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Semesterstart Lustig ist das Studentenleben - nicht immer

Rund 2,8 Millionen Studenten starten in den ersten Oktober-Wochen ins Wintersemester. „Von wegen lange schlafen und Party machen.“. Volle Hörsäle, wenig Geld, hohe Mieten, Stress - auch das gehört zum Studium 2016.

Absolventen dieser Kaderschmieden verdienen das meiste Geld
Esade Business School Quelle: Presse
WHU Beisheim Quelle: Presse
Vienna University of Economics and Business Quelle: Presse
Platz 7: IE Business School (Spanien)
London Business School Quelle: Presse
Rotterdam School of Management Quelle: Presse
Platz 4: ESCP Europe (Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien und Spanien)Die Business School ESCP Europe bildet angehende Manager in Berlin, London, Madrid, Paris und Turin aus. Wer dort den Studiengang "ESCP Europe Master in Management" belegt, kann anschließend mit einem Einstiegsgehalt von rund 66.000 Euro rechnen. Quelle: Presse

Vorurteile über das lockere Studentenleben halten sich hartnäckig. „Die schlafen lange“, „machen viel Party“ und „trinken viel“ - solche Einschätzungen hörte das Deutsche Studentenwerk (DSW) bei einer Berliner Straßenumfrage zu seiner 21. Sozialerhebung. Die aufwendige Studie soll bis Sommer 2017 belastbare aktuelle Daten und Fakten liefern, wie sie das schon seit 65 Jahren tut. Zu Auskünften über ihre wirtschaftliche und soziale Lage waren mehr als 400.000 Studierende eingeladen - gut viermal so viel wie bei der 20. Sozialerhebung vor vier Jahren.

Etwa 2,8 Millionen (2012: 2,5 Millionen) studieren im Wintersemester 2016/17, überwiegend an den rund 240 Hochschulen in staatlicher Trägerschaft. Tendenz steigend - mit entsprechenden Begleiterscheinungen wie brechend vollen Hörsälen und Seminaren. Seit Jahren strömen jeweils 500.000 Erstsemester an die Unis, darunter immer mehr Ausländer, für die Deutschland ein attraktiver Hochschulstandort ist. Ein Viertel der Studierenden hat Migrationshintergrund - und immer noch die Hälfte Eltern mit akademischem Abschluss. Rund 30 Prozent gehen während des Studiums ins Ausland - diese Quote soll steigen. 

Laut DSW wenden Studenten in Deutschland im Schnitt 35 Wochenstunden für Vorlesungen, Seminare, Hausarbeiten und Recherchen an ihrer Uni auf, hinzu kommen etwa sieben Stunden für Nebenjobs. Und gut jeder Fünfte muss neben der Hochschule für seinen Lebensunterhalt so viel arbeiten, dass er „faktisch Teilzeit“ studiert, ergab die Sozialerhebung 2012.

Times Higher Education-Ranking 2016: Das sind die besten deutschen Unis

Knapp drei Milliarden Euro ließ sich Vater Staat die Ausbildungsförderung im Vorjahr kosten. Damit wurden nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes 611 000 Studierende gefördert - vor vier Jahren waren es 60 000 mehr. Mit der zum Wintersemester umgesetzten Bafög-Reform wird nun manches besser: Es gibt mehr Geld - so steigt der Höchstsatz für Studierende, die nicht bei den Eltern wohnen, von 670 auf 735 Euro. Und der Kreis der Geförderten soll um 110 000 wachsen. Zum Vergleich: Schon 2012 verfügten „Normalstudierende“ - meist von den Eltern unterstützt - über durchschnittlich 864 Euro pro Monat.

Trotz steigender Studentenzahlen werden immer weniger Studienkredite in Anspruch genommen. Die Zahl der 2015 abgeschlossenen Kreditverträge sank im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent, ermittelte das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). „Es gibt in Deutschland eine Mentalität, sich möglichst wenig zu verschulden“, sagt DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde. „Das hat sich schon früher bei der Einführung von Studiengebühren gezeigt - wer sich die nicht leisten konnte, hat eher gejobbt als einen Studienkredit aufzunehmen.“ Auf Stipendien kann nur ein kleiner Teil der Studierenden zurückgreifen.

