werden. An der Uni Hamburg sind sie gestartet, unter dem Dach eines Energieversorgers im Rheinland arbeiten sie an der Umsetzung, im Microsoft Ventures Accelerator in Berlin entwickeln sie Strategien. Sie haben Schreibtische in drei Städten, wohnen bei Freunden und in Hotels. Zwischendurch sitzen sie im Zug, wo sie programmieren, designen oder E-Mails beantworten. „Wir haben zwar hohe Reisekosten“, sagt Gründer Rösch, „aber wir wollten uns bisher nicht festlegen, weil alle drei Städte Vorteile bieten.“

Die besten Standorte für Startups
Platz 17: Berlin Quelle: dpa
Platz 10: Moskau Quelle: dpa
Platz 9: Bangalore Quelle: Reuters
Platz 8: Sao Paulo Quelle: Reuters
Platz 7: Singapur
Platz 6: Los Angeles Quelle: AP
Platz 5: Tel Aviv Quelle: Reuters

Die Wahl des richtigen Standorts: für viele Gründer eine Entscheidung, die sie später kaum revidieren können. „Vom Standort hängt nicht nur ab, wie nah ich an Kunden, Mitarbeitern und Geldgebern bin“, sagt Sebastian Zenker, Professor für Stadtmarketing an der Copenhagen Business School. „Der Standort prägt auch das Image meines Unternehmens, gerade wenn es noch unbekannt ist.“

Davon profitiert Berlin mehrfach. Studien zufolge gehen in der Hauptstadt im Schnitt jeden Tag zwei neue Firmen in innovativen Branchen an den Start. Mehr als 2.000 Arbeitsplätze entstehen Jahr für Jahr im digitalen Sektor. Laut dem aktuellen Deutschen Startup Monitor von Bundesverband Deutsche Startups und KPMG bringen sieben von zehn Berliner Start-ups nach eigener Aussage eine „europaweite oder weltweite Neuheit“ auf den Markt. Häufiger als Jungunternehmen aus anderen Städten erhalten sie dafür Risikokapital, der Zugang zu Investoren fällt ihnen leichter als Start-ups in anderen Städten.

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Standort erkennen

    Berlin-Bashing ist in

    Längst halten Gründer in ganz Europa Berlin für den Standort schlechthin. Das zeigte sich auch auf der Start-up-Tour der WirtschaftsWoche im Oktober: In der Green Garage bauen Unternehmer aus Großbritannien und Holland Öko-Start-ups auf. Solche Inkubatoren sind ein wichtiger Grund für Gründer, ihren Standort zu verändern: Klang Technologies aus Aachen etwa, das im Finale des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs Neumacher steht, hat in der Berliner Start-up-Brutstätte Hubraum ein Büro bezogen. Auch Fördergelder spielen bei der Entscheidung eine wichtige Rolle, wie eine Studie der Kanzlei Lutz Abel zeigt.

    Doch nicht alle Gründer lassen sich vom Hauptstadt-Hype anstecken. Im Gegenteil: „Berlin-Bashing“, das Schimpfen auf die Metropole, ist populär – zumindest bei der Konkurrenz aus dem Rest der Republik. Jüngster Fall: Gründer aus der bayrischen Landeshauptstadt formulierten eine Pressemitteilung mit dem Titel: „Isar statt Spree: Start-ups loben München.“

    Prompt erklärte das Gründerportal Deutsche-Startups.de die Hauptstadt-Hetze für „überflüssig wie ein Eisverkäufer in der Arktis“. Könne man gemeinsam stärker um Kunden und Investoren kämpfen als allein, sei eine städteübergreifende Kooperation durchaus sinnvoll, bestätigt Forscher Sebastian Zenker. „Aber der Wettbewerb bringt Städte auch dazu, nach Erfolgskonzepten zu suchen, am Image zu arbeiten und Gelder bereitzustellen – davon können Gründer profitieren.“

    So wie die Brightup-Gründer. Gut möglich, dass auch sie am Ende in Berlin landen: „Wir brauchen Investoren und IT-Entwickler, die sich mit Hardware auskennen“, sagt Rösch. „Davon gibt es in Berlin einfach deutlich mehr als anderswo.“

