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Debatte Frauenquote: Nützliches Instrument oder Männerdiskriminierung?

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Elke Holst, DIW-Forschungsdirektorin

Elke Holst

"Führungspositionen werden sinnvollerweise immer nur mit geeigneten Personen besetzt. Bislang nutzt Deutschland hier nicht sein Potenzial. Dies zeigt sich auch daran, dass es bisher nur wenige Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft geschafft haben. Jetzt zu behaupten, dass mehr Frauen in Führungspositionen eine Diskriminierung von Männern darstellen würde, ist vollständig falsch. Es geht um die Zukunftsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft und damit auch um die Zukunft von Männern. Damit unser Wohlstand gesichert ist, können wir es uns nicht leisten, vorhandene Ressourcen ungenutzt zu lassen. 

Eigentlich sollte die Frauenquotendiskussion überflüssig sein, sind doch mittlerweile weit über die Hälfte der StudienabsolventInnen Frauen, vielfach mit besseren Noten als Männer. Und auch in exponierten Positionen zeigen Frauen, dass sie führen können. Wirtschaft und Politik sind seit langem für mehr Frauen in Führungspositionen und auch im Koalitionsvertrag der Regierungsparteien wurde genau dieses Ziel vereinbart. Doch wenn wir die Realität anschauen geht es – wenn überhaupt nur schleppend voran, das gilt insbesondere für große Unternehmen. Auffallend ist, dass selbst im Finanzsektor, in dem über die Hälfte der Beschäftigten weiblich sind, Frauen an der Spitze kaum vorkommen.

Mit der expliziten Berücksichtigung von Frauen bei Bewerbungen, Einstellungen und Beförderungen geht es um die Nutzung von Talenten und deren Einsatz im Unternehmen. Sollten eingetretene Pfade das nicht ausreichend ermöglichen, sind mehr Offenheit und Kreativität gefragt. Freiwillige Selbstverpflichtungen haben bisher vor allem in den großen Unternehmen nicht wesentlich weitergeholfen. Die Frauenquotendiskussion ist eine Reaktion hierauf. "

Rainer Scherzl, Unternehmer, Dresden

Abschaffen von Ungerechtigkeiten hat immer und auch in demokratischen Systemen ihren Preis. Der ist im Allgemeinen, dass der Profiteur existierender Ungerechtigkeit einen Teil seiner Pfründe zugunsten der situativen Verbesserung opfern muss. Und zwar jeder und ausnahmslos, denn nur so kann sich ein System von seine Unzulänglichkeiten befreien.

Sollten nun durch die Frauenquote männliche High-Potentials ausgebremst werden, sind das die erforderlichen Opportunitätskosten für Unternehmen wie Gesellschaft. Hätten diese Herren nicht ihre herausragende Kompetenz dazu nutzen können, die Bedingungen für hochqualifizierte Frauen zu verbessern, um zu verhindern, dass die „Wahl“ Kind oder Karriere nicht zu einer Malus-Entscheidung wird? Nein, haben sie nicht.

Oder haben sie etwas Sinnvolles gegen den familienbedingten Abgang von weiblichen Leistungsträgern in Unternehmen unternommen? Nein, haben sie nicht! Aber dafür darf ein Manfred Gentz verkünden dass:“...viele Frauen auf der Strecke...bleiben ..., weil ihnen Familie wichtiger ist.“ Als Mann schäme  mich für so viel Dummheit, gepaart mit chauvinistischer Igno-Arroganz.

Was sagen Sie? Ist die Frauenquote ein notwendiges Instrument zu mehr Gleichberechtigung in den Chefetagen oder nur eine neue Form der Diskriminierung? Wir sind auf Ihre Ansichten gespannt.

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