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  4. Designer Werner Aisslinger: Wie die Nomos Glashütte „Autobahn“ entstanden ist

Designer Werner Aisslinger„Ich will ikonisches Autodesign in die Uhrenwelt transferieren“

Das Designstudio Aisslinger hat Hotels eingerichtet, Möbel für Unternehmen wie Rolf Benz oder das Foyer von Universal Music gestaltet. Werner Aisslinger über die Besonderheiten, eine mechanische Uhr zu gestalten.Thorsten Firlus 21.03.2018 - 17:00 Uhr

Designer Werner Aisslinger und Tina Bunyaprasit.

Foto: PR

WirtschaftsWoche: Herr Aisslinger, Sie arbeiten seit vier Jahren an dem neuen Modell für die Marke Nomos. Was haben Sie in der ganzen Zeit getan?
Werner Aisslinger: Als Künstler bewegen wir uns immer im Spannungsfeld zwischen Ingenieurswesen und Ästhetik. Der 100-Prozent-Anspruch des Gestalters trifft auf die Einschränkungen durch die Produktion. Das Zusammenspiel von Gehäuse und Zifferblatt, mit engen Toleranzen, ergibt spannende und komplizierte Schnittstellen zwischen den Uhrmachern und uns Gestaltern. Da geht es um hundertstel Millimeter, zum Beispiel bei Abständen zwischen Zeiger-Ende und Saphirglas. Das ist dann schon ein Ping-Pong-Spiel zwischen allen Beteiligten.

Und das dauert so lange?
Wir haben schon viele Projekte aller Art gemacht, die so lange dauern. Das ist nicht unüblich. Am schnellsten geht es vielleicht bei Möbeln, wo man nach einem halben oder dreiviertel Jahr etwas fertig hat, das man zumindest auf einer Messe präsentieren kann. In diesem Fall haben wir aber ja nicht nur ein Uhrenmodell entworfen, sondern die technische Entwicklung vollständig mit einbezogen. Am Anfang ist man als Designer noch sehr in der Führung, später, wenn die Ingenieure übernehmen, wird man eher zum Consultant und verändert vielleicht nur noch Kleinigkeiten. Das Zifferblatt ist recht aufwändig in der Herstellung, das musste zum Beispiel mit den Lieferanten geklärt werden. Die müssen ja auch sagen: Kriegen wir hin.

Ihr Büro ist vor allem bekannt für Möbel und Innenarchitektur. Wie kam die Zusammenarbeit mit Nomos überhaupt zustande?
Nomos schreibt sich „Made in Erzgebirge“ und „Made in Germany“ auf die Fahnen. Die unternehmenseigene Agentur Berliner Blau, die die Kreativarbeit für die Marke macht, hat in der Vergangenheit immer wieder mit Designern zusammengearbeitet. Auch das erste Modell, die „Tangente“, stammt von einer Designerin. Nomos will wohl zeigen, dass die Uhren aus Deutschland kommen und diesen Blickwinkel in die Welt tragen. Wir haben schon mal eine Uhr mit Quarzwerk gemacht. Das ist für uns also keine Premiere gewesen, wenngleich dies die erste mechanische Uhr ist, also weitaus komplexer in der Gestaltung.

Die Nomos Glashütte „Autobahn“ aus der Feder von Werner Aisslinger.

Foto: PR

Was macht denn den Unterschied für ihre Arbeit, wenn es ein mechanisches und kein Quarzwerk ist?
Das Automatikwerk wurde zwar nicht für unsere Uhr entwickelt, aber parallel dazu. Es gab dann immer mal neue abweichende Maße, die wir berücksichtigen mussten. Mal wurde es flacher, dann änderten sich andere Dimensionen. Es sollte schließlich kompatibel mit anderen Uhren sein. Außerdem gibt es den Datumsring, der für Nomos typisch ist, der den Wochentag unten anzeigt, statt wie sonst üblich rechts.