    Köln - Der Hidden Champion der Gründerszene

    Wenn Christian Schwarzkopf und Tim Lagerpusch erzählen, warum sie im Frühjahr 2013 ihre Koffer gepackt haben und von Hamburg nach Köln gezogen sind, sprechen sie gerne von der großen „catchment area“ rund um Köln – zu Deutsch: dem riesigen Einzugsbereich der Domstadt. In einer Stunde erreichen die beiden von hier aus zahlreiche Großstädte im Rheinland und im Ruhrgebiet, wo zusammengenommen mehr als zwölf Millionen Menschen leben. Selbst bis Paris dauert es kaum länger als drei Stunden. „Köln ist ein Hidden Champion“, sagt Schwarzkopf, „und unter Gründern absolut im Kommen.“

    Die zehn besten Ratschläge für Unternehmer
    Hab Spaß„Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint“, sagt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Genauso verhält es sich auch mit dem Bestreben als Unternehmer. Reiter: „Wer lange durchhalten will, sollte Spaß an der Sache entwickeln, der er täglich nachgeht, und vor allem daran, wie er es tut.“ Quelle: dpa
    The Winner shares it allSteuern Sie auf Ihrem Weg gezielt Win-Win-Win-Effekte an und ermöglichen Sie es so einer größeren Anzahl von Menschen, sich mit Ihrer Idee und der Sache, für die Sie stehen, zu identifizieren. Keine Angst, das bedeutet nicht, dass Sie etwas vom Kuchen abgeben müssen; es bedeutet, so Reiter, dass alle am Ende mehr haben. Wenn jemand also einen WLAN-produzierenden Baum entwickeln würde, wäre der zusätzliche Klimafaktor solch ein Effekt. Quelle: dpa
    Nutze alle RessourcenHaben Sie Spaß daran, Teil von etwas zu sein und nutzen Sie das für sich. Als Unternehmer erhalten Sie Zugang zu Ressourcen, für die man sonst große Summen bezahlen müsste. Reiter: „Ein Marketingplan-Wettbewerb an einer lokalen Hochschule beispielsweise gibt der Einrichtung sowie ihren Studierenden Stoff, um sich weiter zu qualifizieren“, und Ihnen als Unternehmer einen enormen Pool an neuen Ideen. Quelle: dpa
    Manchmal hilft nur: Zähne zusammenbeiß en!Jungunternehmer sollten sich schnell daran gewöhnen, die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht nur auszutesten, sondern sie regelmäßig zu überschreiten. Thorsten Reiter: „Nur so können sich Gründer und Erfolgssuchende sicher sein, wo sie verlaufen.“ Und: „Im gemütlichen Nine-to-Five-Sessel lassen sich keine Märkte revolutionieren und keine Konsumentenerfahrungen erschaffen, die zu wahren Ereignissen im Leben der Kunden werden.“ Quelle: dpa
    Glück ist eine Einstellungssache„Jeder Gründer sollte sich entscheiden, stets Glück zu haben“, rät Thorsten Reiter. Seiner Lebensphilosophie nach liegt es in den eigenen Händen, Glück zu haben. Dabei ist für den Gründer-Experten genauso richtig, dass jeder einzelne der Herr seines Schicksals ist wie der Glaube daran, dass alles, was wir erleben, durch etwas oder jemanden vorherbestimmt ist. Quelle: dpa
    Glaub an dich Unternehmer sollten sich laut Reiter darauf konzentrieren, ihre Marke auszubauen sowie ihre Arbeit zu erledigen, und aufhören, über sich und ihr potentielles Versagen nachzudenken. „Wenn sie eines Tages scheitern, werden sie es schon merken und haben genug Zeit, im Nachhinein darüber nachzudenken.“ Quelle: dpa
    Gib dein Wissen weiter Behalten Sie niemals die Dinge, die Sie auf Ihrem Weg gelernt haben, für sich. Teilen Sie, wann immer sie können, lautet die Empfehlung des Start-Up-Experten Reiter. Halten Sie also Vorträge, geben Sie Workshops oder seien sie selbst ein Mentor für andere Entrepreneure. Reiter: „Dadurch wird auch der Gründer selbst besser, versteht seine Herangehensweisen und erhöht sein Exposure.“ Quelle: dpa

    Für Schwarzkopf und Lagerpusch war die Stadt deswegen erste Wahl – vor Hamburg und Berlin. Auch Karlsruhe ließen sie links liegen, obwohl sie dort studiert und das Center für Innovation & Entrepreneurship aufgebaut hatten. Der Grund für ihren Umzug: Für ihren Online-Marktplatz Sugartrends suchen Schwarzkopf und Lagerpusch nach kleinen Läden und Boutiquen mit besonderen Produkten, wie sie sich vor allem in den Innenstädten großer Städte finden. Jene Einzelhändler, die im Wettstreit mit großen Online-Anbietern um ihre Existenz fürchten müssen. Über die Plattform Sugartrends sollen sie mehr Käufer im Netz erreichen.

