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Erfahrungsberichte „Nach dem MBA musste ich zwei Monate schlafen“

Gruppenarbeit: Viele Aufgaben müssen in Teams gelöst werden. Da muss jeder lernen, sich auf den anderen zu verlassen. Quelle: dpa

Alphatiere in Gruppenarbeiten, Sprachbarrieren und eng getaktete Abgabefristen: Wer einen MBA in der Tasche haben will, muss einiges auf sich nehmen. Vier Studenten erzählen, warum es sich dennoch lohnt.

Von den hohen Kosten mal abgesehen, brauchen Master of Business Administration-Absolventen „Mühe, Schweiß und Tränen“, wie es wohl Winston Churchill formulieren würde. Die Studenten selbst berichten von schlaflosen Nächten und Selbstzweifeln. Dennoch sagen sie: Ich würde diese Erfahrung immer weiterempfehlen. Vier Erfahrungsberichte.

Auf dem Weg zum neuen Job

Anja Wintermeyer, 29 Jahre, nebenberuflich MBA-Studentin an der WHU Otto von Beisheim Business School of Management:

Den alten Job im Digitalbereich einer Unternehmensberatung hatte sie satt. Anja Wintermeyer wollte sich weiterentwickeln. Die studierte Informatikerin merkte schnell, dass ihre IT-Kenntnisse ihr zwar immer einen Arbeitsplatz sichern. Doch für höhere Managementebenen brauche sie noch andere Kenntnisse.

Anja Wintermeyer: Die 29-Jährige schätzt, dass sie das Gelernte direkt praktisch anwenden kann. Quelle: Privat

Da schien das MBA-Studium die perfekte Lösung zu sein. „Natürlich könnte ich mir das BWL-Wissen über Jahre anlernen. Aber nun kann ich das gezielt und kompakt in 18 Monaten machen“, sagt sie. Deswegen sitzt sie nun freiwillig jeden Samstag und Sonntag in der Uni. Unter der Woche arbeitet sie Vollzeit. Abends bereitet sie Gruppenarbeiten und wissenschaftliche Berichte vor. Work-Life-Balance ist derzeit unmöglich. Wintermeyer lebt eher eine Work-Work-Balance. „Manchmal bin ich schon erstaunt, wie man das alles hinkriegt. Aber mir macht das Spaß. Ich freue mich wirklich jedes Mal darüber, in die Uni zu gehen.“

Unter den vielen MBA-Angeboten kam für sie nur die WHU Otto Beisheim School of Management in Frage. „Mir ist der wissenschaftliche Aspekt des Studiums besonders wichtig. Da die WHU als einzige Business School Mitglied der Deutschen Forschungsgemeinschaft ist, fiel mir die Entscheidung leicht.“

Kurz nach Beginn des Studiums hat sie auch eine neue Stelle im digitalen Strategieteam der Telekom angenommen. Für Wintermeyer ergänzen sich die beiden Welten perfekt. „Ich kann alles direkt in der Praxis anwenden“, sagt sie.

Kaum habe sie in der Uni etwas über Management Incentives, also Anreize und Belohnungen, gelernt, überträgt sie das neue Wissen auf ihren Job. Sie ist sensibilisiert für den Konflikt, wenn etwa zwei Projekte voneinander abhängig sind, aber die formulierten Ziele gegeneinander laufen. „Durch den Stoff in der Uni habe ich das einfach sofort im Blick“, erklärt sie.

Gerade für Menschen, die kein BWL studiert haben, sei der Stoff spannend und wichtig. Neben der fachlichen Erfahrung sei aber die persönliche Entwicklung entscheidend. „Wir arbeiten in festgelegten Gruppen, stehen alle unglaublich unter Druck und durchleben zusammen extrem stressige Zeiten. Das schweißt zusammen.“ Hinzu kämen Seminare, wo der eigene Führungsstil, das Auftreten und die Persönlichkeit reflektiert werden. Das bringe die Entwicklung stark voran, so Wintermeyer. „Dieses Studium ist die beste Entscheidung meines Lebens.“

Eine eigene Firma aufbauen

Isabel Worch, 38 Jahre, Vollzeit MBA-Studium an der IESE Business School in München

„Das erste Jahr ist hauptsächlich ein Stresstest“, sagt Isabel Worch. Dabei kennt sie Druck und eine hohe Arbeitsbelastung auch schon aus ihren vorherigen Jobs sehr gut. Doch der MBA war noch eine Spur härter. „Eigentlich bin ich perfektionistisch veranlagt. Aber das habe ich mir schnell abgewöhnt, weil ich sonst niemals Schlaf gefunden hätte“, sagt sie.

