WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Wissenschaftler Joachim Schwalbach „Vorstände profitieren übermäßig vom Unternehmenserfolg”

Seite 2/2

„Zur Zeit entsteht dagegen eher der Eindruck, dass das Gehalt beliebig ist“

Wie genau sich das Gehalt zusammensetzt, wird aber doch auch von Vergütungsberatern in ausgeklügelten Verfahren berechnet.
Diese externen Vergütungsberater haben sicherlich die Komplexität der Vergütungssysteme und die Vergütungshöhe befördert. Es heißt zwar, sie seien unabhängig, aber wenn sie sagen würden, Vorstand X verdient zu viel, wären sie ihr Mandat ziemlich sicher los. Wie unabhängig kann man da sein? Momentan sind die Namen der Berater auch nicht im Vergütungsbericht genannt. Ich finde, das gehört zur Transparenz dazu.

Was wäre denn ein besseres Modell, um die Vorstandsetage zu bezahlen?
Die Leistung eines Vorstands kann man erst nach mehreren Jahren messen. Deshalb würde man ihnen am besten nur ein Fixgehalt zahlen, das dann natürlich wesentlich höher wäre als heute und erst beim Ausscheiden den Erfolg rückwirkend messen und Boni berechnen. Bei großen Investitionen könnte man auch erst abwarten, ob und wie sehr sie sich auszahlen und die Verantwortlichen dann gegebenenfalls belohnen.

Das wird bei den heutigen variablen Anteilen am Gehalt doch auch schon versucht.
Oft wird dabei aber nur auf den Aktienkurs geschaut. Steigt er, steigt auch der Bonus. Dabei können Vorstände die Börse eigentlich nur bedingt beeinflussen. Außerdem sind die Zeiträume, die für die Berechnung langfristiger Boni angeschaut werden, meistens zu kurz. So konnte es unter anderem dazu kommen, dass deutsche Autobauer die langfristige Entwicklung in Richtung Elektromobilität verschlafen haben, ihre Vorstände aber trotzdem sehr gut bezahlt wurden.

Was könnte noch helfen?
Es müssten auch nicht-finanzielle Kriterien eine Rolle bei der Bezahlung spielen. Zum Beispiel die Zufriedenheit von Kunden und Mitarbeitern - das sind die Kriterien, die für den Erfolg entscheidend sind. Oder - je nach Unternehmen - Umwelt- und Nachhaltigkeitskriterien und die Reputation.

Würde das auch die öffentliche Kritik an den Manager-Millionen dämpfen?
Damit könnten die Unternehmen auch jetzt schon besser umgehen. Die meisten reagieren auf die Kritik an hohen Vorstandsgehältern sehr defensiv. Ich verstehe das nicht. Warum sagen die nicht „Der hat die zehn Millionen verdient!“ und unterfüttern das mit Argumenten? Zur Zeit entsteht dagegen eher der Eindruck, dass das Gehalt beliebig ist.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%