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Führen wie Manke Rayder „Game of Thrones“ – ein Lehrstück für Führungskräfte

Mark Hübner-Weinhold Quelle: PR

Für Mark Hübner-Weinhold ist die Kult-Serie ein 72 Stunden und 16 Minuten langes Führungskräfte-Seminar. Im Interview beschreibt er, was Manager von den Serien-Figuren lernen können.

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„Game of Thrones“ war und ist eine Kult-Serie. Es haben sich bereits Historiker, Philosophen, Verhaltens- und Hirnforscher mit der Serie beschäftigt, Fans pilgern an die Drehorte, kochen und backen das Essen ihrer Serienhelden nach. Jetzt gibt es Lesestoff für Führungskräfte: Hübner-Weinhold beschreibt zusammen mit seinem Co-Autoren Manfred Klapproth im Buch „Leadership by Game of Thrones“ die Strategien, Erfolgsmuster und Fehlentscheidungen der wichtigsten Charaktere.

Herr Hübner-Weinhold, wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Führungskräfte-Buch über „Game of Thrones“ zu schreiben?
Mein Co-Autor Manfred Klapproth und ich sind beide Filmfans. Wir wollten ursprünglich ein Buch über Führungsverhalten in Kino-Filmen schreiben. Aber es war alles wenig zusammenhängend: Man nimmt ein bisschen was von „Star Trek“, dann vielleicht noch ein paar Szenen aus „Up in Air“, „Wall Street“ oder „Invictus“ – aber wir hätten kein in sich geschlossenes Buch daraus machen können. Dann haben wir „Game of Thrones“ gesehen und wussten: Das ist unser Stoff.

Warum eignet sich die Serie für das Thema Führung?
Es gibt darin viele lehrreiche Führungsmomente mit Charakteren in unterschiedlichsten Situationen. Im Kern geht es in der Serie um Macht. Und damit auch um Führung. Für uns bilden diese beiden Begriffe eine Symbiose. Macht bedeutet, andere Menschen in ihrem Denken und Handeln beeinflussen zu können. Dass dies nach moralischen Maßstäben gut oder schlecht sein kann, dafür liefert uns „Game of Thrones“ vitale Beispiele – von Ned Stark bis Daenerys Targaryen. Vor unseren Augen entfaltet sich ein lebendiges Drama – mit Menschen voller Ehrgeiz und Tapferkeit, mit List und Tücke, Täuschung und Verrat, Liebe und Hass, Triumph und Scheitern. Unterm Strich also genau das, was wir täglich am Arbeitsplatz erleben. Gut, vielleicht weniger blutig und endgültig, aber den Typen und ihren Motiven begegnen wir auch im Berufsleben. Deshalb ist „Game of Thrones“ auch ein Lehrstück, wenn Sie wissen wollen, wie Führung wirklich funktioniert.

Cover des Buches Leadership by Game of Thrones Quelle: PR

An welcher Figur lässt sich das Thema Führung am besten analysieren?
An der Drachenmutter Daenerys. Als junges Mädchen wird sie an einen Kriegsherren verkauft und arbeitet sich aus diesen Verhältnissen hoch zur Königin. Die Zuschauer begleiteten eine lange Heldenreise. Wir können an ihr erleben, was Macht aus Menschen macht. Sie ist eine unglaublich effiziente Führungskraft. Sie baut in einer alten orientalischen Welt, in der die Männer das Sagen haben, einen eigenen Großkonzern auf – quasi aus einem Startup mit miserablen Voraussetzungen. Sie zieht ältere Berater, Mentoren hinzu, deren Rat sie hört und oft befolgt. Als Königin hat sie eine hervorragende Meeting-Kultur, entwickelt sich zu einer starken Rednerin mit wirkungsvollen PR-Auftritten. Und sie hat eine sozialrevolutionäre Vision: Sie will die Sklaven auf dem Kontinent Essos befreien und die Welt vom Joch der Unterdrückung befreien. Ihr Ziel ist es jedoch, den Thron der Sieben Königslande auf dem Kontinent Westeros zu besteigen.

