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Mitarbeiter-Initiative Kindergarten im Büro

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Kindergarten der Kanzlei Rödl & Partner Quelle: Simon Koy für WirtschaftsWoche

Auf einen solchen Bewusstseinswandel müsse man „beharrlich hinarbeiten“, sagt Matthias Struwe, Pressesprecher und Vater. Auch wenn einen dafür der Argwohn der Kollegen trifft. Da wuchs unter den mittlerweile 20 engagierten Müttern, Vätern und Unterstützern ein ebenso funktionierendes wie abteilungsübergreifendes Netzwerk heran, das auch noch Spaß an der Sache und einen guten Draht nach oben hatte.

Die Kommunikationsabteilung von Rödl & Partner holten die Netzwerker im nächsten Schritt ins Boot. Sie pries intern und extern das Unternehmen als Vorbild für mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf an.

So schlugen sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Den Kollegen machten sie klar, dass Kinder auch aus Sicht der obersten Chefetage im Hause willkommen sind; die Chefs setzten sie unter milden Zugzwang, weil Rödl & Partner öffentlich für das Engagement gelobt wurde.

Nachdem auch Mitarbeiter anderer Niederlassungen Interesse angemeldet hatten, organisierten sie im Jahr 2000 in Nürnberg einen Workshop zum Thema. Auf einmal wurde Bedarf auch benannt. Geduld brauchten sie trotzdem noch: Die Stunde schlug, als das Unternehmen 2003 auf dem Firmengelände einen Neubau plante.

Die Rechtsanwältin Susanne Hierl erinnert sich: „Dann gingen wir rechtlich und pädagogisch ins Detail.“

Systematisch ermittelten sie: Für welches Alter fehlen den Nürnberger Mitarbeitern Betreuungsangebote? Für Babys und Kleinkinder bis drei Jahre für ältere gab es bereits Kindergärtenplätze in der Stadt.

Welcher externe Anbieter kann mit welchem guten pädagogischen Konzept eine Kinderkrippe führen?

Nach einigen Recherchen wurde das Bayerische Rote Kreuz als erprobter Betreiber identifiziert. Ebenso die optimalen und auch finanzierbaren Öffnungszeiten von 8.30 bis 17.30 Uhr.

Wie wird die Krippe finanziert? Rödl vermietet die Räume günstig an das Rote Kreuz, die Stadt subventioniert die Plätze wie üblicherweise bei Nürnberger Kindergärten, und die Eltern müssen Gebühren von rund 400 Euro im Monat für einen Vollzeitplatz überweisen.

Nach welchen Kriterien sollen die Plätze vergeben werden? „Danach, wer die Haupterziehungslast des Kindes trägt oder wer ohne eine Krippe gar nicht erst arbeiten kann“, sagt Carola Seifried.

Das Unternehmen übernimmt zwar keine Kinderbetreuungskosten, bietet den Mitarbeitern aber an, eine Gehaltserhöhung als Zuschuss zur Kinderbetreuung auszuzahlen. Der Charme des Konzepts: Auf den Zuschuss muss der Mitarbeiter keine Steuern zahlen. Zudem entfallen für ihn und das Unternehmen die Sozialabgaben.

Inzwischen turnen im Schnitt 14 kleine Jungen und Mädchen durch die Kinderkrippe. Die Erfahrung nach drei Jahren: Die Frauen kommen öfter nach einer Geburt zurück an den Schreibtisch, statt das Unternehmen zu verlassen. „Und auch immer mehr Väter nutzen die Möglichkeit“, sagt Mitinitiatorin Bonenberger.

Derweil denken die cleveren Netzwerker längst weiter. Denn eine Krippe allein gewährt noch nicht auf Dauer die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Um das langfristig zu sichern, brauchen wir Teilzeitmodelle für alle Mitarbeiter, übrigens auch in den Führungsetagen“, sagt Bonenberger – und lächelt fein: „Karrierechancen kann man doch nicht ernsthaft daran koppeln, wie lange Licht im Büro brennt!“

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