Vor allem die Gruppenarbeiten wecken Erinnerungen. „Da werden Persönlichkeitstypen zusammengewürfelt, die überhaupt nicht zusammenpassen. Da ist Krach programmiert“, sagt sie. Dennoch hätten alle das Ziel, zusammen ein gutes Ergebnis zu liefern. Also wird gestritten, sich vertragen und zusammengearbeitet. Eine gute Erfahrung, findet Worch. „Im Job muss ich auch mit dem Team arbeiten, das da ist.“

Isabel Worch: Der MBA hat ihren Weg zum Unternehmertum geebnet. Quelle: Privat

Sie wollte schon immer international arbeiten und hat deswegen in London Wirtschaft und Politik studiert. Danach ging es für sie zu einer Unternehmensberatung und eine US-Softwarefirma. Doch ihr war immer klar: „Ich möchte eine eigene Firma gründen.“

Das MBA-Studium sieht sie dafür als „perfekte Vorbereitung“. Zum einen helfen natürlich die BWL-Kenntnisse. Zum anderen sei das Netzwerk von ehemaligen Studenten, auf das alle MBA-Studenten zurückgreifen können, Gold wert. Denn egal, ob man zusammen studiert hat oder nicht. Jeder MBA-Absolvent weiß, was es heißt, diese Zeit durchgestanden zu haben. Untereinander gibt es ein Gefühl der Solidarität.

Worch schätzt vor allem die verschiedenen Impulse und Weltsichten, die auf sie eingeprasselt sind. „Da mischen sich Menschen mit unterschiedlichen Nationalitäten und Berufen. Wir hatten sogar mal einen Astronauten im Kurs“, sagt sie.

Für den Aufbau ihrer Firma Zugvogl habe ihr das sehr geholfen. Sie beschreibt es selbst als eine Art „Tinder für Arbeitgeber und Arbeitnehmer“. Ein Algorithmus findet die passenden Pärchen anhand der Berufs- und Persönlichkeitsprofile. Während des Studiums konnte sie auch in einem Sommerprojekt für Unternehmer mit professioneller Unterstützung an ihrem Businessplan feilen. „Das ist einfach inspirierend. Ich würde es immer wieder machen und immer wieder empfehlen“, sagt sie.

Für die Zukunft ihres Unternehmens wappnen

Karen Hünermann, 40, nebenberuflich MBA-Studium an der Business School an der Universität zu Köln

„Eigentlich wollte ich immer mal BWL studieren. Jetzt habe ich mir diesen Wunsch erfüllt“, sagt Karen Hünermann. Denn eigentlich komme sie aus einem anderen Bereich, hat Linguistik studiert, dann im Verlagswesen gearbeitet, später im Marketing und Vertrieb. Eine Station davon war der Staufenbiel Verlag, der auch einen Karriereratgeber zu dem speziellen Studiengang herausgibt. „Inhaltlich war ich also gut drin“, sagt Hünermann. Doch die Entscheidung für das Studium hat sie letztlich zusammen mit ihrem Mann betroffen. Sie führen zusammen ein IT-Unternehmen und haben eine sechsjährige Tochter.

Karen Hünermann: Sie hat sich ihren Wunsch, BWL zu studieren, nachträglich erfüllt. Quelle: Privat

„Sie brauchen schon die volle Unterstützung der Familie, Partner und Freunde“, sagt sie. Denn Freizeit ist während des Studiums ein rares Gut geworden. Jeden Tag steht Hünermann früh auf. Auch an den Wochenenden ist sie spätestens um 7 Uhr auf den Beinen. Dann geht es erst einmal an den Schreibtisch. Unter der Woche sitzt sie abends da und lernt oder bereitet Themen auf. „Man wird mit Stoff überschüttet“, sagt sie. „Da lernt man, nicht immer 100 Prozent zu geben. Das 80-20-Prinzip hat sich bewährt“, erklärt Hünermann. Im Job könne man schließlich auch nicht immer auf jede Situation vorbereitet sein. „Schließlich liegt immer mehr Arbeit auf dem Tisch, als man bewältigen kann.“

Die Wahl für den MBA an der Uni Köln fiel zunächst aus rein pragmatischen Gründen: Es ist bei ihr in der Nähe. Sie schätzt aber auch den internationalen Austausch, der durch die Kooperation mit der Universität Rotterdam in den Niederlanden entsteht.

