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Terrassengespräch „Innovation hat nichts mit Glücklichsein zu tun“

Düsseldorfer Terrassengespräch Handelsblatt Media Group Quelle: Tim Frankenheim

Neue Technologien erfordern, dass Unternehmen sich neu erfinden. Wie das gelingen kann, war Thema des Düsseldorfer Terrassengesprächs mit Daimler-Kommunikator Jörg Howe und Innovations-Expertin Alissia Quaintance.

Die Automobilbranche befindet sich im Umbruch. Der Elektromotor gewinnt an Bedeutung, neue Technologien ermöglichen ortsunabhängiges Arbeiten und Skandale rund um Dieselmotoren und Abgasmanipulation erfordern so schnelle Reaktionen der Unternehmenskommunikation wie selten zuvor.

Beim Düsseldorfer Terrassengespräch des WirtschaftsWoche Clubs diskutierten Jörg Howe, Leiter der globalen Kommunikation bei Daimler, Alissia Quaintance, Expertin für digitale Innovation, und Frank Dopheide, Geschäftsführer der Handelsblatt Media Group, über Veränderungen in der Arbeitswelt.

Bestehende Systeme zu überarbeiten und alte Technologien abzuschaffen ist schwierig. Doch vor dem Wandel sollten Unternehmen sich nicht fürchten, sagt Jörg Howe. Er leitet die globale Kommunikation bei Daimler. Als der Verbrennungsmotor die Pferde abgelöst hat, schien die Neuerung auch bedrohlich. Wäre man damals bei den Pferden geblieben, hätte man gegen die Wettbewerber verloren, sagt er. Ebenso sei es in der Unternehmenskommunikation. Habe man vor einigen Jahren noch einmal am Tag Informationen an die Medien versandt, müsse man heute allzeit bereit sein, auf Entwicklungen und Nachrichten zu reagieren.

Während die technologischen Möglichkeiten rasant weiterentwickelt werden, verändert sich auch die Arbeitswelt. New Work, der Leitbegriff des Wandels, müsse niemanden verschrecken und dürfe nicht zu überstürztem Handeln anleiten, mahnt Howe. Die größte Herausforderung sei es, alle Mitarbeiter für den Wandel zu begeistern. Besonders ältere Mitarbeiter, die lange mit bestehenden Systemen gearbeitet haben, müssten erst einmal überzeugt werden. „Die älteren Mitarbeiter haben eine enorme Innovationskraft, wenn man ihnen zeigt, was sie mit ihrem Wissen bewirken können“, sagt Alissia Quaintance.

Da mit Innovationen auch das Abschaffen von hart erarbeiteten Prozessen einhergeht, macht der Wandel nicht immer nur Spaß. „Innovation hat nichts mit Glücklichsein zu tun“, sagt Quaintance. Den Wandel einfach nur mit bunten Büros und Open-Space-Flächen angehen zu wollen, sei der falsche Weg. „Jeder arbeitet anders“, erläutert Quaintance. „Einfach Neues aufzudrücken funktioniert nicht.“ Unternehmenskulturen müssen sich wandeln und Freiräume erst einmal ausprobiert werden. „Nicht jeder kommt mit Home-Office-Tagen klar“, sagt Quaintance. Es sei wichtig, dass alle Mitarbeiter den Wandel als langfristige Mission begreifen und kein Chef versuche, von heute auf morgen das ganze Unternehmen umzukrempeln. „Kultur muss sich wandeln und das braucht Zeit.“

Howe arbeitet schon seit zehn Jahren für Daimler. Die Möglichkeit von überall zu arbeiten betrachtet er mit Skepsis. „Mein Team muss oft körperlich anwesend sein“, ist er überzeugt. Auch von Führungsteams und demokratischen Entscheidungen hält Howe nicht allzu viel. „Man braucht eine Identifikationsfigur, die unterschreibt und den Kopf hinhält“, sagt er. Sonst fühle sich niemand verantwortlich, wenn ein Projekt scheitere.

Die Identifikationsfigur bei Daimler ist Dieter Zetsche. Sein persönlicher Wandel begann nach außen hin, als er plötzlich mit Turnschuhen und Jeans zur Arbeit kam. „Trotz aller Lockerheit bedeutet Führung, morgens als erster zu kommen und abends als letzter zu gehen, wenn es sein muss“, meint Howe. Auf die Frage, ob der CEO heutzutage unbedingt twittern müsse, sagt der Kommunikationschef: „Ein CEO muss nicht twittern, sondern eine Haltung haben.“ Nichts sei in Zeiten des Wandels wichtiger.

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