Entscheidungen treffen: Bloß nicht zu viel nachdenken!

Vor einigen Jahren untersuchte eine New Yorker Forschungsgruppe, wie zufrieden Jungabsolventen mit ihren ersten Jobs waren. Weil die Wahl des richtigen Berufes eine entscheidende für unser Lebensglück ist, hatten sich die befragten Personen viel Mühe mit der Wahl der passenden Arbeitsstelle gegeben.
Das Ergebnis der Untersuchung war verblüffend: Je mehr Aufwand sie in die Suche nach dem besten Job gesteckt hatten, desto höher war tatsächlich das Gehalt. Trotzdem waren diese Personen unzufriedener als diejenigen, die weniger Zeit mit der Jobsuche verbracht und sich mit ihrer intuitiven Jobentscheidung angefreundet hatten. Objektiv die bessere Entscheidung getroffen – trotzdem ein schlechteres Gefühl.
Diese Entscheidungsunzufriedenheit ist mittlerweile für eine Vielzahl von Lebenssituationen beschrieben. Von der Partnerwahl bis zur Wahl des richtigen Maßanzugs: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Der Grund: Es gibt zwei Arten, wie Menschen entscheiden können. Entweder sie wägen alle Optionen gegeneinander ab, analysieren so lange, bis sie wirklich die objektiv beste Auswahl treffen können. Wenn Sie das tun, sind Sie der Typ Maximizer. Das Problem: Wenn Sie alle Optionen durchspielen, kostet das erstens viel Zeit und zweitens viele Nerven. Denn Sie sehen auch, was Ihnen entgeht. Alternativkosten nennt sich dieses nervige Phänomen in der Psychologie, das dazu führt, dass wir Entscheidungen bedauern, weil eine Alternative doch besser gewesen sein könnte.
Neben den Maximierern gibt es noch den Typ Satisficer. Statt alle Optionen aufwendig zu vergleichen, definiert der Genügsame zu Beginn die fünf Must-haves, die ein Entscheidungsergebnis aufweisen muss. Sobald die erste Option auftaucht, die diese Must-haves erfüllt, schlägt er zu, beendet die Suche und freundet sich mit der Entscheidung an.
Das Verblüffende: Menschen sind mit diesem Verhalten nicht nur nachweislich zufriedener, sie treffen auch bessere Entscheidungen. So zeigte eine Untersuchung von knapp 6800 Einzelentscheidungen von über 250 deutschen Probanden Ende letzten Jahres: Jede Entscheidung verbesserte das Wohlbefinden der Teilnehmer. Als sie mit etwas Abstand jedoch die besten Entscheidungen beurteilen sollten, kam heraus: Es waren diejenigen, die sie intuitiv getroffen hatten.
Kurzum: Manchmal ist weniger Denken mehr. Denn gut zu entscheiden ist oftmals wichtiger, als perfekt zu entscheiden.
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