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Präsentation: Klammern Sie sich nicht an die Folien zu ihrem Vortrag Quelle: imago images

Improvisieren trotz Powerpoint: So wirbeln Sie lässig durch die Folien

Aus Angst, auf der Bühne den roten Faden zu verlieren, zementieren viele den Ablauf in den Folien. Und würgen so ihr Improvisations-Talent ab. Auf Kosten ihrer Überzeugungskraft. Schwimmen Sie sich frei! So geht’s.

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Unser Kolumnist Marcus Werner ist Fernsehmoderator und Buchautor und arbeitet als Berater für Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung.

Die Idee, die hinter einer Präsentationssoftware steckt, ist aller Ehren wert: Am Schreibtisch entwerfen Sie Ihre richtig kleine Multimedia-Show mit Grafiken, Fotos, Videos, mittlerweile sogar mit direkten Feedback-Werkzeugen für das Publikum und mit eingebetteten Live-Schalten für Statements von draußen.

Die Herausforderung für uns alle ist, bei einem solch überbordenden Angebot cool zu bleiben. Machen wir uns klar: Von unserem Anliegen, mit dem wir vor das Publikum treten, überzeugt niemand so gut, wie wir selber. Mit Leidenschaft, Charakter, Herz und mit Energie vorgetragenen Argumenten. Powerpoint, Keynote und all die anderen Programme sind nur unsere raffinierten Helfer.

In der Praxis aber unterwerfen sich viele den faszinierenden Möglichkeiten der Präsentationsprogramme: Warum nicht hier noch der Vollständigkeit halber eine Überschrift mit Unter-Überschrift und Spiegelstrichen? Warum nicht noch das kleine Videoschnipselchen, wenn es doch schon existiert? Und diese witzigen Animationen!

Die Wirkung ist kontraproduktiv: Je überladener die Folien, desto kleiner wirken die Rednerinnen und Redner. Wie lebendes Beiwerk am Rande der Leinwand.
Das nur gefühlt Angenehme daran ist: Der Fokus liegt nicht mehr so sehr auf Ihnen, wie Sie da stehen. Das zu spüren, senkt das Lampenfieber. Aber dafür, dass alle an Ihnen vorbei gucken, sind Sie ja nicht auf die Bühne getreten.

So selbstbewusst dürfen Sie schon sein: Im Sinne der Sache gehören Sie in den Fokus. Weil Sie besser überzeugen.

Und das tun Sie am besten, wenn Sie sich mit Ihrem Vortrag so richtig wohl fühlen.
Was aber liegt vielen vor dem Auftritt auf der Seele?

„Hoffentlich funktioniert die Technik!“ Allein diese Befürchtung zeigt schon, wie Powerpoint und Keynote uns innerlich blockieren können. Ein Thema für sich. Außerdem für viele bedrückend: „Steige ich noch durch meine geplante Dramaturgie durch?“

Und spätestens jetzt laufen viele Rednerinnen und Redner ihrem Präsentationsprogramm geradewegs in die emotionale Falle.

Es ist eine unheilvolle Abwärtsspirale in die komplette Lähmung: Weil sie aus Sorge, auf der Bühne den roten Faden zu verlieren, eben diesen fest in die Struktur der Präsentation einweben, um sich später dran zu klammern, liefern sich viele Rednerinnen und Redner ihren Folien mit Haut und Haar aus. Sie kleben an dem, was erscheint, wenn sie auf den Weiter-Knopf drücken. Mit der Haltung: „Geht ja nicht anders. Es steht ja da, was jetzt dran ist.“
Und würgen so jede Möglichkeit ab, spontan die Struktur ihrer Rede zu verändern, obwohl sie dadurch besser würde. „Wenn ich jetzt was einschiebe, wenn ich jetzt etwas vorziehe, dann ist meine ganze Dramaturgie futsch.“

Und das stimmt nicht!

Futsch ist die Foliendramaturgie, ja. Aber in Ihrem Kopf entsteht vielleicht ein ganz neuer faszinierender Gedankenkomplex, der genau zu Ihrer Bühnen-Gefühlslage passt. Weil Sie im Flow sind, weil Sie die Reaktionen des Publikums spüren und merken, worauf es anspringt, was es umtreibt. Genau diese Momente entwickeln schon mal ihre ganz besondere Magie.

Und die Dramaturgie in Ihrem Kopf kennt ja niemand. Egal, dass dann etwas von Ihren vorbereiteten Ideen wegfällt. Egal, dass der rote Faden plötzlich anders verläuft, eine Schleife macht und neue spontane Elemente einbindet. Wenn Ihr Vortrag dank Ihres Bauchgefühls und der Freude am Improvisieren auf die Chancen des Moments reagiert, wird es oft viel besser.

Solche Momente, auf die Sie reagieren können sind:

  • Fragen aus dem Publikum
  • Gemurmel
  • provokante Zwischenrufe
  • Lachen über Ihre Pointen oder an von Ihnen unerwarteten Stellen
  • Applaus
  • Erlebnisse und Gespräche in der Mittagspause
  • eigene Geistesblitze mitten im Reden

Gebremst werden Sie in Ihrem Impro-Vergnügen dann allein durch das Korsett, dass Sie sich mittels der Folien selber auferlegt haben. Fragen springen auf wie:
„Passt das jetzt noch zu dem, was da steht?“
„Komme ich jetzt durcheinander, wenn ich den aus dem Publikum angesprochenen Aspekt schon jetzt spontan aufgreife, obwohl ich den später noch anders behandeln wollte?“
„Enttäusche ich, wenn ich im Inhaltsverzeichnis in Aussicht gestellte Aspekte wegen meines Exkurses zeitlich nicht mehr schaffe?“

Das Gute ist: Es wäre eben nur die Foliendramaturgie futsch. Nicht die in Ihrem Kopf. Die Lösung fürs Improvisieren lautet also:

Nehmen Sie die Dramaturgie aus den Folien! Damit SIE allein jederzeit über die Dramaturgie Ihres Vortrags herrschen können.