Ähnlich wie bei der IESE heißt es auch hier: Neben BWL wird an der Persönlichkeit gearbeitet. Es gibt Kurse, wo der Führungsstil hinterfragt wird. In Rollenspielen werden berufliche Konfliktsituationen geübt. „Manchmal wache ich nachts auf und merke, dass sich in mir etwas geändert hat. An meinen Kommilitonen sehe ich: Extrovertierte werden besonnener für die Bedürfnisse anderer, Introvertierte lernen, sich selbst mehr zu vertrauen“, sagt sie.

Der Austausch untereinander sei sehr intensiv. „Da kommen starke Personen zusammen und müssen eng zusammenarbeiten. Das ist eine Herausforderung.“ Aber auch wenn kaum Zeit für Privates bleibt, ist sie überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. „Es ist schon eine super Erfahrung, ich würde es immer wieder empfehlen.“

Eine Eintrittskarte zum Managementpool

Martin Lehnert, 35 Jahre, nebenberuflich EMBA-Absolvent der IESE Business School in München

„Ich bin noch dabei zu verdauen, was ich alles gelernt habe“, sagt Martin Lehnert. Im Sommer hat er den Executive Master of Business Administration beendet. Der Studiengang richtet sich gezielt an Führungskräfte in mittlerer Managementebene. Der Versicherungskaufmann hat seine Ausbildung gemacht, dann angefangen zu arbeiten und nebenbei ein Fernstudium begonnen.

Aber das hat ihm keinen Spaß gemacht. Also arbeitete er sich zunächst hoch, bis er an die Grenzen dessen kam, was seine formelle Qualifikation vorsah. „Irgendwann stand ich vor der Entscheidung, ob ich meine Karriere vorantreiben will oder mich damit zufrieden gebe, was mit meiner Ausbildung möglich ist,“ sagt er. Und er wollte mehr. „Die Idee war, mit dem Abschluss eine Eintrittskarte zum Managementpool zu bekommen. Doch was dann kam, hatte ich nicht erwartet“, erzählt Lehnert.

Martin Lehnert: Schätzt vor allem die persönliche Entwicklung. Quelle: Privat

„Wir waren in New York, Schanghai und Barcelona. Da haben wir uns die globalen Märkte angesehen. Waren im Silicon Valley. Da spürt man erst, was Innovation bedeutet“, sagt er. Dagegen sehen jede Neuerung und Veränderung bei Axa, seinem Arbeitgeber, klein aus. Die Firma hat sein Studium zu 90 Prozent finanziert.

Wie auch die anderen Studenten berichtet Lehnert von einer hohen Arbeitsbelastung, aufwendigen Gruppenarbeiten, Studienreisen und wenig Schlaf. Der ganze Stress habe aber auch dazu geführt, dass sich seine Perspektive geändert hat. Was früher vielleicht wie ein Problem wirkte, sei heute eine Herausforderung. „Zwischendurch dachte ich schon: Wofür mache ich das? Ich will doch nur am Strand liegen“, sagt er. Doch er schätzt, dass er die globale Firmenwelt hautnah erleben konnte, die mit internationalen und virtuellen Teams arbeitet. Auch die Unterrichtseinheiten zu Unternehmertum haben ihm viel Spaß gemacht. „Ich habe gelernt, eigene Ideen besser zu entwickeln, die dann im Konzern oder Start-up genutzt werden können.“

Nach dem „großen Showdown“, wie er die Abschlussphase nennt, sei er sehr glücklich, das Studium durchgezogen zu haben. „Ich musste danach erst einmal zwei Monate schlafen und feiern“, schmunzelt er. Weiterempfehlen? Immer wieder. „Natürlich hat es meiner Karriere geholfen. Aber ich habe vor allem den Eindruck, mich selbst weiterentwickelt zu haben.“

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