Summer School ☀️: Warum emotionale Intelligenz über den Erfolg von Führung entscheidet
„Führungspersönlichkeiten mit höherer emotionaler Intelligenz (EQ) sind erfolgreicher.“ Dieser Auffassung ist Daniel Goleman. Er ist ein Pionier der EQ-Forschung. Der Grund für seine Annahme beruht auf den Eigenschaften, die emotional intelligente Menschen besitzen. Weitere Studien bestätigen das.
Während emotionale Intelligenz auch aus Sicht der Angestellten immer wichtiger wird, zeigt die Forschung: Analytische Kompetenzen werden beim Erklimmen der Karriereleiter immer irrelevanter.
Doch warum gelten emotional intelligente Menschen als besonders geeignete Führungskräfte? Und lässt es sich erlernen?
Man versteht unter emotionaler Intelligenz die Fähigkeit, eigene Emotionen und die von anderen Menschen wahrzunehmen und zu verstehen. Sie umfasst Kompetenzen wie Selbstwahrnehmung, Selbstregulation, Empathie und soziale Fähigkeiten. Die sind wichtig, um Beziehungen aufzubauen, effektiv zu kommunizieren und in verschiedenen Lebensbereichen erfolgreich zu sein.
Die fünf Schlüsselkompetenzen emotional intelligenter Führungspersönlichkeiten
Laut Goleman seien vor allem die fünf Kernfähigkeiten von Menschen mit hoher emotionaler Kompetenz wichtig für die Führungsqualitäten: Selbstreflexion, Selbstkontrolle, Motivation, Empathie und soziale Fähigkeiten.
Eine starke Ausprägung der Selbstreflexion sorgt dafür, dass Führungskräfte ein gutes Selbstvertrauen haben und sich von Kritik nicht angegriffen fühlen – sondern sie gerne annehmen. Da sie ihre Stärken und Schwächen kennen, fällt es emotional intelligenten Führungskräften leichter, rechtzeitig um Hilfe zu bitten.
Eine gute Selbstkontrolle sorgt dafür, dass Führungskräfte schlechte Laune oder Ärger nicht an ihre Angestellten weitergeben. Sie verhindert Überschusshandlungen. Und strahlt nach außen Ruhe aus – auch wenn innerlich Stress herrscht.
Emotional intelligente Führungskräfte verfügen über eine hohe intrinsische Motivation. Weder Geld noch Status geben ihnen Antrieb, sondern das Erreichen von Zielen. Daher suchen sie ständig nach neuen Herausforderungen und bemühen sich, sich stetig zu verbessern.
Empathie bedeutet, dass man sich in die Gefühle oder die Situation anderer Menschen hineinversetzen kann. Dadurch können sich Mittelmanager mit hohem EQ gut in ihre verschiedenen Angestellten hineinversetzen. Während manche mehr Zuspruch benötigen, brauchen andere Kritik oder höhere Ziele. Gute Führungskräfte setzen das passend zu dem jeweiligen Mitarbeiter ein.
Emotionale Intelligenz in der Praxis: Kommunikation, Motivation und Empathie
Wer gut kommuniziert, der kann Aufgaben vernünftig verteilen und Beziehungen aufbauen. Gute Kommunikation ist das A und O von guter Führung. Menschen mit einem hohen EQ wird zugeschrieben, darin besonders gut zu sein.
„Der Mensch ist zu 90 Prozent gefühlsgesteuert. Deshalb ist es entscheidend, die eigenen Emotionen und die der anderen zu verstehen“, erklärt Waldemar Pelz, Managementprofessor der Technischen Hochschule Mittelhessen und Geschäftsführer des Instituts für Management-Innovation.
Für Führungskräfte sei Empathie daher keine Nebensache, sondern eine Schlüsselkompetenz. Denn: „Manager mit hoher emotionaler Intelligenz verstehen ihre Mitarbeiter, Kunden und Wettbewerber besser und können deren Verhalten präziser einschätzen. Oft werden sie als Vorbilder wahrgenommen – mit spürbarem Einfluss auf das Verhalten ihres Teams, also den Teamgeist“, so Pelz.
EQ testen: Der SSEIT-Fragebogen
Sie denken, Sie seien emotional intelligent? Der „Schutte Selbstbeurteilungstest für emotionale Intelligenz“ (SSEIT) ist ein Fragebogen zur Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten. Der SSEIT umfasst die verschiedenen Aspekte der emotionalen Intelligenz, darunter die Wahrnehmung, die Regulation und die Nutzung von Emotionen.
Im Durchschnitt erreichen Teilnehmer hier eine Punktzahl von 124. Da es sich um eine Selbstauskunft handelt, ist das Ergebnis mit Vorsicht zu betrachten und dient nur zur Orientierung.
Emotionale Intelligenz entwickeln: Tipps für Führungskräfte
Auch wenn Ihr Ergebnis unter dem Durchschnitt liegt – das ist kein Problem, denn emotionale Intelligenz kann erlernt werden. Am besten können Führungskräfte die Fähigkeit erlernen, wenn sie sich viel mit ihren Angestellten austauschen und kommunizieren.
Welche Ängste gibt es? Wie gehen die einzelnen Mitarbeiter mit Stress um? Wer braucht vielleicht Druck als Motivator anstatt Lob? Das sind Fragen, mit denen sich Führungskräfte auseinandersetzen sollten. Wie leicht Missverständnisse entstehen können, zeigt Pelz in einem Beispiel: „Eine sarkastische Bemerkung des Chefs kann beim Mitarbeiter ganz unterschiedlich ankommen – von gekränkt bis motivierend. Vielen Führungskräften fehlt leider das Gespür, welche Gefühle sie mit einer Aussage tatsächlich auslösen.“
Wichtig ist es, dass sich Führungskräfte der Relevanz der emotionalen Intelligenz bewusst sind. Pelz: „Es gibt für Führungskräfte keine Alternative zur Empathie. Wer sich in die Situation von Mitarbeitern, Vorgesetzten, Kunden oder Geschäftspartnern hineinversetzen kann, führt erfolgreicher.“
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