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Studium So wird das Auslandssemester zum Karrierevorteil

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"Nach wie vor etwas Besonderes"

Und auch bei den Arbeitgebern in Deutschland herrscht die Meinung: Auslandssemester, ja bitte. So erklärt Roman Dykta, Head of Employer Branding bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG: „Neben den persönlichen Erfahrungen und Eindrücken stärkt ein Auslandsaufenthalt natürlich die entsprechenden Sprachkenntnisse.“ Diese Sprachkenntnisse seien für manche Positionen sogar unabdingbar. Er ergänzt zwar, dass Auslandserfahrungen kein Muss seien, allerdings seien diese bei internationalen Einsätzen durchaus von Vorteil. Bei Daimler und der Lufthansa sieht die Sache strikter aus: Wer dort in ein Traineeprogramm aufgenommen werden will, für den sind Auslandserfahrungen Pflicht. „Mit Absolventen, die während ihres Studiums über den Tellerrand geschaut haben, haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht“, fasst Peter Berg, Leiter Global Talent Acquisition & Development bei Daimler seine Erkenntnisse mit Auslandsaufenthalten von Studenten zusammen.

Doch worauf sollten Studenten achten, wenn sie ihren Auslandsaufenthalt planen: Welches Land, welche Universität und welche Fächer sollten sie belegen? Dazu gibt es sicherlich kein Patentrezept, jedoch scheint ein Aufenthalt in einem ungewöhnlichen Land beim Arbeitgeber beliebt zu sein. „Asien und Südamerika sind aktuell die Top Shots. Aber auch Osteuropa und Russland bringen Aufmerksamkeit“, erklärt Frank Schmith, Leiter Personalmarketing bei der Deutschen Lufthansa. Von einem Semester in Gegenden, die mehr nach Sommer, Sonne und Strand klingen rät er hingegen eher ab: „Urlaubsdestinationen erregen weniger Interesse.“

Ähnlich sieht das bei KPMG aus, wie Roman Dykta erklärt: „Eventuell sollte ich mir die Frage stellen, welche Länder mich interessieren, die ich nicht schon durch andere Reisen oder längere Urlaube kenne, um eine Horizonterweiterung zu bekommen.“ Jedoch gäbe es bei KPMG keine Liste mit Ländern, die bevorzugt werden.

Die angesprochene Horizonterweiterung dürfte auch das Stichwort für ein erfolgreiches Auslandssemester im Hinblick auf die spätere Berufstätigkeit sein. Denn wer einige Zeit im Ausland lebt, zeigt vor allem eines: Dass er fähig ist sich an eine neue Umgebung anzupassen. „Die Erfahrung, in einem fremden Land mit fremder Kultur zurechtzukommen, fördert selbstverständlich die persönliche Entwicklung“, sagt van Ess von der LMU. Daneben sei es der Erwerb oder die Verbesserung einer fremden Sprache, das Hauptmotiv der meisten Studenten ins Ausland zu gehen, glaubt van Ess. So sei es Studenten heute zunehmend bewusst, „dass in einer globalisierten Arbeitswelt interkulturelle Kompetenzen gefragt sind und ein Auslandsemester eine gute Möglichkeit ist, diese zu stärken oder weiter zu entwickeln.“

Doch dieser Erwerb von „interkulturellen Kompetenzen“ klingt leichter als er wirklich ist. Denn gerade die Beliebtheit unter deutschen Studenten, ein Semester in der Ferne zu verbringen, kann gleichzeitig zum Hinderniss werden andere Kulturen besser kennen zu lernen. So studierten beispielsweise 2010  insgesamt rund 20.000 Deutsche an Unis in Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Dass es da mitunter schwer werden kann, nicht auf andere Deutsche zu treffen, ist klar. Gleichzeitig steigt die Verlockung, einfach die Zeit im Ausland mit Menschen aus der Heimat zu verbringen. Die Gründe dafür sind einleuchtend: Man spricht die gleiche Sprache, hat einen ähnlichen kulturellen Hintergrund und findet damit schnell gemeinsame Vorlieben und Gesprächsthemen.

Dass man dabei weniger in Kontakt mit anderen Kulturen kommt und auch die Fremdsprachen weniger trainiert werden, ist ein Nachteil. Deswegen gibt Roman Dykta von KPMG einen klaren Rat: „Sinnlos wäre ein Aufenthalt im Ausland mit Fokussierung auf eine deutschsprachige Community.“ Er empfiehlt dagegen eher eine Orientierung an Einheimischen als an anderen Austauschstudenten: „Man sollte gegenüber den Menschen im Land offen sein und möglichst viele Eindrücke und Erkenntnisse ‚aufsaugen‘.“

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