    Lagerpusch und Schwarzkopf haben sich mitten in der entstehenden Gründerzone zwischen den beiden Start-up-Häusern Startplatz und dem Clusterhaus in der Nähe des Friesenplatzes sowie dem Belgischen Viertel niedergelassen – in einem restaurierten Fabrikgebäude aus Backsteinen mit hellen Rundbogenfenstern. „Wir sind mittendrin“, sagt Schwarzkopf, „nah an anderen Start-ups und nah an vielen kleinen Läden.“

    Dass Schwarzkopf und Lagerpusch mit ihrer hohen Meinung vom Standort Köln in der Gründerszene der Stadt nicht alleine stehen, zeigte sich etwa Anfang Oktober, als der E-Entrepreneurship Flying Circus an der Universität der Domstadt haltmachte – ein Projekt des Entrepreneurship-Professors Tobias Kollmann, der per Bus in ganz Deutschland für Unternehmertum warb. Auf dem Podium erklärten Gründer, dass die Szene in Berlin „zu viel mit sich selbst beschäftigt“ sei. Köln dagegen besteche etwa durch die Nähe zu Mittelstand und Industrie im Rheinland und Ruhrgebiet. Das helfe vor allem Gründern mit sogenannten Business-to-Business-Ideen – also solchen Start-ups, die ihre Produkte vor allem an gewerbliche Abnehmer verkaufen wollen.

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    Standort erkennen

      Wie wichtig diese Verbindung ist, bestätigt auch der aktuelle Deutsche Startup Monitor: Fast 40 Prozent der Gründer aus dem Raum Rhein-Ruhr bekannten in der Umfrage, ausschließlich Businesskunden zu adressieren – mehr als in Berlin, Hamburg oder München. Für solche Firmen sei Berlin eher nicht geeignet, weil es in der Hauptstadt und in der Umgebung weniger Industrie gebe und „du da halt nicht gut wegkommst“, formuliert es der Kölner Seriengründer Oliver Thylmann.

      Woher Startups ihr Kapital erhalten

      Auch die Jungunternehmer Schwarzkopf und Lagerpusch schätzen die Nähe Kölns zu mehreren Flughäfen. Denn einige ihrer Entwickler sitzen in Lissabon – „und dorthin zu kommen war von Hamburg aus schwierig und teuer“.

      Schlechte Noten für Politiker

      Zumal es im Rheinland gutes Personal gibt, wie Tobias Schiwek bestätigt. Er hat 2012 das Start-up Endore.me gegründet, eine Plattform, die Künstler und Fans zusammenbringen soll. Endore.me startete in Berlin, wo seine ersten Investoren ihren Sitz hatten. Doch als Schiwek und sein Mitgründer in Köln deutlich schneller Entwickler fanden, zogen sie nach einigen Monaten zurück an den Rhein.

      Allerdings hat die Region noch Nachholbedarf. Laut dem Deutschen Startup Monitor ist in der Metropolregion Rhein-Ruhr sowohl der Zugang zu Beratern und Mentoren als auch der Zugang zu Investoren schwieriger als in Berlin, München oder Hamburg. Erfolge werden nach Ansicht der befragten Unternehmer nicht sichtbar genug kommuniziert, und das Veranstaltungsangebot für Gründer lässt zu wünschen übrig. Außerdem bewerten die Gründer die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen eher schlecht, wenn es um die Förderung des Gründerstandorts geht. Dabei sollten die Städte der Region kooperieren, findet Sugartrends-Gründer Schwarzkopf: „Kleinstaaterei hilft hier niemandem weiter.“

      Hamburg - Die Stadt der digitalen Leuchttürme

      Das Angebot ihres Investors klang verlockend: günstige Räume in Berlin-Mitte – genau da, wo der Geldgeber selbst seine Büros hat, wo die Start-up-Szene am sichtbarsten ist und wo Woche für Woche Events für Gründer und Geldgeber stattfinden. Viele Jungunternehmer würden sich vermutlich die Finger danach lecken.

