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Digitale Transformation Was digitale Dolmetscher auszeichnet

Die digitale Transformation ist eine der größten Herausforderungen für alle Unternehmen. Aber brauchen sie dafür zwingend einen Chief Digital Officer?

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Was zeichnet einen typischen und erfolgreichen CDO aus?

Unternehmen aller Branchen müssen sich mit den fundamentalen Veränderungen auseinanderzusetzen, die sich aus der Digitalisierung ergeben. Diese zu ignorieren und an den alten Geschäftsmodellen festzuhalten, würde der eigenen Position schaden.

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In der Debatte rückt eine neue Managerposition zunehmend in den Fokus. Der Chief Digital Officer (CDO) soll für alle Aspekte der digitalen Transformation eines Unternehmens verantwortlich sein: für die Entwicklung neuer, digitaler Geschäftsmodelle; für die Verbesserung der Kundeninteraktion; und für die Erhöhung der Prozess- und Produktionskompetenz durch den Einsatz digitaler Technologien. Anders formuliert: Ein CDO ist damit beauftragt, die gesamte Wertschöpfungskette eines Unternehmens zu digitalisieren.

Aber was zeichnet einen typischen und erfolgreichen CDO aus? Wodurch qualifiziert man sich für eine Stelle, die bis vor kurzem noch gar nicht existierte? Und lässt sich der Weg der Digitalisierung nicht auch ohne einen CDO bewältigen?

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, analysierten wir für eine umfangreiche Studie CDOs in Unternehmen weltweit – und zwar im Hinblick auf Funktion, Hintergrund und Branchenzugehörigkeit.

Zentrale Erkenntnisse:

  1. Insgesamt beschäftigten 6 Prozent der Unternehmen einen CDO. Mit einem CDO-Anteil von 13 Prozent lag Europa 2015 an der Spitze, gefolgt von Nordamerika mit 7

    Prozent.

  2. Unternehmen, die sich an Endverbraucher wenden (B2C), stellen häufiger einen CDO ein als jene, die ihre Produkte und Dienstleistungen anderen Unternehmen anbieten (B2B). In Branche Kommunikation, Medien und Unterhaltung setzen 13 Prozent auf einen CDO, in der Nahrungsmittelbranche 11 Prozent und in der Konsumgüterbranche 9 Prozent.
  3. Das Schlusslicht bildeten die Energieversorger, die Bereiche Öl und Gas sowie Metall  und Bergbau. Dort lag der Anteil der Unternehmen mit Digitalverantwortlichen bei nur 2 beziehungsweise einem Prozent.
  4. Die Unternehmensgröße bestimmt offenbar ebenfalls, ob ein CDO erforderlich ist: Rund 9 Prozent der Konzerne mit mehr als 100.000 Mitarbeitern beschäftigen einen führenden Digitalmanager. Dagegen gibt es nur in 2 Prozent der Firmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitern einen CDO.

Fünf Typen von CDO

Aber welche Eigenschaften und Qualifikationen muss der zentrale Digitalverantwortliche mitbringen, um die verschiedenen Phasen der digitalen Transformation aktiv steuern zu können? Dafür haben wir fünf Archetypen definiert (siehe oben). Jeder bezieht sich auf eine Reihe von Aufgaben und Verantwortlichkeiten, die je nach Unternehmenstyp und Anforderungen auch miteinander kombiniert werden können.

Was Unternehmen beachten müssen

Nicht nur der Aufgabenbereich, auch der Hintergrund von CDOs ist bunt gemischt: Sie kommen aus dem Marketing (34 Prozent), dem Vertrieb (17 Prozent), der Technologiebranche (14 Prozent) und aus der Beratung (13 Prozent). Den Chief Digital Officer als höheren IT-Manager zu sehen, wäre falsch – denn damit würde der proaktive Innovationscharakter jedes CDO-Typus unzureichend adressiert.

Darüber hinaus sollte ein CDO weitreichende Kompetenzen und Autorität in allen digitalen Themen haben. So zeigte unsere Studie, dass 42 Prozent der CDOs auf Vorstandsebene (C-Level) angesiedelt sind, 16 Prozent auf Direktoren- und 15 Prozent auf Abteilungsleiterebene (Vice Presidents). Langjährige Erfahrungen in der digitalen Welt und in Führungspositionen sind daher wünschenswert.

Aber auch Unternehmen müssen Erfolgskriterien beachten: Sowohl die Eigentümer als auch die Geschäftsleitung müssen hinter der digitalen Transformation stehen. Sie müssen die Veränderung wollen. Es muss eine digitale Strategie und einen dazugehörigen Transformationsplan geben, die die Agenda des CDOs bilden. Heißt konkret: Der CEO muss den CDO mit den notwendigen Befugnissen, personellen Ressourcen und einem Budget ausstatten – ansonsten bleibt der sprichwörtliche zahnlose Tiger, der nur aus PR-Gründen eingesetzt wurde.

Aber wenn Beteiligten tatsächlich alles richtig machen – macht sich der CDO dann nicht irgendwann selbst überflüssig? Tatsächlich könnte man argumentieren, dass in einem komplett digitalisierten Unternehmen in der Regel weniger Bedarf für eine CDO besteht. Gleichzeitig aber kann sich ein erfolgreicher CDO auch automatisch für eine Position als CEO qualifizieren, da er sämtliche für das Unternehmen relevanten Prozesse, Abläufe und Strategien in seiner Zeit als CDO kennengelernt und gestaltet hat.

So entwickeln Sie die richtige Digitalstrategie

Sicher ist: Die Nachfrage nach CDOs und damit der Wettbewerb um die besten Kandidatinnen und Kandidaten wird sich zunehmend intensivieren. Unternehmen sollten sich klar darüber sein, in welcher Phase der Digitalisierung sie sich gerade befinden. Eine zielgerichtete und klar definierte Transformationsagenda ist dabei entscheidend. Denn nur dann stellen erfolgreiche CDOs einen signifikanten Wettbewerbsvorteil für Unternehmen dar, um die Digitalisierung zu meistern.

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