So klappt das Fernstudium neben dem Beruf

Gut 37 Prozent mehr Miete als vor sechs Jahren müssen Studierende für eine Wohnung in Berlin hinblättern, in München und Stuttgart, aber selbst in Osnabrück sieht es ähnlich dramatisch aus. Diese Mietpreisdynamik macht Studenten bundesweit zu schaffen. Zugleich ermittelte das DSW, dass sich Studierende zu 27 Prozent ein WG-Zimmer wünschen, zu 26 Prozent eine Wohnung alleine und zu 31 Prozent eine Bleibe mit Partner, eventuell auch mit Kind. Im „Hotel Mama“ wollten nur 6 Prozent bleiben, in einem Studentenwohnheim 9 Prozent. „Der Anteil derjenigen, die als Studenten noch bei den Eltern wohnen, könnte anwachsen“, sagt DSW-Manager Meyer auf der Heyde.

Eine breit angelegte wissenschaftliche Untersuchung dazu stellt der AOK-Bundesverband am Vormittag in Berlin vor. Mehr als 18.000 Studierende wurden befragt. Die Studie zeige „nicht nur die unterschiedlichen Formen von Stress und deren Ursachen auf, sondern liefert neben geschlechterspezifischen Unterschieden auch spannende Vergleiche zwischen den Studienfächern, den Hochschul- und den Abschlussarten“, wie die AOK ankündigte.

Sprüche, die Studenten nicht mehr hören können
Studenten und das frühe Aufstehen passt für viele nicht zusammen - vielleicht auch, weil sie es aus ihrer Studienzeit so kennen. Heute können Studenten Sprüche wie "Studenten stehen ja schon um sieben Uhr auf - weil um acht die Geschäfte zumachen" nicht mehr hören. Auch Fragen um die Mittagszeit von besorgten Familienmitglieder wie "Oh, habe ich dich etwa wach gemacht? Studenten von heute schlafen ja immer so lang" sorgen nicht gerade für gute Laune bei Studierenden, deren Vorlesungen mittlerweile häufig morgens um acht Uhr oder noch früher beginnen und zu denen sie auch erscheinen müssen... Quelle: Fotolia
Nicht nur das lange Schlafen wird von Älteren oder Nicht-Akademikern häufig angeführt, um das Leben von Studenten zu verherrlichen. Ein anderer Vorwurf trifft viele Studierende noch deutlich härter als dass sie zu lange schlafen würden: "Studenten haben ja keine Ahnung, was es bedeutet zu arbeiten." Passend dazu auch: "Du weißt auch nicht, was Stress ist." Oder besonders direkt: "Studenten sind doch faul." Quelle: dpa
Es mag manche überraschen, aber nur weil jemand ein Fach studiert, das viele auch in der Schule belegt haben, heißt das noch lange nicht, dass derjenige auch Lehrer werden möchte. Wer Geschichte, Mathematik, Englisch oder ähnliche Studiengänge im Studentenausweis stehen hat, kennt "Auf Lehramt?" bestimmt - und hasst es. Alternativ: "Ach, dann willst du Lehrerin werden?" Für "normale" Bachelor- und Masterstudenten ein Alptraum - und eine der häufigsten Fragen überhaupt. Quelle: dpa
Übrigens die häufigste Nachfrage, wenn der Lehramtsspruch überstanden ist: "Und was macht man dann damit?" Alternative Formulierungen, die den Studiengang noch stärker in Frage stellen sind etwa "Ist so ein Studium überhaupt notwendig?" oder gleich ohne Fragestellung: "Dein Studium hat ja gar nichts mit der Realität zu tun." Wer mit Studenten nett im Gespräch bleiben will, Finger weg von solchen Aussagen! Quelle: dpa
Überfüllter Hörsaal Quelle: dapd
Passend zur Kritik an der mangelnden Arbeitsmoral verabscheuen Studenten einen weiteren allseits beliebten Spruch: "Es muss ja auch Arbeiter geben!" Wie ein Vorwurf fühlen sich Studenten dann häufig in der Situation als müssten sie rechtfertigen, warum sie den akademischen Weg gewählt haben. Erweitert wird er häufig durch Fragen wie "Wenn heute alle studieren, wer repariert dann die Rohre und wer holt den Müll ab?!" Übrigens ein weiterer Spruch, den Familienmitglieder gerne nutzen: "Dein kleiner Bruder hat ja schon eine feste Stelle! Hättest du mal eine Ausbildung gemacht!" Quelle: dpa
"Das Sekretariat ist mittwochs zwischen 10 und 12 geöffnet." Ähnliche Sätze kennen Studenten vom Prüfungsamt, Beratungsbüros oder Sprechstunden bei Dozenten und Professoren. Bei Beschwerde folgt darauf gerne der Hinweis: "Studenten haben doch alle Zeit der Welt" oder "Studenten können sich ihre Zeit frei einteilen." Die Anwesenheitspflicht bei gleichzeitig stattfindenden Seminaren wird dabei häufig vergessen. Quelle: dpa
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