      Die besten Hochschulen für Gründer
      Platz 3Beratung und Budget, Netzwerke und Nestwärme: Diese Kriterien legte der Gründungsradar des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft an. In der Kategorie "Kleine Hochschulen" (bis 5.000 Studierende) kam die Universität Witten/Herdecke auf den dritten Rang. Quelle: Presse
      Platz 2Kategorie: Kleine Hochschulen (bis 5.000 Studierende) PFH Private Hochschule Göttingen Quelle: Presse
      Platz 1Kategorie: Kleine Hochschulen (bis 5.000 Studierende) HHL Leipzig Graduate School of Management Quelle: Presse
      Platz 3Kategorie: Mittelgroße Hochschulen (5.000 bis 15.000 Studierende) Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Quelle: dpa-dpaweb
      Platz 2Kategorie: Mittelgroße Hochschulen (5.000 bis 15.000 Studierende) Brandenburgische Technische Universität Cottbus Quelle: dpa-dpaweb
      Platz 1Kategorie: Mittelgroße Hochschulen (5.000 bis 15.000 Studierende) Leuphana Universität Lüneburg Quelle: dpa
      Platz 3Kategorie: Große Hochschulen (über 15.000 Studierende) Universität Potsdam Quelle: dpa

      Doch Hauke Windmüller, Michael Asshauer und David Nellessen lehnten ab, blieben mit ihrem Start-up Familonet lieber in Hamburg – dort, wo sie ihre App entwickelt haben. Eine App, die Familien vernetzt: Wer sie nutzt, kann mit Verwandten kommunizieren, sie über seinen Standort informieren, im Notfall um Hilfe rufen oder automatisch benachrichtigen, wenn er an einem bestimmten Ort angekommen ist – etwa in der Schule oder zu Hause. Zwei Jahre nach dem Start sind mehr als 100.000 Nutzer bei Familonet angemeldet. Den Erfolg verdankt das Start-up auch der Stadt: Für den Start hatte es einen Zuschuss der Hamburgischen Förderbank von fast 150.000 Euro eingesammelt. „Eine vergleichbare Förderung“, sagt Gründer Windmüller, „hätten wir an keinem anderen Standort bekommen.“

      Das Förderprogramm der Bank funktioniert wie Köder und Anker gleichzeitig: In die Stadt locken soll er Gründer, die noch nicht wissen, wo sie ihre Firma aufbauen sollen. Und Unternehmen wie Familonet, die in Hamburg gestartet sind, an den Standort binden. Denn wer die Hansestadt während des Förderzeitraums oder in den fünf Jahren danach verlässt, kann zur Rückzahlung verpflichtet werden.

      Trotz des Angebots bewerten Hamburger Gründer den Zugang zu Förderprogrammen im Deutschen Startup Monitor schlechter als Gründer aus Berlin, München oder der Metropolregion Rhein-Ruhr. Carsten Brosda, Leiter des Medien-Amts der Hansestadt und Kenner der Start-up-Szene, will die Angebote deswegen bekannter machen. Außerdem wolle die Stadt „weitere, vor allem private Finanzierungsmöglichkeiten noch transparenter und damit effektiver zu machen“.

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        Hamburg sichtbar machen

        Brosda betont außerdem, dass in der Stadt viele Initiativen entstanden sind, die die Gründerszene sichtbarer machen sollen – „und zwar ganz von selbst und deswegen nachhaltig“. Ein Beispiel: Die Unternehmer Sanja Stankovic, Sina Gritzuhn und Tim Jaudzims haben das Netzwerk Hamburg Startups gegründet – aus Frust darüber, dass die Hamburger Start-ups oft unterschätzt werden, und mit dem Ziel, die „versteckte, lebendige und wachsende Gründerszene“ sichtbarer zu machen.

        Verstecken muss sich Hamburg nicht: Schon jetzt arbeiten mehr als 50.000 Beschäftigte in fast 10.000 IT-Unternehmen. Als Leuchttürme an der Elbe gelten die Online-Spielehersteller Bigpoint und GoodGame Studios und der Serverhersteller Protonet. Die Regierung des Stadtstaats will dafür sorgen, dass weitere Erfolgsbeispiele folgen: Über ihre Standortinitiative nextMedia.Hamburg will sie neue Start-ups im Digitalsektor unterstützen.

