Fritz Breithaupt "Der Super-Empathiker zaudert gerne"

Empathie galt lange als Wunderwaffe für verunsicherte Manager. Doch langsam kommen Zweifel an dem Allheilmittel auf. Gestreut wurden sie unter anderem von Fritz Breithaupt, der an der Indiana-Universität in Bloomington lehrt. Er hat ein Buch zu dem Thema geschrieben, der verheißungsvolle Titel: "Die dunklen Seiten der Empathie".

Quelle: WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Breithaupt, welche negativen Aspekte der Empathie zeigen sich denn gerne auf der Chefetage?
Fritz Breithaupt: Häufig im Büro zu finden ist der empathische Sadismus. Zum Beispiel, wenn der Chef einen Mitarbeiter vor den Kollegen runterputzt, anstatt mit ihm in Ruhe hinter geschlossenen Türen zu sprechen. Oder seine Mitarbeiter erniedrigt, quält, sich über sie lustig macht. Chefs, die das tun, wissen ganz genau, wie sich der Mitarbeiter in dem Moment fühlt, nämlich schlecht. Das macht ihnen Spaß, gibt ihnen ein Gefühl von Macht.

Zur Person

Klingt ja reizend...
... kommt aber täglich vor. Ein weiterer Nachteil der Empathie ist, dass sie Konflikte befeuert. Streiten sich etwa zwei Mitarbeiter um ein neues Büro, ergreifen die Kollegen in der Regel Partei für einen der beiden. Das ist menschlich und auch nicht weiter schlimm. Nun kommt aber noch Empathie dazu. Man ist nun noch mehr für die eine Seite und gegen die andere. So werden unwichtige Konflikte zu grundsätzlichen Problemen aufgeblasen. Empathie kennt keine Grauabstufungen, sondern ordnet die Dinge meist in Schwarz oder Weiß ein.

Gilt das auch für den empathischen Chef?
Der Super-Empathiker zaudert gerne. Es gibt Studien, die beweisen konnten, dass Unternehmen mit einem wenig empathischen Chef etwas erfolgreicher sind. 

Aber heißt es nicht immer: Empathische Chefs sind die besseren Chefs?
Das kommt auf die Perspektive an. Für die Mitarbeiter ist ein empathischer Chef mit Sicherheit angenehmer, für das Unternehmen hingegen nicht unbedingt.

Tipps für gesunde Empathie: Offenes Ohr, klarer Kopf

Warum?
Er scheut sich nicht davor, radikale Entscheidungen zu treffen. Der Super-Empathiker hingegen ist weniger gut darin, ein Machtwort zu sprechen, seine Mitarbeiter zu Höchstleistungen anzutreiben und hat ein Problem damit, unpopuläre Entscheidungen zu treffen.

Ein Plädoyer für harte Hunde?
Nun ja, wenn Chefs wichtige Entscheidungen verzögern oder aus Angst davor, einzelnen Mitarbeitern weh zu tun, gar nicht treffen, ist das selten eine gute Idee.

Was heißt das konkret?
Geht es etwa um eine Massenentlassung oder ähnliches Drastisches, ist das für einen sehr empathischen Menschen kaum durchzuhalten. In einem solchen Fall muss sich der Chef Hilfe holen. Entweder intern, oder zur Not eine externe Beratung engagieren. Das macht es für die Betroffenen natürlich keinen Deut besser, außerdem entstehen unnötige Kosten.

Worauf muss der empathische Chef denn besonders achten?
Der Super-Empathiker darf sein eigentliches Ziel nicht aus den Augen verlieren. Natürlich soll sich ein Chef alle Seiten anhören, bevor er eine Entscheidung trifft. Aber nur die Seiten, die tatsächlich auch relevant sind. Und vor allem muss er oder sie sich im entscheidenden Moment an den Plan halten und sich nicht im Wirrwarr der Einzelschicksale verlieren.

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