Wie groß war denn Ihr Gestaltungsspielraum?
Alle Beteiligten mussten überlegen, ob unser Entwurf nah genug am Markenkern von Nomos ist. Ist das der Markenkern von Nomos? Erfüllt unser Entwurf die Erwartungen von Händlern und Kunden? Diese Fragestellung haben wir mit jedem Unternehmen, mit dem wir zusammenarbeiten. Wenn das Ergebnis ein Satellit wäre, der schräg in der Umlaufbahn schwebt, dann wäre das sicher falsch. Es darf auf der anderen Seite nicht so sein, dass unsere Uhr die bereits bestehenden kannibalisiert. Wir können nicht die 23. Tangente machen. Idealerweise ergänzt sie das bestehende Portfolio und spreizt das Spektrum. Unsere Uhr könnte unter Umständen auch Kunden ansprechen, die sonst mit anderen Marken liebäugeln.

Rolex: GMT-Master

Als Modell "126710 BLRO" stellt Rolex ein Modell vor, dass dank seines Farbverlaufs auf der Lünette auch den Zusatz "Pepsi" liebevoll von den Fans der Marke angehängt bekommen hat. Einst als Weißgoldversion kommt sie nun in Stahl auf den Markt.

Foto: PR

Hublot Big Bang Unico Red Magic

Öfter mal auffallen – mit einer weiteren Version ihrer Big Bang bietet die Marke Hublot ein auffälliges Modell. Gefärbte Keramik mit der Haltbarkeit von Metall.

Foto: PR

Patek Philippe: Reference 5531R

Hinter dem prosaischen Kürzel verbirgt sich eine Uhr, die dem Weltreisenden die Zeitzonen anzeigt. Und wenn er möchte, schiebt er den Hebel links am Gehäuse und es ertönen per Klangfedern die Stunden und Minuten - der sogenannten Minutenrepetition.

Foto: WirtschaftsWoche

Nomos Glashütte „Autobahn“

Sportlichkeit soll das Modell im Design von Werner Aisslinger ausdrücken.

Foto: PR

Schwarz Etienne Roswell 08

Roswell – richtig, jener Ort, in dem angeblich das Ufo gelandet sein soll im Juni oder Juli 1947. Ganz irdisch jedoch die Funktion des Modells von Schwarz Etienne – Mikrorotor und eine auffällige Datumsanzeige. In grün. Wie in „kleine grüne Männchen“.

Foto: PR

Chopard Happy Sport

Sport macht glücklich – diese hier die etwaige Besitzerin unter Umständen sogar ohne, dass sie sich bewegen muss. Das hingegen tun die kleinen Diamanten im Zifferblatt. 25 Jahre wird das Modell alt.

Foto: PR

Ferdinand Berthoud Chronomètr FB-1R.6-1

Die Uhrzeit ablesen zu können – ein nicht selten kleines Ratespiel bei kreativen Uhrmachern. Der große dünne Zeiger zeigt die vielleicht unwichtigste Einheit an – die Sekunden. Die Minuten finden sich oben in dem kleinen Kreis, die Stunden muss der Betrachter oben rechts im kleinen Fenster suchen.

Foto: PR

Blancpain Villeret Quantième Complet GMT

Der GMT-Vollkalender zeigt von innen nach außen betrachtet an: Tag, Stunde, 24h-Skala, Wochentag und Monat. Angetrieben von einem Uhrwerk, dessen Unruhspirale aus Silizium statt wie üblich einer Metalllegierung gefertigt wurde.

Foto: PR

Corum: Golden Bridge Rectangle Joachim Horsley

Die Uhr zum Klavier oder die Spieluhr zur Uhr? Die Metallverzierungen auf der geraden Brücke im Zifferblatt stellen einen Auszug der Originalpartitur von Beethovens 7. Sinfonie dar. Die Spieluhr wiederum lässt drei eigens komponierte Melodien erklingen.

Foto: PR

Kerbedanz: Maximus Ultra-Precision

Wer meint, es ginge im Uhrenbau immer nur um Miniatisierung – nicht bei diesem Modell, das sich rühmt den weltweit größten Tourbillon zu beinhalten. Der Träger sollte bei einem Gehäusedurchmesser von 49 Millimeter eine entsprechende Statur besitzen.