        Manche Gründer verleitet der Erfolg dazu, gegen die Hauptstadt im Osten zu wettern. „Berlin ist für Start-ups, Hamburg für Grown-ups“, stichelt etwa Facelift-Gründer Benjamin Schröter. In der Verwaltung der Hansestadt setzt man aber auf Kooperation statt Konfrontation: „Berlin und Hamburg sind so unterschiedlich, dass sie sich eher ergänzen, als miteinander zu konkurrieren“, betont Carsten Brosda. Aus Sicht des Stadtmarketing-Forschers Zenker ist das sinnvoll: „Hamburg kann sich im internationalen Wettbewerb besserstellen, wenn es sich als Metropolregion positioniert. Auch Hamburg und Berlin lassen sich räumlich gut zusammen denken.“

        Hauke Windmüller kann das bestätigen: Er pendelt oft in die Hauptstadt – zu Investoren oder zu Veranstaltungen. „Für uns“, sagt der Gründer, „war die Nähe zu Berlin ein wichtiges Argument für Hamburg.“

        München - Mit Bits und Brez'n aus dem Schatten Berlins

        Das Schreiben war nicht länger als zwei Seiten, aber sein Inhalt brisant genug, um die Gründerszene aufzubringen: „Mehr als 30 Prozent aller Investorengelder wandern nach Berlin“, hieß es Anfang September in einer Pressemitteilung, „die Stadt an der Spree scheint förmlich ein Erfolgsgarant zu sein – oder doch nur eine Hype-Bühne?“ Für Zoltan Elek steht die Antwort längst fest. „In München entstehen Unternehmen“, erklärte der Co-Autor der umstrittenen Pressemitteilung, die in Berlin als Brandbrief verstanden wurde, „in Berlin Start-up-Projekte.“

        Mit diesen Typen sollten Sie ein Unternehmen gründen
        Gründer und Co-Founder„Nur weil sich zwei Menschen privat, beim Feiern und Kaffee trinken gut verstehen, heißt das noch lange nicht, dass sie auch gut zusammenarbeiten können“, warnt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Er rät eher davon ab, im Freundeskreis nach potentiellen Mitgründern zu suchen und empfiehlt statt dessen sich im Kreis derer umzusehen, mit denen man bereits zusammengearbeitet hat. „Jeder Gründer muss den Geschäftspartner finden, der zu ihm passt und der die eigenen Fähigkeiten komplettiert.“ Reiter hat gewisse Charaktere ausgemacht, die in Kernteams vieler erfolgreicher Gründungen vertreten sind... Quelle: dpa
        Visionäre, Leader und ProjektmanagerViele Gründer fallen in diese Kategorie, denn sie haben das große Ganze vor Augen und die Fähigkeit, andere für ihre eigenen Ziele zu begeistern. Sie rücken mit dem Holzhammer an, wenn es um die Umsetzung von Strategien geht und haben selten Zeit für Details. Die Teammitglieder bekommen immer wieder Sprüche wie: „Ich weiß nicht wie, aber ich weiß, dass!“ oder „Geht nicht, gibt’s nicht!“ zu hören. Reiter: „Sie sind beinahe idealistisch kompromisslos und profitieren von einem starken Team, das sie herausfordert und ergänzt.“ Quelle: dpa
        Techies und EntwicklerWenn sie nicht gerade Minecraft spielen, sind das die Geeks im Team. Sie hacken scheinbar unzusammenhängende Zahlen- und Buchstabenkombinationen in die Matrix hinein und verstehen das Produkt wie niemand sonst. Das Problem ist nur: Sie halten die Vorteile für so eindeutig, dass sie sie nicht vermitteln können. „Ohne sie gäbe es kein Produkt – wären sie ohne Team“, sagt Reiter, „würde es sich nie verkaufen und letztlich als Open-Source-Lösung irgendwo im Netz landen Quelle: dpa
        DesignerAuch dieser Charakter lässt sich häufig in Gründungsteams finden. Sie sind die Schöngeister, die Künstler des Teams. Egal ob in digitaler oder analoger Form, ihr Auge für Schönheit macht das Produkt für ein breites Publikum erst interessant und benutzbar. Reiter: „Eine Enge Zusammenarbeit zwischen ihnen und den Entwicklern ist essenziell für jede erfolgreiche Produktinnovation.“ Quelle: dpa
        Marketer und Sales-People„Wenn der Preis stimmt, würden sie sogar ihre Großmutter verkaufen“, so das klare Urteil von Thomas Reiter über die Verkaufstalente im Team. Sie bringen das Produkt unter die Leute, verstehen den Markt und die Kundenwünsche. Für den Experten sind diese Kenntnisse in der Gründungsphase unerlässlich – Sales-Personal kann auch später angeheuert werden. Quelle: REUTERS
        Buchhalter und Finance-PeopleFrüher oder später braucht jedes Gründungsteam Leute, die sich um die Zahlen kümmern. Auch wenn viele Start-ups diesen Part oft extern auslagern, ist jemand, der die Zahlungsströme versteht laut Reiter im Kernteam „sehr zu empfehlen.“ Manchmal wird die Rolle indirekt von Financiers wie dem Venture Capitalist übernommen, die darüber wachen, dass Einnahmen und Ausgaben ausbalanciert sind oder in der Wachstumsphase zumindest die prognostizierten Ziele erreicht werden. Quelle: dpa Picture-Alliance
        Administrator und Office-ManagerDie Leute fürs Detail – sie dürfen in keinem Gründer-Team fehlen. Denn: „Während die Visionäre die langfristige Strategie im Auge haben und Techies sich um die Weiterentwicklung des Produkts kümmern, sollte es jemanden geben, der die täglich anstehenden Aufgaben im Blick hat“, rät Thomas Reiter. Er sagt es ist essentiell, das Tagesgeschäft nicht ständig selbst überwachen zu müssen, sondern sich auf das Wachstum des gesamten Unternehmens konzentrieren zu können. Quelle: AP

