Kündigungen "Unternehmen behandeln Manager wie Sträflinge"

Wenn ein Manager gefeuert wird, muss er oft binnen Minuten das Unternehmen verlassen - damit er keine Gelegenheit hat, Material zu sichern und der Firma zu schaden. Eine Arbeitsrechtlerin plaudert aus dem Nähkästchen.

Wenn Manager entlassen werden, müssen sie oft unter Beobachtung ihren Schreibtisch räumen und das Gebäude verlassen. Quelle: Fotolia

Unternehmen behandeln die eigenen Leute von vornherein unfair – und können deshalb selbst keine Loyalität mehr erwarten. , Geschäftsführerin des Verbands Die Führungskräfte (DFK), schildert, was sie täglich erlebt: Dass Unternehmen ihre Mitarbeiter wie Führungskräfte austricksen – beispielsweise mit ungünstigen Arbeitsvertragsklauseln. Fallen sie in Ungnade, erniedrigen sie sie auch noch vor der ganzen Belegschaft und kochen sie weich.

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Heike Kroll: Wollen Unternehmen einen Manager loswerden, schrecken sie auch nicht davor zurück, ihn zu erniedrigen und vor der Belegschaft zu blamieren oder einfach vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Heike Kroll. Quelle: PR

Wie sieht das aus?

Da wird ein Manager, der sich bis dahin nichts zuschulden kommen ließ, aber eben gekündigt wurde, behandelt wie ein Sträfling. Es gibt immer wieder Fälle, in denen die Führungskraft nach Übergabe der Kündigung im Büro des Geschäftsführers oder des Personalers in sein Büro begleitet wird, wo er gleich seine persönlichen Habseligkeiten in einen Karton packen darf – natürlich unter Beobachtung. Anschließend wird er von zwei Leuten vom Wachdienst ans Werkstor begleitet. Unter den Augen der gesamten Belegschaft muss er unter Umständen mit seinem Karton in den Händen während der allgemeinen Arbeitszeit durch Werkshallen oder die Produktion laufen.

Zur Person

Die Situation ist megapeinlich und die Mitarbeiter tuscheln, die Gerüchteküche beginnt zu brodeln. Getoppt wird das nur noch mit dem gleichzeitigen Entzug des Dienstwagens, was man schlimmstenfalls erst am Ausgang draußen erfährt, um die Überraschung perfekt zu machen. Man darf dann schön am Werkstor auf sein Taxi warten.

Ist das gängige Praxis?

Noch häufiger kommt es vor, dass die Führungskraft nicht durch ein persönliches Gespräch mit dem Vorgesetzten oder der Personalabteilung, sondern über den Flurfunk oder durch eine interne Rundmail erfährt, dass ab dem Zeitpunkt xy Herr MüllerMeierSchulz die Abteilung, die er bis dato inne hatte, übernehmen wird. Der Mitarbeiter weiß zu diesem Zeitpunkt noch nichts von seinem Glück.

Welcher Typ Mitarbeiter als Erster gefeuert wird

Ist das früher weniger rücksichtslos abgelaufen?

Das Bewachen beim Einräumen der persönlichen Sachen im Büro mit der Begleitung durch den Werksdienst hat es bereits früher gegeben. Hier kann man fast eine schlichte Gleichung aufstellen: Je größer die Möglichkeiten, dem Unternehmen Schaden zuzufügen und je überraschender die Kündigung, umso mehr haben Unternehmen diesen Überrumpelungseffekt genutzt. Was sich aber in den letzten Jahren deutlich verändert und vervielfältigt hat, ist die Tendenz durch interne Kommunikation scheinbar vollendete Tatsachen zu schaffen. Damit hat man zumindest psychologisch einen Punkt Vorsprung.

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