Foto: PR

Angelus: U50 Diver Tourbillon

Wenn man so als Sättigungstaucher beruflich in der Tiefsee unterwegs ist, um vielleicht auf rund 200 Meter Wassertiefe etwas zu schweißen – dann ist es doch schön zu wissen, dass man nicht auf seine mechanische Uhr verzichten muss, die in der Umkleide sicher nur gestohlen würde. Die U50 ist eine Taucheruhr, die dank eines Heliumventils auch diesen Profitauchern ein Modell an die Hand gibt.

Foto: WirtschaftsWoche

Maurice Lacroix: Aikon

Das Modell Aikon ist ein Entwurf aus früherer Zeit, den die Marke nun mit einem mechanischen Uhrwerk neu auflegt. Es kommt eben alles wieder. Auch in der Uhrenmode.

Foto: WirtschaftsWoche

Rolex: Oyster Perpetual Cosmograph Daytona

Rolex hübscht die Daytona auf: Die neueste Version des legendören Chronographen hat ein 40 Millimeter großes Gehäuse in Roségold und trägt 56 Diamanten. Zudem zieren die Lünette anstelle einer Tachymeterskala nun 36 Saphire.

Foto: PR

Greubel Forsey: Quadruple Tourbillon

Die Notwendigkeit eines einzigen Tourbillons für eine Armbanduhr ist vielen Laien schon nicht leicht zu erklären – stammt die Technik doch aus der Welt der Taschenuhren, die die meiste Zeit aufrecht verharrten und von dem sich um sich selbst drehenden Bauteil profitierten, das so die Schwerkraft ausgleicht. Warum eines, wenn man vier haben kann? In einer Armbanduhr? Weil es geht. Greubel & Forsey können das und zeigen es erneut.

Foto: PR

Schlumpf: Zeitmaschine

Nicht jede Uhr auf der Baselworld ist für das Handgelenk gedacht. Die Zeitmaschine Schlumpf macht an der heimischen Wand die Funktion sichtbar.

Foto: PR

Breitling: Navitimer 8

Neuer Besitzer der Marke, neuer CEO, neue Modelle. Die Navitimer 8 von Breitling.

Foto: PR

Wieso heißt die Uhr „Autobahn“?
Das war der Arbeitstitel. Es war nicht von Anfang an klar, dass die Uhr etwas mit Autos zu tun haben muss. Meine Design-Partnerin Tina Bunyaprasit und ich haben von Anfang an versucht, Stimmungen zu finden, in die man das Projekt einsortieren kann. Wenn man – wie ich – im Schulbus sieben Jahre lang Autoquartett gespielt hat, dann ist man 30 Jahre später noch Autofan. Man ist in diesem Autodeutschland groß geworden und Autos waren immer was Tolles.

Auch heute noch?
Ich hatte zwei Oldtimer – einer wurde mir geklaut. Ich habe also eine Affinität zu Autos – wenn auch nicht unbedingt zum Fahren, aber zur Ästhetik. Das Autodesign hat etwa 1985 aufgehört, interessant zu sein. Die Autos, die man schön findet, sind in der Regel älter. Aber ich habe mich für Details interessiert wie Verformungen des Kotflügels. Und es ging uns darum, diese klassischen Details aufzugreifen. Bei einem 300SL oder Porsche 911 findet man viele Details noch Jahrzehnte später gut. Wir wollten diese Ästhetik übertragen, ohne dass es nach einem Auto aussieht. Man versucht das Archetypische, das Immerwährende aus diesen ikonographischen Autos in die Uhrenwelt zu transferieren.

Uhren

Mechanik für die Massen

von Thorsten Firlus

Dem Laien erschließt sich das nicht so auf Anhieb. Vielleicht noch, dass das Ziffernblatt am Rande ein wenig an einen Tacho erinnert...
Das ist auch so. Es ging auch um das Thema Messgerät. Das angeschrägte Zifferblatt – ob man das als Steilkurve sieht oder als formgeberisches Stilmittel bleibt dem Betrachter überlassen.

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