1. Kein Inhaltsverzeichnis vorab!

Allein schon, um das Publikum neugierig zu halten, sollten Sie das Inhaltsverzeichnis weglassen (in Fernsehserien wird vorab auch nicht alles verraten, was kommt). Wenn Sie flexibel sein wollen, gilt erst recht: Die Struktur bleibt Ihr Geheimnis. Nageln Sie sich nicht selber fest.

2. Weg mit den Nummerierungen!

Wenn Sie nach Rezept backen und irgendwann heißt es: „Heben Sie nun den Eischnee unter“, dann ist es Ihnen doch völlig egal, ob dies Arbeitsschritt 6 oder 7 ist. Der Eischnee muss halt jetzt rein.
Genauso geht es auch Ihrem Publikum. Es klebt Ihnen an den Lippen. Ob Sie schon bei Punkt III. 4 d. von insgesamt fünf Punkten sind, ist vielleicht für Sie und Ihr Zeitmanagement spannend, aber nicht für die anderen.

Wenn Sie dann aber spontan hin- und herspringen wollen, erzeugen Sie ganz unnötig das Gefühl beim Publikum, dass bei Punkt IV 4 a vor Punkt II 3 c irgendwas nicht stimmen kann. Weil Sie scheinbar eine sichtbar festgezurrte Ordnung zerstören. Dass dies für den Erfolg Ihrer Rede egal ist, kann niemand wissen. So erzeugen Sie Chaos in den Köpfen. Durchziehen Sie Ihre Folien also nicht mit Gliederungspunkten. Und entfesseln Sie Ihre Improvisationsfreiheit.

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3. Brauchen Sie dazu wirklich eine Folie?

Sie ziehen nach kurzer Abwägung spontan etwas vor, was Sie eigentlich erst später erwähnen wollten (etwa weil jemand etwas Provokantes reinruft und Ihnen damit in die Parade fährt und Sie die allgemeine Irritation schnell beseitigen wollen). Fragen Sie sich: Geht das jetzt nicht auch ohne die vorbereitete Folie? Das Gute daran wäre, dass Sie nicht durch Ihre Folien springen müssen. Und es wirkt unglaublich souverän, wenn Sie sich spontan von den Folien lösen, um aus dem Stegreif mit guten Argumenten auf Einwürfe zu reagieren.

4. Üben Sie das Folien-Springen.

Statt zu sagen: „Sehr gute Frage, da komme ich in ungefähr fünfzehn Minuten zu“, wollen Sie spontan die kritische Frage aus dem Publikum entkräften und brauchen dafür unbedingt die dazu passende Folie. Dann springen Sie vor.

Wenn Sie nun aber tack-tack-tack jede einzelne Folie vor aller Augen durchforsten, und schon erkennbar machen, dass noch hübsche Bilder und Grafiken kommen werden, geben Sie schnell zu viel preis. So ist das nun einmal mit diesen Folien.

Nutzen Sie am besten die Folienvorschau im Präsentationsmodus und suchen Sie da die Folie raus. Die Präsentation zu verlassen, um dann im Bearbeitungsmodus für alle sichtbar im Dokument herumzuwühlen, wirkt schnell entzaubernd.
Überprüfen Sie vorher, ob Sie sich in den Folien gut zurecht finden, wenn Sie sie schnell durchblättern. Und keine Hemmung vor kleinen Schweigepausen. Sagen Sie: „Guter Einwand, gucken Sie mal, genau dazu habe ich was.“ Und dann suchen Sie in aller Ruhe die passende Folie. Entschuldigungen und Bitten um Geduld sind höflich aber auch unnötig. Immerhin stellen Sie ja dem Publikum zuliebe spontan Ihre Struktur um. Dafür verdienen Sie Anerkennung.

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5. Kein Drang zur Vollständigkeit

Wenn Sie das Inhaltsverzeichnis weglassen, weiß niemand, was rausfällt und was spontan dazugekommen ist. Es zählt allein: Wie überzeugend ist Ihr Vortrag? Deshalb: Weinen Sie nicht mühevoll vorbereiteten Grafiken oder Filmchen nach. Denken Sie zufrieden an das, was spontan dazugekommen ist und Ihre Überzeugungskraft gesteigert hat.

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Manchmal punktet man am besten mit dem, was keine Sekunde Bastelei am Schreibtisch erfordert hat. Pressen Sie also nicht noch alles rein, was Sie in petto haben. Sondern überlegen Sie, ob Nachgeschobenes den Glanz vorangegangener Improvisationsmomente nicht konterkariert.
Hier zählt Ihr ganz entspanntes Improvisations-Bauchgefühl. Viel Erfolg!

In seiner Kolumne gibt Marcus Werner Tipps für Ihren Berufsaufstieg. Ob Rhetorik, Präsentationen oder Körperhaltung: wie Sie den Büroalltag überstehen und im Job vorankommen. Hier finden Sie alle bereits erschienenen Texte.

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