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Lernen im Alter Was unser Gedächtnis ruiniert

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Je schwieriger die Aufgabe, desto besser

Außerdem können wir unser Gehirn besser fit halten, indem wir ihm kniffelige Aufgaben zum Lösen geben. Das haben Wissenschaftler vom Zentrum für Langlebigkeitsforschung sowie der Schule für Verhaltens- und Hirnforschung der University of Texas in Dallas gemeinsam mit Psychologen des Canisius College erforscht. Auch ihre Studie erschien in der US-Nationalbibliothek für Medizin.

Digitale Fotobearbeitung kontra Zierdecken knüpfen

Die Forscher ließen Probanden im Alter von 60 bis 90 Jahre insgesamt drei Monate lang mit Digitalkameras fotografieren und diese Fotos digital am Computer nachbearbeiten. 15 Stunden pro Woche arbeiteten die Senioren mit professionellen Fotografen zusammen, lernten mit Kamera und Software umgehen.

So bringen Sie Ihr Gehirn im Alltag auf Trab
Jemand schreibt mit links Quelle: Fontanis - Fotolia
Tanzpaare Quelle: gms
Schallplattenspieler und Kopfhörer Quelle: All rights reserved © Corepics 2015 - Fotolia
Memory Quelle: dpa
Kreuzworträtsel Quelle: Stockfotos-MG - Fotolia
Studentenfutter Quelle: Simone Voigt - Fotolia
Ein Mann lehnt sich am Schreibtisch zurück Quelle: detailblick - Fotolia

Eine Vergleichsgruppe knüpfte drei Monate lang 15 Stunden pro Woche Zierdecken, sogenannte Quilts, eine weitere Gruppe tat beides: Sechs Wochen lang knüpften sie Decken, sechs Wochen lang ging es zum Fotografie-Kurs. 18 Stunden pro Woche wendeten die Senioren dafür auf. Im Hirnscan zeigte sich anschließend, dass das Gedächtnis der Foto-Gruppe deutlich profitiert hatte. „Wer über mehrere Monate hinweg wirklich anspruchsvolle Aufgaben löst, verzeichnet einen robusten Effekt auf seine Gedächtnisleistung“, bestätigt Roth.

Wie lange dieser Effekt anhalte, sei allerdings nicht erforscht. „Regelmäßiges Gehirntraining bis zum Grab ist wichtig“, sagt er deshalb. Nur wer seine grauen Zellen fit hält, kann auch im Alter noch umlernen – wenn auch nicht mehr so schnell und mühelos, wie mit 20. Roth: „Das alte Gehirn muss sich mehr anstrengen, als ein junges.“

Denn im Alter schwinden die grauen Zellen – unter anderem im Hippocampus. Dieser transferiert Wissen aus dem Kurzzeitgedächtnis über das intermediäre Gedächtnis ins Langzeitgedächtnis. Klappt das nicht mehr, vergessen wir neu Gelerntes.

Diese Mythen ranken sich um unser Hirn
Der Mythos: Süßes hilft gegen Stress Quelle: dpa
Der Mythos: Alkohol tötet Gehirnzellen ab Quelle: dpa
Der Mythos: Wir haben 100 Milliarden Gehirnzellen Quelle: dpa
Der Mythos: Wir nutzen nur zehn Prozent unseres Gehirns Quelle: Fotolia
Der Mythos: Wir haben nur fünf Sinne Quelle: Fotolia
Der Mythos: Mozart-Musik steigert die Intelligenz Quelle: dpa/dpaweb
Der Mythos: Es kommt auf die Größe an Quelle: dpa

Es gibt aber noch andere Faktoren, die dem Hippocampus kurz- und langfristig ins Handwerk pfuschen, wie Roth erklärt. Das sind zu viel Stress, Alkohol, Drogen und schlechter Schlaf. Denn während wir schlafen, erledigt der Hippocampus einen Großteil seiner Arbeit. „Schlaf hat einen außerordentlich wichtigen Einfluss auf die Informationsverarbeitung in unserem Gehirn“, sagt der Hirnforscher. Wer auf Dauer zu wenig schlafe, schade seinem Gedächtnis beziehungsweise der Verarbeitung von Informationen. Gleiches gelte für dauerhaften Stress, der sich letztlich negativ auf die Schlafqualität auswirke.
Außerdem spiele die Ernährung und das Gewicht eine Rolle: „Gesunde Ernährung, Gewichtskontrolle und ausreichend Bewegung können den Ausbruch von Altersdemenz um bis zu acht Jahre verzögern“, sagt Roth. Zu der besagten Hirnschonkost gehören ihm zufolge Antioxidantien, Polyphenole und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Wer seinem Gedächtnis etwas Gutes tun will, sollte also nicht nur ausreichend schlafen, sich bewegen und auf die Linie achten, sondern auch viel Fisch, Obst und Gemüse essen.

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