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Der Rat der Weisen Wie gehe ich damit um, wenn jemand meine Kritik schnell abmoderiert?

Quelle: Patrick Zeh für WirtschaftsWoche

Kritik soll uns eigentlich besser machen. Doch nicht immer nehmen Kollegen sie an, sind womöglich sogar eingeschnappt. Wie sich das ändern lässt, verrät Coach Marcus Werner.

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Fehler sind menschlich, das ist nicht nur ein Sprichwort. Entsprechend gibt es auf der Arbeit immer wieder etwas, das es zu kritisieren gilt. Schließlich soll der nächste Auftrag, das nächste Projekt noch besser werden. Aber nicht jeder Kollege nimmt sich die Ratschläge an. Ein Leser fragte uns daher: „Wie gehe ich damit um, wenn jemand meine Kritik schnell abmoderiert?“

Antwort: Kritik ist für die Empfänger oft verbunden mit dem Gefühl: Oh nein, da findet mich jemand nicht gut. An dieser Erkenntnis mag zwar etwas Wahres dran sein, sie hilft allein aber nicht weiter. Vielmehr sorgt sie eher den restlichen Arbeitstag über für schlechte Laune. In einem Team, in dem Kritik meist als Nachtreten, Bloßstellen oder Profiliergehabe des Kritikers empfunden wird, ist es so gesehen ein Akt der Gnade, Gemecker an der Arbeit der Anderen abzuwehren.

Eine gesunde Kritikkultur hingegen ist etwas, das richtig befreiend wirken kann. Wenn alle verinnerlicht haben: Kritik ist nicht böse gemeint, sondern soll die gemeinsame Arbeit künftig schöner und besser machen.

Und genau das sollten Sie ansprechen: 

1. „Kritik hilft bei der Prozessoptimierung. Kritik braucht aber ihre Zeit im Arbeitsalltag.“

2. „Wenn ich Dinge kritisiere, geht es mir nicht darum, Frust über vergangene Fehler abzulassen oder einen Schuldigen zu benennen. Wir können doch voneinander lernen.“

3. „Wenn ich etwas kritisiere, heißt das nicht, dass ich mich für fehlerfrei halte. Ich bin deshalb selbst immer auch offen für Kritik an meiner Arbeit.“

Gehen Sie mit gutem Beispiel voran: „Wie fandet Ihr eigentlich meine Präsentation vorm Vorstand gestern? Was hat Euch gefallen? Was kann ich das nächste Mal besser machen?“ Wer so offen Kritik einfordert, wird auch selbst auf mehr Akzeptanz stoßen, wenn er oder sie etwas zu kritisieren hat. Führen Sie feste Zeitpunkte für Kritik ein, etwa als letztes Element des wöchentlichen Projekt-Meetings. Dann fällt es allen leichter sich einzubringen.

Und halten Sie eine Kritik-Etikette ein:

1. Fangen Sie mit Lob an. So futtern sich die Adressaten einen dicken Wohlfühlpanzer an, bevor die Verbesserungsvorschläge kommen.

2. Kritik folgt der Frage: Wie kann der Kritisierte am meisten von der Kritik profitieren? Nicht der Kritiker – das ist wichtig.

3. Formulieren Sie aus der Ich-Perspektive: „Meiner Meinung nach...". Laden Sie andere dazu ein, ihre Meinung zu äußern: „Aber vielleicht sehen es die anderen ja anders.“

4. Sollte die Stimmung des Adressaten zu sehr leiden: Beenden Sie die Kritik, indem Sie noch einmal an das erinnern, was Sie eingangs gelobt hatten.

Je regelmäßiger im Team Kritik eingefordert und geäußert wird, desto besser verkraftbar wird sie für den, den sie konkret betrifft. So wird Kritik irgendwann sogar zum Prädikat: Meine Arbeit ist es wert, kritisiert zu werden.

Marcus Werner ist Fernsehmoderator und Buchautor und arbeitet als Berater für Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung.

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