Und das wird ihr zum Verhängnis...
Ja, dem ordnet sie alles unter. Wir erleben an ihr, dass die Macht sie korrumpiert. Ihr sozialrevolutionäres Denken wird zerstört, weil sie zu viel Macht aggregiert, den Blick für die Realität verliert und nicht mehr auf ihre Berater hört. Sie endet als Diktatorin. Das erleben wir auch in der Wirtschaft: Ex-VW-Chef Martin Winterkorn und der frühere Arcandor-CEO Thomas Middelhoff sind dem eigenen Machtdenken unterlegen und verloren den Blick für die Realität.

Haben Sie auch ein Beispiel für Überforderung gefunden?
Ja, in der Figur Ned Stark, der seinen Job als Wächter des Nordens aufgibt, um seinem alten Kumpel Robert als Hand des Königs, also dessen Kanzler, zu dienen. Im übertragenen Sinne ist er ein mittelständischer Unternehmer aus der Provinz, ein regionaler Marktführer, der dem Ruf eines Konzernchefs folgt, dessen COO zu werden. In der ersten Staffel erleben wir, dass Ned Stark mit der Konzernwelt in der Hauptstadt völlig überfordert ist. Er hat klare Werte, kommt aber in eine von Intrigen und Machtspielchen geprägte Organisation mit unübersichtlichen Allianzen, in der seine moralischen Ehrbegriffe überhaupt nicht mehr gefragt sind.

Wie schaut es mit Machiavellisten bei „Game of Thrones“ aus?
Gibt es zuhauf, am deutlichsten ist die Figur von Lord Tywin, dem Patriarchen des Hauses Lennister. Er verkörpert das Prinzip von autoritärer Führung, lässt keinen Widerspruch zu, ist ein kluger Führer, der clever Allianzen schmiedet. Was ihm jedoch fehlt, ist strategischer Weitblick für radikale Veränderungsprozesse. Er erkennt nicht, dass sich mit der Drachenmutter Daenerys weit entfernt eine neue Bedrohung aufbaut, welche die Macht seiner Familie gefährden wird. Die Sieben Königslande sind wie ein Konzern, der sich um sich selbst dreht und die Konkurrenz an den Markt-Rändern nicht sieht oder ernst nimmt. So wie die alte Musikindustrie nach 2001 die Konkurrenz durch Apple nicht erkannt hat.

Viele Fans waren am Ende der letzten Staffel enttäuscht, weil Jon Schnee am Ende nicht den Eisernen Thron besteigt. Was sagt das über seine Führungsqualitäten aus?
Dass er genau weiß, was er will. Jon Schnee ist eine Führungskraft mit exzellenten Qualitäten: Er ist fachlich kompetent, hat klare Werte, ist vorbildlich tapfer, von entwaffnender Aufrichtigkeit und genießt daher das Vertrauen der Menschen. Aber er sagt eben auch mehrfach, dass er den Eisernen Thron nicht will. Denn er weiß, dass die damit verbundenen Aufgaben nicht sein Ding sind. Die alltäglichen Managementroutinen, diplomatische Geschicklichkeit, kommunikative Flexibilität - das sind Tyrions Stärken, aber nicht Jons. Wenn man eine Führungsaufgabe übernimmt, dann muss man es auch wollen. Man muss bereit sein, die Verantwortung mit allen Konsequenzen zu übernehmen. Jon will das nicht.

Gibt es so etwas wie die perfekte Führungskraft bei „Game of Thrones“?
Perfekt vielleicht nicht, aber wirksam: Manke Rayder, der König-jenseits-der-Mauer. Er vereint alle 14 Elemente von Führung, die wir unserem Buch beschreiben. Er hat eine Vision, sein Volk zu retten, vereint 90 zerstrittene Stämme, übernimmt Verantwortung, folgt verbindlichen Werten, kommuniziert klar, ist kompetent, konsequent, konfliktfähig und flexibel. Seine Untertanen knien nicht vor ihm, sie nennen ihn aber trotzdem König. Das ist echte Vertrauensmacht. Einziger Wermutstropfen: Manke Rayder bekommt zu wenig Sendezeit in der Serie. Wir hätten uns gewünscht, mehr von ihm zu sehen, weil er wirklich brillant ist als Führungskraft.



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