        Wer mit dem Unternehmer spricht, versteht schnell, was er an München schätzt. Elek hat Landwärme aufgebaut – sein Unternehmen erzeugt Biomethan aus Abfällen und nachwachsenden Rohstoffen, speist es ins Erdgasnetz ein, handelt damit und berät andere Erzeuger. Knapp sieben Jahre nach dem Start beschäftigt Elek 15 Mitarbeiter und erwirtschaftet nach eigenen Angaben rund 80 Millionen Euro Umsatz. Elek setzt damit auf den Trend zu regenerativen Energien: Allein von 2010 bis 2013 ist die Zahl der Biogasanlagen in Deutschland von 44 auf 144 gestiegen.

        München ist für Elek der perfekte Standort – nicht nur, weil er hier selbst studiert und in einem Kombinationsstudiengang der beiden Münchner Universitäten TU und LMU seine Begeisterung fürs Unternehmertum entdeckt hat. An den Universitäten der bayrischen Landeshauptstadt hat er auch seine Mitarbeiter rekrutiert. „Die Nähe zu den Hochschulen ist ein Riesenvorteil“, sagt Elek, „und viele Absolventen möchten langfristig in München bleiben.“

        Studien belegen, wie wichtig die Hochschulen für die Gründerszene in München sind: Laut dem Gründungsradar des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft fördern die TU München und die Hochschule München von allen großen deutschen Hochschulen Gründungen am besten. Dazu passt, dass der Anteil der Start-ups, die von Gründern mit Hochschulabschluss aufgebaut werden, in München höher ist als etwa in Berlin und Hamburg. Das zeigt der Deutsche Startup Monitor, in dem Münchens Gründer außerdem den Zugang zu Business Angels und die Netzwerke der Stadt loben. Auch die Bemühungen der Landesregierung, Start-ups zu fördern, bewerten die Jungunternehmer vergleichsweise gut – genau wie die Vielfalt der Events für Start-ups. Im Januar etwa findet das zweite „Bits & Pretzels“ statt: Initiator Andreas Bruckschlögl erwartet dann rund 1500 Vertreter des Start-up-Ökosystems im Löwenbräukeller.

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          Gründer



          Start-ups überlegen länger

          Verständlich, dass Münchens Gründer die Stadt aus dem Schatten Berlins hieven wollen. Dazu haben sie kürzlich die Initiative „Best of Munich“ ins Leben gerufen. Laut den Initiatoren ist die Stadt an der Isar nicht nur „führender Standort der digitalen Wirtschaft in Deutschland und im europäischen Vergleich vor London und Paris“. Sondern auch jene Stadt in Deutschland, in der mit 62 Prozent mehr Start-ups die ersten fünf Jahre überleben als im Rest der Republik. Gemessen an der Zahl der Einwohner, werden nirgendwo sonst so viele IT-Unternehmen gegründet wie in München, errechnete der Branchenverband Bitkom in einer Studie Ende 2012.

          Zoltan Elek pendelt mittlerweile oft in die Hauptstadt. Dort sucht er den Dialog mit Verbänden und Politikern, um für Biogas zu werben – denn Energiepolitik ist zu großen Teilen Bundespolitik. Und er besucht Biogaserzeuger, denn rund um Berlin sitzen die meisten von ihnen. Bayern bleibt er trotzdem treu. „München“, sagt der Unternehmer, „zieht einfach die richtigen Leute an.“

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